Dragon Lady

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Der Ausdruck Dragon Lady (englisch für „Drachen-Dame“) bezeichnet ein vor allem im US-amerikanischen Bereich verbreitetes kulturelles Stereotyp, das ostasiatische Frauen als verführerisch und begehrenswert, jedoch zutiefst verräterisch charakterisiert. Mit ihrer Gefährlichkeit und ihrem Hang zu Hinterlist, Intrige, Verrat und Sabotage bildet die Dragon Lady das weibliche Gegenstück zu männlichen asiatischen Verbrechertypen wie z. B. Dr. Fu Manchu. Im Gegensatz zu diesen schaltet sie ihre männlichen weißen Gegner freilich mit anderen Mitteln aus: mit Verführung, Hypnose oder Erschleichung von Vertrauen, das sie in dem Augenblick bricht, in dem ihr Opfer es am wenigsten erwartet. Während männliche Film-Asiaten meist als impotent, pervers oder gänzlich asexuell dargestellt werden, zeichnen sich die asiatischen Frauen im Gegenteil durch ein Übermaß an Sex aus.

Eine Besonderheit des Stereotyps der Dragon Lady, die es von dem der Femme fatale bzw. des Vamps unterscheidet, besteht darin, dass es heute mit dem Vorurteil zusammenfällt, Asiatinnen seien – im Gegensatz zu westlichen Frauen – passiv, anschmiegsam und gehorsam (siehe auch: China Doll). Das männliche Opfer wird somit umso drastischer und mit stärkeren traumatischen Folgen getäuscht.

In Deutschland ist dieses Stereotyp u. a. aus James Bond-Filmen wie Man lebt nur zweimal und Der Morgen stirbt nie bekannt. Eine erhebliche Verbreitung fand es in amerikanischen Kinofilmen jedoch schon seit den 1920er Jahren, besonders in den Filmen mit Anna May Wong, die 1931 in dem Film „Daughter of a Dragon“ als Tochter des Superkriminellen Fu Manchu eine typische Dragon Lady spielte. Im Action-Genre (z. B. Kill Bill oder in der Comic-Verfilmung Sin City) besteht das Stereotyp bis in die Gegenwart fort. In modernen Filmen greift die Dragon Lady – was bis dahin den männlichen Figuren vorbehalten war – auch zu den Techniken fernöstlicher Kampfkunst.

In den meisten Fällen stirbt die Dragon Lady im Laufe der Filmhandlung.

Kultureller Hintergrund[Bearbeiten]

Zu interpretieren ist das Stereotyp der Dragon Lady weitgehend vor dem Hintergrund des amerikanischen Rassismus, besonders des anti-chinesischen Rassismus, der in den USA mit dem Beginn der chinesischen Einwanderung in Kalifornien (Goldrausch von 1848) entstand und 1882 mit dem Chinese Exclusion Act sogar gesetzlich festgeschrieben wurde. Die amerikanischen Einwanderungsgesetze – besonders das am 3. März 1875 in Kalifornien verabschiedete Page Law – erschwerten chinesischen Immigranten damit bis ins 20. Jahrhundert hinein den Nachzug ihrer Ehefrauen, weil chinesischen Antragstellerinnen grundsätzlich unterstellt wurde, der Zweck ihrer Einreise in die USA bestehe darin, sich dort zu prostituieren.

Weblinks[Bearbeiten]