Dragqueen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Dragqueen ist ein Mann, der in künstlerischer oder humoristischer Praktizierung von Travestie durch Aussehen und Verhalten eine Frau darstellt. Das Gegenstück dazu ist ein Dragking.

Beschreibung[Bearbeiten]

Minstrel-Künstler in Damenkleidung, um 1855

Eine Dragqueen trägt meist sehr weibliche Kleidung, kunstvolles Makeup, Schuhe mit hohen Absätzen und ausladende Perücken. Dragqueens sind vornehmlich in der Schwulenszene der Großstädte zu finden. Bei politischen Umzügen und Festen wie dem in vielen Großstädten stattfindenden Christopher Street Day treten Dragqueens auch für die szenefremde Bevölkerung in Erscheinung. Eine Dragqueen spielt ihre Rolle nicht nur um aufzufallen, sondern versucht, die Rollenbilder „Mann“ und „Frau“ durch Übertreibung ad absurdum zu führen.

Viele Dragqueens sehen in ihrem Auftreten ein sozialpolitisches Statement: Sie zeigen der Gesellschaft auf, dass es innerhalb des heteronormativen bipolaren Geschlechtersystems (Mann-Frau) auch eine Art Drittes Geschlecht gibt. Somit sind viele Dragqueens der Vergangenheit und Gegenwart nicht nur schrille Diskoqueens, sondern fungieren als Galionsfigur in der Homosexuellenbewegung. Mit der Lebenseinstellung „Dragqueen“ nah verwandt ist die Travestie. Ein Beruf, gleichzusetzen mit den früheren Damenimitatoren.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Dragqueen entstand wahrscheinlich aus dem britischen Slang um die Jahrhundertwende und beschrieb effeminierte Homosexuelle in weiblicher Kleidung. Etwas später gesellte sich der Begriff Dragking als Bezeichnung für meist lesbische Frauen in typisch männlicher Kleidung hinzu.

Früher war mancherorts Frauen das Auftreten auf Bühnen noch verboten; Schauspieler verkleideten sich bei Bedarf als Frauen.[1] Laut einer Legende schrieb William Shakespeare an den Rand seiner Bühnenanweisungen Drag, wenn ein Mann als Frau verkleidet auftreten sollte. Deshalb wird der Begriff „Drag“ oft noch als „dressed as a girl“ (etwa: „als Mädchen gekleidet“) interpretiert (und analog bei „Dragking“ als „dressed as a guy“ (als Mann gekleidet)).

Als wahrscheinlicher gilt die Definition des englischen Wortes „drag“ als „schleppen“ wegen der Schleppe an langen Kleidern. – Im Englischen hat sich (anspielend auf die oft sehr aufwändigen, pompösen Kostüme und das auffällige Makeup) der Begriff „doing drag“ als Bezeichnung für jemanden eingebürgert, der mit der Kleidung seine Geschlechterrolle wechselt.[2]

Bekannte Dragqueens[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Eine der bekanntesten deutschen Dragqueens ist Olivia Jones alias Oliver Knöbel. 2004 kandidierte er für die Hamburgische Bürgerschaft und erzielte 0,5 % der Stimmen.

International[Bearbeiten]

Kinofilme mit Dragqueens[Bearbeiten]

Musikvideos mit Dragqueens[Bearbeiten]

Dragqueens beim Gay Pride in Brasilien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dies wird z.B. im Film Shakespeare in Love thematisiert
  2. Johannes Jakob Arens: Tanzmariechen und Trümmertunte. Transgressionen von Geschlechtergrenzen im öffentlichen Raum Kölns In: Bilder. Bücher. Bytes. Zur Medialität des Alltags, 2009, S. 522

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drag queen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien