Drama (Stadt)

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Gemeinde Drama
Δήμος Δράμας (Δράμα)
Drama (Stadt) (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Ostmakedonien und Thrakien
Regionalbezirk: Drama
Geographische Koordinaten: 41° 9′ N, 24° 8′ O41.15138888888924.139166666667Koordinaten: 41° 9′ N, 24° 8′ O
Fläche: 833,01 km²
Einwohner: 58.944 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 70,8 Ew./km²
Sitz: Drama
LAU-1-Code-Nr.: 520100
Gemeindebezirke: 2 Gemeindebezirke
Lokale Selbstverwaltung: f124 Stadtbezirke
11 Ortsgemeinschaften
Website: www.ota.gr/drama/
Lage in der Region Ostmakedonien und Thrakien
Datei:2011 Dimos Dramas.svg

f9f10f8

Drama (griechisch Δράμα [ˈðrama] (f. sg.)) ist eine Stadt in Nordgriechenland. Sie ist Hauptstadt des Regionalbezirks Drama in der Verwaltungsregion Ostmakedonien und Thrakien.

Herkunft des Namens[Bearbeiten]

Zur Etymologie des Toponyms Drama existieren unterschiedliche Auffassungen. Vielfach wurde Drama mit der bei Thukydides erwähnten Stadt Drabēskos (griechisch Δράβησκος) identifiziert, das von dor. draō (δράω) ‚sehen‘ hergeleitet wurde und etwa ‚Ort mit Ausblick‘ bedeuten würde. Eine weitere Theorie leitet den Namen von dy-rema her, zu dyō (δύω) ‚zwei‘ und rheō (ῥέω) ‚fließen‘, was eine durch einen Fluss in zwei Hälften geteilte Stadt bezeichnen könnte. Meist wird eine Herkunft aus griechisch hydōr ὕδωρ bzw. hydr- ὑδρ- ‚Wasser‘ vermutet, was allgemein auf eine wasserreiche Gegend hinweisen würde. [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in prähistorischer Zeit scheint es in Drama eine bewohnte Siedlung der Arkadier gegeben zu haben. In der frühen oder späten klassischen hellenistischen Periode (spätes viertes oder frühes drittes Jahrhundert v. Chr.) wurden an der Stelle des heutigen Drama Siedlungen errichtet, deren Einwohner die Weinreben kultiviert und den Gott Dionysos in einem eigenen Schrein verehrten. Die Siedlungen bestanden auch während der römischen und byzantinischen Zeit fort.

Teil der Stadtmauer aus byzantinischer Zeit

Nach der Schlacht an der Mariza im Jahr 1371 stand Drama unter osmanischer Herrschaft. Das Osmanische Reich war ein Vielvölkerstaat, das spiegelte auch die Zusammensetzung der Stadtbevölkerung wider. Im Jahr 1530 gab es 143 christliche und 96 muslimische Haushalte. Im Jahr 1900 hatte die Stadt nach Vasil Kanchov etwa 9040 Einwohner, davon waren 6300 Türken, 1500 Griechen, 350 Bulgaren, 300 Aromunen, 240 Zigeuner, 150 Juden, 50 Tscherkessen und 150 andere.[3] 1905 bestand laut Dimitar Mishev, dem damaligen Sekretär des Bulgarischen Exarchats,[4] die christliche Bevölkerung von Drama aus 320 Bulgaren, 80 unierten Bulgaren, 32 protestantischen Bulgaren, 700 Griechen und 1500 Walachen. In der Stadt gab es zu dieser Zeit eine Grundschule und zwei griechische Hauptschulen mit sechs Lehrern und 250 Schülern.[5]

Holocaust-Denkmal

Während des I. Balkan-Kriegs wurde die Stadt 1912 durch Einheiten der bulgarischen Armee befreit. Thrakien fiel für kurze Zeit an Bulgarien. Im nachfolgenden II. Balkan-Krieg fiel Thrakien dann an Griechenland. Nach griechischen Statistiken, lebten im Jahr 1913 in Drama 12.903 Menschen.[6]

Die Deportation der Juden[Bearbeiten]

Nach dem Balkanfeldzug (1941) war Drama und ganz Griechenland von den Achsenmächten besetzt. Wie auch in Jugoslawien war die örtliche Besatzungsmacht das Königreich Bulgarien. Am 4. März 1943 begann in ganz Thrakien und auch in Drama die Deportation von Juden. Die bulgarischen Soldaten verschleppten insgesamt etwa 4000 Juden aus Thrakien, 589 aus der Stadt Drama nach Bulgarien und pferchten sie dort in leerstehende Tabak-Lagerhäuser ein. Anschließend wurden sie mit der Reichsbahn in das Vernichtungslager Treblinka gebracht. Keiner überlebte den Genozid.[7][8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

1978 fand das Kurzfilm-Festival Drama Short Film Festival erstmals statt, seit Mitte der 1980er Jahre wird die Veranstaltung jährlich wiederholt.[9]

  • Archäologisches Museum
  • Die Tropfsteinhöhlen des Flusses Angitis (Maras)
  • Parkanlage (Piges Agias Varvaras) im Zentrum mit Gastronomie und Wasserspielen
  • Das Aquarium von Milopotamos
  • Der Park von Milopotamos
  • Der Park von Drama (Springbrunnen)

Klimatabelle[Bearbeiten]

Drama
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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0
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Drama 2005-2013
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 7,9 9,8 15,6 20,2 26,3 30,0 33,1 33,5 28,1 20,9 14,9 8,5 Ø 20,8
Min. Temperatur (°C) -0,6 0,9 4,8 8,8 13,4 15,7 17,8 17,6 14,0 8,8 5,2 0,1 Ø 8,9
Niederschlag (mm) 34 37 29 48 49 56 32 12 24 45 54 52 Σ 472
Regentage (d) 6 7 5 6 6 6 3 1 2 5 8 8 Σ 63
T
e
m
p
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a
t
u
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7,9
-0,6
9,8
0,9
15,6
4,8
20,2
8,8
26,3
13,4
30,0
15,7
33,1
17,8
33,5
17,6
28,1
14,0
20,9
8,8
14,9
5,2
8,5
0,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: fehlt

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Vergangenheit hing die wirtschaftliche Entwicklung Dramas von der Papier- und Textilindustrie ab. Diese Fabriken wurden inzwischen entweder geschlossen oder in das benachbarten Niedriglohnland Bulgarien verlangert, was sich negativ auf die lokale Wirtschaft und Beschäftigungrate auswirkte. Insbesondere ab dem Jahr 2007, nachdem Bulgarien Mitglied der EU wurde, konnten griechische Unternehmen bequem ins preiswerte Nachbarland auswandern. Andere Quellen des Lebensunterhalts sind die Landwirtschaft (vor allem Tabak-Plantagen), Bergbau (vor allem Marmor) und Forstwirtschaft. In letzter Zeit wurden Versuche unternommen, die Entwicklung von Ökotourismus zu fördern.

In der Nähe von Drama gibt es ein Skigebiet am Berg Falakro.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Partnerstadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Dimitra Vasli: I Drama ke i istoria tis o. O. 2002, S. 4 PDF online, 1,5 MB
  3. Kanchov, Vasil. Mazedonien. Ethnographie und Statistik. Sofia, 1900, str.197.
  4. Makedonien und seine christliche Bevölkerung
  5. Brancoff, DM Makedonien und seine christliche Bevölkerung Paris, 1905, S. 204-205.
  6. Δημήτρης Λιθοξόου: Απαρίθμηση των κατοίκων των νέων επαρχιών της Ελλάδος του έτους 1913 - Μακεδονία. Archiviert vom Original am 15. Januar 2008. Abgerufen am 4. Mai 2009.
  7. יהודי בולגריה - כפשע בינם לבין המוות (Bulgaria’s Jews - avoiding the death) (Hebrew, PDF; 153 kB) Yad Vashem Memorial. Abgerufen am 8. August 2011.
  8. :Bar-Zohar, Michael, The trains went out empty, Hed-Artzi, Or-Yhuda, Israel, 1999 (hebräisch)
  9. Website des Festivals (englisch)