Drechsler

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Dieser Artikel beschreibt den Handwerker Drechsler. Für Personen dieses Namens, siehe Drechsler (Familienname).
Drechsler beim Drehen eines Tellers in Deutschland an einer Holzdrehbank, 1988

Der Drechsler ist ein Handwerker oder Industriearbeiter, der den Beruf des Drechslers handwerklich erlernt hat. Er verarbeitet vorrangig Holz, aber auch Horn, Elfenbein, Bernstein, Alabaster, Serpentin, Plexiglas und andere Kunststoffe. Die korrekte Berufsbezeichnung ist Drechsler (Elfenbeinschnitzer) und Holzspielzeugmacher.

Berufsbild[Bearbeiten]

Die Tätigkeit wird im Drechslerhandwerk Drehen genannt. Die wichtigste Maschine ist die Drehbank und die wichtigsten Handwerkzeuge die Dreheisen.

Der Drechsler stellt gedrehte Einzelelemente (zB. Treppenstäbe, Schalen, Dosen...) sowie komplexe Artikel her (so beispielsweise Treppengeländer, Tische, Schemel, Garderobenständer...), die sich aus vielen Einzelteilen zusammensetzen können. Er nutzt dabei einfachste Technik und Handwerkzeuge bis hin zu computergesteuerten Vollautomaten.

Im Beruf des Drechslers gibt es verschiedene seltene Fachrichtungen, wie zum Beispiel:

  • Reifendreher
  • Bernsteindrechsler
  • Horndrechsler
  • Elfenbeindrechsler

Im Normalfall wird jedoch Holz verarbeitet. Dem Drechslerberuf zugeordnet werden der Holzspielzeugmacher, sowie der Elfenbeinschnitzer.

Viele Drechslereien sind in Innungen organisiert. Diese kann es je nach Anzahl der Betriebe für eine Stadt, für eine Region oder auch für ein Bundesland geben. Bundesweit sind Drechslereien im Verband des Deutschen Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerks e.V. organisiert. Die heutigen Betriebe weisen äußerst unterschiedliche Produktionsspektren auf und reichen vom Einmann-Betrieb, in dem nur mit der Hand gedreht wird bis zur industriellen Drechslerei, in der ausschließlich vollautomatisch produziert wird.

Ausbildung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland ist der Drechslerberuf ein Ausbildungsberuf im Handwerk mit einer dreijährigen Ausbildung. Eine Weiterbildung zum Drechslermeister (Meisterpflicht) ist möglich, aber seit der Novellierung der Deutschen Handwerksordnung nicht mehr zwingend erforderlich. Die auf den Drechslerberuf spezialisierten Berufsschulen befinden sich in Bad Kissingen, in Seiffen/Erzgeb. und Michelstadt. Das Drechslerhandwerk wurde im Zuge der Reform von 2003 in die Anlage B1 der Handwerksordnung verlegt und ist seitdem ein zulassungsfreies Handwerk.

Österreich[Bearbeiten]

Die dreijährige Berufsausbildung erfolgt ebenfalls im dualen System an Berufsschulen und bei einschlägigen Lehrbetrieben des Drechslergewerbes.[1] Voraussetzung für den Beginn der Lehre ist das Absolvieren der neun Pflichtschuljahre. Die meisten Lehrlinge besitzen aber einen Abschluss der Hauptschule oder der Polytechnischen Schule.

In Österreich dauert die Lehre drei Jahre und wird mit der Lehrabschlussprüfung abgeschlossen. Diese gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Absolventen haben die Möglichkeit, die Meisterprüfung abzulegen. Diese ermöglicht den sofortigen Zugang zum reglementierten Handwerk der DrechslerInnen ist aber nicht zwingend vorgeschrieben.[2]

Schweiz[Bearbeiten]

Der Beruf Drechsler ist in der Schweiz in den Beruf Holzhandwerker aufgegangen.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Drechsler, Darstellung (um 1425) aus dem Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Band 1, Nürnberg
Drechsler, Darstellung (um 1651) aus dem Hausbuch der Landauerschen Zwölfbrüderstiftung, Band 1, Nürnberg

Das Drechslerhandwerk ist nachweislich eines der ältesten Gewerke der Erde. Die erste Drechselbank entstand aus dem ersten mechanisierten Gerät der Menschheit - dem Fiedelbohrer. Lediglich die Drehachse wurde aus der senkrechten in die horizontale Ebene verlagert. Gedrehte Gegenstände wurden bereits vor mindestens 3500 Jahren gefertigt.

Der älteste nachweisliche Fund stammt aus dem frühen 7. Jahrhundert v. Chr. aus Corneto in Italien. Die Etrusker hatten zu der Zeit bereits eine große Fertigkeit im Drehen von Schalen, Möbelfüßen und Tellern aus verschiedenen Materialien entwickelt. Über die Kelten wurde schließlich das Handwerk aus dem Mittelmeerraum in nördliche Gebiete exportiert, und so lässt es sich im 3. Jahrhundert v. Chr. im Raum Deutschland nachweisen. Trotz der primitiven Fitzelbank-Technik waren dünnwandige Gefäße, raffinierte Dosen, wohlgestaltete Füße und Säulen, Spiegelgriffe, Flaschen, Teller usw. im Angebot der damaligen Drechslerschaft. Nicht nur Holz wurde verarbeitet, sondern auch Elfenbein, Bein, Bernstein, Bronze, Sandstein, Kalkstein, Schiefer, Marmor, Alabaster und viele mehr.

Erst im 13. Jahrhundert erschien eine neue Form der Drehbank. Bei der Technik der Wippdrehbank war zwar immer noch die Drehrichtungsänderung vorhanden, aber nun standen beide Hände für das Halten des Werkzeuges zur Verfügung. In der Epoche der Renaissance hörte das Drechslerhandwerk auf, ein Eigenleben zu führen und trat in Wechselbeziehung mit der Schreinerei und Schnitzerei. Jedoch erst im französischen Barock erlangten Handwerk und Kunst eine Blütezeit. In Deutschland war Nürnberg Mittelpunkt dieses Handwerks, und Nürnberger Drechsler waren es, die das Handwerk hoffähig machten. So gab es unter den damaligen Fürsten, Zaren, Päpsten, Königen und Kaisern auch sehr gute Drechsler. Das Ovaldrehen und Passigdrehen entstand und auch gewundene Säulen (Wund) hielten Einzug in die Stuben. Durch die gekröpfte Welle von Leonardo da Vinci wurde endlich die einförmige Drehbewegung möglich. Figuren- und Vieleckdrehbänke entstanden.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Drechslerhandwerk stark in den Hintergrund gedrängt. Mit den bescheidenen Aufgaben konnten die Fähigkeiten der damaligen Drechsler lange nicht gefordert werden. So gerieten viele Techniken, die den höchsten Stand der Kunstfertigkeit darstellten, in Vergessenheit. Durch unzweckmäßige und überspitzte Drechsler-Kuriositäten von sogenannten "Kunst-Drechslern" wandte sich lange Zeit das gebildete Publikum vom Drechslerhandwerk ab und erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnte es eine Renaissance erleben, welche bis zur Deutschen Wiedervereinigung anhielt. Trotz der nachfolgenden starken Ausdünnung der Drechslerbetriebe hat sich bis heute das Drehen mit der Hand erhalten und stellt nach wie vor eine wichtige Ergänzung in der Holzbearbeitung dar.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hugo Knoppe: Handbuch der Drechslerei. F. Ernst Steiger, Leipzig 1938, DNB 574373454 (Reprint: 1989, ISBN 3-88746-231-9).
  •  Fritz Spannagel: Das Drechslerwerk. Th. Schäfer, Hannover 1981, ISBN 3-88746-014-6.
  •  Rolf Steinert, Herbert Hegewald: Der Drechsler. 5. Auflage. VEB Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig 1981, DNB 821086618.
  • Volker Rodekamp: Das Drechslerhandwerk in Ostwestfalen. Ein traditionelles Handwerk im Strukturwandel des 20. Jahrhunderts. 1981 (Volltext als PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drechsler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Produkte von Drechslern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausbildungsverordnung des österreichischen Wirtschaftsministeriums (PDF; 120 kB) gültig seit dem 1. September 2005
  2. Zugangsvoraussetzungen zum Handwerk in Österreich gültig seit dem 28. Januar 2003
  3. Beruf: Drechsler/in (veraltete Berufsbezeichnung) auf Berufsberatung.ch