Drei Prinzipien des Volkes

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Die Drei Prinzipien des Volkes (chinesisch 三民主義Pinyin sān mín zhǔyì, W.-G. san min chu-i) wurden vom Begründer der Republik China, Sun Yat-sen, im Jahre 1912 formuliert.[1][2][3] Zum ersten Mal in einer Rede propagierte Sun die Prinzipien am 16. Juni 1924, anlässlich der Eröffnungszeremonie der Whampoa-Militärakademie. Ein Teil des Textes dieser Rede diente der Kuomintang als Vorlage für ein Parteilied, bevor daraus die Nationalhymne der Republik China wurde.

Prinzip der Volksgemeinschaft[Bearbeiten]

Mit dem Prinzip der Volksgemeinschaft (chinesisch 民族主義Pinyin mínzú zhǔyì, W.-G. min-chu chu-i), teilweise auch ungenau als "Nationalismus" übersetzt, sollte China ein souveräner Nationalstaat werden. In einem ersten Schritt sollte sich dafür aus den fünf großen (Han, Mongolen, Tibeter, Mandschu und Uiguren) und den vielen kleinen Volksstämmen Chinas eine neue chinesische Volksgemeinschaft auf Grundlage der gemeinsamen Kultur und Geschichte entwickeln. In einem zweiten Schritt sollte sich dann das von dieser Volksgemeinschaft getragene China gegen die Kolonialstaaten und den mit ihnen geschlossenen ungleichen Verträge erheben, um ein unabhängiges und gleichberechtigtes Mitglied Staatengemeinschaft zu werden.[4]

Prinzip der Volksrechte[Bearbeiten]

Mit dem Prinzip der Volksrechte (chinesisch 民權主義Pinyin mínquán zhǔyì, W.-G. min-chüan chu-i), teilweise auch als "Demokratie" übersetzt, sollte das chinesische Volk nach westlichen Vorbild als Souverän herrschen, ein Beamtenapparat aber nach chinesischer Tradition die Verwaltung des Staates übernehmen.
Die Herrschaft des Volkes sollte durch die vier Volksrechte (chinesisch 民權Pinyin mínquán, W.-G. min-chüan) gewährleistet werden: dem Recht Beamte zu wählen, dem Recht sie abzuberufen, dem Recht Gesetze vorzuschlagen und dem Recht über Gesetze abzustimmen.
Die Verwaltungsgewalt sollte geteilt und von fünf Räten (chinesisch Pinyin yuàn, W.-G. yüan) übernommen werden: dem Legislativ-Rat, dem Exekutiv-Rat, dem Judikativ-Rat, dem Kontroll-Rat und dem Prüfungs-Rat. Dabei werden die drei Gewalten Montesquieus um zwei traditionell chinesische ergänzt. [5]

Prinzip der Volkswohlfahrt[Bearbeiten]

Mit dem Prinzip der Volkswohlfahrt (chinesisch 民生主義Pinyin mínshēng zhǔyì, W.-G. min-sheng chu-i) sollte die Hauptaufgabe des Staates beschrieben werden, die Befriedigung der vier großen Lebensbedürfnisse: der Ernährung, der Bekleidung, der Wohnung und des Verkehrs aller Bürger.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 1: 1911–1949. Longtai, Giessen (i. e.) Heuchelheim 2009, ISBN 978-3-938946-14-5.
  • Thomas Weyrauch: Chinas demokratische Traditionen vom 19. Jahrhundert bis in Taiwans Gegenwart. Longtai 2014, ISBN 978-3-938946-24-4.
  • Johannes Chang: Sun Yat-sen - Seine Lehre und seine Bedeutung in: JCSW 1 (1960) S.179-194

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kwan Kim-Gaul: Drachenthron und blaue Ameisen. Limes Verlag, Wiesbaden 1965.
  2. Übersetzung der Termini nach Mechthild Leutner (Hg.), Andreas Steen: Deutsch-chinesische Beziehungen 1911–1927. Vom Kolonialismus zur „Gleichberechtigung“. Berlin: Akademie Verlag, 2006, S. 269; Bernd Martin, Susanne Kuss: Deutsch-chinesische Beziehungen 1928–1937: „Gleiche“ Partner unter „ungleichen“ Bedingungen. Berlin: Akademie Verlag, 2003, S. 383; Thomas Heberer, Claudia Derichs (Hg.): Einführung in die politischen Systeme Ostasiens. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ²2008, S. 24 und 422.
  3. Vgl. Horst-Dieter Gasde u. a.: Chinesisch-deutsches Wörterbuch. Berlin: Akademie-Verlag, 1985, S. 679 f.; Xīn Hàn–Dé cídiǎn 《新汉德词典》 / Das neue chinesisch-deutsche Wörterbuch. Beijing, Shāngwù yìnshūguǎn 商务印书馆, 1985, S. 565.
  4. Johannes Chang: Sun Yat-sen - Seine Lehre und seine Bedeutung in: JCSW 1 [1960] S.179-194
  5. Johannes Chang: Sun Yat-sen - Seine Lehre und seine Bedeutung in: JCSW 1 [1960] S.179-194
  6. Johannes Chang: Sun Yat-sen - Seine Lehre und seine Bedeutung in: JCSW 1 [1960] S.179-194