Drei Uhr nachts

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Filmdaten
Deutscher Titel Drei Uhr nachts
Originaltitel Bob le flambeur
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1956
Länge 98 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Jean-Pierre Melville
Drehbuch Jean-Pierre Melville
Auguste Le Breton
Produktion Jean-Pierre Melville
Serge Silberman
Musik Eddie Barclay
Jo Boyer
Kamera Henri Decaë
Schnitt Monique Bonnot
Besetzung

Drei Uhr nachts ist ein französischer Kriminalfilm des Regisseurs Jean-Pierre Melville aus dem Jahr 1956. Es ist der erste Film des Regisseurs der in der "Unterwelt" der Gangster spielt.

Am 24. August 1956 fand in Paris die Uraufführung des Films statt, am 25. April 1958 kam er in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten]

Paris, Pigalle, langsam zieht das Morgengrauen auf. Die ersten Menschen gehen zur Arbeit und die letzten nach Hause.

Bob "Der Spieler" Montagné ist die ganze Nacht von Spieltisch zu Spieltisch gezogen. Er trifft seinen Kumpel, Kommissar Ledru, der mit ihm befreundet ist, seit Bob ihm bei einer Schießerei das Leben gerettet hat. Ledru fährt ihn zu einem neuen Spiel. Seinen Männern erklärt er, dass Bob einst ein großer Einbrecher gewesen sei, inzwischen aber keine krummen Dinger mehr drehe.

Am nächsten Tag bekommt Bob Besuch von dem Zuhälter Marc, der ihn um Geld bittet, weil er eine Prostituierte verprügelt hat, die ihn verpfeifen will, wenn er sie nicht bezahlt. Bob wirft ihn hinaus.

Abends sitzt Bob mit seinem jungen Freund Paolo, dem Sohn eines ehemaligen Komplizen, in seiner Stamm-Bar. Während er ihm von seiner Pechsträhne erzählt, lernt er die junge Prostituierte Anne kennen und nimmt sich ihrer an. Er gibt ihr Geld für ein Hotelzimmer, in dem sie alleine schlafen soll.

Kommissar Ledru hat Marc verhaften lassen. Sie machen einen Deal: Wenn Marc ihm Informationen über einen geplanten Coup liefert, wird er die Körperverletzung an der Prostituierten nicht weiter verfolgen.

Bob holt Anne von ihrem Hotel ab und bietet ihr an, bei ihm zu wohnen. Sie nimmt das Angebot an, und er zeigt ihr den Spielautomaten, den er in einem Schrank versteckt hat. Dann fährt er sie noch zu seinem armseligen Elternhaus, das er mit 14 Jahren verlassen hat.

Von Paolo, der sich um Anne kümmern soll, erfährt Bob, dass dieser ein Ding mit Marc drehen will. Er versucht ihn davon abzubringen. Für Marc hat er nichts übrig.

Nachdem Bob durch den Tipp von Roger auf der Trabrennbahn gewonnen hat, fahren sie ins Casino von Deauville. Dort trifft Roger einen Kumpel, der jetzt als Croupier arbeitet. Von ihm erfährt er, dass in einer Nacht 800 Millionen Franc in dem Safe des Casinos sind. Da Bob wieder einmal verloren hat, planen sie, das Casino zu überfallen.

Zusammen mit Paolo spionieren sie das Casino aus, besorgen Geld für die Vorbereitung des Coups bei McKimmie und stellen ein Team von Spezialisten zusammen. Der Croupier besorgt ihnen Pläne des Gebäudes und die Marke des Tresors. Dann trainieren sie jeden Handgriff für den geplanten Überfall.

Paolo hat sich in Anne verliebt. Um ihr zu imponieren, erzählt er ihr von dem Coup. Aber auch Marc macht sich an Anne heran, und aus einer Laune heraus erzählt sie ihm von dem Überfall auf das Casino. Doch am nächsten Morgen plagt sie das schlechte Gewissen, und sie gesteht Bob ihren Fehler.

Auf dem Kommissariat verrät Marc dem Kommissar, dass Bob in eine krummen Sache verwickelt ist. Ledru will es nicht glauben, aber Marc will in ein paar Stunden mehr herausfinden.

Bob und Roger werfen Paolo vor, sich wie ein Idiot verhalten zu haben. Paolo will seinen Fehler wieder gut machen und sucht Marc. Als dieser den Kommissar anruft, wird er von Paolo entdeckt und erschossen.

Bei einem Gespräch versucht Ledru, seinen Freund Bob von seinem Vorhaben abzubringen. Bob jedoch gibt sich unschuldig. Er habe nichts Unrechtes vor.

Um ihren Mann aus der Sache herauszuhalten, verrät die Frau des Croupiers den geplanten Überfall an den Kommissar. Ledru streift darauf durch die Bars, um Bob zu finden. Als er erfolglos bleibt, macht er sich mit seinen Männern auf den Weg nach Deauville.

Der Coup beginnt, und Bob beginnt zu spielen, auch wenn er Roger versprochen hat, dies nicht zu tun. Er kann nicht anders, und er gewinnt und gewinnt. Jetzt hat er die Glückssträhne, nach der er sich immer gesehnt hat. Die Chips stapeln sich vor ihm auf. Fast hätte er wegen des Spiels den Zeitpunkt des Überfalls vergessen.

Als die Gangster zuschlagen wollen, werden sie schon von der Polizei erwartet. In dem Schusswechsel wird Paolo getroffen und stirbt. Der Kommissar legt Bob und Roger Handschellen an, während Diener des Casinos den riesigen Gewinn bündelweise in den Kofferraum des Polizeiautos stapeln.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der deutsche Titel Drei Uhr nachts ist ziemlich verunglückt, findet der eigentliche Überfall doch um fünf Uhr morgens statt.

Drei Uhr nachts entstand mit einem sehr geringen Budget. Für viele Einstellungen benutzte Melville eine kleine Handkamera, die er auf einem Fahrrad befestigt hatte.[1] Die Dreharbeiten dauerten insgesamt 2 Jahre, da Melville immer nur für einzelne Drehtage Geld auftreiben konnte und dann die Darsteller aus laufenden, anderen Produktionen heraustelefonieren musste.[2]

Zur Schauspielführung bemerkt der US-amerikanische Filmkritiker Roger Ebert: „Die Schauspieler sind nicht verpflichtet, viel zu tun. Wie Schauspieler in einem Film von Bresson verkörpern sie mehr als sie evozieren. Das meiste, was wir über Bob denken, ist inspiriert durch das, was die Leute über ihn sagen und wie sie ihn behandeln."[1]

Drei Uhr nachts gilt heute sowohl als ein Vorläufer der Nouvelle Vague als auch ein Klassiker des französischen Film noir. Roger Ebert betrachtet das Werk darüber hinaus als eine Inspiration für spätere Casino-Filme wie Last Exit Reno oder Ocean's Eleven[1]. Gemeinsam mit Rififi ist Drei Uhr nachts zudem ein früher Vertreter des Heist-Movie-Genres. 2002 drehte der Regisseur Neil Jordan unter dem Titel Der Dieb von Monte Carlo (The Good Thief) ein Remake des Films, in dem Nick Nolte die Rolle des Bob Montagné übernahm.

Kritik[Bearbeiten]

„Der erste Gangsterfilm von Melville enthält bereits alle Elemente seiner bravourösen Inszenierkunst; deutlich spürbar ist die auch seinen späteren Werken eigene Atmosphäre der totalen Fatalität.“

Lexikons des Internationalen Films[3]

„"Bob le Flambeur" ist ein sehr lustiger, flotter Film, und man kann verstehen, warum Jean Luc Godard, der "Außer Atem" nur drei Jahre später machte, ihn so bewunderte.“

The New York Times[4]

„Ein schöner Film, ziemlich rau, bei dem man den Einfluss der amerikanischen Kriminalliteratur spürt, dennoch aber bereits mit einem ausgeprägtem "Melville" Stil.“

L'Oeil sur l'Ecran[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ausführliche Kritik von Roger Ebert (englisch)
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Oktober 2003 zur DVD - Ausgabe
  3. Drei Uhr nachts im Lexikon des Internationalen Films
  4. Vincent Canby in der New York Times (englisch)
  5. L'Oeil sur l'Ecran (französisch)

Weblinks[Bearbeiten]