Dreiborner Hochfläche

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Blick über die Dreiborner Hochfläche von Wollseifen zur Urfttalsperre, die ehemalige Ordensburg Vogelsang und den Kermeter-Hochwald. Im Vordergrund der Ginster, das Eifelgold

Die Dreiborner Hochfläche ist eine 33 Quadratkilometer große Wald- und Offenlandfläche im Nationalpark Eifel. Sie entspricht dem Areal des per 31. Dezember 2005 aufgegebenen Truppenübungsplatzes Vogelsang, durfte vom 1. September 1946 bis zu diesem Stichtag von Zivilisten nicht betreten werden und ist erst seit 2006 auf festen Routen teilweise für Wanderer wieder zugänglich.

Ehemaliger Truppenübungsplatz, 1946-2005

Lage und Geografie[Bearbeiten]

Die Dreiborner Hochfläche begrenzen im Westen der Obersee (Rur) des Rurstausees und Einruhr, der Fluss und der Ort Erkensruhr, im Süden die L 207 über Dreiborn und Herhahn, im Osten das Gelände um die ehemalige Ordensburg Vogelsang mit den Tälern von Neffgesbach und Morsbach, im Norden das Urfttal und der Urftsee. Hier wird die Dreiborner Hochfläche vom nördlich angrenzenden Höhenzug des Kermeters getrennt.

Durchschnitten wird die Hochfläche in Ost-West-Richtung von der B 266 entlang des Sauerbachs, an dem sich die mutmaßlich bereits von den Römern genutzte Heilsteinquelle (1863 wiederentdeckt) befindet; insoweit wird das Gelände in eine nördliche und eine südliche Hälfte unterteilt. Eine Erhebung auf 517 m (so genannter Drei-Täler-Blick), Kellenberg und die Wüstung Wollseifen sind durch Wege in der nördlichen Hälfte erschlossen; Klusenberg, Gierberg und Müsauelsberg, mit 577 m die höchste Erhebung, liegen im südlichen Abschnitt.

Natur, Pflanzen- und Tierwelt[Bearbeiten]

Schafherde zur Freihaltung der Grünlandflächen
Urwald am Neffgesbach (Ostgrenze der Dreiborner Hochfläche)

Dichter Buchen-, Eichen- und Fichtenwald umgibt die Bachläufe und Stauseen auf ca. 350 m Höhe, die die Dreiborner Hochfläche begrenzen. Steil zieht sich dieser Wald, der in den fast 60 Jahren, in denen das Gelände Truppenübungsplatz war, nicht bewirtschaftet wurde und in weiten Teilen infolge nicht mehr abgeräumten Alt- und Totholzes einen urwaldähnlichen Zustand erreicht hat, an den Talhängen hinauf auf das Hochplateau, das 500 m übersteigt. Die Erhaltung dieses Naturwaldes als Lebensraum für teilweise seltene Tierarten wie die Europäische Wildkatze und die Einrichtung besonders geschützter Ruhezonen rund um Brutkolonien für Kormorane, Graureiher und Schwarzstorch hat sich die Nationalparkverwaltung zum Ziel gesetzt.

Auf den Offenlandflächen auf der Hochebene, die vor Einrichtung des Truppenübungsplatzes 1946 dem Ackerbau und der Schafzucht dienten und insoweit Kulturlandschaft waren, dominiert heute auf den weiten Grasflächen der Ginster (Eifelgold), der zur Blütezeit im Mai eine touristische Attraktion darstellt. Die Nationalparkverwaltung erarbeitet noch ein Konzept, ob und inwieweit diese Offenlandflächen als ehemalige Kulturlandschaften erhalten werden können und sollen, um die Panoramen zu bewahren und tagaktives Rotwild an besonders dafür ausgewiesenen Stellen (z.B. Aussichtsplattformen) für die Besucher erlebbar zu machen.

Überließe man die Flächen sich selbst, wäre im Laufe der Zeit normalerweise mit Verbuschung und Wiederbewaldung dieser Flächen zu rechnen. Zwar werde das Rotwild einige Lichtungen schaffen, der Wildfraß jedoch nicht ausreichen, um größere Flächen permanent offen zu halten. Ideen, neben Rothirsch, Reh und Wildschwein, die natürlich in der Eifel vorkommen, auch Wisent, Elch und Damhirsch zur Unterstützung des Offenhaltungskonzepts anzusiedeln, wurden verworfen, weil das zu raue Klima im Winter auf der Höhe möglicherweise eine Abwanderung dieser Tiere in die Täler zur Folge haben würde, wo sie in zu großer Nähe zu den Ortschaften ein Sicherheitsrisiko für den Menschen bedeuten könnten. Mit Einzäunung könne man zwar die Tiere auf der Höhe halten; diese werde aber dann zum Wildfreigehege, was der Nationalparkidee widerspreche. Denn zu 75 % muss der Nationalpark unbeeinflusste Naturlandschaft darstellen; nur 25 % der Fläche darf regulierend auf ein bestimmtes Ziel hin vom Menschen gemanagt werden.

Die widerstreitenden Überlegungen scheinen nach den Erkenntnissen zu Beginn des 21. Jahrhunderts darauf hinauszulaufen, dass sich in kommenden Generationen die Dreiborner Hochfläche größtenteils wieder bewalden wird.

Dezember 2009 Dreiborner Hochfläche

Tourismus[Bearbeiten]

Warnhinweise bei Herhahn
Verlauf einer ehemaligen Panzerspur bei Wollseifen

Das Wanderwegenetz auf der Dreiborner Hochfläche ist im Jahr 2007 auf ca. 50 km Länge ausgebaut und markiert. Außerhalb der festgelegten Routen darf die Landschaft nicht betreten werden, da immer noch mit nicht entschärften Kampfmitteln des Truppenübungsplatzes gerechnet werden müsse. Der Verlauf ehemaliger Panzerspuren im Gelände ist stellenweise immer noch zu erkennen.

Wanderwege verlaufen

  • von Erkensruhr und Hirschrott zum Gierberg, Müsauelsberg, entlang der Quellbäche der Erkensruhr und nach Dreiborn,
  • entlang von Sauerbach und Helingsbach zwischen Einruhr und Dreiborn, Einruhr, Vogelsang und Wollseifen, sowie
  • zwischen Obersee und Urftsee, Wollseifen und Vogelsang.

Viele Strecken sind miteinander zu Rundwanderungen kombinierbar und teilweise auch mit dem Fahrrad befahrbar.

Einkehrmöglichkeiten bestehen am Rande der Hochfläche in Dreiborn und Herhahn.

Durch die Nationalparkverwaltung werden geführte Rangertouren organisiert, doch viele Wanderer sind individuell unterwegs.

Literatur[Bearbeiten]

  • NRW-Stiftung/Eifelverein: Nationalpark Eifel, ThemenTouren, 7 Touren für Wanderer und Radfahrer, 2. aktualisierte Auflage 2004, ISBN 3761617410
  • Förderverein Nationalpark Eifel (Hrsg.), Heiko Schumacher (Red.): Tier- und Pflanzenwelt im Nationalpark Eifel: ein Begleiter durch Wald, Wasser und Wildnis. Bachem-Verlag, Köln 2006, ISBN 3-7616-2005-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dreiborner Hochfläche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.5633956.416302Koordinaten: 50° 33′ 48,2″ N, 6° 24′ 58,7″ O