Dreifaltigkeitskirche (Worms)

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Dreifaltigkeitskirche Worms; Seitenansicht von Nordosten
Dreifaltigkeitskirche Worms; Innenraum nach Westen: Luthermosaik und Orgel

Die Dreifaltigkeitskirche (vollständiger Name Reformations-Gedächtniskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit) ist die größte protestantische Kirche in Worms. Der barocke Saalbau liegt zentral am Marktplatz der Stadt und steht heute unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Stadtzerstörung von 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde 1709 am Standort des zerstörten Haus zur Münze der Grundstein für die lutherische Stadtkirche gelegt, da man davon ausging, hier habe Martin Luther 1521 auf dem Reichstag zu Worms seine Schriften verteidigt; tatsächlich geschah dies im wenige hundert Meter entfernten Bischofshof. Die vom kurpfälzischen Capitain-Ingenieur Villiancourt entworfene Kirche wurde 1725 als Reformations-Gedächtniskirche eingeweiht. Die im Entwurf vorgesehen Einfassung der Kirche durch zwei Gebäude für Rathaus und Schule wurde nicht umgesetzt. In Innenraum orientierte sich der Entwurf an der Katharinenkirche in Frankfurt am Main, die der Wormser Magistrat während des Exils in Frankfurt kennengelernt hatte.

Am 21. Februar 1945 wurde die Kirche bei einem britischen Luftangriff auf Worms stark zerstört, lediglich die Außenmauern und Teile des Turmes überstanden den Angriff. Der Wiederaufbau der Kirche erfolgte von 1955 bis 1959 nach Plänen von Otto Bartning und Otto Dörzbach. Die äußere Gestalt wurde dabei weitgehend wiederhergestellt, während der Innenraum modern gestaltet wurde.

Beschreibung[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitskirche Worms; Uhrwerk der Turmuhr (heute im städtischen Museum Andreasstift eingelagert)
Dreifaltigkeitskirche Worms; Deckengemälde von Johann Rosner: Geburt Christ (1945 zerstört)

In der Mittelachse der nach Westen ausgerichteten Schaufassade der Kirche erhebt sich der 58 m hohe Kirchturm. Seitlich des quadratischen Turmes befinden sich auf der Höhe der Dachtraufe zwei große Podeste. Oberhalb der Glockenstube besitzt der Turm eine umlaufende Galerie; hier verjüngt er sich in einen achteckigen Turm, der die Turmuhr trägt; das ursprüngliche Werk stammt von Johann Jacob Möllinger und befindet sich heute im städtischen Museum Andreasstift. In der von einer doppelten Haube gekrönten Laterne befindet sich das Glockenspiel der Kirche. Insgesamt entsteht dadurch der Eindruck einer vierfach gestuften Turmkonstruktion.

Der Innenraum der Kirche ist ein 41 m langer, 20 m breiter und 17 hoher, geosteter einschiffiger Saal, der zentral durch das Untergeschoss des Turms erschlossen wird. Links des Vorraums liegt ein Andachtraum mit einem 1934 geschaffenen Friedensdenkmal von Ludwig Habich, rechts die Sakristei. Die drei umlaufenden barocken Emporen, die Brüstungen zeigten biblische Bilder von Johann Martin Seekatz, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder eingebaut, die Dachkonstruktion, ein Kreuzrippengewölbe aus Holz, entspricht dem ursprünglichen Entwurf, ist allerdings nicht mehr figürlich bemalt. An der Westwand befinden sich zwei Emporen für Gottesdienstbesucher, darüber liegt die Chor- und Orgelempore. Der Altarraum mit Kanzel und Taufbecken nimmt den gesamten Fünf-Achtel-Chor ein und ist deutlich gegenüber dem Kirchenschiff erhöht.

Die 15 raumhohen Buntglasfenster von Wilhelm Buschulte zeigen biblische Szenen. Auf den Wandflächen dazwischen befinden sich in von Johanna Schütz-Wolff gestalteter ornamentaler Majolikaschrift die drei Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und deren Auslegung durch Luther im Kleinen Katechismus. Oberhalb der Orgelempore zeigt ein Mosaik von Walter Eglin „Luther vor Kaiser Karl V.“ Die seitlichen Bronzetüren wurden von Ulrich Henn gestaltet, die Kanzel ist ein Entwurf des Wormser Künstlers Gustav Nonnenmacher und die Altarausstattung stammt von Josef Hoh.

Orgel[Bearbeiten]

Mit 56 Registern, drei Manualen und 3.744 Orgelpfeifen ist die 1959 von G. F. Steinmeyer & Co. gebaute Taschenladenorgel mit elektropneumatischer Spieltraktur die größte Orgel in einer evangelischen Kirche in Rheinhessen.[1] Die ursprüngliche Setzeranlage mit vier freien Kombinationen wurde 1994 gegen eine elektronische Setzeranlage ausgetauscht.

I Positiv C–
Singend Gedackt 8′
Quintadena 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Schwiegel 2′
Terz 13/5
Quinte 11/3
Sifflöte 1′
Cymbel III
Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–
Prinzipal 16′
Oktave 8′
Grobgedackt 8′
Gemshorn 8′
Oktave 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 22/3
Oktave 2′
Nachthorn 2′
Mixtur V 11/3
Scharf IV 1′
Fagott 16′
Trompete 8′
Hohe Trompete 4′
III Oberwerk C–
Gedacktpommer 16′
Prinzipal 8′
Hohlflöte 8′
Weidenpfeife 8′
Oktave 4′
Koppelflöte 4′
Nasat 22/3
Superoktave 2′
Blockflöte 2′
Terz 13/5
Kleinkornett IV 4′
Plein Jeu IV 2′
Rankett 16′
Regal 8′
Schalmey 4′
Tremulant
Pedal C–
Prinzipalbass 16′
Subbass 16′
Quintade 16′
Quintbass 102/3
Oktavbass 8′
Gedecktbass 8′
Quinte 51/3
Choralbass 4′
Rohrgedackt 4′
Bauernflöte 2′
Rauschwerk IV 2′
Mixtur V 22/3
Kontrafagott 32′
Posaune 16′
Trompete 8′
Klarine 4′
Singend Cornett 2′

Glocken[Bearbeiten]

Das Geläut der Dreifaltigkeitskirche besteht aus vier Glocken, die alle Tiernamen tragen:

  • „Löwe“: a0, 1953 gegossen von Rincker; Stundenschlag
  • „Bär“: cis1, 1729 gegossen
  • „Nachtigall“: e1, 1729 gegossen; Viertelstundenschlag
  • „Grille“: fis1, 1825 gegossen; Viertelstundenschlag

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Michael Lautz: Wormbsisches Denkmal Wegen Des Freuden-Festes So Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde Daselbst Im Jahr 1725 Den 31. Juli Auff Verordnung Eines Hoch-Edlen Und Hoch-Weisen Magistrats Bey Einweihung Ihrer Neuen Kirchen Zur Heiligen Dreyfaltigkeit genannt Feyerlichst begangen. Johann Ludwig Spelter, Worms 1725. (Digitalisat).
  • Friedrich Walter: Die Dreifaltigkeitskirche zu Worms 1725–1925. Festschrift zur 200jährigen Gedenkfeier der Einweihung am 31. Juli 1725. Christian Herbst, Worms 1925
  • Dreifaltigkeitsgemeinde Worms (Hrsg.): Die Reformations-Gedächtnis-Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Worms am Rhein. Denkschrift zur Wiedereinweihung am 30. Oktober 1959. Worms 1959.
  • Fritz Reuter: Die evangelische Dreifaltigkeitskirche in Worms. Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 2003 (Rheinische Kunststätten 476). ISBN 3-88094-904-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dreifaltigkeitskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 1: Mainz und Vororte - Rheinhessen - Worms und Vororte. Schott, Mainz 1967, ISBN 978-3-7957-1306-5, S. 493 (Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte 6).

49.6300838.361677Koordinaten: 49° 37′ 48″ N, 8° 21′ 42″ O