Dreigliedriger Hundebandwurm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dreigliedriger Hundebandwurm
Echinococcus granulosus (Protoscolex)

Echinococcus granulosus (Protoscolex)

Systematik
Klasse: Bandwürmer (Cestoda)
Unterklasse: Echte Bandwürmer (Eucestoda)
Ordnung: Cyclophyllidea
Familie: Taeniidae
Gattung: Echinococcus
Art: Dreigliedriger Hundebandwurm
Wissenschaftlicher Name
Echinococcus granulosus
(Batsch, 1786)

Der Dreigliedrige Hundebandwurm (Echinococcus granulosus), oft einfach nur als „Hundebandwurm“ bezeichnet, gehört zu den seltener bei Hunden, Wölfen, Füchsen und anderen Hundeartigen sowie Katzen und im Dachs auftretenden Bandwürmern. Im Endwirt kommt der Wurm im Dünndarm vor. Als Zwischenwirt dienen vor allem wildlebende, pflanzenfressende Wiederkäuer, aber auch Hausrinder, -schafe, -ziegen, -schweine, -pferde, -esel sowie Kamele, Kaninchen, Affen und Menschen. Es existieren verschiedene Stämme des Hundenbandwurms, die jeweils unterschiedliche Zwischenwirte bevorzugen. In Europa dominiert der Schafstamm und der Parasit kommt vor allem in Ländern mit intensiver Schafhaltung vor.[1] Eine Infektion des Menschen kann durch den Kontakt mit Ausscheidungen befallener Tiere (vor allem nicht entwurmter Hunde) oder den Verzehr roher Innereien erfolgen. Sie ist in Mitteleuropa selten.

Merkmale[Bearbeiten]

E. granulosus ist sehr klein (3–6 mm), wodurch es oft zu einem Massenbefall des Endwirtes kommen kann, da kein Crowding-Effekt zu beobachten ist. Der Kopf (Scolex) des Wurms weist ein vorstülpbares Rostellum sowie einen zweireihigen Hakenkranz auf. Es werden maximal vier (meistens drei) Bandwurmglieder (Proglottiden) ausgebildet, von denen die vorletzte geschlechtsreif ist. Die letzte Proglottide ist etwa 2 mm lang und enthält einige hundert Eier, welche bereits reife Larven, sogenannte sechshakige Onkosphären, enthalten.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Der Hundebandwurm ist der Auslöser der zystischen Echinokokkose des Menschen, einer lebensgefährlichen Erkrankung. Die Larvenstadien siedeln sich dabei überwiegend in der Leber an, aber auch im Herz, der Lunge und anderen Organen. Bei Hunden verläuft die Krankheit, im Gegensatz zu den anderen Bandwurmerkrankungen des Hundes, meist ohne klinische Symptome. In Mitteleuropa sind autochthone Erkrankungen sehr selten, die meisten Erkrankungsfälle gehen auf Importe aus Endemiegebieten zurück.[1]

Der Hundebandwurm ist einer der wenigen Vertreter der Bandwürmer, bei dem der Wechsel des Wirts mit einem Generationswechsel (Metagenese) verbunden ist. In der blasenförmigen Finne (Hydatide) findet hierbei eine Massenvermehrung der Larven statt. Dabei entstehen tausende von infektiösen Köpfen. Die Blasen können operativ entfernt werden, dürfen dabei aber auf keinen Fall verletzt werden, da es bei einer Ruptur zur „Aussaat“ der Larven kommt, welche sich dann andernorts weiterentwickeln. Zudem kann der Zysteninhalt im Körper beim Platzen der Zyste eine anaphylaktische Reaktion auslösen.

Quellen[Bearbeiten]

  • Volker Storch, Ulrich Welsch: Kükenthals Leitfaden für das zoologische Praktikum. 24. neu bearbeitete Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2002, ISBN 3-8274-1111-4.
  1. a b Barbara Hinney und Anja Joachim: Magen-Darm-Parasiten bei Hund und Katze. In: Kleintierpraxis 58 (2013), S. 256–278.