Dreikaiserjahr

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Als Dreikaiserjahr ging das Jahr 1888 in die deutsche Geschichte ein. Auf Wilhelm I., der am 9. März in Berlin verstarb, folgte sein an Kehlkopfkrebs erkrankter Sohn Friedrich Wilhelm als Friedrich III., der nach 99 Tagen Regentschaft am 15. Juni in Potsdam starb. Ihm folgte am selben Tag sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm, der als Wilhelm II. den Thron als Deutscher Kaiser und König von Preußen bestieg. Innerhalb von nur vier Monaten regierten somit drei Generationen von Herrschern Deutschland.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Aus der Tatsache der Regentschaft von drei Kaisern in einem Jahr gewinnt 1888 keine besondere Bedeutung. Sie nährte nur die Spekulationen, wie sich das 20. Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen hätte entwickeln können, wenn der für seine Zeit liberale Friedrich III. die Gelegenheit zu einer langjährigen Regentschaft gehabt hätte.

Auch kann man fragen, ob Reichskanzler Otto von Bismarck länger an der Macht geblieben wäre (Wilhelm II. entließ ihn im März 1890). Bismarck war seit der Reichstagswahl am 21. Februar 1887 im Zenit seiner Macht: das Regierungslager aus Konservativen und Nationalliberalen hatte nun eine absolute Mehrheit. Bismarck besaß mit den so genannten Kartellparteien nun jene parlamentarische Mehrheit, die er in den vergangenen zehn Jahren angestrebt hatte. Er konnte jetzt seine militärpolitischen Pläne und auch Begünstigungen für seine konservative Klientel durchsetzen. Aufgrund von Bismarcks neuer Machtstellung spielte die Thronbesteigung von Friedrich III. im März 1888 kaum eine Rolle. Als der todkranke neue Kaiser sich weigerte, einer Verlängerung der Legislaturperiode und des Sozialistengesetzes zuzustimmen, belehrte Bismarck die Kaiserin, dass der Monarch „als solcher kein Faktor der Gesetzgebung“ sei.[1]

In vielen umliegenden Ländern gab es langjährige Regentschaften. Beispiele:

In Frankreich dagegen, einer der wenigen damaligen Republiken, gab es von 1871 bis 1920 acht Präsidenten der Dritten Republik.

Literatur[Bearbeiten]

»Aus Widersprüchen zusammengesetzt« Das Tagebuch der Gertrud Bleichröder aus dem Jahr 1888 (das Buch bietet Einblicke in die Welt des jüdischen Großbürgertums in Berlin im Jahr 1888). DuMont Literatur und Kunst Verlag, 2002.[2]

Trivia[Bearbeiten]

  • Im Zusammenhang mit dem Dreikaiserjahr entstand im Volksmund der Spruch: „Wilhelm I. war der greise Kaiser, Friedrich III. der weise Kaiser und Wilhelm II. der Reisekaiser.“
  • Folgender Satz kann helfen, sich das Dreikaiserjahr zu merken: „Eins und dreimal acht: Drei Kaiser an der Macht“
  • Die Schulkinder, die an Kaisers Geburtstag von der Gemeinde einen Kaiserwecken bekamen, bedauerten, dass es im Jahre 1888 zwar drei Kaiser, aber keinen Kaisergeburtstag gab - Wilhelm I. und Friedrich III. starben vor ihrem jeweiligen Geburtstag, Wilhelm II. kam erst nach seinem Geburtstag auf den Thron.

Sonstiges[Bearbeiten]

In der Antike gab es ein Vierkaiserjahr (69 n.Chr.) und 193 ein Zweites Vierkaiserjahr. In ersterem – nach Neros Tod – stritten sich vier Männer um die Nachfolge. Vespasian setzte sich durch und begründete die neue Dynastie der Flavier.

Der Begriff 'Vierkaiserjahr' dürfte früher jedem Gymnasiasten bekannt gewesen sein. Denn im Geschichtsunterricht des 19. Jahrhunderts hatte die Antike einiges Gewicht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Dreikaiserjahr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Wilfried Loth: Das Kaiserreich. Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung. dtv 1996, S. 72–81.
  2. Buchreihe »Zeitzeugnisse«