Dreschschlitten

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Dreschschlitten
Unterseite eines Dreschschlittens
Unterseite eines Dreschschlittens

Der Dreschschlitten ist ein bereits in der Vorzeit eingesetztes Hilfsmittel zum Entspelzen von Getreide (Gerste, Weizen) und Hülsenfrüchten (Kichererbsen). Er wurde durch den Dreschflegel und später die Dreschmaschine sowie den Mähdrescher ersetzt.

Dreschschlitten mit auf der Unterseite angebrachten klingenförmigen Abschlägen aus Feuerstein (Flint) werden in Teilen des Nahen Ostens bis in die heutige Zeit verwendet. Das Vorderteil ist kufenartig nach oben gebogen, um die Getreidehalme unter den Schlitten zu leiten. Auf dem Schlitten fährt der Landmann mit, um mit seinem Gewicht den Druck auf die Halme zu erhöhen. Gelegentlich werden zusätzlich Steine als Gewicht aufgelegt. Das Gerät ist heute im gesamten mediterranen Raum und bis in den Orient bekannt (span. trillo, frz. traineau à dépiquer, ital. trebbiatrice, griech. doukhani, türk. döven/düven, hebr. morag, pers. randeh).

Geschichte[Bearbeiten]

Die frühesten Schlitten Mesopotamiens waren Dreschschlitten. Den Hinweis darauf geben zwei Illustrationen aus dem Tempelbezirk von Uruk (ca. 3.500–3.370 v. Chr.), die Schlitten beim Dreschen zeigen. Belege finden sich auch in Keilschrifttexten aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Die Überreste eines von zwei Rindern gezogenen Schlittens fanden sich im Grab der Königin Puabi (frühdynastische Zeit, ca. 2600–2350 v. Chr.) auf dem Königsfriedhof von Ur.

Auf den älteren Darstellungen scheinen die Schlitten von einem einzelnen Rind gezogen zu werden, das mit Seilen angespannt ist, die von den Kufen zu den Hörnern des Tieres verlaufen. Vom dritten Jahrtausend an wurden Rinder und Equiden paarweise unter ein Joch gespannt, das an einer zentralen Deichsel befestigt war. Die Zugtiere der Dreschschlitten und der nur wenig später aus ihnen entwickelten Schlittenfahrzeuge wurden mittels einer Leine geführt, die am Nasenring befestigt war. Diese traditionelle Art Rinder zu führen ist seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. auch für Equiden belegt. Bis in geschichtliche Zeit gelangte der Dreschschlitten jedoch nicht nach Mittel- und Nordeuropa.

Bibeltext[Bearbeiten]

  • 2. Buch Samuel 24,22: Arauna sprach zu David: Mein Herr, der König nehme und opfere wie es ihm gefällt. Siehe, da sind die Rinder zum Brandopfer und auch die Dreschschlitten und das Geschirr der Rinder als Brennholz. (2 Sam 24,22 EU)
  • Jesaja 41,15: Sieh, ich mache dich zum Dreschschlitten, schneidend scharf, neu,mit Klingen, Berge wirst du dreschen und zermalmen, und Hügel wirst du machen wie Spreu. (Jes 41,15 EU)

Redewendung[Bearbeiten]

Auf den Dreschschlitten geht die Redewendung "…mit jemandem Schlitten fahren" zurück. Bezuggenommen wird dabei auf den grausamen Brauch, Gefangene oder Straftäter mit dem Dreschschlitten zu überfahren.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vere Gordon Childe: The first waggons and carts - from Tigris to the Severn. In: Proceedings of the Prehistoric Society N. S. 17/1951, S. 177ff.
  • J. Crouwel: Der alte Orient und seine Rolle in der Entwicklung von Fahrzeugen. In: M. Fansa, St. Burmeister: Rad und Wagen: Der Ursprung einer Innovation Wagen im Vorderen Orient und Europa. Verlag Phillip von Zabern, Mainz am Rhein 2004. (Beiheft der Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland 40), S. 69–86.
  • P. Steinkeller: Threshing implements in ancient Mesopotamian cuneiform sources. Iraq 52, 1990, S. 19–23.
  • Jürgen Weiner: Die Flintminen von Cakmak - Eine im Aussterben begriffene heute noch produzierende Feuersteinindustrie in Nordwestanatolien. In: Gerd Weisgerber, Rainer Slotta, Jürgen Weiner (Hrsg.): 5000 Jahre Feuersteinbergbau. Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit. = Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum 22, Bochum 1980, S. 383–395.
  • Jürgen Weiner: Dreschschlitten. In: Harald Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit. Tübingen Publications in Prehistory (Tübingen 2012) S. 973-980.
  •  John Whittaker, Kathryn Kamp, Emek Yılmaz: Çakmak revisited: Turkish flintknappers today. In: Lithic Technology. 34, Nr. 2, 2009, ISSN 0197-7261, S. 93-110 (PDF, 3,4 MB, abgerufen am 26. Oktober 2010).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dreschschlitten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. B. Brentjes: Die Erfindung des Haustieres. Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin, 1986, 128 S., S. 64.