Fernsehturm Dresden

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Fernsehturm Dresden
Dresden Fernsehturm.jpg
Basisdaten
Ort: Dresden
Land: Sachsen
Staat: Deutschland
Höhenlage: 231 m ü. NHN
Verwendung: Fernsehturm, Fernmeldeturm, Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeturm öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Deutsche Funkturm
Turmdaten
Bauzeit: 1963–1969
Architekt: Kurt Nowotny, Herrmann Rühle, Johannes Braune
Baustoffe: Beton, Stahlbeton
Betriebszeit: seit 1969
Gesamthöhe: 252 m
Höhen der Aussichtsplattformen: 145 m, 148 m
Höhen der Restaurants: 145 m, 148 m
Gesamtmasse: 7.300 t
Stilllegung (Aussichtsplattform): 1991
Daten der Sendeanlage
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Sendetypen: DVB-T, DAB, Richtfunk
Positionskarte
Fernsehturm Dresden (Sachsen)
Fernsehturm Dresden
Fernsehturm Dresden
51.0413.838889Koordinaten: 51° 2′ 24″ N, 13° 50′ 20″ O

Der Fernsehturm Dresden steht auf den Dresdner Elbhängen im Dresdner Stadtteil Wachwitz und dient als Sendeturm für Fernsehen, Rundfunk sowie Mobilfunk. Seiner Sichtbarkeit über große Entfernungen und seiner markanten Form wegen ist er ein Wahrzeichen von Dresden und des Elbtals geworden.

Errichtung[Bearbeiten]

Die Architekten des Dresdner Fernsehturms, Kurt Nowotny, Herrmann Rühle und Johannes Braune, wurden zu dessen kelchartiger Form durch ein Sektglas inspiriert. Er wurde nach dem Vorbild des ersten Fernsehturms aus Stahlbeton, dem Stuttgarter Fernsehturm, erbaut, ohne dessen „ästhetische Perfektion“ zu erlangen.[1] Erbaut wurde der Turm unter Federführung des VEB BMK Kohle und Energie zwischen 1963 und 1969. Er ist 252 Meter hoch und war nach dem Berliner Fernsehturm (368 Meter) zweithöchstes Bauwerk mit touristischen Einrichtungen in der DDR. Die Spitze des Bauwerkes überragt den Elbpegel um 373 Meter, sein Fuß befindet sich 230 Meter über dem Meeresspiegel. Der Schaft des Bauwerkes besteht aus Stahlbeton und hat einen Durchmesser von 21 Metern, der im Boden in sechs Meter Tiefe im Lausitzer Granit verankert ist. Sein Gesamtgewicht beträgt 7300 Tonnen. Im Turmschaft führen ca. 750 Treppenstufen bis zur Turmkanzel.

Funktechnik[Bearbeiten]

Am 18. September 1969 wurde der Turm offiziell in Betrieb genommen. Er besitzt Sendeeinrichtungen für analogen Rundfunk über UKW, digitalen Rundfunk, analoges und digitales Fernsehen und Datendienste. Nach Willen der Sächsischen Staatsregierung sollen 2025 alle analogen UKW-Sender abgeschaltet und auf digitalen Empfang umgestellt werden.[2] Er diente bzw. dient der Verbreitung folgender Programme:

Rundfunk der DDR und Wendezeit bis 1992[Bearbeiten]

Frequenz Leistung Nov. 1976 1989 Sept. 1991 Jan. 1992 heute
90,1 MHz Berliner Rundfunk Berliner Rundfunk Sachsenradio 2 MDR Life MDR Jump
92,2 MHz Radio DDR II [DDR92 1] Radio DDR II Sachsenradio 1 MDR 1 Radio Sachsen MDR 1 Radio Sachsen
95,4 MHz Radio DDR I Radio DDR I Radio aktuell (00-19 Uhr)
Sachsenradio 3 (19-24 Uhr)
MDR Kultur MDR Figaro
97,3 MHz Stimme der DDR[DDR92 1] Stimme der DDR DS Kultur DS Kultur Deutschlandfunk
102,4 MHz --- DT64 DT64 DT64 Radio PSR
  1. a b Frequenzen waren 1976: 92,25 MHz statt 92,2 MHz und 97,25 MHz statt 97,3 MHz

Analoges Radio (UKW)[Bearbeiten]

Frequenz 
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
89,2 R.SA __R.SA__ 14C2 2 D H
90,1 MDR Jump MDR_JUMP D3C2 - 100 ND H
92,2 MDR 1 Radio Sachsen MDR_SACH D4C1 Dresden 100 ND H
93,2 Deutschlandradio Kultur DKULTUR_ D220 1 ND H
95,4 MDR Figaro MDR_____/FIGARO__ D3C3 100 ND H
97,3 Deutschlandfunk __DLF___ D210 100 ND H
100,2 Energy Sachsen _ENERGY_ D3CE Dresden 5 D H
102,4 Radio PSR RADIOPSR D3C8 Dresden 100 ND H
103,5 Radio Dresden _DRESDEN 15C1 2 D H
105,2 Hitradio RTL Sachsen Hitr.RTL D3C9 Dresden 100 ND H
106,1 MDR Info MDR_INFO D3D5 0,5 D H

Digitales Radio (DAB / DAB+)[Bearbeiten]

DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt.

Block Programme ERP
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND),
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 10

5
D
(0°-140° / 170°-360°)
(150°-160°)


9C
Sachsen9C
(D__00244)
10 ND Dresden-Wachwitz (Fernsehturm), Löbau (Schafberg)


Fernsehen (analog)[Bearbeiten]

Dieses letzte verbliebene analoge Fernsehprogramm wurde am 10. Januar 2013 abgeschaltet. [3] [4] [5]

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
59 775,25 Dresden Fernsehen[AgA 1] 20 ND H
  1. seit 10. Juni 1996

Die folgenden Sender wurden spätestens mit der Umstellung auf DVB-T abgeschaltet:

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
10 210,25 Erstes Deutsches Fernsehen/Das Erste (MDR)[Ag 1] 100 ND V
29 535,25 MDR Fernsehen (Sachsen)[Ag 2] 500 ND H
43 647,25 VOX[Ag 3] 2 D H
46 671,25 ZDF[Ag 4] 470 ND H
48 687,25 Sat.1[Ag 5] 2 D H
  1. DFF 1 von 1969 bis 15. Dezember 1990, Erstes Deutsches Fernsehen/Das Erste (MDR) vom 15. Dezember 1990 bis 22. Juli 2007
  2. DFF 2 von 1969 bis 14. Dezember 1990, DFF Länderkette vom 15. Dezember 1990 bis 31. Dezember 1991, MDR Fernsehen (Sachsen) vom 1. Januar 1992 bis 22. Juli 2007
  3. RTL bis 31. Dezember 1995, VOX vom 1. Januar 1996 bis 31. Dezember 2004
  4. ZDF vom 1. Dezember 1990 bis 22. Juli 2007
  5. Sat.1 vom 1. Juli 1994 bis 17. Mai 2002

Fernsehen (digital)[Bearbeiten]

Die Umstellung auf DVB-T wurde am 23. Juli 2007 durchgeführt. Mit den technischen Vorarbeiten wurde bereits Anfang November 2006 begonnen. Dabei wurden Kabel im Schacht des Turmes verlegt, die den Sendemast mit den Anlagen der Sendetechnik verbinden sollen. 2007 sollte mittels Hubschrauber eine neue Antenne angebracht werden, für die ebenfalls schon Platz geschaffen wurde,[6] sie wurde jedoch im Inneren des Zylinders von Hand montiert.

Auf den Kanälen 29 (538 MHz), 36 (594 MHz) und 39 (618 MHz) wird jeweils mit 100 kW in vertikaler Polarisation gesendet:[7][8]

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex Aufschaltung
29 538 ARD Digital (MDR) 23. Juli 2007
36 594 ZDFmobil 23. Juli 2007
39 618 ARD Digital 23. Juli 2007

Tourismus[Bearbeiten]

Im mit zwei Personenaufzügen erreichbaren Besucherbereich gab es ein zweistöckiges Turmrestaurant mit 132 Plätzen in 145 Metern Höhe, von der darüber in 148 Metern Höhe liegenden offenen Aussichtsplattform mit einer Kapazität von 40 bis 50 Besuchern konnte man wie von einem Balkon in die Tiefe blicken. Jährlich besuchten etwa 200.000 Gäste das Turmcafé, um von dort die Aussicht über das Elbtal zu genießen, bis zur Renovierung im Jahr 1991 durch die Deutsche Telekom und der Pleite des letzten Pächters des Turmcafés (HO-Gaststätte). Heute ist der Turm für Besucher nicht mehr geöffnet. Der vormalige Eingangsbereich ist vermauert und das Gelände sicher umzäunt.

Die Küche des Turmrestaurants musste in einem runden Raum mit nur 40m² unterkommen. Da der Fernsehturm bis zu 1,60 m hin und her schwanken kann, funktionierten auch die Küchenwaagen nicht mehr richtig. Hierbei musste der Koch die bis zu 30g Abweichung durch Erfahrung ausgleichen.[9]

Da eine Sanierung der Aufzugsanlage und des Restaurants etwa drei bis vier Millionen Euro kosten würde, konnte bisher noch kein Investor mit einem finanzierbaren Konzept gefunden werden. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei nur mit 500.000 Besuchern pro Jahr möglich. Die Telekom sieht derzeit keinen eigenen Bedarf zur Renovierung.

Am 4. August 2010 berichtete die Sächsische Zeitung über das Interesse eines potenziellen Investors, der der Stadt bis Mitte August ein Finanzierungskonzept vorlegen sollte.[10] Die erforderlichen Investitionskosten für den Turm werden mit zehn Millionen Euro beziffert.[11]

Vom 13. August 2013 bis 14. Februar 2014 lief eine Online-Petition „Wir wollen den Dresdner Fernsehturm wieder als touristisches Ausflugsziel!“.[12]

Trivia[Bearbeiten]

  • Um den Berichten zur Eröffnung des Berliner Fernsehturms den Vorrang zu lassen, wurde die offizielle Eröffnung des Wochen zuvor fertiggestellten Fernsehturms in Dresden zurückgestellt.
  • Am Fuß des Fernsehturms sollte ein Lokal für 250 Gäste erbaut werden. Die Grundmauern sind heute als Ruine erhalten. Das Projekt wurde aus Kostengründen und wegen des Baus der Bobbahn in Altenberg aufgegeben.[9]
  • Zu einer günstigeren Verkehrsanbindung sollte auch eine Seilbahn, welche vom Elbufer aus zum Turm geführt hätte, beitragen. Dieser Plan wurde wieder verworfen, die Errichtung der Seilbahn erfolgte dann 1970 im Bodetal (Thale/Harz).[9]
  • Im Juni 2000 gab es zum 10. Elbhangfest „Wachwitz zeigt die Zehne – 650 Jahre Wachwitz“ ein Licht-Ton-Event, bei dem der Fernsehturm nachts verschiedenfarbig erleuchtet wurde und mittels Lautsprecher weithin hörbar seine Sprechfähigkeit unter Beweis stellte.
  • Im Jahr 2003 gab es in den Senderäumen einen kleineren Brand, der rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte.
  • Im Februar 2008 tagte der Stadtrat über eine eventuelle Wiedereröffnung.[13]
  • Im August 2009 stand der Förderverein vor einer möglichen Auflösung, welche nur vorerst verhindert werden konnte.[14][15]
  • Im Februar 2012 gab es aufgrund einer infolge des Frostes geplatzten Rohrleitung einen Wasserschaden, bei dem mehrere Kubikmeter Wasser in die Kellerräume flossen.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gilbert Lupfer, Bernhard Sterra und Martin Wörner (Hrsg.): Architekturführer Dresden. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01179-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fernsehturm Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lupfer et al., Nr. 227 (Fernsehturm)
  2. Florian Pötzsch: Sachsen: UKW-Abschaltung abgesagt, Digital Fernsehen, 21. November 2012
  3. Ankündigung bei haufe.de: Sachsen: Abschaltung der analogen terrestrischen TV-Verbreitung
  4. forum.digitalfernsehen.de: Empfangsberichte
  5. sachsen1.com: Beitrag zur Abschaltung
  6. Ausschnitt Sächsische Zeitung vom 4./5. November 2006 (Version vom 1. August 2007 im Internet Archive)
  7. www.ukwtv.de/sender-tabelle/index.html.
  8. www.dvbt-mitteldeutschland.de/index.php?content=Programme&menu=Technische%20Parameter.
  9. a b c Sächsische Zeitung: Der Restaurant-Planer vom Fernsehturm von Tobias Winzer am 24. April 2014
  10. Hoffnung für den Fernsehturm, in: Sächsische Zeitung, 4. August 2010, S. 14
  11. Stadt verhandelt mit Investor für Fernsehturm, SZ-online, 3. August 2010
  12. https://www.openpetition.de/petition/online/wir-wollen-den-dresdner-fernsehturm-wieder-als-touristisches-Ausflugsziel
  13. Fernsehturm soll sich Besuchern wieder öffnen, 22.Februar 2008
  14. Trauer statt Feier: Fernsehturm-Förderer vor dem Aus, SZ-online, 9. September 2009
  15. Neuer Anlauf für die Fernsehturm-Rettung, SZ-online, 26. September 2009
  16. Wasser-Havarie im Fernsehturm: Frost lässt Leitung platzen in Sächsische Zeitung (22. Februar 2012, S. 14)