Dresdner Schnellpressenfabrik

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Koenig & Bauer AG Werk Radebeul, vom Jacobstein aus gesehen, 2008

Die Dresdner Schnellpressenfabrik, von 1938 bis 1991 Planeta, ist seit 1991 als Werk Radebeul ein Zweigbetrieb des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer. Das Werk mit etwa 1500 Mitarbeitern (2009) ist der für Bogenoffset-Druckmaschinen verantwortliche Teil des Unternehmens Koenig & Bauer.

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichtliche Einordnung
Aktie der PLANETA Druckmaschinenfabrik AG, ausgegeben 1942
Zweifarben-Offset-Bogendruckmaschine Planeta-Variant auf einer Briefmarke der DDR von 1969 zur Leipziger Frühjahrsmesse

Die Dresdner Schnellpressenfabrik wurde 1898 von Joseph Hauss, Reiseingenieur bei der Schnellpressenfabrik Albert & Cie in Frankenthal (Pfalz), und Alfred Sparbert, beide kannten sich von den Rockstroh-Werken in Heidenau, sowie Dr. Michaelis in Brockwitz (heute Coswig) gegründet.[1] Die Buchdruckmaschinenfabrik siedelte 1900 ins benachbarte Coswig in die heutige Industriestraße um. 1910 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Im benachbarten Industriegebiet Naundorf (heute Stadtteil von Radebeul) entstand ein weiterer Betriebsteil durch Übernahme des Areals des in Konkurs gegangenen Stanz- und Emaillierwerks Victoria. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Coswiger Werk aufgelöst, der Naundorfer Teil existierte weiter und spezialisierte sich ab 1922 auf die Herstellung von Offsetdruckmaschinen. 1922 wurde die Schnellpresse mit Tischfarbwerk auf den Markt gebracht.

1924 fusionierte das Unternehmen mit der Leipziger Schnellpressenfabrik zur Dresden-Leipziger Schnellpressenfabrik AG. Es wurden "Schnelllaufende Einfarben- und Zweifarben-Offsetpressen, Schön- und Widerdruck - Offsetpressen, Buchdruckschnellpressen, Zweitourenschnellpressen und Autotiegeldruckpressen" hergestellt.[2]

1932 wurde die weltweit erste Vierfarben-Bogenoffsetmaschine vorgestellt. Durch die eigene Erfindung (erstes Patent 1902) des „Planeten-Antriebs“ für Buchdruckschnellpressen angeregt, gab sich das Unternehmen am 28. Oktober 1938 den Firmennamen Planeta Druckmaschinen.[3]

Nach Demontage 1945 und Zwangsverwaltung durch die sowjetische Militäradministration entstand 1948 der VEB Polygraph Druckmaschinenwerk Planeta, das 1954 die Werkzeugmaschinenfabrik und 1967[4] oder 1968[3] den VEB Cocima übernahm. Mit der 1890 gegründeten Radebeuler Maschinenfabrik August Koebig gab es in Radebeul einen weiteren Druckmaschinenhersteller, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Namen VEB Ramasch zum wichtigsten Zulieferbetrieb der polygrafischen und papierverarbeitenden Industrie der DDR wurde. Ebenfalls 1967[4] oder 1968[3] erfolgte auch dessen Übernahme. Auch wurde das Polygraph Druckmaschinenwerk Victoria in Heidenau übernommen.

Ab 1970 bis zur Wende gehörte PLANETA als größter Druckmaschinenhersteller der DDR (1989: 5.600 Beschäftigte) zum Kombinat Polygraph Werner Lamberz. Die Planeta-Vierfarben-Offsetmaschine erzeugte auf der Leipziger Herbstmesse großes Aufsehen, eine weitere Entwicklung der 1960er Jahre war die weltweit neuartige Aggregatbauweise für Offsetanlagen 1965, und 1986 wurde die längste Bogenoffsetmaschine der Welt mit zehn Druckwerken vorgestellt. 1990 übernahm das Unternehmen die Royal Zenith Corp. in den USA und firmierte sie zur Planeta North America Inc. um.

Im April 1991 übernahm Koenig & Bauer den Majoritätsanteil an dem aus dem Kombinat herausgelösten Unternehmen, 1994 folgte das letzte Viertel der Anteile, und 1998 wurde KBA Planeta-Bogenoffset in den KBA-Konzern integriert. Alle außerhalb Radebeuls liegenden sechs sächsischen Standort wurden geschlossen und auch die westdeutsche Bogenoffset-Druckmaschinenproduktion auf Radebeul konzentriert. Mit einem Umsatz von 520 Millionen Euro war das Werk 2001 der größte Maschinenbaubetrieb in Ostdeutschland.[3]

Das Koenig & Bauer AG Werk Radebeul meldet heutzutage pro Jahr etwa 60 bis 100 Patente an.[3]

Im Jahr 2008 wurde das Werk Radebeul der Koenig & Bauer (KBA) für die Sanierung der „aus über hundertjähriger Werkstradition überlieferten Bausubstanz“ einschließlich eines Büro-Hochhauses in Plattenbauweise und deren funktionsgerechter „Ergänzung mit architektonisch anspruchsvollen Neubauten“ mit dem Radebeuler Bauherrenpreis in der Kategorie Bauen im Bestand ausgezeichnet.[5] Bereits im Jahr 2005 war der für den Standort Radebeul verantwortliche KBA-Vorstand für Produktionstechnik, Frank Junker, als Kunst- und Kulturförderer mit dem Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul ausgezeichnet worden.

Firmengebäude[Bearbeiten]

Die Gebäude wurden nach Entwürfen eines Kollektivs unter der städtebaulichen Leitung von Johannes Vogel unter der Mitwirkung des Hochbauamtes (Eberhard Renner und Erika Matthes) von 1960 bis 1974 errichtet. Das Konstruktionsgebäude ist 9-geschossig und wurde in 2-Mp-Skelettbauweise (Mp: Megapond) errichtet. Die Produktionshalle mit einer Nutzfläche von 40 000 Quadratmetern wurde mit 7 Hallenschiffen und einem Stabnetzfaltwerk, Copilitverglasung, Wandplattenfassade und Stahlfensterband erbaut. Der Sozialtrakt mit Küche und Speisesaal wurde in Stahlbauweise gebaut. Eine Natursteinmosaikwand im Pausenhof wurde von Erich Hering und Franz Tippel gestaltet.[6]

Patente (Auszug)[Bearbeiten]

  • 18. September 1902; AT000000012540B; Vorrichtung zur Bewegung des Druckfundamentes von Schnellpressen
  • 14. Januar 1911; AT000000053467B; Bogenausführung für Schnellpressen mit aussetzend gedrehtem Druckzylinder
  • 16. Mai 1920; DE000000352243A; Vorrichtung an Schnellpressen zur selbsttätigen Verhinderung des Druckvorganges bei ungenauer Anlage oder bei Ausbleiben des zu bedruckenden Bogens
  • vor 27. April 1922; DE000000352441A; Schnellpresse mit schwingendem Druckzylinder und Frontbogenausgang
  • 24. August 1922; DE000000357430A; Schnellpresse mit Tischfarbwerk

Literatur[Bearbeiten]

  •  Frank Andert (Red.), Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9, DNB 97909724X.
  •  Walter May, Werner Pampel und Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1979.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. KBA-Geschichte-Homepage 1814-1900
  2. Grafische Darstellung einer Fabrikansicht um 1935 "Dresden-Leipziger Schnellpressenfabrik AG"
  3. a b c d e  Frank Andert (Red.), Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9, S. 106, DNB 97909724X.
  4. a b KBA-Geschichte-Homepage 1951-2000
  5. Radebeuler Bauherrenpreis 2008. Kategorie: Bauen im Bestand. In: Radebeuler Bauherrenpreis. verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul, abgerufen am 27. April 2012.
  6. May et al., Nr. 143 (Druckmaschinenwerk Planeta, Friedrich-List-Str.)

51.10944444444413.594027777778Koordinaten: 51° 6′ 34″ N, 13° 35′ 39″ O