Drewlanen

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Fürst Igor sammelt 945 Tribut bei den Drewlanen. Klawdi Lebedew, 1908

Die Drewlanen oder Drewljanen (ukrainisch Деревляни, russisch Древляне) waren ein ostslawischer Stamm, der zwischen 6. und 10. Jahrhundert die Gebiete von Polesien in der Nordukraine bewohnte. Ihre Nachbarstämme waren im Osten die Polanen, im Westen die Wolhynier und die Buschanen, im Norden die Dregowitschen. Der Name Drewlanen leitet sich vom slawischen Wort drewo ‚Baum‘ ab. So nannten sich die in waldreichen Gebieten lebenden Drewlanen im Gegensatz zu den Polanen, deren Name sich von pole ‚Feld‘ ableitete.

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Drewlanen hinterließen zahlreiche archäologische Spuren, wie Überreste von Siedlungen, Grabstätten und Befestigungsanlagen (z.B. in den heutigen Städten Owrutsch, Horodsk oder Malyn). Die Stadt des Fürsten der Drewanen war Iskorosten, das heutige Korosten; dort sind immer noch Spuren alter Siedlungen zu sehen.

Die Drewlanen hatten gut entwickelte landwirtschaftliche Kenntnisse und Handwerke. Feste Begräbnisrituale zeugen von religiösen Vorstellungen über das Leben im Jenseits, während das Fehlen von Waffen in den Gräbern auf einen friedlichen Charakter der Drewlanen hinweist. Die Funde von Sicheln, Erzeugnissen aus Metall, Resten von Gewebe und Leder zeigen, dass die Drewlanen Landwirtschaft betrieben und die Töpferei, Eisenverarbeitung, Weberei und Gerberei beherrschten. Knochen von Haustieren und zeugen von Tierhaltung, darunter auch Pferden. Zahlreiche Erzeugnisse aus Silber, Bronze und Chalcedon fremder Herkunft deuten Teilnahme am Fernhandel an, während das Fehlen von Münzen auf Tauschhandel schließen lässt.

Geschichte[Bearbeiten]

Olgas Rache an den Drewlanen, mittelalterliche Zeichnung
Denkmal für den Drewlanenfürst Mal in Korosten

Die Drewlanen leisteten verbissenen Widerstand gegen jegliche Versuche, sie fremder Herrschaft unterzuordnen. Im Jahr 883 zwang Oleg von Nowgorod die Drewlanen, der Kiewer Rus Tribut zu zahlen. Im Jahr 907 nahmen die Drewlanen am Kiewer Feldzug gegen Byzanz teil. Nach Olegs Tod verweigerten die Drewljanen die Tributzahlungen an Kiew. Olegs Nachfolger Igor versuchte sie wieder dazu zu zwingen, doch die Drewljanen organisierten einen Aufstand und töteten ihn im Jahr 945.

Igors Witwe Olga rächte den Tod ihres Mannes grausam. Sie ließ die Gesandten der Drewljanen lebendig begraben, ihre Hauptstadt Iskorosten niederbrennen und viele Städte dem Erdboden gleichmachen. Nach der Unterwerfung der Drewlanen, verleibte sie ihre Gebiete der Kiewer Rus ein.

Die letzte Erwähnung der Drewlanen in den Chroniken wird auf 1136 datiert, als ihre Gebiete vom Fürst Jaropolk Wladimirowitsch der Desjatinnaja-Kirche in Kiew geschenkt wurden. Im 19. Jahrhundert gab es immer noch Menschen, die sich als Drewlanen bezeichneten. Fast 200.000 von ihnen erfasste die Volkszählung von 1861. Allerdings gingen sie später vollkommen im ukrainischen Volk auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • B. B. Богуславский, В.В. Бурминов: Русь рюриковичей. Иллюстрированный исторический словарь (Russisch)