Driften (Motorsport)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Motorsportart Driften. Für die gleichnamige Fahrtechnik siehe Fahrtechnik.
Ein Toyota Supra beim Driften.

Driften ist eine Motorsportart, die aus der gleichnamigen Fahrtechnik entstanden ist. Hierbei versucht der Fahrer sein Fahrzeug zum Übersteuern zu bringen, während er die Kontrolle und ein hohes Fahrtempo beibehält. Bei diesen Fahrmanövern zeigen die gelenkten Vorderräder zur Kurvenaußenseite, die hinteren Räder haben einen höheren Schräglaufwinkel als die Vorderräder. Als Motorsport-Wettbewerb wird das Driften weltweit ausgetragen, wobei es auf Geschwindigkeit, Driftwinkel und Eleganz der Drifts ankommt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Driften als Fahrtechnik ist sehr verbreitet im Motorsport. In Disziplinen wie Rallye, Speedway oder Supermoto wird es genutzt, um höhere Kurvengeschwindigkeiten zu erzielen.

Die Entstehung als Motorsportart geht auf die Achtziger Jahre zurück. Japanische Tourenwagenfahrer nutzten die Fahrtechnik, um sich in Rennen einen Vorteil zu verschaffen. Inspiriert davon produzierte Keiichi Tsuchiya 1987 ein Video namens Pluspy, in welchem er auf einem Toyota Corolla Levin auf öffentlichen Straßen driftete.[1] Schon 1988 wurde unter dem Banner der D1 Grand Prix ein erster Wettbewerb in Japan ausgetragen. Erst Mitte der Neunziger wurden auch erste Veranstaltungen in den USA ausgetragen. Mittlerweile hat der Sport aber auch weltweit an Popularität gewonnen. So ist in Deutschland die seit 1999 ausgetragene Internationale Driftchallenge recht populär. Auch Filme wie The Fast and the Furious, die sich im Umfeld der Tuner- und Driftszene bewegen, taten ihr Übriges. Seit 2011 ist auch das Label Drift United in dem Mündern der nationalen und internationalen Driftsport-Szene. Professionell organisierte Rennveranstaltungen und Shows im Driftsegment finden jährlich statt.

Organisiert sind die Serien zumeist von privaten Promotern. Es gibt keine oberste Motorsportbehörde, wie die FIA, die ein einheitliches Reglement erarbeitet. So wurden 2008 die ersten Drift-Weltmeisterschaften in Long Beach ausgetragen. Veranstaltet von Red Bull wurde Rhys Millen auf einem Pontiac Solstice GXP erster WM-Sieger. Das Feld bestand hauptsächlich aus Teilnehmern der US-amerikanische Formula D (Formula Drift). Es waren aber auch einige wenige Japaner und Europäer am Start.

Wettbewerbe[Bearbeiten]

Team-Driften

Die Wettbewerbe werden üblicherweise mit einer Qualifikation begonnen. Hier müssen sich zumeist die besten 16 Fahrer mit guten Rennläufen für das Finale qualifizieren. Bei diesen Läufen sind die Fahrer in der Regel einzeln unterwegs. Die Strecken sind häufig nur einige hundert Meter lang und sind mehrheitlich kurvenreiche Abschnitte von richtigen Rennstrecken. So gibt es Drift-Veranstaltungen in der Sachskurve des Hockenheimrings, im Bereich Priory und Luffield des Silverstone Circuit oder auch auf Ovalkursen wie dem Irwindale Speedway in den USA. Hier wird sogar in den Steilkurven gedriftet.

Bei den Drifts kommt es auf die erreichte Geschwindigkeit, Driftwinkel, Linienwahl und den Stil an. So werden flüssiges Fahren und das nahe Heranfahren an Streckenbegrenzung und Gegner hoch bewertet. Die Bewertung wird von unabhängigen Juroren vorgenommen. In den Finalläufen werden im Gegensatz zu der Qualifikation zwei Fahrzeuge gleichzeitig ins Rennen geschickt. Im direkten Duell wird die Strecke zweimal befahren, wobei jeder Fahrer einmal das Führungsfahrzeug ist und überholt werden darf. Entweder wird von der Jury direkt ein Sieger des Duells ermittelt, oder es werden pro Lauf Punkte vergeben, wobei die höchste Punktzahl über den Laufsieger entscheidet. So wird dann im K.O.-System ein Sieger des Wettbewerbs ermittelt.

Zu Show-Zwecken sind auch manchmal mehr als zwei Fahrzeuge auf der Strecke. Auch der Veranstaltungsmodus variiert je nach Serie und Promoter.

Europameisterschaft[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2012 veranstaltet die International Drift Series eine Europameisterschaft (EM). Als letzter Termin der Saison wird am Nürburgring (Müllenbachschleife) der Endlauf ausgetragen.[2][3]

2013 fand der erste Wertungslauf der internationalen Serie Drift United statt. In diesem Jahr wird erstmals ein Drift United Champion gekürt und darf als Gewinner nach Las Vegas reisen.

Europameister[Bearbeiten]

  • 2012 – Patrick Ritzmann
  • 2013 - Dimitri Lust ( Pro-Wertung)
  • 2013 - Jörg Stoll ( Street-Wertung)

Fahrtechnik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fahrtechnik

Beim Driften werden meistens leichte Fahrzeuge mit Heckantrieb und hoher Motorleistung und Drehmoment eingesetzt. Populär sind Fahrzeugtypen wie der Nissan 350Z, Nissan Silvia oder der Toyota Corolla Levin. Dieser war auch in Pluspy zu sehen. Fahrzeuge mit Allradantrieb, wie sie aus dem Rallyesport kommen, werden zumeist auf deutlichen Drehzahlüberschuss an der Hinterachse umgebaut, das sogenannte Countersteering bzw. Oversteering. Dieses bietet den Vorteil, gezielt über das Durchdrehen der Hinterräder den Driftwinkel zu kontrollieren (dennoch kann über die angetriebene Vorderachse die Lage des Fahrzeugs schnell verändert werden, während ein reiner Heckantrieb eine deutlich höhere Trägheit vorweist). Dieses Fahrverhalten nennt man Power-Oversteer, also ein provoziertes Übersteuern durch schieren Überfluss an Motorleistung. Fronttriebler sind zum Driften ungeeignet, da sie zum Unter- statt zum Übersteuern neigen. Ein Übersteuern kann beim Frontantrieb aber durch das Einsetzen der Handbremse erzeugt werden. Dies wird jedoch als „Slide“ und nicht als „Drift“ bezeichnet.

Neben der Handbremse und dem Power-Oversteer wird das übermäßig schnelle Herunterschalten oder das Betätigen der Kupplung genutzt, um das Fahrzeug gezielt instabil zu machen. Diese Techniken werden als „Shift-Lock“ und „Clutch-Kick“ bezeichnet. Eine weitere Technik ist es, das Auto in eine Pendelbewegung zu bringen. Dabei versucht der Fahrer kleine Schlangenlinien zu fahren, sodass das Heck des Fahrzeugs bei einem plötzlichen und starken Einlenkmanöver ausbricht. Ein erfolgreiches Einleiten des Drifts wird hierbei „Feint“ genannt.

Eine weitere Technik ist, die Hinterachse des Wagens kurzzeitig auf einer Grasfläche neben der Strecke zu platzieren. Dabei wird der Wagen so aufgeschaukelt, dass das Heck über die Fläche neben dem Asphalt rutscht und damit die Haftung verliert. Sobald der Eingangs-Drift-Winkel erreicht ist, wird das Fahrzeug wieder auf dem Asphalt bewegt. Diese Technik wird als „Dirt-Drop“ bezeichnet.

Die Handbremse (E-Brake) selbst wird zudem nicht nur zum Einleiten des Drifts benutzt, sondern auch dazu verwendet einen Drift deutlich zu verlängern, indem man Instabilität in den Fahrzustand bringt, während der Wagen schon dazu neigt, wieder Grip auf der Hinterachse aufzubauen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit der E-Brake ist das Abbauen eines Geschwindigkeitsüberschusses zwischen Kurvenkombinationen. Wird zum Beispiel eine Kurve im vierten Gang gedriftet und folgt daraufhin eine Kurve, die den Drift im zweiten Gang voraussetzt, bietet es sich an, mittels der E-Brake den Drift-Winkel vor Eingang der langsameren Kurve stark zu erhöhen und damit beim in die Kurve Hineinrutschen Geschwindigkeit abzubauen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pluspy-Video, YouTube-Video vom 6. August 2007, abgerufen am 11. Januar 2013.
  2. International Drift Series 2012: Saisonstart in Hockenheim, autobild.de vom 6. Mai 2012, abgerufen am 11. Januar 2013.
  3. IDS-Drifting – Europameisterschaft, IDS-Homepage, abgerufen am 11. Januar 2013.