Dritte Flandernschlacht

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Dritte Flandernschlacht
Karte der Schlacht
Karte der Schlacht
Datum 31. Juli bis 6. November 1917
Ort Um Ypern, Belgien
Ausgang Geringe alliierte Geländegewinne
Konfliktparteien
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Großbritannien
FrankreichFrankreich Frankreich
Befehlshaber
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Friedrich Sixt von Armin Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Hubert Gough
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Herbert Plumer
FrankreichFrankreich François Anthoine
Truppenstärke
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich 4. Armee Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 5. Armee
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 2. Armee
FrankreichFrankreich 1. Armee
über 3.000 Geschütze
Verluste
217.000–260.000 Soldaten[1] 310.000–325.000 Soldaten[1]

Die Dritte Flandernschlacht im Ersten Weltkrieg war ein Versuch der Alliierten, einen Durchbruch im Raum Ypern zu erzielen, daher auch der Name Dritte Ypernschlacht. Sie begann am 31. Juli 1917 und endete am 6. November 1917 mit der Eroberung des Dorfes Passendale (Passchendaele).

Die Dritte Flandernschlacht wurde wegen ihrer Monate langen Dauer von den angreifenden Engländern in mehrere Schlachtbezeichnungen aufgegliedert. Die Einleitungsschlacht vom 7. Juni wird als Schlacht von Messines bezeichnet und sollte vom Abschnitt der Hauptoffensive, die am 31. Juli mit der Schlacht bei Pilkem eingeleitet wurde, ablenken. Ab 16. August konzentrierten sich die Kämpfe bei Langemarck, ab 20. September bei Menen und ab 26. September in der Schlacht im Polygon-Wald. Die späteren Offensiven werden am 9. Oktober als Schlacht von Poelcapelle, am 12. Oktober als Erste Schlacht von Passchendaele und vom 26. Oktober bis zum Abflauen der Flandernschlacht als Zweite Schlacht von Passchendaele bezeichnet.

Der Durchbruch gelang den Engländern nicht und die Geländegewinne waren, wie an der Westfront üblich, sehr gering und wurden mit enormen Verlusten (Soldaten und Kriegsmaterial) erkämpft. Deswegen steht die Flandernoffensive heute für die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges.

Ausgangssituation[Bearbeiten]

Das Kriegsjahr 1917 war vom Zusammenbruch des Russischen Kaiserreiches gekennzeichnet. Nachdem Rumänien Ende 1916/Anfang 1917 größtenteils von den Mittelmächten besetzt war, kehrte an der Ostfront bereits im Wesentlichen Ruhe ein. Die Auflösungserscheinungen in der russischen Armee waren schon im Frühjahr 1917 unübersehbar. Die deutsche Westfront war durch eine erfolgreiche Rückzugsbewegung (Unternehmen Alberich) auf die Siegfriedstellung im März 1917 zur Kräfteeinsparung bedeutend verkürzt worden. Die Situation der Westalliierten wurde durch diese Ereignisse erschwert. Man bereitete aus diesem Anlass größere Unternehmungen vor.

Die Alliierten starteten an der Westfront mehrere große Offensiven, die aber keine nennenswerten Veränderungen herbeiführten. Gründe dafür waren die schwach geplanten Offensiven, die Unterschätzung der deutschen Kampfkraft, der wenig geplante Einsatz neuer Waffen wie Panzer und Geschütze auf Seiten der Alliierten und letztendlich die Erschöpfung der Materialschlachten. Die Franzosen versuchten an der Aisne (16. April bis Ende Mai 1917) und in der Champagne (Schlacht von Arras (9. April bis zum 16. Mai 1917)) einen Durchbruch. Dabei wurden mehr Truppen und Geschütze eingesetzt als bei der Schlacht um Verdun. Die großen Verluste führten auf französischer Seite zu einer schweren Krise. Es kam zu Meutereien, auf die die französische Militärführung zunächst mit drakonischen Strafen (Hunderte von Todesurteilen) reagierte; später ordnete General Pétain für den Rest des Jahres 1917 die Defensive an und verbesserte Verpflegung und Ruhezeiten zur Schonung der Truppe. Eine allmähliche Verbesserung der Moral trat ein.

Deutschland erklärte am 1. Februar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und setzte damit die britische Marine unter Druck. Dies hatte aber auch zur Folge, dass die USA in den Krieg gegen Deutschland eintraten (am 6. April 1917), was auf deutscher Seite stark unterschätzt wurde und sich erst nach und nach im Kriegsjahr 1918 auswirkte, schließlich aber entscheidend für die Niederlage Deutschlands war. Die USA waren trotz ihrer offiziellen Neutralität den Positionen der Entente eher zugeneigt; mit einem Kriegseintritt (früher oder später) zu deren Gunsten rechneten damals viele. US-Präsident war von 1913 bis 1921 Woodrow Wilson. Er war am 7. November 1916 wiedergewählt worden.

Planung[Bearbeiten]

Der britische Oberbefehlshaber Sir Douglas Haig plante bereits 1916 eine Operation im Raum Flandern. Diese Pläne wurden aber wegen der Schlacht an der Somme (1. Juli bis 18. November 1916) verschoben. Absicht Haigs war ein Durchbruch bis zur belgischen Küste, um die deutschen U-Boot-Stützpunkte bei Oostende und Zeebrugge zu erobern und so die von den deutschen U-Booten ausgehende Gefahr abzuwenden. Außerdem sollte so die Frontlinie verkürzt und eine Einschließung deutscher Truppen ermöglicht werden.

Haig glaubte, wie bereits bei der Somme-Offensive, dass die deutsche Armee kurz vor dem Kollaps stand. Der Premierminister David Lloyd George stand der Offensive sehr kritisch gegenüber, segnete die Pläne aber ab, da er keinen Alternativplan aufbringen konnte.

Zuerst mussten allerdings die deutschen Stellungen auf dem Bergrücken vom Wytschaete, bzw. der deutsche Frontbogen bei Wijtschate und Mesen (Wytschaete und Messines) erobert werden, da sonst kein Angriff auf die U-Boot-Stützpunkte möglich wäre.

Einleitungsschlacht[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schlacht von Messines
Deutsche Soldaten im Gasangriff

Am Morgen des 21. Mai 1917 eröffneten die Briten unter General Herbert Plumer mit 2.000 Geschützen den Angriff gegen den Wytschaetebogen. Die deutschen Stellungen wurden 17 Tage lang ununterbrochen beschossen.

Die eigentliche Schlacht von Messines begann am 7. Juni um 3:10 Uhr mit der Sprengung von 19 Minen. Durch die Explosionen wurden die Stellungen der in Ablöse stehenden 40. Division und der 3. bayerische Division fast vollständig vernichtet. Weitere Minen detonierten im nördlicher anschließenden Abschnitt der 2. und 35. Division. Etwa 9000 Soldaten fielen oder gerieten, großteils verschüttet oder bereits vom Gegner abgeschnitten, in Gefangenschaft. Dies sorgte dafür, dass die deutschen Vorbereitungen für eine Verteidigung zusammenbrachen. Neun alliierte Divisionen gingen daraufhin zum Angriff über und wurden durch den Einsatz von Giftgas und 72 Panzern unterstützt. Innerhalb von drei Stunden war die gesamte deutsche Stellung eingenommen, die in Reserve stehende Eingreifdivisionen (7. Division und 1. Garde-Reserve-Division) konnten durch die Schnelligkeit des Geschehens nicht schnell genug nach vorne gebracht werden. Der Frontbogen fiel in schweren Kämpfen bis 14. Juni vollständig in britische Hände.

Die Schlacht bei Messines oder Mesen gilt als eine der wenigen relativ erfolgreichen Offensiven im Ersten Weltkrieg und bestärkte die Moral der alliierten Truppen. Plumer wollte den Angriff weiterführen, wurde jedoch zurückgehalten – da die Truppen erst aufgefrischt und Verteidigungsstellungen aufgebaut werden sollten.

Erste Phase[Bearbeiten]

Beginn der Offensive am 31. Juli[Bearbeiten]

Frontveränderungen zwischen 7. Juni und 19. August 1917

Am 31. Juli 1917 um 3:50 Uhr begann nach tagelangem Artilleriebeschuss die eigentliche Großoffensive in Flandern. Die nachfolgende erste Offensive wurde von der britischen 5. Armee (anfangs 18 Divisionen) geführt und von der französischen 1. Armee unter General Anthoine durch den Angriff von drei Divisionen gegen die Gruppe Dixmuide (XIV. Armee-Korps unter General Chales de Beaulieu) unterstützt.

General Gough setzte für seine ersten Hauptstoß gegen die deutsche Gruppe Ypern (III. Bayerisches III. Armee-Korps unter General Hermann von Stein) zwischen Boesingen und Zillebeke neun Divisionen ein. Im Norden griffen das XIV. (Garde- und 38. Division) und XVIII. Korps (51. und 39. Division) der Generale Lord Cavan und Maxse gegen St. Julien an, in der Mitte stürmten das XIX. (55. und 15. Division) und II. Korps (8., 18. und 24. Division unter General Watts und Jacob gegen Frezenberg und das Plateau westlich vor Gheluvelt.

Die südlicher anschließende englische 2. Armee unter General Plumer begleitete den Angriff mit zwei Divisionen seiner Nordgruppe (X. und IX. Korps unter den Generalen Morland und Gordon), die in Richtung auf Zandvoorde und Houthem gegen die deutsche Gruppe Wytschaete (IX. Reserve-Korps unter General Karl Dieffenbach) in Richtung auf Menin angriffen. Die Alliierten wurden von ca. 22 Panzern unterstützt, von denen allerdings viele in den durch den Artilleriebeschuss entstandenen Kratern steckenblieben.

Die deutsche 4. Armee unter dem Oberbefefehlshaber General Sixt von Armin hatte zur Abwehr entsprechende Reserven herangezogen. Zur Verteidigung setzten die Deutschen das erste Mal Senfgas ein, das nicht nur die Atemwege, sondern auch die Haut angriff.

Wie aus früheren Großangriffen üblich, hatte die schwere Bombardierung mit 3000 Geschützen die deutschen Verteidiger rechtzeitig gewarnt, so dass das britische Ziel, die Straße von Menin zu erobern, abgewehrt werden konnte und nur kleine Geländegewinne erzielt wurden.

Die Front der Gruppe Ypern wurde aufgerissen, die betroffene 3. Garde-Division, die 38. und 235. Division wurden zwischen Grafenstafel und Zonnebeke zurückgedrängt, danach gelang es aber den deutschen Eingreifdivisionen (50. Reserve-Division und 221. Division) die Lage wieder herzustellen und die Front zu stabilisieren. Die deutsche 40. und 111. Division den linken Flügel der Gruppe Dixsmuide bildend, wurden vorübergehend zwischen Bixschoote und Pilkem hinter den Steenbeek zurückgedrängt. 31.000 alliierte Soldaten starben, wurden verwundet oder blieben vermisst.

Außerdem begann ein starker Regen, der das Schlachtfeld in ein riesiges Schlammfeld verwandelte. Verschärft wurde die Situation vor allem auch dadurch, dass der britische Beschuss die Entwässerungskanäle zerstört hatte. Um den Truppen Bewegung zu ermöglichen, wurden Holzlatten als Fußwege verlegt. Die Soldaten, die etwa 45 kg Material trugen, liefen Gefahr, zu ertrinken, wenn sie von diesen Wegen abrutschten. Die Schützengräben wurden überflutet und der Einsatz von Panzern war nun gar nicht mehr möglich.

Wassergefüllter Schützengraben
Sanitäter waten durch den Schlamm.

Die Fortsetzung der Offensive im August[Bearbeiten]

Am Morgen des 16. August 1917 begann die nächste britische Offensive zwischen der Yser und Lys, die auch als Schlacht von Langemarck bezeichnet wird. Den Briten gelang es in Langemarck einzubrechen und sich bis Poelcapelle vorzukämpfen. Nördlich davon wurde Drie Grachten genommen, der erhoffte Durchbruch konnte aber auch diesmal nicht errungen werden. Er scheiterte abermals an der verbissenen deutschen Verteidigung. Die Front bog sich jetzt nördlich Bixschote gegen den Houthulster Wald zurück.

Am 17. August konnte die 54. Division am linken Flügel der Gruppe Ypern durch Teile der 3. Reserve-Division verstärkt allen Angriffen standhalten. Im Zentrum der Gruppe musste aber die 5. bayerische Division die Reste des zerstörten Dorfes St. Julien dem Gegner überlassen.

Am 22. August griff auch der rechte Flügel der 5. Armee mit dem II. Korps (Jacob) entlang der Strasse nach Menen an, erkaufte aber geringe Geländegewinne mit schweren Verlusten. Der englische Großangriff richtete sich an diesem Tag bei der Gruppe Ypern besonders gegen die 26. Division, 12. Reserve-Division und 121. Division sowie gegen den rechten Flügel der Gruppe Wytschaete mit der 34. Division und der 9. Reserve-Division.

Am 23. August wurde auf deutscher Seite das Generalkommando des XIV.A.K. abgelöst, die Gruppe Dixmuide wurde für die nächsten zwei Wochen vom Stab des Gardekorps geführt. Bei der Gruppe Ypern (General von Stein) wird mit dem Einführen der 204. Division an der Naht zwischen der 26. Division und der 12. Reserve-Division ein neuer Kampfabschnitt gebildet.

Ende August musste der Angriff der britischen 5. Armee wegen Verschlechterung der Wetterlage vorerst abgebrochen werden.

Zweite Phase[Bearbeiten]

Haig wechselte den Befehlshaber der Offensive Sir Hubert Gough, indem er dessen Befehlsbereich weiter nach Norden zog und beauftragte noch Ende August General Herbert Plumer mit der Führung im Hauptangriffsfeld. Plumer hatte bereits im Juni durch sine geschickte Taktik den Frontbogen bei Messines ohne schwere Verluste erobern können. Plumer plante einige kleinere Eroberungen, dazu wurde im Laufe des Septembers und Oktobers mehrmals angegriffen. Mitte September hatte das australisch-neuseeländische Korps das erschöpfte II. Korps abzulösen. Am 17. und 18. September besuchte Haig die einzelnen Generalkommandos jeder Armee um mit den Stabsoffizieren das weitere Vorgehen abzusprechen.[2]

Bei den Deutschen war am 9. September das Generalkommando III. Bayerisches Korps aus dem Hauptangriffsfeld herausgelöst worden, die Führung der Gruppe Ypern übernahm jetzt das Gardekorps unter General von Böckmann. Kurz vorher war auch die Gruppe Dixmuide unter die neue Führung des Garde-Reserve-Korps unter General Marschall von Altengottern getreten.

Plumers Angriffe im September und Oktober[Bearbeiten]

Am 20. September führte General Plumer einen neuen Großangriff an der Straße von Menen (Menin) durch, dabei wurde auch das I. ANZAC-Korps unter General Birdwood herangezogen. 1295 Geschütze wurden eingesetzt, was je einem Geschütz auf 5 m Frontbreite entsprach. Doch auch Plumers Angriff konnte nur einen Geländegewinn von 1,4 km Tiefe erkämpfen, die britischen Verluste betrugen aber 21.000 Soldaten. Nach mehreren Angriffen am 22. September gelang den Alliierten ein weiterer 800 Meter tiefer Geländegewinn an der Straße nach Menen.

Am 26. September unternahm Plumer einen Angriff am Polygon-Wald, eingesetzt waren neben den Divisionen des britischen X. und IX. Korps, auch die Divisionen der beiden ANZAC-Korps. Gelände südlich von Zonnebeke bis zum Polygonwald wurde erstürmt.

Am 4. Oktober begann die Schlacht von Broodseinde, südlich von Zonnebeke entstand dabei im Abschnitt der deutschen 4. Garde-Division eine gefährliche Fronteinbuchtung. Bei den Angriffen wurden 1,8 km Gelände erobert, wieder unter dem Verlust von fast 30.000 Soldaten. Die Front verlief jetzt vom Broenbachgrund bei Koekuit durch den Ostteil von Poelcapelle über Keerselarhoek und Nieuwmolen östlich an Broodseinde vorbei auf das Plateau nach Beselare, von dort an den Westrand von Gheluvelt.

Schlacht bei Poelcapelle am 9. Oktober[Bearbeiten]

Lage bei Poelcapelle am 9. Oktober

Haig verlangte größere Geländegewinne und fühlte sich in seinem Glauben bestärkt, dass die deutsche Armee vor dem Zusammenbruch stünde. Ein weiterer Angriff des britischen XVIII. Korps (11. und 18. Division) am 9. Oktober wurde bei Poelcapelle angesetzt. Das XIV. Korps (Garde, 4. und 29. Division) erreichte nördlicher die Besitznahme des Geländes südlich des Houthulster-Waldes, weiterer Bodengewinn wurde auch südlich der Bahn Roeselare—Ypern erkämpft. Vor Passchendaele verlor die deutsche 195. Division einiges an Gelände, am Mittag wurde die als Eingreifdivision fungierende 240. Division hinter dem rechten Flügel der Gruppe Ypern bereitgestellt und gegen die Einbruchsstelle bei Poelcapelle angesetzt.

Plumer hatte am rechten Flügel der Schlachtfront das X. Korps (Morland) sowie das I. und II. ANZAC Korps unter den Generalen Birdwood und Godley auf breiter Front zwischen Merkem bis südlich Gheluvelt angesetzt. Bei der Gruppe Wytschaete wurde die 22. Reserve-Division, die 10. bayerische Division und Teile der 15. Division angegriffen. Zwischen Broodseinde und Keiberg mußte der linke Flügel der 233. Division vor den Australiern zurückgehen. Der neue britische Angriff war trotzdem gescheitert, die Deutschen schafften es sogar, im Gegenstoß verlorenes Gelände zurück zu gewinnen.

Zwischen den Gruppen Dixsmuide und Ypern musste zur Verstärkung des bedrohten Abschnittes das Generalkommando des Garde-Reserve-Korps als neugebildete Gruppe Staden (16., 27. und 227., ab 18. Oktober durch die 239. und 4. Division abgelöst) eingeschoben werden. Das Generalkommando des XVIII. Armee-Korps unter Generalleutnant Viktor Albrecht übernahm den Befehl über die Gruppe Dixsmuide.

Erste Passchendaele-Schlacht[Bearbeiten]

Passendale vor und nach der dritten Flandernschlacht

Am 12. Oktober wurde ein erneuter Versuch unternommen, bei Poelcapelle offensiv zu werden. Eigentlich wird nur diese Schlacht und eine darauf folgende Operation als Passchendaele bezeichnet, nach dem Dorf Passendale, das während dieses Angriffes eingenommen werden sollte. Dennoch wird der Begriff im Volksmund auch für die gesamte Operation benutzt.

Die Offensive fand immer noch unter schlechten Witterungsbedingungen statt, sodass die Artillerie nicht an das Schlachtfeld herangeführt werden konnte und das Vorankommen der angreifenden Soldaten sehr langsam war. Für die vorbereiteten deutschen Verteidiger war es leicht, den Angriff abzuwehren. Die Verluste der Angreifer betrugen etwa 10.000 Soldaten.

Die Moral auf alliierter Seite sank durch diese Niederlagen stark.

Zweite Passchendaele-Schlacht[Bearbeiten]

Im Schlamm steckengebliebener Panzer

Das mittlerweile erschöpfte ANZAC-Corps wurde nun durch kanadische Verbände ersetzt. Die Kanadier hatten einen besonders guten Ruf auf alliierter Seite. Bis Mitte Oktober hatten die kanadische 4. und 5. Division ihre Stellungen bezogen.

Der kanadische General Arthur Currie erklärte gegenüber Haig, dass die Eroberung etwa 16.000 Soldaten das Leben kosten würde. Haig bestand dennoch auf der Durchführung des Angriffes.

Am 26. Oktober wurde der Angriff begonnen und am 30. Oktober konnten die Kanadier mit Hilfe von zwei britischen Divisionen das Dorf Passendale sowie die umliegenden Anhöhen erobern und die Geländegewinne halten, bis weitere Verstärkung am 6. November eintraf. Dieser Angriff forderte die erwarteten 16.000 Opfer.

Wegen der großen Verluste stellte die britische Führung die Offensive am 10. November ein.

Ergebnis[Bearbeiten]

Wald nahe Ypern am 19. Oktober 1917
Straße nach Poelcapelle, am 19. Dezember 1918

Die Offensive bei Ypern scheiterte und der geplante Durchbruch wurde nicht erreicht. Auf beiden Seiten gab es hohe Verluste. Die Alliierten hatten den Verlust von 325.000, die Deutschen von etwa 260.000 Soldaten zu beklagen. Wegen der Eroberung von Passendale wurde die Offensive von den Alliierten dennoch als Erfolg gefeiert.

Vor allem die Panzer versagten auf dem schlammigen Schlachtfeld in Flandern. So wurde vor Cambrai eine weitere große Offensive geplant, bei der die Panzer ihre Überlegenheit ausspielen sollten. Dort kamen die Briten zunächst gut voran, jedoch wurden sie von deutschen Gegenangriffen wieder zurückgedrängt.

Die britischen Geländegewinne von 1917 in Flandern wurden während der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 zurückerobert.

Verluste[Bearbeiten]

Die Verluste des britischen Expeditionskorps während des Zeitraumes 31. Juli–19. November 1917 werden im Werk des Kriegsministeriums [3] wie folgt angegeben:

  • Gefallen: 3118 Offiziere, 47.217 Mannschaften, Summe 50.335
  • Verwundet: 11.481 Offiziere, 224.269 Mannschaften, Summe 235.750
  • Vermisst: 924 Offiziere, 37.181 Mannschaften, Summe 38.105

Damit liegen die britischen Gesamtverluste des Zeitraumes bei 324.189. Davon fielen auf das kanadische Kontingent 1052 Verluste, auf das australische Kontingent 843 Verluste, auf das neuseeländische Kontingent 1824 Verluste, auf das neufundländische Kontingent 447 Verluste, auf das südafrikanische Kontingent 301 Verluste, auf das indische Kontingent 385 Verluste, auf das westindische Kontingent 10 Verluste und auf die Royal Naval Division 284 Verluste.

Die deutschen Verluste werden im Sanitätsbericht über das deutsche Heer[4] wie folgt angegeben: An der Schlacht war im Zeitraum vom 1. August–10. November 1917 die deutsche 4. Armee beteiligt. Insgesamt wurden 95 verschiedene Divisionen eingesetzt. Die durchschnittliche Ist-Stärke der 4. Armee betrug 609.035 Mann (Zeitraum 20. Mai–10. Dezember 1917).

  • Erkrankt: 172.318
  • Verwundet: 107.836
  • Gefallen: 22.170
  • Vermisst: 24.334
  • Gesamtverluste: 326.658 Mann, davon 154.340 blutige Verluste.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Aus dieser Schlacht stammt das Foto eines einst dichten Waldes, von dem nur noch kahle Stümpfe in einer Trichterlandschaft bleiben – ein Sinnbild für die Schrecken des Krieges.

Der Autor Ernst Jünger nahm unter anderem an der Schlacht teil und schilderte seine Erlebnisse in dem Buch In Stahlgewittern.

Winston Churchill erinnerte 1942 an die Schlacht als „Disaster“, um darzulegen, dass auch dem später siegreichen Kriegskabinett von Lloyd George schwere Fehler unterlaufen waren.[5]

Darüber hinaus hat im Jahre 2003 die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden das Lied Paschendale über die Schlacht geschrieben. Im Text wird die Schlacht aus Sicht eines Soldaten geschildert.

Auch die schwedische Metal-Band Sabaton hat ein Lied darüber geschrieben: The Price of a Mile (dt. Der Preis einer Meile). Es erzählt, wie die Schlacht Paschendale verändert, und vor allem hinterfragt es den Sinn durch die Aussage: „Tell me, what is the price of a mile?“ (dt.: Sage mir, was ist der Preis einer Meile).

1917 brachte Elsa Laura von Wolzogen das Lied: In Flandern reitet der Tod heraus.

Das zerstörte Ypern 1919

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oberstleutnant Gruson: Das 4. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 72 in der Flandern-Schlacht, Oktober 1917. Beiträge zur Regimentsgeschichte, Verein der Offiziere des ehemaligen Königl. 4. Thüring. Infanterie-Regiments Nr.72 (e.V.), erschienen 1922, Torgau
  • Nigel Cave: Passchendaele. The fight for the village (in: Ypres. Battleground Europe), Cooper, London 1997. ISBN 0850525586
  • Martin Marix Evans: Passchendaele and the Battles of Ypres, Osprey Military, London 1997. ISBN 1855327341
  • Peter H. Liddle: Passchendaele in Perspective. The Third Battle of Ypres, Cooper, London 1997. ISBN 0850525527
  • Lyn Macdonald: They Called It Passchendaele. The story of the Battle of Ypres and of the men who fought in it, Penguin Books, London 1993. ISBN 0140165096
  • Keith Perry: With a Poppy and a Prayer. Officers Died at Passchendaele 31st July-10th November 1917, Naval and Military Press, Uckfield 2003. ISBN 1843424991
  • Christopher Staerck: Battlefront. 6th November 1917. The Fall of Passchendaele, Public Record Office, Richmond 1997. ISBN 1873162421
  • Hedley Paul Willmott: Der Erste Weltkrieg, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2004. ISBN 3806725497
  • Paul Wombell: Battle. Passchendaele, 1917. Evidence of war's reality, Travelling Light, London 1981. ISBN 0906333113
  • Christian Zentner: Illustrierte Geschichte des Ersten Weltkriegs, Bechtermünz, Eltville am Rhein 1990. ISBN 3927117587

Film[Bearbeiten]

  • Passchendaele - Das Feld der Ehre, Kanada 2008, Regie: Paul Gross, DVD EAN: 7613059901193, Blu-ray EAN: 7613059401198

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dritte Flandernschlacht – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b John Horne: A Companion to World War I. Wiley, Malden 2010, ISBN 978-1-4051-2386-0, S. 441; und John Hamilton: Battles of World War I. ABDO, Edina 2004, ISBN 1577659139, S. 27; und Norman Leach: Passchendaele. Canada's triumph and tragedy on the fields of Flanders. An illustrated history. Coteau Books, 2008, ISBN 9781550503999, S. 36; und Nicholas Hobbes: Essential militaria. Facts, legends, and curiosities about warfare through the ages. Grove Press, 2004, ISBN 0802117724, S. 98.
  2. Duff Couper: Haig, S.306
  3. The War Office: Statistics of the Military Effort of the British Empire During the Great War 1914-1920, London March, 1922, S. 326 f.
  4. Sanitätsbericht über das deutsche Heer im Weltkriege 1914/1918, III. Band, Berlin 1934, S. 53 ff.
  5. Hansard
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Dieser Artikel wurde am 18. August 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.