Substanzinduzierte Psychose
| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| F10.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol | |
| F11.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide | |
| F12.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide | |
| F13.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika | |
| F14.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain | |
| F15.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch alternative Stimulanzien, inklusive Koffein | |
| F16.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene | |
| F17.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak | |
| F18.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch flüchtige Lösungsmittel | |
| F19.- | Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2013) | ||
Eine Drogenpsychose (medizinisch: drogeninduzierte Psychose, psychiatrisch: klassifiziert unter exogene Psychosen) ist eine Psychose, die durch Drogen, beispielsweise Alkohol, Kokain, Amphetamin, LSD, psilocybinhaltige Pilze, Meskalin, ausgelöst wurde. Einige Studien haben zum Ergebnis, dass Cannabis Schizophrenie auslösen könnte.[1] [2] Drogenpsychosen können unter Umständen irreversibel, also unheilbar, aber auch vorübergehend sein.[3]
Eine spezielle Form der Drogenpsychose wird, ursprünglich im US-amerikanischen Raum, als Hallucinogen persisting perception disorder oder HPPD bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
Einordnung nach ICD-10 [Bearbeiten]
Nach ICD-10 ist eine drogeninduzierte Psychose (F10.5-F19.5) von einem psychotischen Drogenverlauf für die Dauer der pharmakologischen Wirkung der Droge, vom schädlichen Gebrauch (F1x.1), von der akuten Intoxikation (F1x.0), Abhängigkeitssyndrom (F1x.4), von Entzugssyndromen (F1x.3) oder Delir, vom amnestischen Syndrom (F1x.6) sowie sogenannten Flashbacks (F1x.7) zu unterscheiden. Letztere treten aber vor allem nach tiefen traumatischen Erlebnissen ohne psychoaktive Stimuli auf, wie nach Katastrophen. Es gibt folgende Formen der Drogenpsychose:
- schizophrenieform (F1x.50)
- vorwiegend wahnhaft (F1x.51)
- vorwiegend halluzinatorisch (F1x.52)
- vorwiegend polymorph (F1x.53)
- vorwiegend affektiv (F1x.54-56)
Krankheitsverlauf [Bearbeiten]
Psychoaktive Substanzen können Psychosen verursachen oder auslösen; bereits abgeklungene Psychosen können erneut ausbrechen. Hierfür reicht unter Umständen bereits einmaliger Konsum.
Insbesondere bei LSD oder anderen halluzinogenen Substanzen kann es zu Rauschzuständen kommen, bei denen nicht von der Sinneswahrnehmung stammende Farben, Formen oder Bilder wahrgenommen werden. Diese Zustände können einer Psychose ähneln, sind jedoch von einer drogeninduzierten Psychose zu unterscheiden. Im Gegensatz zum psychisch Erkrankten können Konsumenten von Drogen in der Regel erkennen, dass die von ihnen wahrgenommenen Phänomene nicht äußeren, sondern inneren Ursprungs sind und lediglich Pseudohalluzinationen darstellen. Bei schizophrenen Formenkreisen dominieren akustische Halluzinationen und nur gelegentlich können optische Phänomene auftreten. Drogenpsychosen werden wie andere Psychosen behandelt und heilen nicht immer durch Abstinenz vollständig aus.
Alkoholpsychose [Bearbeiten]
Neben organischen Schäden an Magen, Herz und vor allem der Leber wird auch das Gehirn durch regelmäßigen Alkoholkonsum beeinträchtigt. Erkrankungen des Gehirns sind insbesondere das Delirium tremens, eine lebensgefährliche Erkrankung mit wahnhafter Wahrnehmung wie beispielsweise Spinnen, „weiße Mäuse“ usw. mit heftiger Erregung, Schlaflosigkeit, Angst und Desorientierung; das Korsakow-Syndrom, mit einer Geistesschwäche, die auf einem Versagen des Gedächtnisses beruht; den Alkoholwahn z. B. in der Form eines Eifersuchtswahns und die Alkohol-Halluzinose mit Wahnvorstellungen des Kranken, bei denen er beispielsweise Stimmen hört, welche ihn beschimpfen.
Kokainpsychose [Bearbeiten]
Eine Kokainpsychose ist gekennzeichnet durch paranoid wahnhafte Wahrnehmungsstörungen sowie durch optische, akustische und taktile Wahrnehmungsstörungen. Dermatozoenwahn ist ein charakteristisches Symptom, hierbei glaubt der Betroffene, Insekten krabbelten unter seiner Haut. Diese Zustände können chronisch bleiben. [3]
Cannabis [Bearbeiten]
Im Sinne des Vulnerabilitäts-Stress-Modells schizophrener Psychosen wird vermutet, dass chronischer Cannabiskonsum bei vulnerablen Personen im Sinne eines Stressors zu verstehen ist, der eine länger anhaltende psychotische Episode auslösen kann. Einige Studien belegen ein leicht erhöhtes Risiko. 1,2 % der in einer australischen Erhebung erfassten Konsumenten wiesen diese Symptome auf. Der Durchschnitt in der Bevölkerung liegt bei 1 %. [4]
Drogenpsychosen in den Medien [Bearbeiten]
- Der Film „Das weiße Rauschen“ mit Daniel Brühl thematisiert den Ausbruch einer paranoiden Schizophrenie nach Drogenkonsum (Marihuana und Psilocybin).
- Darren Aronofskys Requiem for a Dream beschreibt die Ursachen und Folgen einer Amphetaminpsychose.
- Blow zeigt die Verstrickung in Kokain und Alkohol und die Ursachen und Folgen des Drogenmissbrauchs.
- In Harvard Man gerät ein Student durch LSD in eine Desorientierung, die er nur mit ärztlicher Hilfe wieder überwindet.
- „Berlin Calling“ behandelt die musikalische Karriere von DJ Ickarus (Paul Kalkbrenner), welche durch eine von Ecstasytabletten mit dem Wirkstoff PMA ausgelöste Drogenpsychose in Gefahr gerät.
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ http://www.aerzteblatt.de/V4/news/news.asp?p=cannabis+psychose&src=suche&id=32977
- ↑ Schmidbauer, vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen München: Herbig Verlagsbuchhandlung, 2004. ISBN 3-596-16277-7 Seite 67 ff
- ↑ a b Suchtmittel, Behandlungsmöglichkeiten, Beratungsstellen BZgA, Köln (PDF, 0,8MB)
- ↑ http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/076-005.htm Uni-Düsseldorf - Australische Erhebung
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
- Was heilt? - Psychotische Krisen und Drogenkonsum: Problemlage und erste Ergebnisse bedürfnisangepasster Behandlung (archiviert, PDF-Datei; 113 kB)
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