Drucktechnik

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Unter dem Begriff Drucktechnik werden alle Verfahren zur Vervielfältigung von Druckvorlagen zusammengefasst, wie Buchdruck, Offsetdruck, Tiefdruck, Flexodruck und Siebdruck. Bei diesen Drucktechniken werden unterschiedliche Verfahren angewandt, um Druckfarben auf einen Bedruckstoff zu übertragen.

Die hier erklärten Drucktechniken können der Massenfertigung von Druckerzeugnissen durch wiederholte Verwendung einer einzigen Druckvorlage dienen. Diese können als Serienprodukt in der sogenannten „Auflage“ auf einem Markt angeboten werden (siehe Massenmedien). „Drucken” als Teildisziplin in der Datenverarbeitung zählt in diesem Sinn nicht zur Drucktechnik, da der Computerausdruck über einen Drucker nebst ihrer (digitalen) Druckvorlage auf individuellen und direkten Bedarf des Nutzers in geringer Menge gefertigt wird und der Ausdruck in der Regel nicht als Produkt auf einem Massenmarkt dient.

Grundlagen[Bearbeiten]

„[Drucken ist die …] Wiedergabe einer textlichen respektive bildlichen Darstellung in beliebiger Anzahl durch Übertragung von Druckfarben bzw. färbenden Substanzen auf den Bedruckstoff mittels einer Druckform. DIN 8730“

Die Vorbereitung dieser Druckform erfolgt in der Druckvorstufe. Die Reproduktionstechnik befasst sich mit der Wiedergabe von Bildern und Texten und erstellt die Druckformen für die verschiedenen Druckverfahren. Bilder werden in den genormten Druckfarben Cyan (Blaugrün), Magenta (Rot), Gelb und Schwarz möglichst originalgetreu wiedergegeben. In einem Maschinenlauf können diese Farben nacheinander gedruckt werden. Beim Druck von Schmuckfarben, zum Beispiel beim Verpackungsdruck, werden fertig gemischte Druckfarben eingesetzt.

Die modernen Druckmaschinen im Offset- und Tiefdruck übertragen die Druckfarbe von einem Druckzylinder auf Bogen oder Bahnen des Bedruckstoffes. Druckmaschinen im Bahnendruck, wie der Rollenoffset und der Rotationstiefdruck, können Geschwindigkeiten zwischen 600 und 900 Metern pro Minute erreichen. Die Maschinen im Bogendruck sind allgemein langsamer, können jedoch Bogen aus Karton, Blech und Kunststoff bedrucken.

Seit den 1950er Jahren haben technische Fortschritte in der Fotografie und ab den 1960er Jahren in der Elektronik die Herstellung der Druckvorlagen tiefgreifend verändert. Mit Hilfe des Computers lässt sich der Reproduktionsprozess heute derartig beschleunigen, dass Texte und Abbildungen innerhalb kurzer Zeit direkt auf die Druckplatte übertragen (Computer to plate) oder auf den Druckzylinder (Helio-Klischograph) graviert werden.[1]

Druckprinzipien[Bearbeiten]

Schema Fläche gegen Fläche

Es wird zwischen drei Druckprinzipien unterschieden:

  • Fläche gegen Fläche (flach gegen flach)
  • Zylinder gegen Fläche (rund gegen flach)
  • Zylinder gegen Zylinder (rund gegen rund)

Fläche gegen Fläche[Bearbeiten]

Es handelt sich hier um das älteste der drei Verfahren. Bei diesem Prinzip wird das zu bedruckende Material von einer flachen Gegendruckplatte (Tiegel) mit großer Kraft auf eine flache, eingefärbte Druckformplatte gedrückt. Dabei wird die Farbe übertragen. Der Nachteile des Prinzips sind die notwendigen Kräfte bei größeren Flächen und die eingeschränkte Geschwindigkeit. Tiegeldruckpressen (Druckerpressen) arbeiten nach diesem Prinzip.

Schema Zylinder gegen Fläche

Zylinder gegen Fläche[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert entwickelte Friedrich Koenig die Stoppzylinderpresse. Er übertrug damit das Prinzip flach gegen rund der Kupferdruckpresse aus dem Tiefdruck auf den Hochdruck.

Beim Prinzip rund gegen flach erfolgt der Anpressdruck auf den Bedruckstoff durch die Drehbewegung des Druckzylinders über der Druckform. Dabei dreht sich der Zylinder festgelagert um seine Achse, während die Druckform bei jedem Druckvorgang synchron unter ihm durchbewegt wird (Druckabwicklung). Dadurch ist der Anpressdruck nur innerhalb eines schmalen Streifens, nämlich der „tangentialen“ Kontaktfläche zwischen rundem Zylinder und ebener Druckform wirksam. Auf diese Weise wurden höhere Geschwindigkeiten und größere Formate im Druck möglich, was vor allem für den Zeitungsdruck benötigt wurde.

Zylinder gegen Zylinder[Bearbeiten]

Schema Zylinder gegen Zylinder

Hier funktioniert der Druckvorgang über zwei Zylinder. Die runde Druckform wird auf dem Druckzylinder befestigt. Der Bedruckstoff wird über den Gegendruckzylinder entweder als Bogen oder Rolle an den Formzylinder gepresst und so bedruckt.

Durch die nicht unterbrochene Rotation von Zylinder gegen Zylinder ist Abstoppen, Zurückfahren und Wiederbeschleunigen wie bei der schweren flachen Druckform nicht nötig. Der Druckformen-Rücklauf bei Buchdruck-Schnellpressen ist nur bei abgestelltem Druck möglich. Aus physikalischen Gründen ist beim Prinzip rund gegen rund eine wesentliche Steigerung der Umdrehungszahlen bei Rotationsmaschinen möglich. Moderne Druckmaschinen arbeiten sowohl im Bogen- als auch im Rollenbereich nach diesem Prinzip.

Das Prinzip rund gegen rund kann sowohl direkt, als auch indirekt erfolgen. Direkte Druckverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass das Druckbild direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht wird. Deshalb muss das Druckbild seitenverkehrt auf der Druckform angebracht sein. Beispiele für ein direktes Druckverfahren unabhängig vom Druckprinzip sind der Rakeltiefdruck, der Buchdruck und der Flexodruck.

Im indirekten Druckverfahren wird das Druckbild zunächst auf einen Zwischenträger angebracht. Der Zwischenträger ist flexibel und gibt die Farbe an den Bedruckstoff weiter ab. Aus diesem Grund muss das Druckbild bei einem indirekten Druckverfahren seitenrichtig sein. Beispiele für ein indirektes Druckverfahren sind der Offsetdruck und der Tampondruck.

Druckverfahren[Bearbeiten]

Schema der Hauptdruckverfahren nach DIN 16500
Beispiel für den Hochdruck mit typischem Quetschrand
Flachdruckbeispiele mit Sägezahnrändern
Typisches Tiefdruckbeispiel zeigt klare Konturen und weitgehend homogene Farbflächen
Der Siebdruck nutzt Schablonen für die bildfreien Partien. Die dicke Farbschicht zeigt Böschungen am Rande, manchmal auch eine Sägezahnstruktur als Abdruck des Siebes
Anteil der Druckverfahren am Gesamtumsatz der Druckindustrie in der EU (Stand: 2007)[2]
Flachdruck Tiefdruck Digitaldruck Siebdruck Hochdruck
70 % 12 % 08 % 06 % 04 %

Druckverfahren werden nach den folgenden Gesichtspunkten unterschieden

  • nach dem Verhältnis, in dem Druckelemente zur Druckform stehen, wie Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck. Nach diesem Merkmal werden die Druckverfahren auch in der DIN 16500 in die Hauptdruckverfahren unterschieden:
    • Hochdruck: Bildstellen der Druckform stehen höher als Nichtbildstellen, zum Beispiel Buchdruck und Flexodruck
    • Flachdruck (siehe auch Lithografie): hier liegen Bildstellen und Nichtbildstellen der Druckform annähernd auf einer Ebene, zum Beispiel beim Offsetdruck
    • Tiefdruck: Bildstellen der Druckform liegen tiefer als Nichtbildstellen
    • Durchdruck: Bildstellen der Druckform bestehen aus den Öffnungen einer Schablone meist auf einem farbdurchlässigen Schablonenträger, einem Sieb aus Kunststoff- oder Metallfäden. Nichtbildstellen sind farbundurchlässig, zum Beispiel Siebdruck und Risographie.
  • nach dem Material der Druckform, zum Beispiel Steindruck, Kupferdruck
  • nach der Bearbeitungsart der Druckform, zum Beispiel manuell beim Holzschnitt oder der Lithografie, chemisch wie bei der Ätzung (Radierung, Klischee) oder fotomechanisch wie beim Lichtdruck
  • nach dem Automatisierungsgrad, zum Beispiel handwerkliche, manuelle, halbautomatische, automatische oder industrielle Druckprozesse
  • nach dem Übertragungsweg: Hier werden direkte von indirekten Druckverfahren unterschieden. Direkte Druckverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass das Druckbild direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht wird. Deshalb muss das Druckbild seitenverkehrt auf der Druckform angebracht sein. Beispiele für ein direktes Druckverfahren sind der Rakeltiefdruck, der Buchdruck und der Flexodruck. Im indirekten Druckverfahren wird das Druckbild zunächst auf einen Zwischenträger angebracht. Der Zwischenträger ist flexibel und gibt die Farbe an den Bedruckstoff weiter ab. Aus diesem Grund muss das Druckbild bei einem indirekten Druckverfahren seitenrichtig sein. Beispiele für ein indirektes Druckverfahren sind der Offsetdruck und der Tampondruck.

Hochdruck[Bearbeiten]

Der Buchdruck konnte sich nach der Verbesserung verschiedener Druckvorgänge und Werkzeuge durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert schnell verbreiten. Der Buchdruck wird heute als Hochdruck bezeichnet, weil die Druckelemente erhaben auf der Druckform stehen.

Bei den konventionellen Buchdruckmaschinen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Tiegeldruckpresse, Zylinder-Druckpresse und Rotationsmaschine. Bei der Tiegelpresse erfolgt der Druck flach/flach, da die flache Druckfläche des Tiegels gegen die flache, meist vertikal in die Tiegeldruckmaschine eingespannte Druckform gepresst wird. Bei der Zylinderdruckpresse wird flach gegen rund gedruckt, das heißt, die flache Form wird beim Druckvorgang in der Regel unter dem runden Druckzylinder durchgezogen. Bei der Rotationsmaschine erfolgt der Druck rund gegen rund, indem der Anpressdruck des Druckzylinders gegen die runde Druckform, das so genannte „Rundstereo“, erfolgt. Beim Tiegel und bei Zylinderpressen erfolgt der Papiereinzug stets in Einzelbogen, bei den Rotationsmaschinen in der Regel in Bahnen von der Rolle. Allerdings sind im Buchdruck für spezielle Fertigungsanforderungen auch Bogen-Rotationsmaschinen in Gebrauch.

Aus dieser Grundform des Hochdrucks entwickelten sich weitere Druckformen:

Indirekter Buchdruck, Letterset[Bearbeiten]

Letterset ist ein indirekter Hochdruck, bei dem die Druckvorlage von einem seitenrichtigen Klischee gedruckt wird. Dieses wird gebogen und auf dem Druckzylinder befestigt. Das Hochdruckklischee überträgt das Druckbild auf ein Gummituch, den sogenannten Gummizylinder, wodurch das seitenverkehrte Abbild entsteht, das ähnlich wie im Offsetdruck, vom Gummituch auf das Papier gedruckt wird. Der Druckvorgang erfolgt jedoch ohne die Verwendung von Wasser, wie dies im Flachdruck nötig ist. Dieser indirekte Buchdruck wird wegen dieser Ähnlichkeit auch als Trockenoffset bezeichnet, er gehört jedoch zu den Hochdruckverfahren. Anwendung findet der indirekte Buchdruck in der Verpackungsindustrie und beim Endlosdruck.

Flexodruck[Bearbeiten]

Der Flexodruck ist ein neueres Hochdruckverfahren, bei dem die Druckform aus einer flexiblen Fotopolymerplatte besteht. Anwendungsgebiete des Flexodrucks sind vor allem Verpackungsfolien. Der Flexodruck steht in engem Wettbewerb mit dem Kupfertiefdruck, mit dem aber qualitativ bessere Ergebnisse erzielt werden. Wegen der hohen Druckvorkosten beim Erstellen der Kupferplatte ist dieser für kleine und mittlere Auflagen unwirtschaftlich. Die Effizienz im Flexodruck wird durch die Verwendung von vorgefertigten Endlosdruckformen erheblich verbessert. Es handelt sich hier um speziell entwickelte und auf den Einsatzzweck angepasste Kautschukmischungen, die mit Lösemittelfarben, Wasserfarben oder UV-Farben arbeiten. Nach der Vulkanisation auf dem Trägermaterial (Sleeve) wird das Druckmotiv mittels CO2-Lasers in die Oberfläche graviert. Dieses Verfahren heißt Flexo-Direktgravur.

Tiefdruck[Bearbeiten]

Der Tiefdruck ist ein Druckverfahren, bei dem die druckenden Elemente durch chemische oder mechanische Verfahren vertieft auf den Druckformzylinder übertragen werden. Die einzelnen, durch ein gleichmäßiges Rastergitter voneinander abgesetzten Vertiefungen nennt man Näpfchen. Die Näpfchen wurden früher durch Ätzung, heute durch mechanische Gravur mittels kleiner Diamantstichel oder Lasergravur erzeugt. Beim Druckvorgang wird der Druckformzylinder mit relativ dünnflüssiger Druckfarbe eingefärbt und die überschüssige Farbe durch ein Rakel blank vom Zylinder abgestreift. Die Farbe für den Druckvorgang bleibt daher nur in den vertieften Stellen des Zylinders zurück; es drucken also nur diese Partien. Durch hohen Anpressdruck erfolgt die Übertragung der Farbe auf den Bedruckstoff. Die Farbauftragsmenge für einen Abbildungsbereich wird durch die Tiefe der Näpfchen bestimmt. Der Hell-Dunkel-Effekt einer Abbildung im Tiefdruck hängt somit von der Menge der aufgetragenen Farbe ab. Dieser Umstand unterscheidet den Tiefdruck vom Buch- und Offsetdruck, wo das optische Ergebnis von Halbtonabbildungen nur durch die unterschiedliche Größe der einzelnen Rasterpunkte in den entsprechenden Bildpartien bestimmt wird.

Der Rotationstiefdruck, das heißt der Tiefdruck mit zylindrisch ausgeführten Druckformen, ist bei Massendrucksachen, Zeitschriften, Dekorfolien in der Möbelindustrie und Tapeten in sehr hohen Auflagen wirtschaftlich. Den hohen Kosten der Druckform stehen geringe Kosten im Auflagendruck gegenüber. Besonders für den Dekordruck ist die Möglichkeit des nahtlosen Endlosdrucks von Bedeutung.

Flachdruck[Bearbeiten]

Beim Flachdruck liegen druckende und nichtdruckende Partien in einer Ebene. Das Prinzip basiert hier auf dem chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Während die druckenden Partien fettfreundlich sind, werden die nichtdruckenden Stellen mit einem Wasserfilm befeuchtet und stoßen die fettreiche Druckfarbe ab. Die druckenden, fettfreundlichen Partien werden mit Tusche, Fettkreide, Fettstiften oder auf fotografischem Wege aufgetragen und nehmen Farbe an. Die nichtdruckenden Stellen hingegen sind hydrophil aufbereitet, nehmen das Feuchtwasser auf und stoßen die Farbe im Druckprozess ab. Die druckenden Flächen werden als lipophil, die nichtdruckenden als hydrophil bezeichnet.[3] Zum Flachdruck zählen der Steindruck, der Offsetdruck, der Lichtdruck, der Photochromdruck und der Polyfoliendruck. Dabei stellt der Offsetdruck eine Weiterentwicklung des Steindruckes dar, indem indirekt über ein Gummituch gedruckt wird. Sonderformen des indirekten Flachdrucks benutzen statt eines Gummituchs Umdruckpapier oder -folien.

In der Praxis werden heute Bogen- und Rollenoffsetdruckmaschinen eingesetzt. Vorteile des Offsetdrucks sind die große Vielfalt an Bedruckstoffen und die schnelle und kostengünstige Herstellung der Druckformen. Tageszeitungen, Massendrucksachen, Zeitschriften und Verpackungen sind mit hohen Auflagen oder Umfängen im Rollenoffsetdruck wirtschaftlich. Plakate, Fotobücher, Werbedrucksachen oder hochveredelte Druckerzeugnisse werden bei kleinen bis mittleren Auflagen im Bogenoffsetdruck wirtschaftlich und mit hoher Qualität hergestellt.

Durchdruck[Bearbeiten]

Schema des Druckprinzips beim Siebdruck

Das bekannteste Durchdruckverfahren ist der Siebdruck oder die Serigrafie, bei der die Druckfarbe mit einem wischerähnlichen Werkzeug, der Gummirakel, durch ein feinmaschiges textiles Gewebe hindurch auf das zu bedruckende Material gedrückt wird. Die Druckform des Siebdrucks besteht aus einem Rahmen, der mit einem Gewebe aus Metall- oder Kunststoff bespannt ist. Das Gewebe trägt eine Schablone aus Kunststoff, zu deren Herstellung die gesamte Fläche des gespannten Gewebes mit einem Fotopolymer beschichtet und über einen positiven Film mit dem zu druckenden Motiv belichtet wird. Das Fotopolymer erhärtet an den nicht druckenden Stellen, das unbelichtete Material wird ausgewaschen. Beim Druckvorgang tritt die Druckfarbe nur dort durch Gewebe, wo dieses freigewaschen wurde.

Im Siebdruckverfahren können die unterschiedlichsten Materialien bedruckt werden, sowohl flache Folien und Platten als auch geformte Objekte, wie Flaschen, Kunststoffbehälter und Kleidungsstücke. Dazu verwendet man je nach Material spezielle Druckfarben. Hauptsächlich werden Papiererzeugnisse, Kunststoffe, Textilien, Keramik, Metall, Holz und Glas bedruckt. Im Vergleich zu anderen Druckverfahren ist die Druckgeschwindigkeit relativ gering. Der Siebdruck ist das einzige direkte Druckverfahren, bei dem die Druckform keinen unmittelbaren Kontakt zum Bedruckstoff hat. Zwischen beiden besteht ein Zwischenraum von 1 bis 2 mm, der Absprung genannt wird.[4]

Beim Schablonendruck ohne tragendes Sieb muss die Schablone selbst ausreichend fest sein und ist beispielsweise aus Stahl gefertigt und direkt in den Rahmen gespannt. Wie beim Stencil sind die möglichen Druckbilder eingeschränkt. Eingesetzt wird dieses Verfahren beispielsweise zum Aufbringen der Lotpaste bzw. des Klebers auf meist rechteckige SMD-Anschlussflächen auf Leiterplatten. Ein Zusetzen von Maschen mit Druckpastenbestandteilen – wie es beim sonst nahezu identischen Siebdruckverfahren möglich ist – kann nicht auftreten. Beim Siebdruckverfahren hingegen können dank des tragenden Siebes auch Nichtbildstellen dargestellt werden, die von Bildstellen vollständig und lückenlos umschlossen sind.

Weitere Druckverfahren[Bearbeiten]

Andere Druckverfahren, die Sonderformen oder Ableitungen der genannten Druckarten sind:

Tampondruck[Bearbeiten]

Der Tampondruck ist ein indirekter Tiefdruck, eine Kombination aus Tiefdruck und Flachdruck. Die Vorlage wird mit Hilfe eines Tampons aus porösem Silikonkautschuk von einer Fläche, meist eine Tiefdruckform, auf eine andere, zum Beispiel Tassen, Kugelschreiber übertragen und kann damit auch in die Vertiefung eines verformten Bedruckstoffes appliziert werden. Deswegen findet der Tampondruck besonders bei der Produktion von Werbegeschenken und beim Verpackungsdruck Verwendung, ebenso bei der feinen Bedruckung von Modelleisenbahnen oder der Beschriftung elektronischer Bauelemente.

Stempeldruck[Bearbeiten]

Der Stempeldruck ist eins der ältesten Druckverfahren, bei dem die einzelnen Druckformen auf den Druckstoff aufgedrückt werden. Stempeldruck ist ein Flexodruckverfahren und als solches dem Hochdruck zuzuordnen.

Frottage[Bearbeiten]

Die Frottage ist vermutlich das älteste farbige Druckverfahren. Die Schriften des Konfuzius (551–479 v. Chr.) wurden mit dieser Technik vervielfältigt. Als Druckstock diente eine mit Text gravierte Marmor- Granit- oder Kalksteinplatte. Über diese Steindruckplatte legte man ein feuchtes Papier, das anschließend mit Lappen in die Vertiefungen der gravierten Texte gepresst wurde. Anschließend wurde das Papier mit Tusche eingestrichen, wobei die Vertiefungen weiß und lesbar blieben und eine Art Negativabzug entstand.

Pigmentografie[Bearbeiten]

Die Pigmentfotografie ist als selbständiges grafisches Verfahren im Gegensatz zum Pigmentdruck anzusehen. Bei der von Al Bernstein in USA den 1970er Jahren als Trace-Print ins Leben gerufenen Drucktechnik, werden die einzelnen Druckformen im Positiv-Negativ-Verfahren geschnitten und gestochen, wobei im Gegensatz zum Pochoir, sehr feine Linien und Punkte gedruckt werden können. Beim Druckvorgang wird die Druckfarbe manuell durch die Druckschablone gebürstet und anschließend fixiert.

Pochoir[Bearbeiten]

Beim Pochoir, auch Stencil oder Schablonenkunst genannt, werden Grafiken und Texte mittels Schablonen aufgetragen und gilt als eine der ältesten industriellen Farbdrucktechniken. Das Verfahren wurde ab 1796 im französischen Epinal eingesetzt. Heute wird dort noch immer in dieser Technik gedruckt. Pochoir kommt heute in der Streetart vor und ist als eine Unterart des Graffiti zu betrachten. Dieses Druckverfahren kann im weitesten Sinne dem Siebdruck zugeordnet werden.

Prägedruck[Bearbeiten]

Beim Prägedruck werden Muster in das zu bedruckende Material geprägt. Geschieht dies ohne Farbe spricht man auch von Blinddruck, Blindpressung, Blindprägung oder Gaufrieren. Das Verfahren findet zum Beispiel für Buchdeckel, Glückwunschkarten und Tapeten Verwendung. Blinddruck gab es in Form von Roll- und Stempelsiegeln bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und in Ägypten.

Zerrdruck[Bearbeiten]

Der Zerrdruck ist ein Verfahren, bei dem ein Bild von einem Klischee auf eine Knetmasse auf Silikonkautschukbasis übertragen, verformt und anschließend als verzerrtes Bild gedruckt wird. Mit dieser 1967 entwickelten Technik war es bereits vor der digitalen Bildbearbeitung möglich, verzerrte Bilder zu erzeugen.

Elektronische Druckverfahren[Bearbeiten]

Elektronischen Druckverfahren, auch Non-Impact-Printing oder NIP-Verfahren genannt, sind Verfahren ohne explizite Druckform und bezeichnen eine ständig wachsende Zahl von Farbthermodruckern, Plottern und Tintenstrahldruckern. Laserdrucker oder Zeilendrucker werden nicht zu den NIP-Verfahren gerechnet, da dort die Farbübertragung ohne Druckeinwirkung auf das Papier nicht erfolgen kann. Typendrucker sind zum Beispiel sogenannte Transferdurchdrucker und stellen eine Prinzipmischung aus Buchdruck und Siebdruck dar. Sie haben Formbestandteile (Typen), weisen aber nicht die typische Gesamtformkonstellation einer Druckmaschine auf. Der alte Dot-Matrix-Drucker, auch Nadeldrucker genannt, fällt ebenfalls in diese Kategorie. Der klassische Laserdrucker ist zu den elektronischen Flachdruckverfahren zu rechnen. Er hat durch die Abbildung des Druckbildes auf der Tonertrommel eine Druckform, wenn auch nur eine temporäre.

Thermodirektdruck[Bearbeiten]

Beim Thermodirektdruck wird das Druckergebnis durch punktuelle Hitzeerzeugung statt durch mechanischen Anschlag oder Andruck erreicht. Es findet ein temperaturempfindliches Spezialpapier Verwendung, das sich bei Erhitzung schwärzt. Der Thermodruck wird häufig in Registrierkassen und wurde früher auch in Faxgeräten eingesetzt.

Thermotransferdruck[Bearbeiten]

Der Thermotransferdruck ist die Weiterentwicklung des Thermodirektdrucks vor allem im Bereich der CD und DVD-Bedruckung. Hierzu wird ein spezieller Drucker eingesetzt, der durch Erwärmung des Druckkopfes die Farbe von einer farbtragenden Polyesterfolie, Ribbon genannt, ablöst und auf ein spezielles Retransferband überträgt. Von diesem Retransferband wird dann eine Folie auf das zu bedruckende Medium aufgeschmolzen. Durch diese Zwischenübertragung ist eine hohe Auflösung möglich und der Druck kann vollflächig erfolgen. Daher können auch kleine Stückzahlen in fotorealistischer Qualität bedruckt werden.

Thermosublimationsdruck[Bearbeiten]

Der Thermosublimationsdruck ist ebenfalls vom Thermotransferdruck weiterentwickelt worden. Der Unterschied ist die Übertragung der Farbe von der Trägerfolie auf das Papier durch Sublimation. Da die Farbe kurz gasförmig ist, lassen sich echte Tonwertabstufungen ohne Rasterung erzeugen. Eine Schwäche des Thermotransferdrucks bei Fotoausdrucken konnte dadurch beseitigt werden. Allerdings sind die Verbrauchskosten für Transferfolien sehr hoch, so dass sich diese Geräte auf dem Markt nicht halten konnten. In jüngster Zeit etabliert sich das Druckverfahren wieder bei kleinformatigen Fotodruckern als Zubehör für Digitalkameras.

Laserbeschriftung[Bearbeiten]

Bei der Laserbeschriftung wird das zu bedruckende Material durch einen energiereichen Laserstrahl behandelt. Dabei kann es, je nach Material und Verfahren, zu chemischen Veränderungen kommen, etwa durch Verbrennung, Verfärbung, oder auch zu einem Materialabtrag. Die Laserbeschriftung wird heute weithin zur Beschriftung elektronischer Bauteile oder von Tastaturen genutzt. Ein besonderer Vorteil ist die Möglichkeit, auch sehr kleine, maschinenlesbare Schriften zu erstellen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass zum Beispiel Plexiglasplatten häufig mit demselben Laser geschnitten und beschriftet werden können.

Druckfarbe[Bearbeiten]

Druckfarben sind in ihrer Zusammensetzung und in ihren Eigenschaften an das Druckverfahren angepasst. In allen Flachdruckverfahren und im Buchdruck werden pastöse und hochviskose Farben verwendet. Im Flexodruck und Tiefdruck hingegen werden niedrigviskose, dünnflüssige Farben benutzt. Im Siebdruckverfahren sind die gewählten Farben und ihre Eigenschaften von dem jeweiligen Verwendungszweck abhängig. Die historische Buchdruckfarbe der schwarzen Kunst bestand aus Ruß, der durch kräftiges Einspachteln in das selbstaushärtende Leinöl dispergiert wurde. Moderne Druckfarben sind hochkomplexe Stoffgemische.

Geschichtlicher Überblick der wichtigsten Erfindungen aus dem Druckbereich[Bearbeiten]

Jahr Erfindung Erfinder Anwendungsbereich
4. Jahrtausend v. Chr. Blindprägedruck mit Roll- und Stempelsiegeln in Mesopotamien und Ägypten Versiegelung von Krügen, Urkunden, Tonkartuschen, Gräbern
770 Holztafeldruck entwickelt während der Sui-Dynastie Druck von Blockbüchern
1040 Druck mit beweglichen Lettern (gebrannter Ton) Bi Sheng Buchdruck
1234 Druck mit beweglichen Lettern (Holz, Kupfer, Blei oder Messing) vermutlich entwickelt während der Goryeo-Dynastie in Korea Buchdruck
1400 Erfindung des Holzschnitts -- Buchdruck
1440 Druck mit beweglichen Lettern (Blei) Johannes Gutenberg Buchdruck
1446 erster nachweisbar datierter Kupferstich Peter Zamudio Einblattdruck, Buchillustration
1457 erste Datierung einer Verlagsangabe in einem gedruckten Buch -- Buchdruck
1469 ältestes Druckprivileg J. von Speyer Buchdruck
1573 erste deutsche Buchdruckerordnung in Frankfurt am Main Buchdruck
1780 Kopierpresse James Watt Kopieren
1797 Steindruck und Lithographie Alois Senefelder Einblattdruck, Buchillustration
1798 Papiermaschine Nicholas-Louis Robert Papierherstellung
1800 erste ganz aus Eisen gefertigte Handpresse, die Stanhope-Presse Lord Stanhope Buchdruck
1812 Zylinderdruckmaschine (Schnellpresse) Friedrich Koenig hohe Auflagen von Buch, Zeitungen und Zeitschriften
1816 Schön- und Widerdruckpresse Friedrich Koenig Buchdruck
1822 erstes Patent auf eine Setzmaschine William Church Satzherstellung
1830 Tiegeldruckpresse (Bostonpresse) Isaac Adams Buchdruck
1830 Stereotypie Firmin Didot Klischeeherstellung
1837 Chromolithografie (Farbdruck) Godefroy Engelmann Illustrationen, Kunstdruck
1838 Galvano Moritz Hermann von Jacobi Klischee
1838 Fotografie Louis Daguerre Porträts, Postkarten
1840 Strichätzung Blasius Höfel Klischee
1843 Rotationsdruck Richard March Hoe hohe Auflagen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften in kurzer Zeit
1844 Patent auf Papierfabrikation aus Holz Friedrich Gottlob Keller Papierherstellung
ca. 1850 Lichtdruck (Phototypie) Louis-Alphonse Poitevin hochwertige Faksimiles und Kunstdrucke
ca. 1850 Boston-Tiegelpresse stehendes Prinzip J. Golding Buchdruck
1851 Falzmaschine James Livesey Falzen
1862 Komplettgießmaschine Johnson und Atkinson Satzherstellung
1863 Rollen-Rotationsdruckmaschine William Bullock Massenauflagen von Büchern, Zeitungen, Zeitschriften mit kurzfristigem Erscheinungstermin
1867 Schreibmaschine Christopher Latham Sholes Büroarbeit aller Art
1873 Mimeograph Thomas Alva Edison Kopieren
1879 Hektograph Kwaisser und Husak Kopieren
1881 Autotypie Georg Meisenbach Glasgravurraster und Klischeeherstellung
1886 Setzmaschine (Linotype) Ottmar Mergenthaler Maschinensatz
1897 Monotype Tolbert Lanston Satz
1907 Offsetdruck Ira W. Rubel/Caspar Hermann Indirekter Druck auf Papier, Folie, Blech
nach 1920 Schapyrograph  ?? Kopieren
1930 Serigraphie/Siebdruck Carl Zigrosser/Anthony Velonis Plakate, Druck auf unterschiedlichste Materialien
1930 Lichtsetzmaschine (Uhertype) Edmund Uher Satz
1938 Elektrofotografie Chester Carlson und Otto Kornei Fotokopieren
1948 Rotofoto-Lichtsatzapparatur George Westover Satz
1951 Klischograph Rudolf Hell Klischeeherstellung, Buchdruck und Offset
1961 Helio-Klischograph Rudolf Hell Tiefdruck
1962 EDV-Einsatz bei Satzherstellung -- Satz
1963 Trommelscanner Rudolf Hell Reproduktionstechnik, Offset
1969 Euroskala -- Reproduktionstechnik, Offset, Tiefdruck
1969 Digitalkamera Willard Boyle, George E. Smith Reproduktionstechnik
1972 Proof, Cromalin DuPont Reproduktionstechnik, Tiefdruck, Offset
1979 EBV-System Rudolf Hell Reproduktionstechnik, Offset
1982 Einführung von PostScript Adobe Satz
1985 Desktop-Publishing Adobe, Apple, Linotype Reproduktionstechnik, Offset
1990 Einführung von PDF Adobe Satz
1993 Digitaldruck -- Book-on-Demand
1993 Computer to Plate -- Offset
1994 Book-on-Demand -- Offset, Digitaldruck
2008 Computer to Press -- Offset

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Severin Berger: Von Gutenberg zum World Wide Web. Dachs-Verlag, Wien 2002, ISBN 3-85191-190-3.
  • Hubert Blana: Die Herstellung. Ein Handbuch für die Gestaltung, Technik und Kalkulation von Buch, Zeitschrift und Zeitung (= Grundwissen Buchhandel – Verlage 5). 4. überarbeitete und erweiterte Ausgabe. K. G. Saur Verlag, München 1998, ISBN 3-598-20067-6.
  • Claus W. Gerhardt: Geschichte der Druckverfahren. Band 2: Der Buchdruck (= Bibliothek des Buchwesens 3). Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-7772-7521-2.
  • Helmut Hiller, Stephan Füssel: Wörterbuch des Buches. 6. grundlegend überarbeitete Auflage. Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-465-03220-9.
  • Kaj Johansson, Peter Lundberg, Robert Ryberg: Grafisk kokbok. Guiden till grafisk produktion. Arena i samarbete med Kapero grafisk utveckling, Stockholm 1998, ISBN 91-7843-128-X (Deutsch: „Well done, bitte!“ Das komplette Menü der Printproduktion. Schmidt, Mainz 2004, ISBN 3-87439-632-0; 2. überarbeitete Auflage. ebenda 2008, ISBN 978-3-87439-731-5).
  • Harald Küppers: Farbenlehre. Die verschiedenen Möglichkeiten der Bildreproduktion (= DuMont-Taschenbücher 563 Schnellkurs). DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2005, ISBN 3-8321-7640-3.
  • Dieter Liebau, Hugo Weschke: Polygraph-Fachlexikon der Druckindustrie und Kommunikationstechnik. Polygraph-Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-87641-267-6.
  • Bernhard W. Panek: Bedruckstoffe - Druck - Endfertigung und alternative Vervielfältigungsmethoden. Herstellung und Auswahl von Papier, Karton und Pappe. Klassische Druckverfahren, Endfertigung, Fotokopie und Vollfarbkopie. Meß- und Prüftechnik. Sicherheit, Brandschutz. 2. veränderte Neuauflage. facultas wuv universitätsverlag Wien 2004, ISBN 3-7089-0154-1.
  • Hans Jürgen Scheper: Prüfungswissen Drucktechnik. Druckvorstufe, Druckweiterverarbeitung. Verlag Beruf und Schule, Itzehoe 2005, ISBN 3-88013-623-8
  • Anton Turtenwald: Ueber die hauptsächlichsten Vervielfältigungsarten bildlicher Darstellungen. In: Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, Jahrgang 1891, Nr. 35/1891 (XVI. Jahrgang), S. 309–313. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ina.
  • Hans-Jürgen Wolfsturm, Hermann Burkhardt: Hochdruck. Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 1994, ISBN 3-473-48382-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Druckverfahren – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Kipphan (Hrsg.): Handbuch der Printmedien. Springer Berlin, Berlin 2000, Seite 29 ff., ISBN 3-540-66941-8
  2. Druckerei und Werbung, abgerufen am 19. Juli 2009
  3. Jürgen Zeidler: Lithographie und Steindruck. Ravensberger Buchverlag 1994, Seite 7. ISBN 3-473-48381-8
  4. Helmut Kipphan (Hrsg.): Handbuch der Printmedien. Springer Berlin, Berlin 2000, Seite 57 f., ISBN 3-540-66941-8