Drumlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der auf einem Drumlin erbaute Ort Raderach
Drumlins mit Baum im Kanton Zürich, Schweiz
Drumlin bei Markdorf, Bodensee
Schema eines Drumlin-Felds
Schema

Drumlins (von irisch droimnín [ˈdrim´n´iːn´] „kleiner Rücken“, „Höhenrücken“) sind längliche Hügel von tropfenförmigem Grundriss, deren Längsachse in der Eisbewegungsrichtung eines (eiszeitlichen) Gletschers liegt. Als typische Maße werden eine Länge von mehreren 100 bis mehreren 1000 m bei einer Höhe von 10 bis im Einzelfall über 40 m angegeben. Die stromlinienförmigen Körper wurden unter einem sich aktiv bewegenden Gletscher geformt. Sie sind Bestandteil der Grundmoränenlandschaft. Drumlins treten häufig als Gruppen in Fächerform oder gestaffelt auf.[1]

Entstehung[Bearbeiten]

Im Zehrgebiet eines Gletschers überwiegt die Ablagerung von Material, nicht die Abtragung. Es wird Lockersediment in der Regel als Geschiebemergel gebildet, welche durch Eisdruck verformbar sind. Die Grenzfläche zwischen dem Gletscher und seinem verformbaren Untergrund ist nach dem Helmholtzschen Gesetz wellenförmig. Wenn das Grundmoränenmaterial jetzt ein plastisches Gemisch aus Wasser und Sedimenten ist und der Gletscher auf einen Felshöcker oder eine Steigung trifft, kann die Grundmoräne unter dem aufgebauten Druck Wasser abgeben, so dass die subglazialen Sedimente sich verfestigen. In anderen Fällen wurden vorhandene Erhebungen und Sedimente wie ältere tertiäre Sande oder bereits vorhandene Moränen früherer Gletscherphasen durch einen späteren Gletscher „überfahren“. In beiden Fällen erhalten sie ihre stromlinienförmige Gestalt durch die Bewegung des Gletschers.[2]

Mehrfache Radar-Beobachtungen unter dem Rutford-Gletscher in der Antarktis zeigten erstmals die Entstehung eines Drumlins von rund 10 m Höhe bei einer Breite von knapp 100 m. Die Beobachtungsdaten schließen aus, dass Drumlins durch selektive Erosion entstehen, vielmehr muss der Gletscher Lockermaterial zur Form des Drumlins zusammenschieben.[3] Mathematische Modelle unter Berücksichtigung Instabiler Strömungungen[4] deuten darauf hin, dass die typischen Größen von Drumlins sich aus der Wellenlänge von Strömungen erklären lassen, die auftreten wenn die Eisschicht dünner ist als die typische Drumlingslänge aber unter bestimmten Umständen auch bei beliebigen Eisdicken.[5]

Verbreitung[Bearbeiten]

In Mitteleuropa sind Drumlins vor allem aus dem alpinen Vergletscherungsgebiet bekannt. Der Bodenseeraum nordwestlich von Konstanz und nördlich von Lindau, das Eberfinger Drumlinfeld nahe dem oberbayerischen Weilheim und das Zürcher Oberland sind Beispiele für Drumlin-Landschaften. In Norddeutschland sind Drumlins hingegen ein seltenes Phänomen. Ernst Th. Seraphim lokalisierte einige Drumlins im nördlichen Teutoburger Wald im Gebiet zwischen Borgholzhausen und Versmold sowie zwischen Bielefeld, Rheda-Wiedenbrück und Verl. Es gibt aber einige Drumlingebiete im Jungmoränengebiet Nordirlands, Polens und des Baltikums, die aber auch dort nur wenige Prozent der Grundmoränenflächen bedecken. Umstritten ist, ob es in den Brandenburger Grundmoränenlandschaften Drumlins gibt. Ein möglicher Vertreter dort ist der Kleine Rummelsberg.

Verbreitet sind Drumlins hingegen in Nordamerika.

Ähnliche Formen[Bearbeiten]

Im Unterschied zu den Drumlins entstanden die weniger stromlinienförmigen und sehr langgestreckten Oser durch Schmelzwasser, welches unter dem Gletscher abfloss.

Die den Drumlins ebenfalls ähnlich sehenden Rundhöcker bestehen nicht aus Lockermaterial, sondern aus Festgestein und weisen eine leicht andere Form auf. Sie sind eine Form der glazialen Abtragung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl A. Habbe: On the origin of the drumlins of the South German Alpine Foreland (II): The sediments underneath. In: R. Aario and O. Heikkinen (Hrsg.): Proceedings of the third International Drumlin Symposium. Geomorphology 6 (1992)
  • Ernst Th. Seraphim: "Drumlins des Drenthe-Stadiums am Nordostrand der Westfälischen Bucht" in Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen, Teil 2, S. 41-87, 2 Tabellen, 10 Abb., Osnabrück 1973

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drumlin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. Springer, 2010, ISBN 978-3-8274-1810-4. Seite 33f.
  2. Die Erklärung folgt: Frank Press, Raymond Siever (Hrsg.): Allgemeine Geologie. Spektrum Akademischer Verlag, 2008. ISBN 978-3-8274-1812-8, Seite 592
  3. A.M. Smith, T. Murray, et al.: Rapid erosion, drumlin formation, and changing hydrology beneath an Antarctic ice stream. In: Geology, Volume 35 Issue 2 (Februar 2007), Seiten 127–130, doi: 10.1130/G23036A.1
  4. Richard C. A. Hindmarsh: The stability of a viscous till sheet coupled with ice flow, considered at wavelengths less than the ice thickness. In: Journal of Glaciology, Volume 44 (1998), Seiten 285–292
  5. A. C. Fowler: The instability theory of drumlin formation applied to Newtonian viscous ice of finite depth. In: Proceedings of the Royal Society A, vol. 466 no. 2121 (8. September 2010), Seiten: 2673-2694, doi:10.1098/rspa.2010.0017