Dry-Hiding-Effekt

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Der Dry-Hiding-Effekt (engl.: Trocken-Deck-Effekt) ist ein Effekt aus der Lackformulierung. Er beschreibt die Erhöhung des Deckvermögens einer Beschichtung während der Trocknung aufgrund in ihr enthaltener Füllstoffe.

Beschreibung[Bearbeiten]

In typischen Lackformulierungen wird zumeist unterhalb der kritischen Pigment-Volumen-Konzentration (KPVK) gearbeitet, das heißt die Pigment- und Füllstoffoberflächen sind vollständig vom umgebenden Lacksystem belegt. Oberhalb der KPVK sind die Pigmentoberflächen nicht mehr vollständig belegt. Neben der Grenzfläche zwischen Pigment und Bindemittel gibt es also oberhalb der KPVK auch Grenzflächen zwischen Pigment und Luft.

Der Unterschied der Brechungsindices (n) von Titandioxid (n = 3,1 (Rutil); n = 2,52 (Anatas)) und der Bindemittelmatrix (typischerweise n = 1,5) ist hoch genug, um Streuung zu erzeugen, die verantwortlich für die weiße Erscheinung ist. Der Brechungsindex von typischen Füllstoffen wie Bariumsulfat (n = 1,64)[1] ist niedriger, so dass diese Substanz als transparent erscheinen, wenn sie vollständig umhüllt sind. Der Unterschied zwischen den Brechungsindices typischer Füllstoffe und dem von Luft (n = 1) ist deutlich größer, so dass die Füllstoffe als Weißpigment wirken.[2]

Da im frisch applizierten System noch keine Grenzfläche zu Luft, sondern zu Wasser (n = 1,33) bzw. Lösemittel (n = 1,3-1,5) besteht, sind diese Systeme im nassen Zustand oft noch transparent, werden aber während der Trocknung zunehmend deckender. Dieser Sachverhalt erklärt auch die Bezeichnung Dry-Hiding-Effekt.

Anwendungen[Bearbeiten]

Innendispersionsfarben sind aufgrund der notwendigen Luftdurchlässigkeit porös, was durch eine Formulierung oberhalb der KPVK erreicht wird. In billigen Qualität wird aus Kostengründen meist versucht, so wenig Titandioxid wie möglich einzusetzen. Ziel ist es, trotzdem (grenzwertig) deckende Beschichtungen zu erhalten. Dies wird durch konsequente Ausnutzung des Dry-Hiding-Effektes erreicht. Das heißt, ein Großteil der Beschichtung besteht aus Füllstoffen und wenig Titandioxid. Meist wird zudem der Bindemittelgehalt reduziert, um größere Grenzflächen zwischen Füllstoff und Luft zu erhalten und den Effekt auf diese Weise zu verstärken.[3]

Hochwertige Innenwandfarben verwenden einen höheren Anteil an Titandioxid und erscheinen daher bereits nass deckend.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WO 2008/023075
  2. B. Müller, G. Poth; Lackformulierung und Lackrezeptur; 2. Auflage; Vincentz Network; 2005
  3. B. Müller, G. Poth; Lackformulierung und Lackrezeptur; 2. Auflage; Vincentz Network; 2005