Dschihad

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Der Begriff Dschihad [dʒiˈhaːd] (arabisch ‏جهاد‎ Dschihād, DMG Ǧihād ‚Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz‘; auch Djihad oder gelegentlich in der englischen Schreibweise Jihad) bezeichnet im religiösen Sinne ein wichtiges Konzept der islamischen Religion, die Anstrengung/den Kampf auf dem Wege Gottes (al-dschihādu fī sabīli Llāh / ‏الجهاد في سبيل الله‎).

Etymologisch steht er für eine auf ein bestimmtes Ziel gerichtete Anstrengung.[1] Im Koran und der Sunna bezeichnet dieser Begriff primär militärischen Kampf.[2] Aus dem Koran geht nicht eindeutig hervor, ob es sich dabei um einen universellen Kampf gegen Andersgläubige handelt oder ob dieser Kampf nur defensive Ziele verfolgt.[3][4] Nach klassischer islamischer Rechtslehre (Fiqh), deren Entwicklung in die ersten Jahrhunderte nach dem Tode Mohammeds zu datieren ist,[5] dient dieser Kampf der Erweiterung und Verteidigung islamischen Territoriums, bis der Islam die beherrschende Religion ist.[6][7] In seiner späteren Entwicklung sowie insbesondere im Zuge der Moderne haben muslimische Gelehrte begonnen, nicht-militärische Aspekte dieses Kampfes zu betonen (Siehe Absatz unten: Nicht-militärische Auslegungen des Dschihadbegriffs). Muslimische Autoren der Moderne sehen ausschließlich solche Kriege als legitim an, die der Verteidigung islamischer Staaten, der Freiheit der Muslime, den Islam außerhalb dieser zu verkünden, und des Schutzes der Muslime unter nicht-islamischer Herrschaft dienen.[8] Dem entspricht ihre Auslegung entsprechender Koranverse.[9]

Der Dschihad stellt als eines der Grundgebote des islamischen Glaubens und eine allen Muslimen auferlegte Pflicht ein wichtiges Glaubensprinzip des Islam dar. Manche sunnitische Gelehrte rechnen den Dschihad als sechste zu den „fünf Säulen des Islams“.[10]

Die Charidschiten zählen den Dschihad zu den fünf Grundpfeilern des Islam.[11]

Bei den Imamiten zählt der Dschihad zu den zehn wichtigsten Glaubensprinzipien. In ihrem Dschihadverständnis gibt es bis zum Erscheinen des sogenannten verborgenen Imams, Muhammad ibn Hasan, keinen Dschihad zur Erweiterung islamischen Herrschaftsbereichs, da erst dieser berechtigt ist, diesen zu führen.[12] Die Verteidigung des eigenen Territoriums ist dennoch auch im imamitischen Dschihadverständnis nach wie vor verpflichtend, welche allerdings nicht als Dschihad verstanden wird.[13]

Im europäischen Sprachraum wird der Begriff öfter mit dem Ausdruck Heiliger Krieg übersetzt.[14] Dem entgegnen muslimische Autoren, dass Dschihad semantisch nicht nur Kriegsführung bezeichne, es nichtmilitärische Bedeutungen des Dschihadbegriffs gebe und sehen deshalb eine derartige Übersetzung als falsch an und lehnen sie ab.[15]

In der Islamwissenschaft ist eine Umschreibung des Dschihad als Heiliger Krieg im Sinne eines von Gott vorgeschriebenen, seinetwegen geführten und von ihm belohnten Krieges[16] gängig.[17] Eine Gleichsetzung beider Begriffe als solcher stößt in der Forschung allerdings oft auf Ablehnung.[18]

Dschihad ist zudem ein arabischer männlicher Vorname, dessen Gebung auch in anderen Schreibweisen im deutschen Sprachraum gesetzlich erlaubt ist.[19]

Dschihad im Koran und der Sunna[Bearbeiten]

Seinen Ursprung hat die Dschihadlehre im Koran und der Sunna Mohammeds. In diesen Quellen wird der Begriff im militärischen Sinne, als Kampf gegen den Feind verstanden. Die entsprechenden Koranverse wurden vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung des Propheten und seiner Anhängerschaft mit ihren polytheistisch-arabischen sowie jüdischen und christlichen Gegnern offenbart. Diese Verse sowie die Mohammed zugeschriebenen Aussprüche und Taten, seine Sunna, bildeten die primäre Grundlage für die spätere Entwicklung der Dschihadlehre im islamischen Recht.[20]

Im Koran kommt das Nomen Dschihad viermal vor.[21] Zusammen mit seinen unterschiedlichen Verbformen ist es im Koran fünfunddreißig Mal vorzufinden.[22] Dem folgt meist der Zusatz „auf dem Wege Gottes“[23], „mit Gut und Blut“[24] oder eine Kombination beider:[25]

„Diejenigen, die glaubten und ausgewandert sind und sich mit ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person[26] auf dem Weg Gottes eingesetzt haben, sind untereinander Freunde. (…)“

8:72 nach Khoury

Bei der Benutzung eines dieser bzw. beider Zusätze ist stets ein bewaffneter Kampf gemeint.[27]

Zu Beginn seiner prophetischen Karriere schloss sich Mohammeds Anhängerschaft aus wenigen, meist einflussarmen Personen zusammen. Als Mohammed den Götzenkult der Quraisch zu kritisieren begann, kam es zu Verspottungen der Heilsbotschaft des Propheten bis hin zu offenen Ausschreitungen gegenüber den Anhängern der neuen Glaubensgemeinschaft von Seiten der heidnischen Mekkaner.[28] Ein Gebot zum Kampf gegen diese existierte vor der Auswanderung Mohammeds nach Medina, der Hidschra, noch nicht. Aufgrund ihrer völligen Unterlegenheit blieb der damaligen Gemeinschaft Mohammeds nichts anderes übrig, als die Unterdrückung von Seiten der Quraisch ohne Gegenwehr zu ertragen und sie möglichst zu ignorieren:[29]

„Und verkünde laut, was dir befohlen wird, und wende dich von den Polytheisten ab. Wir schützen dich vor den Spöttern, die Gott einen anderen Gott zur Seite stellen. Sie werden es noch zu wissen bekommen.“

15:94-96 nach Khoury

Auch in der Zeit unmittelbar nach der Ankunft der Muhadschirun, der aus Mekka stammenden muslimischen „Auswanderer“, in Yathrib wurde die Anhängerschaft Mohammeds vor einer militärischen Konfrontation mit den Mekkanern zurückgehalten. Bestätigt wird dies unter anderem durch folgenden Koranvers, in dem es retrospektiv darauf Bezug nehmend heißt:[30]

„Hast du nicht jene gesehen, zu denen man (anfänglich) sagte: ‚Haltet eure Hände (vom Kampf) zurück und verrichtet das Gebet und gebt die Almosensteuer?‘ Als ihnen dann (später) vorgeschrieben wurde, zu kämpfen, fürchtete auf einmal ein Teil von ihnen die Menschen, wie man Gott fürchtet oder (gar) noch mehr. (…)“

4:77 nach Paret

Erst in den Folgemonaten wurde der Vers offenbart, den die islamische Koranexegese mehrheitlich als den ersten Aufruf zum Kampf ansieht:[31]

„Erlaubnis (zum Kampf) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen ja Unrecht getan wurde – und Gott hat gewiß die Macht, sie zu unterstützen – (ihnen), die zu Unrecht aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Gott. (…)“

22:39-40 nach Khoury

Der Krieg der Muslime auf der Arabischen Halbinsel durchlief mehrere Phasen[32] und mündete schließlich in einem allgemeinen Kampf gegen die arabischen Götzendiener zum einen …:[33]

„Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Polytheisten, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf. Wenn sie umkehren, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen: Gott ist voller Vergebung und barmherzig.“

9:5 nach Khoury

… und die Schriftbesitzer, die Juden und Christen, auf der Halbinsel[34] zum anderen:

„Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten (oder: für verboten erklären), was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der Hand (?) Tribut entrichten!“

9:29 nach Paret

Diese Koranverse, auch bekannt als die Schwertverse, wurden in der klassischen Koranexegese mehrheitlich als Aufruf zu einem allgemeinen Kampf gegen die nichtmuslimische Welt verstanden. Einzelne Koranexegeten haben indes den letzteren Koranvers – Sure 9, Vers 29 – lediglich auf die Schriftbesitzer der arabischen Halbinsel bezogen.[34]

Die Auswanderer aus Mekka, denen in Yathrib mehrheitlich jegliche finanzielle Grundlage fehlte,[35] folgten dem altarabischen Brauch der Razzia und begannen Karawanen der Quraisch zu überfallen und zu plündern. Die Übernahme dieses schon zu vorislamischen Zeiten gängigen Konzepts der Karawanenüberfälle, die nun als Dschihad bezeichnet wurden, beschränkte sich nicht auf einen Namenswechsel: Während solche Raubzüge zuvor einen Angriff eines Stammes gegen einen anderen ungeachtet ihres damaligen Verhältnisses bedeuteten, war Dschihad der Kampf einer religiösen Gemeinschaft gegen Andersgläubige. Damit einhergehend expandierte diese Gemeinschaft, da ein Stamm von diesen Feldzügen nicht mehr betroffen war, sobald er den Islam annahm. „Es war dieses 'religiöse' [sic] Wesen des Dschihad, das die Energien der Araber auf so eine Weise lenkte, dass sie in weniger als einem Jahrhundert ein Imperium begründeten, das sich vom Atlantik und den Pyrenäen im Westen bis zum Oxus und dem Punjab im Osten erstreckte. Es scheint so gut wie sicher zu sein, dass diese Expansion sich ohne das Dschihadkonzept nicht ereignet hätte.[36]

Die Tatsache, dass in einzelnen Koranversen das Verb dschahada (dt.: „sich anstrengen“, „kämpfen“) ohne einen der weiter oben erwähnten Zusätze benutzt wird, legt dar, dass diese Karawanenüberfälle zunächst keinen religiösen Charakter hatten. So heißt es zum Beispiel in Sure 16, Vers 110:

„Alsdann wird dein Herr jenen, welche nach Prüfungen auswanderten und alsdann kämpften und standhaft waren – siehe, dein Herr wird hernach wahrlich verzeihend und barmherzig sein.“

Übersetzung nach Henning

Dieser religiöse Charakter, gewöhnlicherweise durch einen solchen Zusatz gekennzeichnet, sei – so Watt – den Überfällen erst später hinzugefügt worden, als Mohammed eine Beteiligung der medinensischen Muslime, der sogenannten Helfer, an den Raubzügen zu verlangen begann und entsprechende Koranverse offenbart wurden:[25]

„O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Gott und sucht ein Mittel, zu Ihm zu gelangen, und setzt euch auf seinem Weg ein, auf daß es euch wohl ergehe.“

5:35 nach Khoury

Die Helfer hatten sich bis dahin nur dazu verpflichtet, den Muslimen aus Mekka bei einem Angriff der Quraisch militärisch beizustehen[37] und die jeweiligen Quellen, darunter mehrere Koranverse[38], machen klar, dass bis zur Schlacht von Badr im Jahre 624 n. Chr. sich hauptsächlich bis ausschließlich Emigranten an den jeweiligen Karawanenüberfällen beteiligt hatten.[27]

Im Zuge dieser Raubzüge kam es zu militärischen Konfrontationen größeren Ausmaßes zwischen den Quraisch und den Anhängern Mohammeds, die erst 628 n. Chr. temporär durch einen Friedensvertrag, den sogenannten „Vertrag von al-Hudaibiya“, beendet wurden. Auf den Bruch dieses Vertrags von Seiten der Mekkaner folgte die Eroberung Mekkas 630 n. Chr.[39] Als Mohammed am achten Juni 632 n. Chr. verstarb, erstreckte sich der islamische Herrschaftsbereich über die gesamte arabische Halbinsel.[40] (Siehe auch: Mohammed#Die medinensische Periode der Prophetie (622-630))

Der Koran nimmt mehrmals Bezug auf den Kampf gegen Ungläubige. Viele Verse fordern die Muslime zum Kampf auf und versprechen den Gefallenen unter ihnen Belohnungen im Jenseits …:

„Und du darfst ja nicht meinen, daß diejenigen, die um Gottes willen getötet worden sind, (wirklich) tot sind. Nein, (sie sind) lebendig (im Jenseits), und ihnen wird bei ihrem Herrn (himmlische Speise) beschert.“

3:169 nach Paret; siehe auch: 3:157-158 sowie 170-172

… und drohen denjenigen, die sich nicht am Kampf beteiligen, mit dortigen Strafen:

„Diejenigen, die zurückgelassen worden sind (anstatt ins Feld mitgenommen zu werden), freuen sich darüber, daß sie hinter dem Gesandten Gottes (oder: im Gegensatz zum Gesandten Gottes) (der seinerseits ausgerückt ist) daheim geblieben sind. Es ist ihnen zuwider, mit ihrem Vermögen und in eigener Person um Gottes willen Krieg zu führen (w. sich abzumühen), und sie sagen: ‚Rückt (doch) nicht in der Hitze aus!‘ Sag: Das Feuer der Hölle ist heißer (als die Sommerhitze, in der dieser Feldzug stattfindet). Wenn sie doch Verstand annehmen würden! Sie werden nur kurz (w. wenig) zu lachen, aber (dereinst) lange (w. viel) zu weinen haben. (Dies geschieht ihnen) zum Lohn für das, was sie begangen haben.“

9:81-82 nach Paret; siehe auch: 48:16

Weitere Verse behandeln kriegsrechtliche Fragen, wie beispielsweise die Behandlung von Kriegsgefangenen,[41] den Ausschluss vom Kriegsdienst[42] oder Waffenstillstände.[43]

Zwei Textstellen im Koran sprechen vom „Abmühen um Gottes Willen“: Sure 29, Vers 69 …:

„Diejenigen aber, die sich um unseretwillen abmühen (…), werden wir unsere Wege führen. Gott ist mit denen, die fromm sind.“

Übersetzung nach Paret

… sowie Sure 22, Vers 77-78:

„Ihr Gläubigen! Verneigt euch (beim Gottesdienst), werft euch (in Anbetung) nieder, dienet eurem Herrn und tut Gutes! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen. Und müht euch um Gottes willen ab, wie es sich gehört! (…)“

Übersetzung nach Paret

Diese Verse können als Aufforderung zur Bemühung, um sich „den bösen Gelüsten und Verführungen entgegenzustemmen“[44] interpretiert werden.[45] Die klassische Koranexegese hat sie allerdings auf Kriegsführung bezogen.

Ob der Koran Krieg nur zum Zweck der Verteidigung sanktioniert oder einen allgemeinen Kampf gegen Andersgläubige vorsieht ist unklar und obliegt der Exegese,[46][3] da die Absichten und Ziele des Dschihad aus dem Koran nicht eindeutig hervorgehen. Die darin enthaltenen Kriegsverordnungen haben eher den Charakter der Werbung von Kämpfern und behandeln keine kriegsethischen Fragen.[47][48]

Neben dem Koran behandeln auch die maßgeblichen Hadithsammlungen den Dschihad, die jeweils ein ganzes Kapitel zu diesem Thema enthalten. Darin enthaltene, auf Mohammed zurückgeführte Überlieferungen behandeln unter anderem die Vorzüge des Kampfes auf dem Wege Gottes, die jenseitige Belohnung derjenigen, die sich an diesem Kampf beteiligen und vor allem derjenigen, die bei diesem Kampf ums Leben kommen.[49]

So wird in der kanonischen Hadithsammlung Bucharis folgender dem Propheten zugeschriebener Ausspruch im Kapitel über den Einsatz für die Sache Gottes verzeichnet:[50]

„Ein Mann kam zum Gesandten Gottes (…) und sagte: ‚Nenn mir ein Werk, das dem Einsatz für die Sache Gottes hinsichtlich des Lohnes, den wir von Gott dafür zu erwarten haben, gleichkommt!‘ Der Prophet (…) erwiderte: ‚Ich kenne kein solches Werk! Oder bist du etwa in der Lage, während der Zeit, da der Glaubenskämpfer für die Sache Gottes streitet, in der Moschee im Gebet zu verweilen, ohne zu ermüden, und gleichzeitig zu fasten, ohne es zu brechen?‘ Der Mann sagte: ‚Nein. Wer wäre dazu schon in der Lage!‘“

In der Aussage diesem Hadith ähnlich wird folgender Ausspruch auf den Propheten zurückgeführt:[51]

„Niemand im Paradies möchte wieder zurückkehren, mit Ausnahme des Märtyrers, der im Kampf für die Sache Gottes gefallen ist. Er möchte auf die Erde zurückkehren, um noch zehnmal getötet zu werden, nach all den Ehrenbezeigungen, die ihm im Paradies zuteil wurden.“

Hier verbindet sich die Lehre vom Dschihad, dem bewaffneten Kampf, mit dem Gedanken des Martyriums. Das islamische Schrifttum ist in und außerhalb der kanonischen Hadithsammlungen des 9. Jahrhunderts reich an Werken über den Dschihad und über die Vorzüge desselben als religiöse Pflicht[52].

Zusätzlich zu diesem Thema behandeln entsprechende Traditionen auch kriegsrechtliche Fragen, wie die Behandlung von Gefangenen oder das Verbot, Frauen und Kinder zu töten.[53]

Dschihad im klassischen islamischen Recht[Bearbeiten]

Im Zuge der Entwicklung des islamischen Rechts in den ersten Jahrhunderten nach dem Tode des Propheten haben muslimische Rechtsgelehrte die Doktrin des Dschihad entwickelt. Die gängige sprachtechnische Definition des Dschihadbegriffs in den jeweiligen Rechtswerken ist „sich so sehr anzustrengen, wie es einem möglich ist“, während man die Dschihadpflicht im rechtlichen Sinne als Kampf gegen die Ungläubigen verstanden hat.[54] Von der großen Mehrheit der klassischen muslimischen Theologen, Juristen und Traditionarier wurde der Dschihadbegriff im militärischen Sinne verstanden.[55] Ausnahmen bildeten einzelne Theologen schiitischer Zugehörigkeit, die zwischen einem größeren Dschihad als innerseelischem Kampf und einem kleineren Dschihad im eben beschriebenen Sinne unterschieden. (Siehe dazu den Absatz Nicht-militärische Auslegungen des Dschihadbegriffs)

In der islamischen Rechtsprechung stellt der Dschihad die einzig zulässige Form eines Krieges gegen Nicht-Muslime dar.[56] Neben dem Kampf gegen die Ungläubigen ist ein Krieg gegen vom Islam Abgefallene, Aufrührer und Fahnenflüchtige sowie Straßenräuber legitim.[57] Als Dschihad im Sinne einer religiösen Pflicht gilt nur der Krieg gegen Nicht-Muslime und Apostaten.[58] Mit den juristischen Fragen der Kriegsführung beschäftigt sich ein eigenständiger Zweig der islamischen Rechtsprechung, die Siyar-Literatur, das islamische Völkerrecht.

Als unmittelbares Ziel des Dschihad galt die Stärkung der islamischen Religion, der Schutz der Muslime und die Beseitigung des Unglaubens auf der Welt mit dem Ziel einer islamischen Vormachtstellung auf dem gesamten Globus.[59] Als Grundlage dafür dienten Koranverse wie der Folgende:

„Er ist es, der seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der wahren Religion geschickt hat, um ihr zum Sieg zu verhelfen über alles, was es (sonst) an Religion gibt – auch wenn es den Heiden (d. h. denen, die (dem einen Gott andere Götter) beigesellen) zuwider ist.“

9:33 nach Paret; vgl. 2:193

Eine Zwangsbekehrung oder Vernichtung der Nichtmuslime war hingegen nicht vorgesehen.[60]

Unter den Nicht-Muslimen sind die Polytheisten zu bekämpfen, bis sie den Islam annehmen; die Schriftbesitzer haben neben der Möglichkeit zur Konversion auch das Recht, mit dem muslimischen Herrscher einen Dhimma-Vertrag zu schließen. Letzteres war ursprünglich nur Juden, Christen und Sabäern vorbestimmt. Im Laufe der islamischen Expansion hat man indes das Angebot der Dhimma auch auf andere Religionsgemeinschaften, wie beispielsweise die Zoroastrier oder die Hindus, ausgeweitet, so dass letzten Endes alle Nicht-Muslime schlechthin dazu befähigt waren, einen Dhimma-Vertrag mit den muslimischen Eroberern zu schließen.[61]

Die schiitische Dschihadlehre unterschied sich von der gängigen sunnitischen hauptsächlich dadurch, dass nach schiitischem Verständnis nur der verborgene Imam dazu befähigt ist, einen Dschihad zur Ausweitung des islamischen Machtbereichs zu führen; eine Verteidigung vor feindlichen Angriffen war zwar erlaubt, ist aber kein Dschihad in solchem Sinne. Anderweitig bestanden dahingehend keine größeren Diskrepanzen.[62]

Aufgrund der Meinungsvielfalt unter den Gelehrten ist es nicht möglich, von einer einheitlichen klassischen Dschihadlehre zu sprechen.[63] Die entsprechenden Angaben in diesem Artikel stellen lediglich Grundlagen der Kriegsführung dar, die unter den Rechtsschulen allgemein als solche anerkannt waren.

Dar al-Islam und Dar al-Harb[Bearbeiten]

Von grundlegender Bedeutung für das klassisch-islamische Völkerrechtsverständnis ist die Einteilung der Welt in ein Haus des Islam (Dar al-Islam) und ein Haus des Krieges (Dar al-Harb).[64] Während ersteres alle Gebiete unter islamischer Herrschaft bezeichnet, gilt jedes Land außerhalb des islamischen Herrschaftsbereichs als zum Haus des Krieges zugehörig. Es gilt als Pflicht der islamischen Gemeinschaft, möglichst große Teile des Dar al-Harb auf militärischem Wege dem Dar al-Islam einzuverleiben.

Die schafiitische Rechtsschule nennt noch eine weitere Kategorie: Das Haus des Vertrags (Dar al-Ahd).[65] Als solches gelten Gebiete, deren nicht-muslimische Bewohner ein Waffenstillstandsabkommen mit den Muslimen unter der Bedingung geschlossen haben, dass sie ihre Gebiete behalten und stattdessen jährlich einen bestimmten Geldbetrag oder eine bestimmte Anzahl an Gütern zahlen würden.

Als einzige der vier sunnitischen Rechtsschulen legt die hanafitische fest, unter welchen Umständen ein zum Haus des Krieges zugehöriges Gebiet zum Haus des Islam zugehörig wird und umgekehrt. Zum Haus des Islam wird nach allgemein anerkannten Regelungen ein Gebiet, wenn es sich unter islamischer Herrschaft befindet und das islamische Recht, die Scharia, dort angewandt wird. In Bezug darauf, wann ein zuvor dem Haus des Islam zugehöriges Gebiet als Teil des Hauses des Krieges zu gelten hat, hat der muslimische Rechtsgelehrte Abu Hanifa, auf den die Schule der Hanafiten zurückgeht und dessen diesbezügliche Meinung in der hanafitischen Rechtsschule dominiert, folgende Bedingungen festgesetzt:

  1. Das Recht der Ungläubigen wird angewandt, islamische Gesetze verlieren ihre Geltung;
  2. Das jeweilige Gebiet grenzt an das Haus des Krieges;
  3. Die ursprüngliche Schutzgarantie für Leben und Besitz der Muslime und Dhimmis wird aufgehoben, ungeachtet der Tatsache, ob der neue Herrscher ihnen Schutz gewährt oder nicht.

Diese Bedingungen können erfüllt werden, wenn ein Teil des Hauses des Islam erobert wird oder eine Gruppe von Dhimmis ihren Vertrag mit den Muslimen aufkündigt.[66]

Der Dschihad als religiöse Pflicht[Bearbeiten]

Die militärische Expansion des Dar al-Islam ist eine kollektive Pflicht der islamischen Gemeinschaft, d. h., dass, sofern eine ausreichende Anzahl an Truppen bereitsteht, der Rest aller Muslime von dieser Pflicht befreit ist.[67] Sofern sich niemand am Dschihad beteiligt, sündigt die gesamte islamische Gemeinschaft.[68] Der jeweilige muslimische Herrscher hat die Pflicht, mindestens einmal im Jahr den Dar al-Harb anzugreifen.[12] Sofern dies aus irgendeinem Grund vorerst nicht möglich sein sollte, ist es ihm erlaubt, dieses jährliche Unternehmen zu verschieben. (Vgl. Absatz unten: Hudna)

Zu einer individuellen Pflicht wird der Dschihad im Verteidigungsfall, wobei jede wehrfähige Person im angegriffenen Gebiet zu kämpfen hat. Sofern ihre militärische Stärke nicht ausreichen sollte, gilt diese Pflicht auch den jeweiligen benachbarten Gebieten.[69] Des Weiteren wird der Kampf zur individuellen Pflicht der jeweiligen Personen, wenn der Kalif sie zum Kriegsdienst bestimmt oder sie einen Schwur leisten, am Dschihad teilzunehmen.[70]

Ausgeschlossen vom Kriegsdienst sind unter anderem Frauen, Kinder, Sklaven, körperlich oder geistig Behinderte sowie Personen, die aus materiellen Gründen nicht teilnehmen können. Als Begründung für diese Ausnahmebedingungen zitieren die jeweiligen Rechtsgelehrten entsprechende Koranverse beziehungsweise Überlieferungen von Aussprüchen, die dem Propheten zugeschrieben werden.[71]

Rechtliche Bestimmungen in der Kriegsführung[Bearbeiten]

Das islamische Völkerrecht sah vor, dass dem Kampf gegen die nicht-muslimischen Feinde die Aufforderung an diese, den Islam anzunehmen oder – im Falle von Schriftbesitzern – im Gegenzug zur Zahlung der Dschizya in ihrer Religion zu verbleiben (siehe Dhimma), vorausging.[72] Eine Grundlage hierfür bildete Sure 17, Vers 15, wo es heißt:

„… Und wir hätten nie (über ein Volk) eine Strafe verhängt, ohne vorher einen Gesandten (zu ihm) geschickt zu haben.“

Übersetzung nach Paret

Diese Aufforderung vor der Kampfhandlung war zudem Sunna des Propheten als auch seiner unmittelbaren Nachfolger.[73]

Die klassische islamische Völkerrechtslehre verbot zudem – auch auf Basis von Koranversen beziehungsweise Prophetensprüchen – bestimmte Taten während der Kampfhandlungen, darunter die Tötung von Nichtkombattanten wie Frauen, Kindern oder Mönchen (sofern sie sich nicht am Kampf beteiligen), die Verstümmelung sowohl menschlicher als auch tierischer Leichen, Vertragsbruch, die unnötige Zerstörung fremden Guts sowie die Tötung von Geiseln.[74]

In den entsprechenden Rechtswerken werden neben diesen auch andere kriegstechnische Fragen behandelt, wie zum Beispiel die Behandlung von Kriegsgefangenen oder die Verteilung von Beute.

Schließung von Friedensverträgen[Bearbeiten]

Die historischen Verträge zwischen den muslimischen Eroberern und den Bevölkerungen der jeweiligen Gebiete sind in den Geschichtswerken, bei at-Tabari und al-Baladhuri – um hier nur die frühesten Kompilationen zu nennen –, überliefert und in der Forschung mehrfach erörtert worden.[75] Im Allgemeinen verzeichnen diese Verträge die Sicherheitsgarantie für Leben und Besitz, die Gewährung freien Abzugs für diejenigen, die nicht unter islamischer Herrschaft leben wollen, aber auch die Verpflichtung, Kirchen und Befestigungsanlagen nicht zu zerstören.[76] (Siehe auch: Dhimma)

Hudna[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Hudna

Das klassisch-islamische Recht sah den Kriegszustand als den gewöhnlichen Zustand der Beziehungen zwischen dem Dar al-Islam und dem Dar al-Harb an. Ein zeitlich unbegrenztes Friedensabkommen mit Letzterem sah es nicht vor.[77][78] Für einen bestimmten Zeitraum konnte der Kriegszustand durch einen Waffenstillstand, eine sogenannte hudna, eingestellt werden. Die Dauer solcher Verträge ist in den Rechtsschulen nicht einstimmig festgelegt. Von den Hanafiten abgesehen darf nach jeder Rechtsschule ein solcher Vertrag nur temporäre Geltung besitzen.[79]

Ausschlaggebend für das Konzept der hudna ist unter anderem Sure 9, Vers 1, in der „eine bindende Abmachung“ mit den Heiden erwähnt wird …:[80]

„Eine Aufkündigung (…) von seiten Gottes und seines Gesandten (gerichtet) an diejenigen von den Heiden (…), mit denen ihr eine bindende Abmachung eingegangen habt (…)“

Übersetzung nach Paret

… sowie Sure 8, Vers 61:[81]

„Und wenn sie (d. h. die Feinde) sich dem Frieden zuneigen, dann neige (auch du) dich ihm zu (und laß vom Kampf ab)! Und vertrau auf Gott! Er ist der, der (alles) hört und weiß.“

Übersetzung nach Paret

Ferner war der 628 geschlossene Vertrag Mohammeds mit den Mekkanern bei al-Hudaibiya, bei dem ein zwei-, nach anderen Quellen ein zehnjähriges Waffenstillstandsabkommen abgeschlossen wurde, von entsprechender Bedeutung.

Aman[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Musta'min

Einem außerhalb des islamischen Herrschaftsbereichs lebenden Nicht-Muslim ist es möglich, durch einen sogenannten aman, eine Schutzerklärung eines Muslims, als Musta'min auf islamischem Gebiet ohne jegliche Steuerverpflichtungen zu verweilen, solange er dort keine permanente Residenz begründet.[82] Als rechtliche Grundlage dient hierfür Sure 9, Vers 6:

„Und wenn einer von den Heiden dich um Schutz angeht, dann gewähre ihm Schutz, damit er das Wort Gottes hören kann! Hierauf laß ihn (unbehelligt) dahin gelangen, wo er in Sicherheit ist! Dies (sei ihnen zugestanden), weil es Leute sind, die nicht Bescheid wissen.“

Übersetzung nach Paret; vgl. 16:112

Dschihad und Glaubensfreiheit[Bearbeiten]

Dem Angriff gegen den nicht-muslimischen Feind ging das Angebot voraus, zum Islam überzutreten oder einen Dhimma-Vertrag zu schließen. Eine Zwangsbekehrung zum Islam sieht die Dschihadlehre nicht als Zweck des Kampfes an.[60] Die in Sure 2, Vers 256 formulierte Norm „In der Religion gibt es keinen Zwang“, die einigen klassischen Korankommentaren zufolge durch spätere Koranverse wie den Schwertvers abrogiert worden ist,[83] und die Dschihad-Theorie vom bewaffneten Kampf gegen Ungläubige schließen sich gegenseitig nicht zwangsläufig aus, da den Nicht-Muslimen Religionsfreiheit nach ihrer Niederlage gewährt werden konnte.[84] Klassische Korankommentatoren, die den Vers nicht als abrogiert ansahen, tendierten dazu, zu argumentieren, dass sich der Vers nur auf die Schriftbesitzer beziehe, denen die Möglichkeit offenstand, als Dhimmis unter muslimischer Autorität zu leben, ohne zum Islam zu konvertieren.[85]

Der Dschihad zwecks Konversion beschränkte sich lediglich auf die frühislamische Zeit, auf die Unterwerfung der arabischen Stämme zur Zeit Mohammeds und kurz nach seinem Tode. Diese Auffassung im klassischen islamischen Recht war zwar nicht unumstritten, jedoch wird sie in der Moderne im Allgemeinen als geltende Norm akzeptiert.[86]

Der tunesische Gelehrte und Koranexeget Tahir ibn Āschūr (1879-1970) harmonisiert den Inhalt der Sure 2:256 und die religiösen Pflicht des Dschihad wie folgt: Der Vers sei zur Zeit nach der Eroberung Mekkas 630 n. Chr. offenbart worden und abrogiere alle Verse und Prophetensprüche, denen zufolge das Kriegsziel die Konversion der Bekämpften sei. Seit der Offenbarung dieses Verses habe sich das Kriegsziel dahingehend geändert, dass es nicht mehr die Konversion, sondern die Unterwerfung der Bekämpften und ihre Akzeptanz islamischer Dominanz ist. Einen ähnlichen Standpunkt vertrat der syrische Gelehrte al-Qāsimī (1866-1914).[85]

Nicht-militärische Auslegungen des Dschihadbegriffs[Bearbeiten]

Während sowohl Koran als auch Sunna sowie die Mehrheit der klassischen Gelehrten unter Dschihad primär bzw. ausschließlich eine militärische Betätigung verstanden, entstanden im Verlauf ihrer Entwicklung auch nicht-militärische Auslegungen der Dschihadlehre. Dies geschah insbesondere im Zuge tiefgreifender politischer Veränderungen wie der Kolonialisierung großer Teile der islamischen Welt, der Aufhebung des Kalifats und der Entwicklungen der Moderne.

Einzelne schiitische Theologen der klassischen Zeit unterschieden zwischen dem sogenannten größeren Dschihad im Sinne eines spirituellen Kampfes gegen innere Gelüste und dem kleineren Dschihad im Sinne einer militärischen Konfrontation gegen einen äußeren Feind.[55] Dem entspricht die Betonung nicht-militärischer Aspekte der Dschihadpflicht vieler gegenwärtiger muslimischer Autoren, als auch muslimischer Asketen und Mystiker.[87]

Postklassische Juristen haben den Begriff in vier Arten unterteilt:[88]

  • Den Dschihad des Herzens (dschihad bi l-qalb) als innerer, spiritueller Kampf gegen Untugend, Verführung zu moralisch verwerflichen Taten und Ignoranz.
  • Den verbalen Dschihad (dschihad bi l-lisan) durch das ständige Sprechen der Wahrheit und die Verbreitung des Islams auf friedlichem Wege. Hierzu gehört auch das öffentliche Sprechen der Wahrheit (haqq) unter einem ungerechten Herrscher.[89]
  • Den Dschihad durch Taten, d.i. durch richtiges moralisches Verhalten (dschihad bi l-yad): Das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten.
  • Den Dschihad des Schwertes, als militärischer Kampf auf dem Wege Gottes.

Mit diesem Verständnis richtet sich der Dschihad gegen das eigene Ich, gegen die „Triebseele“ (an-nafs al-ammāra bi 'l-sūʾ). Die Durchsetzung der Anweisung, das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten, geschieht „mit der Zunge, mit der Hand und mit dem Schwert, je nachdem, wozu man imstande ist“.[90] Die Asketen sehen im Kampf gegen sich selbst (mudschahadat an-nafs) das höchste Ideal.[91]

Nicht-militärische Auslegungen des Begriffs kommen ebenfalls in den entsprechenden Kapiteln der großen Hadithsammlungen vor. Unter anderem wird die Wallfahrt einer Frau nach Mekka (Haddsch)[92] sowie der fürsorgliche Dienst an seinen Eltern[93] als Dschihad angesehen.

Ein bekanntes Beispiel für derartige Auslegungen aus der Moderne war Präsident Habib Bourguibas Verkündung, dass der Kampf gegen die ökonomische Dekadenz Tunesiens als Dschihad anzusehen war. Da ein Mudschahid, ein sich am Dschihad Beteiligender, von der Pflicht im Ramadan zu fasten befreit war, argumentierte Bourguiba, dass das Fasten im Ramadan deshalb auch für Arbeitende – die dadurch ebenfalls als Glaubenskämpfer anzusehen waren – keine Pflicht sei. Auf diese Weise hat er versucht die alljährliche wirtschaftliche Stagnation in diesem Monat zu beseitigen. Seine diesbezügliche Ansicht wurde im Nachhinein auch von Teilen der islamischen Gelehrsamkeit übernommen.[94]

Legitimation des Terrors mit dem Dschihad-Konzept[Bearbeiten]

Anschlag auf israelische Zivilisten am 18. August 2011

Bei vielen Terroranschlägen der jüngsten Vergangenheit rechtfertigten die Attentäter ihr Handeln mit dem Verweis auf das Dschihadkonzept. Mehrere islamistische Organisationen führen das Wort Dschihad in ihrem Namen, wie zum Beispiel Islamischer Dschihad und Al-Dschihad. Diese Gruppierungen mobilisieren viele Anhänger durch breit angelegte Sozialarbeit. Sie rechtfertigen ihre militärische Auslegung des Begriffs Dschihad auch aus dem islamischen Glauben heraus.

Selbstmordattentäter werden dabei als Schahīd-Märtyrer bezeichnet, denen ein Platz im Paradies sicher ist. An sich gilt Suizid im Islam als Sünde, die im Jenseits mit der endlosen Wiederholung des Moments des Todes bestraft wird.[95]

Bassam Tibi versteht den Dschihad als militärische Komponente des Islamismus.[96] Die Art und Weise der europäischen Zuwanderungspolitik (u. a. durch Vernachlässigung vitaler Sicherheitsinteressen) habe den islamistischen Terrorismus begünstigt, so Tibi.

Walid Phares nennt dagegen sechs Strategien des Dschihad, die aber nicht alle zum Mittel der Gewalt greifen:

  1. Ökonomischer Jihad (Öl als Waffe)
  2. Ideologischer Jihad (Intellektuelle Penetration)
  3. Politischer Jihad (Erweichung der Politik)
  4. Intelligence Jihad (Infiltration im Land)
  5. Subversiver Jihad (hinter der feindlichen Linie unter deren rechtlichem Schutz)
  6. Diplomatischer Jihad (Kontrolle der Außenpolitik)[97]

Siehe auch: Islamistischer Terrorismus

Regensburger Vorlesung von Papast Benedikt XVI. und kontroverse Reaktion muslimischer Geistlicher[Bearbeiten]

Papst Benedikt XVI. hielt am 12. September 2006 vor Wissenschaftlern der Universität Regensburg eine Vorlesung, in der er sich auch mit der Rolle der Gewalt im Islam beschäftigte. Er gab darin einen Dialog zwischen byzantinische Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350-1425) und einem persischen Gelehrten wieder. Die später strittige Passage lautete:

„Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von ‚Schriftbesitzern‘ und ‚Ungläubigen‘ einzulassen, wendet er (der Kaiser) sich in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ‚Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten‘. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. ‚Gott hat kein Gefallen am Blut‘, sagt er, ‚und nicht vernunftgemäß, nicht σὺν λόγω zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider‘. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann.“

Eine Gruppe von 38 islamische Geistlichen kritisierte den Papst dafür in einem offenen Brief vom 12. Oktober 2006, in dem es u.a. heißt:

„Wir möchten betonen, daß der Begriff des ‚Heiligen Krieges‘ in islamischen Sprachen nicht existiert. Djihad, das muß ausdrücklich erklärt werden, bedeutet Einsatz, Engagement, Sich-Anstrengen, und insbesondere sich einzusetzen auf dem Wege Gottes. Wenn Djihad nun auch insofern heilig sein mag, als er auf ein heiliges Ziel gerichtet ist, so ist er nicht notwendigerweise ein ‚Krieg‘. [...] Die maßgebenden überlieferten islamischen Regeln für Kriegsführung lassen sich in den folgenden Grundprinzipien zusammenfassen:

1. Zivilisten dürfen nicht das Ziel militärischer Aktion sein. Das wurde ausdrücklich immer wieder vom Propheten, seinen Gefährten und allen nachfolgenden Gelehrten betont.

2. Niemand wird allein aufgrund seiner religiösen Überzeugung angegriffen. Die muslimische Urgemeinde kämpfte gegen Heiden, die sie aus ihren Häusern vertrieben, sie verfolgt, gefoltert und ermordet hatten. Spätere islamische Eroberungen waren von politischem Charakter.

3. Muslime können und sollen friedlich mit ihren Nachbarn zusammenleben. Das schließt jedoch legitime Selbstverteidigung und Bewahrung der eigenen Souveränität nicht aus.

[...]In diesem Zusammenhang müssen wir erklären, daß die Ermordung einer unschuldigen Nonne in Somalien am 17. September und ähnliche willkürliche Gewalttaten als Reaktion auf Ihre Vorlesung an der Universität Regensburg gänzlich unislamisch waren und wir derartige Taten grundsätzlich verurteilen.[98]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Standardwerke[Bearbeiten]

  • Emile Tyan in: H. A. R. Gibb et al.: The Encyclopaedia of Islam. Band 2 = Fasc. 23 - 40: C-G. New Edition, Brill, Leiden 1960 - 1965, ISBN 978-90-04-14448-4, S. 538: Djihad.
  • Albrecht Noth: Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum (= Bonner historische Forschungen. Bd. 28). Röhrscheid, Bonn 1966.
  • Majid Khadduri: War and Peace in the Law of Islam. Lawbook Exchange, Clark NJ 2007, ISBN 978-1-58477-695-6, S. 51-140 (Voransicht auf GoogleBooks).
  • Muhammad Hamidullah: The Muslim Conduct of State: being a treatise on siyar, that is Islamic notion of public international law, consisting of the laws of peace, war and neutrality, together with precedents from orthodox practice and preceded by a historical and general introduction. Ashraf Printing Press, Lahore 1987. S. 159-280

Weitere Literatur[Bearbeiten]

  • Fred M. Donner: The Sources of Islamic Conceptions of War. In: John Kelsay und James Turner Johnson (Hrsg.): Just War and Jihad: Historical and Theoretical Perspectives on War and Peace in Western and Islamic Traditions. Greenwood Press, New York 1991, ISBN 978-0-313-27347-6, S. 31-70.
  • Reuven Firestone: Jihād. In: Andrew Rippin (Hrsg.): The Blackwell Companion to the Qur'an. Blackwell Publications, Malden MAS 2006, ISBN 978-1-4051-1752-4, S. 308-320.
  • Reuven Firestone: Jihād: The Origin of Holy War in Islam. Oxford University Press, New York 1999, ISBN 978-0-19-512580-1.
  • Paul L. Heck: Jihad Revisited. In: Journal of Religious Ethics. Nr. 32, 2004, S. 95-128, doi:10.1111/j.0384-9694.2004.00156.x.
  • John Kelsay: Arguing the Just War in Islam. Harvard University Press, Cambridge MAS 2007, ISBN 978-0-674-02639-1. - Dazu siehe die kritische Auseinandersetzung: Ella Landau-Tasseron: Is Jihād comparable to just war? A review article. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. (JSAI), Nr. 34, 2008, S. 535-550.
  • Adel Théodore Khoury: Was sagt der Koran zum Heiligen Krieg? (=Gütersloher Taschenbücher/Siebenstern. Bd. 789). Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007, ISBN 978-3-579-00789-2.
  •  Rüdiger Lohlker: Dschihadismus. Materialien. facultas.wuv, Wien 2009, ISBN 978-3-8252-3132-3.
  • Albrecht Noth: Glaubenskriege des Islam im Mittelalter. In: Herrmann (Hrsg.): Glaubenskriege in Vergangenheit und Gegenwart. Referate, gehalten auf dem Symposium der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, Hamburg, am 28. und 29. Oktober 1994 (= Veröffentlichung der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg. Nr. 83). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996, ISBN 978-3-525-86272-8, S. 109-122.
  • Rudolph Peters: Islam and colonialism: the doctrine of Jihad in modern history (= Religion and society. Bd. 20; Zugleich Dissertation, Amsterdam 1979). Mouton, 's-Gravenhage 1980, ISBN 978-90-279-3347-8.
  • Emmanuel Sivan: La genese de la contre-croisade: Un traité Damasquin du début du XIIe siècle. In: Journal Asiatique. Nr. 254, 1966, S. 206-22 (Der „Kitab al-Jihad“ des Gelehrten Ali ibn Tahir al-Sulami († 1106) in Arabisch mit französischer Übersetzung).
  • William Montgomery Watt: Islamic Conceptions of the Holy War. In: Thomas Patrick Murphy: The Holy War. Ohio State University Press, Columbus 1974, ISBN 978-0-8142-0245-6, S. 141-156.
  • Matthias Küntzel: Djihad und Judenhaß. Über den neuen antijüdischen Krieg. ça-ira, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 978-3-924627-06-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Primärliteratur
Sekundärliteratur

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Encyclopaedia of Islam. Band 2, Leiden 1960 - 1965, S. 538: Djihad. Auch im Deutschen bezeichnete das Wort "Krieg" zunächst nur "Anstrengung", "Hartnäckigkeit". Siehe Großer Duden Band 4, 1978, S. 1583.
  2. Bernard Lewis: Die politische Sprache des Islam. Rotbuch Verlag, 1991. S. 125. Vgl. Albrecht Noth: Der Dschihad: sich mühen für Gott. In: Gernot Rotter (Hrsg.): Die Welten des Islam: neunundzwanzig Vorschläge, das Unvertraute zu verstehen. Fischer Taschenbuch Verlag, 1993. S. 23 f.
  3. a b Rudolph Peters: Jihad in classical and modern Islam: a reader; with a new chapter on the Jihad at the turn of the 21st century (= Princeton series on the Middle East.). 2. edition, updated and expanded, Wiener, Princeton NJ 2005, ISBN 978-1-55876-381-4, S. 2.
  4. Fred M. Donner: The Sources of Islamic Conceptions of War. In: John Kelsay und James Turner Johnson (Hrsg.): Just War and Jihad: Historical and Theoretical Perspectives on War and Peace in Western and Islamic Traditions. Greenwood Press, 1991, S. 47.
  5. Albrecht Noth: Der Dschihad: sich mühen für Gott. In: Gernot Rotter (Hrsg.): Die Welten des Islam: neunundzwanzig Vorschläge, das Unvertraute zu verstehen. Fischer Taschenbuch Verlag, 1993. S. 27
  6. Klaus Kreiser, Werner Diem, Hans Georg Majer (Hrsg.): Lexikon der islamischen Welt. Kohlhammer, 1974. Bd. 2, S. 27 f., s.v. „Heiliger Krieg“.
  7. The Encyclopaedia of Islam. Band 2, Leiden 1960 - 1965, S. 538: Djihad: „In law, according to general doctrine and in historical tradition, the djihād consists of military action with the object of the expansion of Islam and, if need be, of its defence.“
  8. Rudolph Peters: Jihad in Medieval and Modern Islam. Brill, 1977. S. 5
  9. Fred M. Donner: The Sources of Islamic Conceptions of War. In: John Kelsay und James Turner Johnson (Hrsg.): Just War and Jihad: Historical and Theoretical Perspectives on War and Peace in Western and Islamic Traditions. Greenwood Press, 1991. S. 65, Anm. 75
  10. John Esposito: Islam: The Straight Path. Oxford University Press, 2005. S. 93
  11. Khoury, Raif Georges: "Der Islam - Religion, Kultur, Geschichte". BI-Taschenbuchverlag, Mannheim 1993. S. 29
  12. a b E.J. Brill's First Encyclopaedia of Islam, 1913-1936. Brill, 1993. Bd. II, S. 1042, s. v. „Djihād“
  13. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 13
  14. Siehe zum Beispiel Stephan Rosiny: Der jihad. Eine Typologie historischer und zeitgenössischer Formen islamisch legitimierter Gewalt, in: Hildegard Piegeler, Inken Prohl, Stefan Rademacher (Hgg.): Gelebte Religionen (FS Hartmut Zinser), Königshausen und Neumann, Würzburg 2004, S. 133-150, hier 133, einsehbar bei Google Books. Adel Theodor Khoury: Was sagt der Koran zum Heiligen Krieg? Gütersloh 1991.
  15. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 118
  16. Nach Patricia Crone: Medieval Islamic Political Thought. Edinburgh University Press, 2005. S. 363
  17. Siehe zum Beispiel: Francis E. Peters: The Monotheists: The peoples of God. Princeton University Press, 2003. S. 269: „… the Muslim notion of holy war (jihad) …“; W. Montgomery Watt: Islam and the Integration of Society. Routledge, 1998. S. 61: „The idea of the jihad or holy war seems to have developed gradually during the Medinan period.“ Vgl. auch die Titel im Literaturabsatz.
  18. Patricia Crone: Medieval Islamic Political Thought. Edinburgh University Press, 2005. S. 363; siehe z. B.: Albrecht Noth: Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum. Röhrscheid, 1966. S. 22 f.; Rudolph Peters: Jihad in Medieval and Modern Islam. Brill, 1977. S. 3 f.
  19. http://blog.beck.de/2009/07/17/dein-name-sei-djehad
  20. Vgl. Muhammad Hamidullah: The Muslim Conduct of State. Ashraf Printing Press, 1987. S. 18 ff.
  21. In 25:52, 22:78, 9:24 sowie 60:1. Siehe Reuven Firestone: Jihād. In: Andrew Rippin (Hrsg.): The Blackwell Companion to the Qur'an. Wiley-Blackwell, 2006. S. 311
  22. Ursula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen zum Islam. München, 2007. S. 125
  23. Siehe z. B. 2:190 (Übersetzung nach Khoury): „Und kämpft auf dem Wege Gottes …
  24. Siehe z. B. 9:20 (Übersetzung nach Henning): „Diejenigen, welche (…) in Allahs Weg eiferten mit Gut und Blut …
  25. a b W. Montgomery Watt: Islam and the Integration of Society. Routledge, 1998. S. 66
  26. Oder: „… mit Gut und Blut …“, gemäß der Übersetzung Hennings
  27. a b W. Montgomery Watt: Islamic Conceptions of the Holy War. In: Thomas P. Murphy: The Holy War. Ohio State University Press, 1974. S. 143
  28. Rudi Paret: Mohammed und der Koran. Geschichte und Verkündung des arabischen Propheten. Kohlhammer, 2001. S. 106 f.
  29. Reuven Firestone: Jihād. In: Andrew Rippin (Hrsg.): The Blackwell Companion to the Qur'an. Wiley-Blackwell, 2006. S. 316
  30. Rudi Paret: Mohammed und der Koran. Geschichte und Verkündung des arabischen Propheten. Kohlhammer, 2001. S. 129
  31. Siehe Reuven Firestone: Jihād. The Origin of Holy War in Islam. Oxford University Press, 1999. S. 53 f. und dortige Quellenangaben
  32. Adel Theodor Khoury: Was sagt der Koran zum Heiligen Krieg? Gütersloher Verlagshaus, 2007. S. 31 ff.
  33. Albrecht Noth: Der Dschihad: sich mühen für Gott. In: Gernot Rotter (Hrsg.): Die Welten des Islam: neunundzwanzig Vorschläge, das Unvertraute zu verstehen. Fischer Taschenbuch Verlag, 1993. S. 24
  34. a b Albrecht Noth: Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum. Röhrscheid, 1966. S. 15
  35. The Encyclopaedia of Islam. Leiden 1986-2009, siehe vor allem: Muḥammad: "The first problem to be tackled was how to procure the necessary means of subsistence for the Emigrants, who for the most part were without resources of their own."
  36. Aus dem Englischen übersetzt von W. Montgomery Watt: Muhammad. Prophet and Statesman. Oxford University Press, 1961. S. 108 f. Englischer Originaltext: „It was this 'religious' character of the jihād which channelled the energies of the Arabs in such a way that in less than a century they had created an empire which stretched from the Atlantic and the Pyrenees in the West to the Oxus and the Punjab in the east. It seems certain that without the conception of the jihād that expansion would not have happened.“ Vgl. W. Montgomery Watt: Islam and the Integration of Society. Routledge, 1998. S. 158 sowie Albrecht Noth: Früher Islam. In: Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. 2., durchgesehene Auflage, Beck, München 1991, ISBN 3-406-31488-0, S. 69.
  37. The Encyclopaedia of Islam. Band 7: Mif - Naz. Leiden 1993, S. 360: Muḥammad: „The Helpers had pledged themselves to defend Muhammad only if he were attacked …“
  38. Zum Beispiel Sure 8, Vers 72 f. sowie Vers 74 f., wo zwischen den Auswanderern als denjenigen, „die glaubten und ausgewandert sind und sich mit ihrem Vermögen und ihrer eigenen Person auf dem Weg Gottes eingesetzt haben“ und den Helfern, „die (jene) untergebracht und unterstützt haben“ (Übersetzung nach Khoury) unterschieden wird.
  39. The Encyclopaedia of Islam. Band 6: Mahk - Mid. Leiden 1991, S. 147: Makka: „A breach of the terms of this treaty by Meccan allies led to a great Muslim expedition against Mecca with some 10,000 men. The town was surrendered almost without a blow, and all the Meccans, except a handful who were guilty of specific offences against Muhammad or some Muslim, were assured their lives and property would be safe if they behaved honourably.“
  40. Für eine Zusammenfassung siehe: W. Montgomery Watt: Muhammad at Medina. Oxford University Press, 1962. S. 78-151; Elias Shoufani: Al-Ridda and the Muslim Conquest of Arabia. University of Toronto Press, 1973. S. 10-48
  41. Siehe Sure 47, Vers 4 (Übersetzung nach Paret): „Wenn ihr (auf einem Feldzug) mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken! Wenn ihr sie schließlich vollständig niedergekämpft habt, dann legt (sie) in Fesseln, (um sie) später entweder auf dem Gnadenweg oder gegen Lösegeld (freizugeben)!“
  42. Siehe Sure 9, Vers 91 (Übersetzung nach Paret): „Die Schwachen und die Kranken und diejenigen, die nichts zur Verfügung haben, was sie (für den Krieg gegen die Ungläubigen) spenden könnten, (sie alle) brauchen sich (darüber) nicht bedrückt zu fühlen (daß sie sich am Krieg nicht beteiligen), wenn sie (nur) Gott und seinem Gesandten aufrichtig zugetan sind. Gegen die, die rechtschaffen sind, gibt es nichts einzuwenden (w. kann man nicht vorgehen). Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ Vgl. Sure 48, Vers 17
  43. Siehe Sure 8, Vers 61 (Übersetzung nach Paret): „Und wenn sie (d. h. die Feinde) sich dem Frieden zuneigen, dann neige (auch du) dich ihm zu (und laß vom Kampf ab)! Und vertrau auf Gott! Er ist der, der (alles) hört und weiß.“
  44. Nach: Ursula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen zum Islam. München, 2007. S. 125
  45. W. Montgomery Watt: Islam and the Integration of Society. Routledge, 1998. S. 66 f.
  46. Fred M. Donner: The Sources of Islamic Conceptions of War. In: John Kelsay und James Turner Johnson (Hrsg.): Just War and Jihad: Historical and Theoretical Perspectives on War and Peace in Western and Islamic Traditions. Greenwood Press, 1991. S. 47: "...deciding whether the Qur'an actually condones offensive war for the faith, or only defensive war, is really left to the judgement of the exegete."
  47. Albrecht Noth: Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum. Röhrscheid, 1966. S. 13. Noth verweist hierbei beispielhaft auf Sure 2, Vers 216 sowie Sure 9, Vers 82-86
  48. Für einen Erörterungsversuch der von Mohammed beabsichtigten Kriegsziele anhand koranischer Aussagen siehe Albrecht Noth: Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum. Röhrscheid, 1966. S. 13-15 sowie William Montgomery Watt: Islamic Conceptions of the Holy War. In: Th. P. Murphy: The Holy war. Ohio State University Press, 1974. S. 144-146.
  49. Beispiele für solche Hadithe aus der muwatta des Malik ibn Anas sind in englischer Übersetzung vorzufinden in: Rudolph Peters: Jihad in Classical and Modern Islam: ... Princeton NJ 2005, S. 18-25.
  50. Ṣaḥīḥ al-Buḫārī. Nachrichten von Taten und Aussprüchen des Propheten Muhammad. Ausgewählt, aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Dieter Ferchl. Reclam, 2006. Kap. XXVIII, S. 299; vgl. Sahih al-Buchari: Band 4, Buch 52, Nr. 44
  51. Ṣaḥīḥ al-Buḫārī. Nachrichten von Taten und Aussprüchen des Propheten Muhammad. Ausgewählt, aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Dieter Ferchl. Reclam, 2006. Kap. XXVIII, S. 304; vgl. Sahih al-Buchari: Band 4, Buch 52, Nr. 53
  52. Zum exklusiven Pflichtcharakter des Dschihad im Islam vgl. Tilman Nagels Bemerkung: "Ibn Chaldun (gestorben 1406), der scharfsinnigste muslimische Interpret der islamischen Geschichte, stellte lakonisch fest, dass der Dschihad nur den Muslimen obliege. Im Gegensatz zu ihnen 'hätten die anderen Religionen keine solch universelle Mission, und der Heilige Krieg war (deshalb) keine religiöse Pflicht für sie, außer zur Selbstverteidigung'"; in Tilman Nagel: "Dschihad von Anfang an" (Buchbesprechung), SZ vom 4. Mai 2007[1]
  53. Siehe Bernard Lewis: Die Wut der arabischen Welt: Warum der Jahrhunderte lange Konflikt zwischen dem Islam und dem Westen weiter eskaliert. Campus, Frankfurt u.a. 2003, ISBN 978-3-593-37343-0, S. 54. Für einzelne Beispiele solcher Hadithe aus dem sahih des Muslim ibn al-Haddschadsch in englischer Übersetzung siehe: Rudolph Peters: Jihad in Classical and Modern Islam: ... Princeton NJ 2005, S. 9-17.
  54. Siehe Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 10 und dort angegebene Quellen
  55. a b Bernard Lewis: Die politische Sprache des Islam. Rotbuch Verlag, 1991. S. 125
  56. Rudolph Peters: Jihad in Medieval and Modern Islam. Brill, 1977. S. 3
  57. Majid Khadduri: War and Peace in the Law of Islam. The Johns Hopkinns Press, 1955. S. 74 ff.
  58. Bernard Lewis: Die Wut der arabischen Welt: Warum der Jahrhunderte lange Konflikt zwischen dem Islam und dem Westen weiter eskaliert. Frankfurt u.a. 2003, S. 52.
  59. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 10
  60. a b Albrecht Noth: Der Dschihad: sich mühen für Gott. In: Gernot Rotter (Hrsg.): Die Welten des Islam: neunundzwanzig Vorschläge, das Unvertraute zu verstehen. Fischer Taschenbuch Verlag, 1993. S. 31
  61. Robert G. Hoyland (Hrsg.): Muslims and Others in Early Islamic Society. Aldershot 2004, S. xiv.
  62. Rudolph Peters: Jihad in Classical and Modern Islam: ... Princeton NJ 2005, S. 4.
  63. Albrecht Noth: Der Dschihad: sich mühen für Gott. In: Gernot Rotter (Hrsg.): Die Welten des Islam: neunundzwanzig Vorschläge, das Unvertraute zu verstehen. Fischer Taschenbuch Verlag, 1993. S. 27 f.
  64. Beide Begriffe kommen weder im Koran noch den Hadithsammlungen vor, sondern entstanden im Laufe der Entwicklung des islamischen Völkerrechts in den Jahrhunderten nach dem Tode Mohammeds.
  65. The Encyclopaedia of Islam. Band 2, Leiden 1960 - 1965, S. 116: „Dār al-ʿAhd.
  66. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 12
  67. Adel Th. Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine: Lexikon des Islam. Geschichte – Ideen – Gestalten. Directmedia, 2001. S. 665-667
  68. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 12 f.
  69. E.J. Brill's First Encyclopaedia of Islam, 1913-1936. Brill, 1993. Bd. II, S. 1042, s. v. „Djihād“ Vgl. John Kelsay: Islam and war: a study in comparative ethics. Westminster John Knox Press, 1993. S. 61: „If (...) the aim becomes the defense of Islamic territory against enemy attacks (...) It [sic] is no longer fard kifaya, but fard ayn, an "individual obligation", in which each person must do all that he (or she) can for the sake of Islam.“
  70. Rudolph Peters: Jihad in Classical and Modern Islam: ... Princeton NJ 2005, S. 3.
  71. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 15 ff.
  72. Adel Th. Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine: Lexikon des Islam. Geschichte – Ideen – Gestalten. Directmedia, 2001. S. 669 f.
  73. Adel Th. Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine: Lexikon des Islam. Geschichte – Ideen – Gestalten. Directmedia, 2001. S. 669 f.; vgl. Rudolph Peters: Jihad in Medieval and Modern Islam. Brill, 1977. S. 19 ff.
  74. Siehe Muhammad Hamidullah: The Muslim Conduct of State. Ashraf Printing Press, 1987. S. 205 ff. sowie dort angegebene Quellen
  75. A. S. Tritton: The Caliphs and their non-muslim subjects. London, 1930; F. Løkkegaard: Islamic taxation in the classical period. Kopenhagen, 1950; D. C. Dennet: Conversion and poll tax in early Islam. (Harvard Historical Monographs XXII.) Cambridge, 1950; A. Fattal: Le statut légal des non-musulmans en pays d'Islam. Beirut, 1958
  76. Albrecht Noth: Die literarisch überlieferten Verträge der Eroberungszeit als historische Quellen In: Studien zum Minderheitenproblem im Islam 1. Bonn, 1973. S. 282 ff., S. 285 und S. 287.
  77. The Encyclopaedia of Islam. Band 3 = Fasc. 41/42 - 59/60: H - Iram. Leiden 1965 - 1971, S. 546: Hudna.
  78. Majid Khadduri, Herbert J. Liebesny, Robert H. Jackson: Origin and Development of Islamic Law. The Lawbook Exchange Ltd., 2008. S. 351.
  79. Für Einzelheiten dahingehend siehe: Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 33 f.
  80. The Encyclopaedia of Islam. Band 3, Leiden 1965 - 1971, S. 546: Hudna.
  81. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 33
  82. The Encyclopaedia of Islam. Band 1: A - B. Leiden [1954] - 1960, S. 429: Amān.
  83. Siehe Yohanan Friedmann: Tolerance and Coercion in Islam. Interfaith Relations in the Muslim Tradition. Cambridge University Press, 2003. S. 102 und die dort angegebene Literatur
  84. Vgl. Patricia Crone: Islam and Religious Freedom (PDF; 138 kB), Vortrag von auf dem dreißigsten deutschen Orientalistentag 2007 über die Interpretation der koranischen Norm Kein Zwang in der Religion in der islamischen Koranexegese: „They [gemeint sind die klassischen Korankommentare] all had the merit of making the verse compatible with the use of force for the maintenance and expansion of the Muslim community. It did not clash (…) with the duty to wage jihad to bring all mankind under Muslim sovereignty, for it only granted freedom to infidels after they'd been subjected.“ Leicht gekürzt auch online publiziert als "No pressure, then: freedom of religion in Islam. Open Democracy 2009. Vgl. Yohanan Friedmann: Tolerance and Coercion in Islam. Interfaith Relations in the Muslim Tradition. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 102 f.
  85. a b Yohanan Friedmann: Tolerance and Coercion in Islam. Interfaith relations in the Muslim Tradition. Cambridge, 2003. S. 103.
  86. Yohanan Friedmann: Tolerance and Coercion in Islam. Interfaith relations in the Muslim Tradition. Cambridge, 2003. S. 102 f.
  87. Reuven Firestone: Jihad: The Origin of Holy War in Islam. Oxford University Press, 1999. S. 17
  88. Siehe Majid Khadduri: War and Peace in the Law of Islam. The Johns Hopkins Press, 1955. S. 56 f. und dortige Quellenangaben
  89. Yohanan Friedmann: Tolerance and Coercion in Islam. Interfaith Relations in the Muslim Tradition. Cambridge University Press, 2003. S. 150
  90. Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam. Walter de Gruyter, 1997. Bd. 2, S. 92 und S. 390 nach al-Asch'ari
  91. Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam. Walter de Gruyter, 1997. Bd. 1, S. 143 und S. 147
  92. Sahih al-Buchari, Band 4, Buch 52, Nr. 43
  93. Sahih al-Buchari, Band 4, Buch 52, Nr. 248 sowie 8, Buch 73, Nr. 3
  94. Rudolph Peters: Islam and Colonialism. The doctrine of Jihad in Modern History. Mouton Publishers, 1979. S. 118 f.
  95. Bernard Lewis, Buntzie Ellis Churchill: Islam: The Religion and the People. Wharton School Publishing, 2008. S. 152
  96. Bassam Tibi: Der neue Totalitarismus. „Heiliger Krieg“ und westliche Sicherheit, Darmstadt 2004, S. 106
  97. Walid Phares: Future Jihad. Terrorist Strategies against the West, New York 2005, S. 137
  98. Offener Brief islamischer Gelehrter an Papst Benedikt XVI.