Dschungeldivision

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Soldaten der B Kompanie des australischen 30. Bataillons überqueren während der Schlacht um Sio einen seichten Flusslauf zwischen Weber Point und Malalamai, 9. Februar 1944.

Die Dschungeldivision war ein während des Zweiten Weltkriegs 1943 durch das Australische Heer eingeführter Formationstyp. Sie war leichter ausgerüstet als die im bisherigen Kriegsverlauf vor allem im Afrikafeldzug eingesetzten Infanteriedivisionen, die sich am britischen Vorbild orientierten. Sie sollte damit den speziellen Herausforderungen des Dschungelkriegs gegen die Japaner in der Southwest Pacific Area Rechnung tragen. Die Dschungeldivisionen waren insgesamt kleiner, verfügten über weniger schwere Waffen, Fahrzeuge und Unterstützungseinheiten und erwiesen sich während der späteren Schlachten im südwestpazifischen Raum mit australischer Beteiligung als erfolgreich.

Reorganisation des Australischen Heeres 1943[Bearbeiten]

Die sich verändernde Natur der Kriegsführung während des Zweiten Weltkriegs führte zu wesentlichen Änderungen in der Zusammensetzung der australischen Heereseinheiten. Die Erfolge der motorisierten und mechanisierten Infanterie der deutschen Wehrmacht im Polen- und Westfeldzug überzeugte die australischen Heeresplaner davon, dass die Armee mehr gepanzerte Einheiten benötigte. Ab 1941 wurde mit der 1. Panzerdivision der erste solche Verband aufgestellt. Im Jahr 1942 folgten die beiden Kavalleriedivisionen der Heeresreserve, deren Motorisierung man begann bevor sie vollkommen zu Panzerdivisionen umgerüstet wurden. Zur Unterstützung der Infanterie wurde darüber hinaus die 3. Heerespanzerbrigade aufgestellt. Nach Ausbruch des Pazifikkriegs sorgte die japanische Bedrohung für eine Verschiebung des australischen Truppenfokus vom afrikanisch-europäischen in den pazifischen Kriegsschauplatz. Die Anforderungen und Schwierigkeiten der Dschungelkriegsführung führten dazu, dass das Hauptquartier der Landstreitkräfte im Februar 1943 drei verschiedene Typen von Divisionen definierte. Panzerdivisionen, Standardinfanteriedivisionen und Dschungelinfanteriedivisionen. Größere gepanzerte Einheiten erwiesen sich als den Anforderungen des Dschungelkrieges nicht entsprechend und wurden im Verlauf der Jahre 1943 und 1944 aufgelöst.[1]

Schlussendlich beschloss die australische Militärführung Anfang 1943, sechs Infanteriedivisionen zu Dschungeldivisionen umzurüsten. Diese verfügten über weniger Personal sowie schwere Waffen, Fahrzeuge und Unterstützungseinheiten als die bisherigen Infanteriedivisionen,[2] die auf den Grundpfeilern „Mannstärke, Transport und Fernmeldewesen“ fußten.[3] Innerhalb der Divisionen wurden die jeweiligen Bataillone in ihrem Personalbestand verkleinert, die Luftabwehr- und Transportzüge aufgelöst beziehungsweise in mittlere Maschinengewehrzüge mit je vier Vickers-Maschinengewehren umgewandelt. Die Zahl von 81 mm-Mörsern erhöhte sich von sechs auf acht. Die in den Standarddivisionen zahlreich vorhandenen Motorräder, Lastkraftwagen und andere motorisierten Fahrzeuge waren in der oft straßenlosen Wildnis des südwestpazifischen Dschungels als nur eingeschränkt nutzbar. Aus diesem Grund erhielt jede Schützenkompanie nur einen Jeep und einen Anhänger. Der Transport von Nachschub stützte sich auf den zu Fuß durch die Soldaten und einheimische Träger beziehungsweise zu Luft.[4][5] Viele administrative Tätigkeiten und das zugehörige Personal wurden genau so aus den Einheiten abgezogen wie die nicht mehr benötigten Trupps für die Versorgung und Instandhaltung des divisionalen Fuhrparks.[6]

Die Überlegung hinter den Änderungen war, die Infanterieeinheiten dadurch effizienter zu machen, dass sie von im tropischen Terrain nicht benötigten Elementen befreit wurden. Darüber hinaus machte die abnehmende Schlagkraft der japanischen Artillerie und Luftstreitkräfte weniger schwere Abwehrwaffen nötig. Der Einsatz von weniger Personal sollte darüber hinaus Männer für die heimische Zivilindustrie verfügbar machen, die unter dem Abfluss von geschulten Arbeitern in den Militärdienst litt.[5] Mit 13.118 Männern war eine Dschungeldivision etwa 4.000 Mann schwächer als eine standardisierte Infanteriedivision. Die größten Probleme bestanden im Nachschubtransport, da die Inseln nördlich Australiens häufig nur über ein mangelhaftes Straßennetz und ungenügende Hafenanlagen verfügten. Der Transport von Nachschub ins Inland sowie von Verwundeten zur Evakuierung an die Küste oder zu Flugfeldern setzte daher stark auf Fußtransport. Die Struktur der Dschungeldivisionen optimierte die australischen Streitkräfte nach Möglichkeit gegenüber den äußeren Bedingungen und waren das erste mal, dass das australische Heer Einheiten organisatorisch speziell an die äußeren Gegebenheiten anpasste anstatt der britischen Militärdoktrin zu folgen.[6]

Sechs Infanteriedivisionen, darunter drei der Heeresreserve, wurden zu Dschungeldivisionen umformiert. Diese umfassten die 3., 5., 6., 7., 9. und 11. Division.[7] Diese Divisionen stellten den Großteil der außerhalb Australiens eingesetzten Truppen dar. Die verbleibenden wurden hauptsächlich in der Heimat eingesetzt oder aufgelöst.[8][6] Obwohl die Dschungeldivisionen sich als grundsätzlich erfolgreich erwiesen[2] zeigte sich, dass zusätzliche Artillerieunterstützung nötig war und einige der Divisionen erhielten je zwei zusätzliche Feldartillerieregimenter.[6]

Struktur einer Dschungeldivision[Bearbeiten]

Bei ihrer Aufstellung 1943 verfügten die Dschungeldivisionen grundsätzlich über folgende Struktur[9][10]:

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 178–183.
  2. a b Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 183–186.
  3. Jeffrey Grey: The Australian Army. 2001, S. 149.
  4. Ein übliches Infanteriebataillon bestand aus 35 Offizieren und 875 Mannschaften. In den Dschungeldivisionen wurden diese auf 34 Offiziere und 769 Mannschaften reduziert.
  5. a b John Coates: Bravery Above Blunder. The 9th Australian Division at Finschhafen, Sattelberg, and Sio. 1999, S. 49.
  6. a b c d Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 184.
  7. Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 183.
  8. Die 10. Division wurde 1942, die 1., 2. und 3. Panzerdivision 1943 aufgelöst. Die 2. und 4. Division folgten 1944. Die der Ausbildung dienende 1. und die 12. Division, die Northern Territory Force, wurden im Jahr 1945 auf Brigadenstärke reduziert.
  9. Zusätzliche Einheiten wie Maschinengewehrbataillone, Kommandoschwadronen und Panzerregimenter unterstandem dem höhergestellten Korps und konnten bei Bedarf zu den Divisionen abkommandiert werden.
  10. Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. 2001, S. 185.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Coates: Bravery Above Blunder. The 9th Australian Division at Finschhafen, Sattelberg, and Sio. Oxford University Press, New Yok und South Melbourne 1999, ISBN 0-19-550837-8, OCLC 43736921.
  • Jeffrey Grey: The Australian Army. Oxford University Press, New York und South Melbourne 2001, ISBN 0-19-554114-6, OCLC 46707304.
  • Albert Palazzo: The Australian Army. A History of its Organisation 1901–2001. Oxford University Press, New York und South Melbourne 2001, ISBN 0-19-551507-2, OCLC 64581457.