Du sollst nicht lieben

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Filmdaten
Deutscher Titel Du sollst nicht lieben
Originaltitel Einayim Pkuchot
Produktionsland Israel
Originalsprache Ivrith
Erscheinungsjahr 2009
Länge 91 Minuten
Stab
Regie Chaim Tabakman
Drehbuch Merav Doster
Produktion Raphael Katz
Michael Eckelt
David C. Barrot
Isabelle Attal
Musik Nathaniel Méchaly
Kamera Axel Schneppat
Schnitt Dov Stoyer
Besetzung
  • Ran Danker: Ezri
  • Zohar Strauss: Aaron
  • Tinkerbell: Rivka
  • Tzahi Grad: Rabbi Vaisben
  • Avi Grayinik: Israel Fisher
  • Eva Zrihen-Attali: Sara
  • Mati Atlas: Ephraim

Du sollst nicht lieben (hebr.: עיניים פקוחות, „Einayim Pkuchot“, engl: „Eyes Wide Open“) ist ein israelischer Film über die Liebe zweier ultraorthodoxer jüdischer Männer in Mea Shearim, einem ultraorthodoxen Stadtviertel Jerusalems. Das Drehbuch wurde von Merav Doster geschrieben. Der Film erschien im Jahre 2009 und war der erste israelische Film des Regisseurs Chaim Tabakman.

Beschreibung[Bearbeiten]

Aaron Fleischmann, ein verheirateter orthodoxer Jude und Vater von vier Kindern, übernimmt die Metzgerei seines verstorbenen Vaters Menachem Fleischmann (butcherhop Fleischmann). Da Aaron einen Arbeiter sucht, stellt sich der schwule 19-jährige Jeschiwa-Student Ezri vor. Er hat die Schule „wisdom of Menachem“ besucht, Aaron lehnt ihn jedoch ab. Ezri übernachtet in der Synagoge, wo Aaron ihn am Morgen schlafend vorfindet, als er dort beten geht. Da stellt Aaron den jungen Studenten ein. Sie verbringen nun viel Zeit miteinander: Am Tag arbeiten und abends studieren sie zusammen, nachts lässt er Ezri in der Abstellkammer über dem Metzgergeschäft schlafen, wo früher Aarons Vater schlief. Sie nehmen auch zusammen das rituelle Bad ein und begehen zusammen auch das Shabbat-Fest. Aaron verliebt sich in Ezri. Aarons Coming Out in der orthodoxen Umwelt erweist sich jedoch als sehr schwierig. Aaron ignoriert die Ablehnung der Nachbarn: Als junge Charedim Aarons Geschäft aufsuchen und ihn dort auffordern, Ezri zu entlassen, schließt Aaron kurzfristig das Geschäft und verbringt die Zeit mit Ezri. Aarons Frau Rivka steht deswegen vor verschlossenen Türen, als sie bei ihrem Mann Fleisch kaufen möchte. Sie schöpft Verdacht, als sie abends Aaron fragt, wie das Geschäft gelaufen sei, und er sie belügt und sagt, dass im Geschäft sehr viel zu tun gewesen sei. Daher geht Rivka am nächsten Tag wieder zum Geschäft, begegnet Ezri und lädt ihn spontan zum Abendessen im Kreis der Familie ein. Da Aaron den Ratschlag der benachbarten Charedim weiterhin ignoriert, wird ihm nun damit gedroht, sein Geschäft zu boykottieren; er müsse mit Frau und Kindern das Stadtviertel verlassen. Der Rabbiner ohrfeigt Aaron, nachdem dieser ihm gesteht, dass er Ezri benötige: Vorher sei er tot gewesen, mit Ezri würde er überhaupt erst anfangen zu leben. Ohne Ezri könne er nicht leben. Ezri wird auf offener Straße von jungen Charedim beschimpft und verprügelt; obwohl Aaron versucht ihn zu trösten und im Geschäft zu halten, verlässt Ezri das Stadtviertel.

Rezeption[Bearbeiten]

  • Der Regisseur Chaim Tabakman beschreibt die Parallelen zwischen dem orthodoxen Stadtviertel in Jerusalem und der übrigen Welt; die Probleme des Coming Out seien überall gleich:

Nicht wirklich. Auch wenn die Geschichte in Mea Shearim, in einer scheinbar fremden Welt spielt – sie hat viel mit unserem, mit meinem Leben zu tun. Man macht Fehler, kämpft darum, den richtigen Weg zu finden. Diese ursprüngliche Kraft, die die Protagonisten Aaron und Ezri empfinden, steckt in uns allen – es geht darum, wie man mit ihr umgeht.[1]

  • Lea Hampel meint aber, dass das Coming Out insbesondere innerhalb der jüdischen Orthodoxie besonders schwierig sei:

Ihr Film zeigt die starren Strukturen der ultraorthodoxen Gesellschaft. Aaron wird angefeindet, Ezri sogar verprügelt. Über diese Gesellschaft ist wenig bekannt – in den ultraorthodoxen Stadtvierteln Jerusalems hängen Schilder, auf denen Touristen gebeten werden, von einem Besuch abzusehen.[1]

  • Der Regisseur Chaim Tabakman beschreibt die Probleme beim Drehen im jüdischen Viertel und die mangelnde Rezeption von seiten der jüdischen Orthodoxie:

Am Originalschauplatz, im Viertel Mea Shearim in Jerusalem, haben wir nur eineinhalb Tage gedreht. Und das schnell, mit möglichst wenig Durchläufen. Da wurden wir angeschrien, angestarrt, bedroht, mit Wasser bespritzt und mit Steinen beworfen. Vor allem die Hauptdarsteller hatten zu leiden – sie trugen die traditionelle Kleidung, die Kamera war eher klein. Dass sie eine Rolle spielen, war nicht jedem klar, der vorbeilief. Als der Film in Israel in den Kinos war, gab es so gut wie keine Reaktion von religiöser Seite. Das hätte ja gezeigt, dass ein Bewusstsein für dieses Problem da ist. Genau das soll jedoch nicht passieren, weil man damit zugeben würde, dass es das gibt: homosexuelle Männer.[1]

  • „Ein sensibler Einblick in die jüdisch-orthodoxe Welt“ (Le Figaro)
  • „Voller Leidenschaft und Subtilität“ (Libération)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Schauspieler des Films am Tag seiner Präsentation beim Cannes Film Festival, 2009.
  • Cannes Festival's official choice "Un Certain Regard"[2]
  • Toronto Festival's official choice.
  • Bester Hauptdarsteller Jerusalem Filmfest (Best movie and best actor Jerusalem Festival 2009)[3].
  • Bester Film Shalom Europa
  • Bestes Spielfilmdebüt, Palm Springs Filmfest
  • Großer Preis Film Festival Gent 2009
  • Lobende Erwähnung, Jerusalem Filmfest

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Regisseur Tabakman: „Viele Menschen in diesen Gemeinden führen ein Doppelleben“, 20. Mai 2010 http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/viele-menschen-in-diesen-gemeinden-fuehren-ein-doppelleben/1842166.html
  2. Un Certain Regard, Festival de Cannes 2009
  3. Eyes Wide Open - trailer with English subs auf www.youtube.de

Weblinks[Bearbeiten]

siehe auch[Bearbeiten]