Dualität (Mathematik)
In vielen Bereichen der Mathematik gibt es die folgende Situation: zu jedem Objekt
der jeweils betrachteten Klasse gibt es ein duales Objekt
, dessen duales Objekt
wiederum
ist oder zumindest
sehr nahe kommt. Häufig gibt es auch noch eine Verbindung zwischen
und
, die die Beziehung zwischen ihnen näher beschreibt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Dualität in der Geometrie
[Bearbeiten] Dualität von Polytopen
Zwei Polytope (also Polygone, Polyeder usw.)
und
heißen kombinatorisch dual, wenn ihre Seitenverbände (die Inklusion ihrer Seiten, also Ecken, Kanten, Flächen usw.) antiisomorph sind. Dazu ein Beispiel: Wählt man die Mittelpunkte der Seitenflächen eines dreidimensionalen konvexen Polyeders
als Ecken, und verbindet man zwei „neue” Ecken, wenn die beiden entsprechende Seitenflächen von
eine gemeinsame Kante haben, so erhält man ein duales Polyeder
. Die Eckenzahl von
ist gleich der Flächenzahl von
und umgekehrt, die Kantenanzahlen sind gleich.
Dies sagt aber nichts darüber aus, ob die Polytope
und
invariant unter den gleichen Symmetrieabbildungen sind. Ein Quadrat und ein beliebiges Viereck sind beispielsweise kombinatorisch dual, da an jeder Ecke zwei Kanten zusammentreffen und jede Kante zwei Ecken hat. In der Regel gehören zu den Symmetrieabbildungen des Vierecks keine Spiegelungen, für das Quadrat hingegen schon.
Zu jedem Polytop
gibt es ein spezielles kombinatorisch duales Polytop, die so genannte Polare . Hierzu fasst man das Polytop
als abgeschlossene Teilmenge eines euklidischen Vektorraums auf. Die Polare besteht dann aus allen Punkten
, die für alle
von
die Ungleichung
erfüllen. Unter der Voraussetzung, dass der geometrische Schwerpunkt von
auf der Null liegt, haben
und seine Polare dieselbe Symmetriegruppe. Das doppelt-duale Polyeder ist ähnlich zu
und gleich diesem, wenn der Nullpunkt in seinem Inneren enthalten ist.
Für Beispiele siehe: Platonischer Körper, Archimedischer Körper
[Bearbeiten] Dualitätsprinzip der projektiven Geometrie
In der ebenen projektiven Geometrie gilt folgendes Dualitätsprinzip: Vertauscht man in einer wahren Aussage über Punkte und Geraden einer projektiven Ebene die Begriffe „Punkt” und „Gerade” und ersetzt man jeweils den Begriff „Verbindungsgerade zweier Punkte” durch den Begriff „Schnittpunkt zweier Geraden” und umgekehrt, so erhält man wieder eine wahre Aussage.
Beispiele für Paare dualer Sätze sind der Satz von Desargues und dessen Umkehrung oder der Satz von Pascal und der Satz von Brianchon.
→ Die konkrete Konstruktion der Dualität als Abbildung auf einem Projektiven Raum hängt vom gewählten projektiven Koordinatensystem ab und wird daher im Hauptartikel Projektives Koordinatensystem dargestellt.
[Bearbeiten] Geometrisch dualer Graph
Eine ähnliche Definition kennt auch die Graphentheorie für planare Graphen. Ein zum Graphen
geometrisch dualer Graph
entsteht, indem in jeder Fläche des Graphen
neue Knoten
hinzugefügt werden und für jede Kante
eine neue Kante
erstellt wird, die die
der beiden angrenzenden Flächen verbindet.
Ist der Graph
nicht nur planar, sondern auch zusammenhängend, so gilt auch hier, dass die Anzahl der Knoten in
der Anzahl der Flächen in
entspricht, die Anzahl der Flächen in
derjenigen der Knoten in
und die Anzahl der Kanten bleibt konstant. Im zusammenhängenden Fall gibt es damit bijektive Abbildungen zwischen den Kantenmengen der beiden Graphen und jeweils den Mengen der Knoten und Flächen. Außerdem gilt, dass
.
[Bearbeiten] Dualraum eines Vektorraums
Ist
ein Vektorraum über einem Körper
, so ist der duale Vektorraum oder Dualraum
der Vektorraum, dessen Elemente die linearen Abbildungen
sind. Ist
endlichdimensional, so hat
dieselbe Dimension wie
, und
ist kanonisch isomorph zu
.
Im Fall eines Banachraumes
besteht der Dualraum
aus den stetigen linearen Funktionalen. Ist
unendlichdimensional, so ist der Bidualraum
im Allgemeinen nicht kanonisch isomorph zu
, es gibt jedoch eine kanonische Einbettung von
in den Bidualraum
. Diejenigen Räume, für die diese Einbettung surjektiv ist (und damit ein Isomorphismus), heißen reflexiv. Beispiele sind die Räume Lp für
sowie alle Hilberträume.
[Bearbeiten] Mengenlehre: Komplementbildung
Eine Dualität, die nicht mit diesem Wort bezeichnet wird, ist die Bildung des Komplementes einer Menge: Ist eine Grundmenge
gegeben, so ist das Komplement einer Teilmenge
die Menge
der Elemente von
, die nicht in
liegen. Das Komplement des Komplementes ist wieder
selbst. Die Komplementbildung setzt Vereinigungsmenge und Schnittmenge zueinander in Beziehung:
(siehe de Morgansche Regeln).
Eine Verallgemeinerung dieses Beispiels stellt die Negation in einer beliebigen booleschen Algebra dar.
Nach dem Dualitätsprinzip für Verbände erhält man aus einer beliebigen wahren Aussage über Teilmengen einer Grundmenge
wieder eine wahre Aussage, wenn man die Symbole
(Vereinigungsmenge) und
(Schnittmenge) sowie die Symbole
(leere Menge) und
(Grundmenge) vertauscht.
- Siehe auch: Komplement (Mengenlehre), boolesche Algebra