Dubna (Moskau)

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Stadt
Dubna
Дубна
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Zentralrussland
Oblast Moskau
Stadtkreis Dubna
Bürgermeister Waleri Proch
Gegründet 1947
Stadt seit 1956
Fläche 70 km²
Bevölkerung 70.663 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1009 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 125 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 49621
Postleitzahl 141980–141986
Kfz-Kennzeichen 50, 90, 150, 190, 750
OKATO 46 418
Website www.naukograd-dubna.ru
Geographische Lage
Koordinaten 56° 45′ N, 37° 9′ O56.7537.15125Koordinaten: 56° 45′ 0″ N, 37° 9′ 0″ O
Dubna (Moskau) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Dubna (Moskau) (Oblast Moskau)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Moskau
Liste der Städte in Russland

Dubna (russisch Дубна́) ist eine Stadt in der nördlichen Oblast Moskau in Russland mit 70.663 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt befindet sich im äußersten Norden der Oblast Moskau nahe deren Grenze zur Oblast Twer. Die Entfernung zu Moskau beträgt etwa 120 Kilometer, die nächstgelegenen Städte sind Kimry (25 Kilometer nordöstlich von Dubna), Taldom (25 Kilometer östlich) und Konakowo (25 Kilometer westlich). Dubna liegt als einzige Stadt der Moskauer Oblast an der Wolga, die im westlichen Teil der Stadt aus dem Iwankowoer Stausee fließt. In Dubna befindet sich außerdem der Anfangspunkt des Moskau-Wolga-Kanals.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Siedlung auf dem heutigen Gebiet von Dubna könnte es schriftlichen Urkunden zufolge bereits zur Zeit des Großfürsten Juri Dolgoruki gegeben haben. Sie wurde jedoch 1216 bei einem Krieg mit der Republik Nowgorod zerstört. Später entstanden hier zwei Dörfer, die jedoch bis Mitte des 20. Jahrhunderts keinerlei Bedeutung hatten.

Das Haus der Wissenschaftler in Dubna

Die heutige Stadt wurde im Jahre 1947 angelegt und nach dem gleichnamigen Wolga-Zufluss benannt. Anlass für die Gründung der Arbeitersiedlung Dubno war der Bau des Moskau-Wolga-Kanals, des Iwankowoer Stausees sowie des angrenzenden Wasserkraftwerks. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden außerdem Pläne, in der künftigen Stadt ein Institut für Kernforschung mit einem Teilchenbeschleuniger zu errichten. Dass die Standortwahl auf Dubna fiel, ist neben der Nähe zu Moskau auch auf das Vorhandensein des Wasserkraftwerks zurückzuführen, welches eine möglichst stabile und autonome Energieversorgung gewährleisten sollte. Der Beschleuniger wurde im Dezember 1949 in Betrieb genommen.

1956 wurde das inzwischen rund 10.000 Einwohner zählende Dubna offiziell zur Stadt erklärt und ist seitdem eine kreisfreie Stadt innerhalb der Oblast Moskau. Dabei wurden mehrere angrenzende Orte in die Stadt eingeschlossen. In den 1960er und 1970er Jahren wurde die Stadt und ihre Infrastruktur stark ausgebaut, bis 1980 stieg Dubnas Bevölkerungszahl auf über 50.000.

Seit 2001 hat die Stadt aufgrund ihrer Forschungseinrichtungen den Status einer Wissenschaftsstadt (russ.: Naukograd).

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten]

In Dubna befindet sich das weltweit anerkannte Vereinigte Institut für Kernforschung (Kurzbezeichnung englisch: JINR), bestehend aus sieben Instituten mit 5000 Mitarbeiter, davon 1200 Wissenschaftler und 2000 Ingenieure (2011).

Unter anderem wurden hier zahlreiche neue chemische Elemente (sog. Transurane) erstmals synthetisiert, wie Nobelium (1957/68), Rutherfordium (1964), Dubnium (1967) – benannt nach dem Kernforschungszentrum in Dubna, Seaborgium (1974) Livermorium (2001), Ununoctium (2006) oder jüngst Ununseptium (2010).[2], was seinen Weltruf begründet.
Am 30. Mai 2012 wurde das 1999 im Institut entdeckte Element mit der Ordnungszahl 114 durch die 1919 gegründete Internationale Union für reine und angewandte Chemie (IUPAC) in Flerovium (Insel der Stabilität) benannt.[3]. Mit dem Namen „Flerovium“ wurde der renommierten Physiker, Gründer und langjähriger Leiter des Laboratoriums für Kernreaktionen am Vereinigten Institut für Kernforschung Georgi Nikolajewitsch Fljorow geehrt, der bereits 1939 die spontane Kernspaltung dokumentierte. In Dubna entdeckte er 1963 die Protonenradioaktivität und gilt als Physiker und verantwortlicher Leiter des Instituts als Entdecker von neuen Elementen des Periodensystems. Seit 1993 verleiht das JINR den Flerov-Preis (nach Georgi N.  Fljorow) für Kernphysik und seit 1995 den Bruno-Pontecorvo-Preis (nach Bruno Pontecorvo) für Elementarteilchenphysik.

Die wichtigste Hochschule der Stadt ist die Internationale Universität für Natur, Gesellschaft und Mensch Dubna. Außerdem befindet sich in Dubna eine Filiale des Moskauer Staatlichen Instituts für Nachrichtentechnik, Elektronik und Automatik.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wasserkraftwerk am Iwankowoer Stausee

Die Wirtschaft der Stadt ist eng mit den Forschungseinrichtungen verbunden. Wichtige Industriebetriebe sind eine Geräte- und eine Maschinenfabrik. Zudem ist im Stadtteil Podberesje ein Konstruktionsbüro (OKB) für Marschflugkörper ansässig, wo auch Brunolf Baade wirkte. Dubna ist ausgewiesene Sonderwirtschaftszone für die „Einführung innovativer Technik“.

Mit dem Bau der Stadt in den 1940er Jahren erhielt diese durch die Verlegung einer Stichstrecke von der Bahnstrecke Moskau–Kimry einen Eisenbahnanschluss. Hierdurch bestehen regelmäßige Regionalverbindungen mit Moskau (Sawjolowoer Bahnhof). Bedeutend für Dubna ist auch der Schiffsverkehr am Iwankowoer Stausee, der Wolga und dem Moskau-Wolga-Kanal.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. 2010, ref. in Phys. Rev. Lett. 194,142502
  3. iupac.org: „Element 114 is Named Flerovium and Element 116 is Named Livermorium“ (30. Mai 2012; abgerufen am 12. August 2014)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dubna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien