Duchesse Anne (Schiff, 1946)

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Duchesse Anne
Die Duchesse Anne als Großherzogin Elisabeth

Die Duchesse Anne als Großherzogin Elisabeth

p1
Schiffsdaten
Flagge FrankreichFrankreich Frankreich
andere Schiffsnamen
  • Großherzogin Elisabeth
Schiffstyp Stählernes Segelschulschiff
Bauwerft Johann C. Tecklenborg, Geestemünde
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
92,00 m (Lüa)
Breite 11,90 m
Tiefgang max. 5,45 m
Verdrängung 2006 t
 
Besatzung 15/20 Mann Stammbesatzung und 130/200 Auszubildende
Takelung und Rigg
Takelung Vollschiff
Anzahl Masten 3
Anzahl Segel 25 Rahsegel und 3 Focksegel
Segelfläche 2060 m²
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 14 kn (26 km/h)

Die Duchesse Anne ist das einzige erhalten gebliebene französische Segelschiff mit drei Masten und ist nach der Herzogin Anne de Bretagne benannt. Die ehemalige Großherzogin Elisabeth war das erste deutsche Handelsmarine-Schulschiff.

Bau und Stapellauf[Bearbeiten]

Das Schiff wurde 1901 als Grossherzogin Elisabeth von der Werft Joh. C. Tecklenborg in Geestemünde (heute Bremerhaven) für den Deutschen Schulschiffverein als Vollschiff in Stahl erbaut und trat am 17. März 1901 seine Jungfernreise an. Benannt wurde sie nach der oldenburgischen Großherzogin Elisabeth Alexandrine Mathilde von Mecklenburg-Schwerin (1869–1955). Die Grossherzogin Elisabeth wurde von Werftdirektor Georg W. Claussen konstruiert und hatte drei Schwesterschiffe.

Der Stapellauf fand am 7. März 1901 statt. Ursprünglich sollte die Patin, Großherzogin Elisabeth von Oldenburg, die Taufe vornehmen, doch aufgrund einer Erkrankung ihres Gatten Friedrich August (Oldenburg, Großherzog) verzichtete sie auf eine Teilnahme an der Veranstaltung. Die Teilnahme Kaiser Wilhelms II. (Deutsches Reich) war ebenfalls vorgesehen, doch aufgrund eines auf ihn kurz zuvor in Bremen verübten Attentats, bei dem der Kaiser im Gesicht leicht verletzt worden war, entfiel seine Teilnahme. Die Taufe nahm an Stelle der Patin ihr Bruder, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, vor, und hielt dabei folgende Taufrede:

Wohl noch nie, so lange die altberühmte Werft besteht, haben wir mit so freudiger Genugthuung wie heute dem Stapellauf beiwohnen können; einem alten, in seemännischen Kreisen lang gehegten Wunsche ist damit Rechnung getragen. Mit dankerfüllten Blicken schauen wir auf die Männer, deren Energie und klarem Blick es gelungen ist, das Werk durchzuführen und eine Stätte zu schaffen, wo junge Schiffer zu thatkräftigen Leuten herangebildet werden für die deutsche Handelsmarine. Unter dem Protektorat des Großherzogs von Oldenburg, unterstützt von seinen Getreuen, ist dieses deutsche Schiff hier entstanden; durch Beiträge patriotischer Deutscher zusammengebracht, steht dieses Schiff heute vor uns und hart seiner Uebergabe an sein Element. Aber wenn in diese Festesfreude ein Tropfen der Trauer fällt, so ist dies ein Blick auf die hohe Patin, und der Gedanke, sie heute hier nicht begrüßen zu können. Ihre Gedanken aber weilen unter uns und bei Dir, Du deutsches Schiff. Ihre Wünsche sollen Dich begleiten immerdar auf Deiner Fahrt. Ihre Wünsche vereinigen sich auch mit den meinigen, und so wünsche ich Dir gute Fahrt Deiner Pathin zur Ehre und zum besten der deutschen Schiffahrt. Ich taufe Dich G r o ß h e r z o g i n E l i s a b e t h![1]

An der Feier nahmen von Seiten der Kaiserlichen Marine Admiral Hans von Koester, Admiral Prinz Heinrich von Preußen (1862–1929) und Konteradmiral Richard Aschenborn teil. Ebenfalls anwesend waren die Direktoren der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyds.

Da die Patin verhindert war, sandte sie folgendes Telegramm an die Eigentümer des Schulschiffs:

O l d e n b u r g. Dem Deutschen Schiffsjungenschulschiffverein sende ich meine wärmsten Glückwünsche zu dem Stapellauf seines ersten Schiffes. Möge jede seiner Fahrten mit Segen für die junge Mannschaft begleitet sein. Mein aufrichtigstes, lebhaftestes Interesse wid es stets begleiten. So schmerzlich es mir ist, die Taufe meines Pathenschiffes nicht selbst vollziehen zu können, so freut es mich, daß es meinem Bruder möglich war, meine Stelle zu vertreten.
E l i s a b e t h, Großherzogin von Oldenburg[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Duchesse Anne in der Dämmerung
Als Museumsschiff im Musée portuaire de Dunkerque

Zunächst wurde das umgangssprachlich Lisbeth genannte Schulschiff von der deutschen Handelsmarine genutzt. 1946 kam es als Reparationsleistung an Frankreich und erhielt den neuen Namen Duchesse Anne. Das Schiff lag viele Jahre lang in Lorient und Brest und war anschließend zur Abwrackung vorgesehen. Auf Privatinitiative wurde es dann in seinem Zustand als Schulschiff erhalten. Im Jahr 1981 wurde es schließlich für einen symbolischen Preis von einem Franc von der Stadt Dünkirchen gekauft und in jahrelanger Arbeit restauriert. Die Duchesse Anne liegt heute dort als Museumsschiff im Hafen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Janssen [d.i. Jochen Brennecke]: Weiße Segel über blauen Wogen. Segelschulschiff "Großherzogin Elisabeth", München (Moewig-Verlag) 1959 (SOS-Schicksale deutscher Schiffe Bd. 176)
  • Schulschiffverein Grossherzogin Elisabeth (Hg.): Logbuch "Lissi" 1909 - 2009. 100 Jahre "SSS Großherzogin Elisabeth", Elsfleth 2009.
  • Der Stapellauf des Schiffsjungenschulschiffes "Großherzogin Elisabeth", in: Nachrichten für Stadt und Land (Oldenburg) vom 8. März 1901, S. 6
  • Gerhard Eckhardt: Die Segelschiffe des Deutschen Schulschiff-Vereins. Eine Dokumentation, Bremen (Hauschild) 1981. ISBN 3-920699-37-8

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Taufrede abgedruckt in: Der Stapellauf des Schiffsjungenschulschiffes "Großherzogin Elisabeth", Nachrichten für Stadt und Land
  2. Telegramm abgedruckt in: Der Stapellauf des Schiffsjungenschulschiffes "Großherzogin Elisabeth", Nachrichten für Stadt und Land

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Duchesse Anne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien