Dujardin (Weinbrennerei)

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Weinbrennerei Dujardin in Uerdingen
Kesselwagen Firma Dujardin

Die Dujardin GmbH und Co. KG, vorm. Gebr. Melcher ist ein Hersteller von Weinbrand und anderen Spirituosen. Inhaber der Weinbrennerei in Uerdingen am Rhein ist die Familie Melcher. Herstellung und Vertrieb der Produkte wird von der Firma Schwarze & Schlichte Markenvertrieb GmbH & Co. KG in Oelde (Westfalen) übernommen.

Aktuelle Produkte[Bearbeiten]

  • „Dujardin Fine“ ist ein Cognac mit dem Prädikat V.S.O.P. unter dem Markenzeichen Dujardin.
  • „Dujardin Imperial“ ist ein Weinbrand mit dem Prädikat VSOP für das er mindestens vier Jahre in Eichenfässern lagern muss.
  • „Uerdinger“ ist ein Doppelwacholder (Gin).
  • „Melcher’s Rat“ ist ein Weinbrand nach Originalrezept des Stammvaters und ersten Brennmeisters Wilhelm Heinrich Melcher.

Frühere Produkte[Bearbeiten]

  • „Dujardin Fine“ ist ein Weinbrand mit dem Prädikat X.O. (Extra Old) und hat mindestens acht Jahre gereift.
  • „St. John Jamaika Rum-Verschnitt“ ist wie der Name schon sagt ein Rum-Verschnitt.
  • „Curaçita“, „Dujardin Triple Sec“ ist ein Triple Sec Curaçao-Likör.
  • „Melcher’s Klar Hell“ ist ein milder Weizenkorn.
  • „Orlow“ ist ein Wodka nach einem mehr als 150 Jahre alten Rezept der Koscheleffs aus Moskau.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1743 wurde Wilhelm Heinrich Melcher, ein „patentyrter Branntweinbrenner“, das Bürgerrecht der Stadt Uerdingen am Rhein verliehen. Melcher besaß seit 1780 eine Konzession zum Brennen und produzierte Korn und Wacholderschnaps im ehemaligen „Täubchenhaus“. 1810 begann sein Sohn Henry Melcher auch Cognac herzustellen, was er sich im von den Franzosen unter napoleonischer Besatzung neu geschaffenen Code de commerce, dem Vorläufer des heutigen Handelsregisters, eintragen ließ. Den dafür benötigten Wein bezogen die Melchers von der Winzerfamilie Dujardin vom Château des Mérigots in der Charente in Frankreich, mit der sie alsbald eine Kooperation eingingen und die Firma Dujardin & Compagnie vorm. Gebr. Melcher gründeten. 1889 wurden schon 700 hl gebrannt. Dujardin wurde zum Markennamen, dem die Familie Melcher auch nach dem Tode A. Dujardins treu blieben. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte laut dem Vertrag von Versailles die Bezeichnung Cognac nicht mehr von Herstellern in Deutschland verwendet werden. Aus „Cognac“ wurde dadurch „Deutscher Weinbrand“. In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen zum größten Hersteller von Weinbrand in Deutschland heran.

Bis 1930 wurde eine neue Produktionsstätte am Uerdinger Rheinufer errichtet. Das Unternehmen verfügte hier über Zugang zum Wasser und einen Gleisanschluss. Bei dem verheerenden Luftangriff der alliierten Luftstreitkräfte am 22. August 1943 wurde die Produktionsstätte vollständig zerstört. Vor dem Angriff konnten einige Destillate in Sicherheit gebracht werden, mit denen die Produktion bis zum vollständigen Wiederaufbau der Destillerie 1947 behelfsmäßig fortgeführt werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Uerdinger Weinbrennerei, noch immer im Besitz der Familie Melcher, bald wieder die zweitgrößte in Deutschland. Der Werbeslogan „Darauf einen Dujardin …“ entstand 1952 und machte die Marke weiter bekannt.

Ab 1954 verfügte Dujardin mit der M.S. Imperial über ein eigenes Seeschiff. Der Rhein verband die Brennerei via Rotterdam mit den Weinhäfen Frankreichs. Das Lager wurde auf das dreifache seiner Kapazität ausgebaut und die Anlagen für die Verladung modernisiert. Dujardin beschäftigte zu dieser Zeit über 450 Menschen.[1] Die M.S. Imperial brachte im Zweiwochenrhythmus rund 400.000 Liter Brennwein aus Frankreich direkt nach Uerdingen.

Im Jahr 1983 trat Hanno W. Melcher in siebter Generation dem Familienunternehmen bei. Im selben Jahr fusionierte Dujardin mit der Firma Pott & Racke. Die Verwaltung wurde 1983 nach Bingen am Rhein verlegt, die Abfüllung folgte 1993. Gebrannt wurde weiterhin in Uerdingen. 2006 lizenzierte Racke die Vertriebsrechte an der Marke „Dujardin Imperial“, „Uerdinger“ und „Melchers Rat“ an den Westfälischen Spirituosenhersteller Schwarze & Schlichte. Dieser wertete die Marke „Dujardin Imperial“ mit einem neuen Design für den Premiumsektor auf. 2006 produzierten in Uerdingen durchschnittlich elf Mitarbeiter in 12.000 300-Liter-Limousin-Eichenfässern Weinbrand. Die Firma Racke zog sich 2006 vollständig aus dem Spirituosengeschäft zurück. Seitdem ruht der Betrieb weitestgehend. Noch immer hält die Familie die Rechte an den Marken „Dujardin Imperial“, „Melchers Rat“ und „Uerdinger“, jedoch wird lediglich „Uerdinger“ noch immer in Uerdingen destilliert.

Die Familie Melcher hält die historischen Gebäude und die Weinbrennerei im Familienbesitz. Die Räume werden an Künstler für Werkstätten, Ateliers und Ausstellungen vermietet.[2] Die Betriebsstätte der nunmehr größten Weinbrennerei Deutschlands kann an Samstagen und Sonntagen besichtigt werden.[3]

Seit Anfang 2009 sorgt Matthias Melcher mit seinen Plänen für die Destillerie für Furore in der Rheinstadt. Melcher studierte zunächst Medizininformatik. Kurz vor seiner Diplomarbeit schwenkte er jedoch um und machte an der Kunsthochschule für Medien in Köln eine Ausbildung zum Regisseur. Melcher ging in die USA, wo er unter anderem beim Film Titanic an den Digitaleffekten mitwirkte.[4] Seit Sommer 2009 befindet sich ein Biergarten im Hof des Gebäudes.[5]

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Am 14. Dezember 2009 stimmte die Bezirksvertretung einer von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen teilweisen Unterschutzstellung der Brennerei einstimmig zu. Ab diesem Zeitpunkt standen wesentliche Teile der historischen Gebäude unter provisorischem Denkmalschutz.[6][7] Am 15. April 2010 wurde die Weinbrennerei endgültig in die Denkmalliste der Stadt Krefeld als Baudenkmal aufgenommen.

Samstags und Sonntags finden stündlich geführte Rundgänge durch die Brennerei statt.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Der Firmenstandort diente als Kulisse für Szenen in den Filmen Das Wunder von Bern, Die Erfindung der Currywurst und Maria, ihm schmeckt’s nicht!.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weinbrennerei Dujardin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte der Weinbrennerei Dujardin
  2. WDR Mediathek: Aufbruch in Uerdingen
  3. Dujardin: Brennerei wird zum Museum. In: Westdeutsche Zeitung, 27. November 2008
  4. Ein Uerdinger versenkte die Titanic. Bei: RP-Online, 12. Januar 2008
  5. Der Retter aus Hollywood. Bei: RP-Online, 2. Februar 2009
  6. Denkmalschutz für Dujardin und Theater. In: Westdeutsche Zeitung, 9. März 2010
  7. Bezirksvertretung beschliesst Denkmalschutz