Dumitru Stăniloae

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Dumitru Stăniloae (* 16. November 1903 in Vlădeni; † 5. Oktober 1993 in Bukarest) war ein rumänisch-orthodoxer Theologe, Schriftsteller und Professor, Mitglied der Rumänischen Akademie sowie Priester und bekennender Christ in der Zeit des Kommunismus in Rumänien.

Biografie[Bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Dumitru Stăniloae war das fünfte und letzte Kind von Irimie und Rebeca Stăniloae. Sein Heimatort Vlădeni ist ein kleines Dorf im Zentrum Rumäniens. Die Familie war religiös, zwei seiner Schwestern wurden Nonnen. Am 4. Oktober 1930 heiratete er Maria Mihu. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: 1931 kamen die Zwillinge Dumitru († September 1931) und Maria († 1945) auf die Welt. 1933 wurde Lidia Stăniloae geboren. Der einzige Enkel, Dumitru Horia, der Sohn von Lidia Stăniloae, wurde 1959 geboren. Dumitru Stăniloae ist im Herbst 1993 im Alter von 89 Jahren gestorben.

Studium und Beruf[Bearbeiten]

Er studierte zuerst Literaturwissenschaft von 1922 bis 1923 in Bukarest, dann Theologie in Hermannstadt (rum. Sibiu) und Czernowitz. Seine Studien setzte er in München und Paris, später in Griechenland fort, wo er seine Doktorarbeit über die Wirkung des Patriarchats des Dositheus von Jerusalem geschrieben hat. Im Jahre 1928 wurde er in Czernowitz promoviert. Danach erhielt er nochmals ein Stipendium und studierte an der Universität München Byzantinologie und Dogmatik.

Im Alter von 27 Jahren ist er zum Professor für systematische Theologie in Hermannstadt ernannt worden. 1932 wurde Stăniloae zum Priester geweiht. Ab 1934 lehrte er als ordentlicher Professor bis 1947 Dogmatik. Wegen kritischer Veröffentlichungen zum Kommunismus wurde er nach Bukarest versetzt und 1958 wegen „Verschwörung gegen den Arbeiterstaat Rumänien“ zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Von seiner Freilassung 1963 bis zu seiner Pensionierung 1973 arbeitete er dann wieder als Hochschullehrer. Bis zu seinem Tod 1993 folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen. Die Ehrendoktorwürde erhielt er von den Theologischen Fakultäten der Universitäten von Paris, Belgrad, Athen und Bukarest.

Er erhielt 1980 den Dr.-Leopold-Lucas-Preis.

Werk[Bearbeiten]

1938 erschien das Buch „Das Leben und die Lehre des heiligen Gregor Palamas, mit dessen Ausarbeitung sich Stăniloae in das Zentrum der orthodoxen Spiritualität bewegte. 1946 begann er damit, die Philokalie aus dem Griechischen ins Rumänische zu übersetzen. Dabei handelt es sich um eine Anthologie zentraler byzantinischer Texte. Bis 1992 erschienen zwölf Bände mit umfangreichen Anmerkungen.

Daneben ist Stăniloae durch zahlreiche dogmatische Werke bekannt geworden. Eine weite Verbreitung fand seine dreibändige Orthodoxe Dogmatik, die erstmals 1978 in Bukarest erschien. Diese würdigte Karl Lehmann:

Der erste Band beginnt mit der göttlichen Offenbarung, die die Quelle des christlichen Glaubens und der Kirche ist. Hier erhält die Kirche als „Organ“ und „Milieu“, in denen der Gehalt der Offenbarung bewahrt wird und seine Früchte bringt, von Anfang an einen wichtigen Platz. Dennoch ist dieser erste Band radikal zunächst dem christlichen Gottesverständnis gewidmet, dann schließlich dem Weltverständnis, eng zusammen gesehen mit der schon genannten Theologie der Liebe. Der zweite Band ist ganz auf die Person und das Werk Jesu Christi bezogen. Dabei ist es spannungsvoll, wie sein Heilswerk in einer erneuerten Humanität, aber eben zugleich im Sinne der Erlösung verstanden wird. Der dritte Band betrifft ausführlich den Sinn der Sakramente und entwirft eine kräftige, umfassende Eschatologie, die immer wieder in den Glauben an das ewige Leben mündet. Obwohl diese Dogmatik begrifflich streng ist und auch wirklich einen wissenschaftlichen Geist bekundet, ist sie von der ersten bis zur letzten Seite von einer tiefen Spiritualität erfüllt, die einerseits im besten Sinne des Wortes als aktuell und gegenwartsbezogen bezeichnet werden kann und die zugleich in einer erstaunlichen Weise ganz und gar in der Tradition ruht, darin zugleich aus frischen Quellen schöpft, aber auch darin geborgen ist und geschützt wird.[1]

Es ist die erste vollständige und umfangreichere orthodoxe Dogmatik, die mit Unterstützung der Evangelischen Kirche und der Katholischen Kirche in die deutsche Sprache übersetzt wurde.

Stăniloae hat über 90 Bände der Kirchenväter übersetzt, 30 Monographien verfasst, über 200 wissenschaftliche Artikel und über 1000 Zeitungsartikel geschrieben.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lehmann, Dankesrede am 28. April 2004