Dummheit

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Dummheit ist der allgemein- und umgangssprachliche Begriff für einen deutlichen Mangel an geistiger Befähigung und wird am häufigsten als Intelligenzmangel definiert. Bio- bzw. physiologisch ist Dummheit dementsprechend als Mangelfunktion des Gehirns zu betrachten.
Zum Teil unabhängig davon wird der Begriff der Dummheit auch zur Kennzeichnung des Mangels an Wissen oder Bildung verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Definition und Einordnung

Meyers Konversations-Lexikon definiert Dummheit als das Unvermögen, aus Wahrgenommenem die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Begriff ist, ebenso wie der verwandte und mittlerweile ungebräuchlichere Begriff der Torheit, eindeutig negativ konnotiert. Aus psychologischer- bzw. medizinischer Sicht spricht man von Intelligenzminderung, welche sich in einem deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Intelligenzquotienten ausdrückt und deren Ursache sowohl in mangelnder Begabung wie auch Bildung liegen kann.

Als menschliches Charaktermerkmal ist die Dummheit allerdings nicht immer einfach zu erfassen; im Alltagssprachgebrauch versteht man darunter vor allem den Mangel an Verstand oder auch „gesundem Menschenverstand“. Die Grenzen zwischen Dummheit, unüberlegtem Verhalten und mangelnder Intelligenz sind eher fließend.

Da Intelligenz nicht immer mit Weisheit einhergeht, können auch überdurchschnittlich intelligente Menschen in bestimmten Zusammenhängen ausgesprochen dumm agieren. Ebenso können Menschen Defizite in bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen besitzen, die im Gegensatz zu ihren sonstigen Kompetenzen stehen. Im Gegensatz hierzu gibt es weise Menschen aufgrund von Lebensreife, die aus psychodiagnostischer Sicht als intelligenzgemindert eingestuft würden.

Historische und heutige Haltung zur Dummheit

Mit seinem bekannten Ausspruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß,“ bringt Sokrates das letztendliche „Nicht-Wissen/Können“ des Menschen auf den Punkt und weist zugleich darauf hin, das „Dummheit“ eine Eigenschaft ist, die letztlich allen Menschen zu eigen sein kann.

Trotzdem blieb das Verlachen der Dummheit, wie auch das der dummen Menschen, zu aller Zeit ein beliebter Topos in der Geschichte von Kunst und Literatur wie auch der Alltagskultur. Als Paradebeispiel sei hier das Buch von den Schildbürgern angeführt, in dem die Geschichte an sich weiser Menschen beschrieben wird, die sich dumm stellen, wodurch ihnen die Dummheit am Ende zur zweiten Natur wird. Auch Erasmus von Rotterdam (im Buch vom Lob der Torheit) und Sebastian Brant (im Narrenschiff) knüpften an diese Tradition der Narrenliteratur an, die ihre Vorbilder auch in christlichen Stoffen fand, in denen etwa der Sündenfall Adams und Evas als „Ur-Torheit“ des Menschen und hiermit die Dummheit am abschreckenden Exempel dargestellt wird.

Die Denker der Aufklärung, welche in sinnfreien, überkommenen Ritualen und Denkweisen die Dummheit am Werk sahen, bemühten sich, ihr die Vernunft als Tugend entgegenzustellen. Damit einher ging die Förderung der Massenbildung, die dafür sorgen sollte, das allgemeine Intelligenzniveau anzuheben. Kritik am „reinen Bücherwissen“ kam allerdings bald auf. Dessen Auswüchse wurden selbst von Denkern wiederum als Dummheit satirisch und kritisch auf`s Korn genommen. So lässt Goethe seinen Faust in sokratischer Manier trotz seines angesammelten Wissens, erworben in einem jahrelangem Studium, nur zu der Erkenntnis kommen: „Da steh' ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“

Eine Weisheit besagt, dass das Leben des Menschen ein Prozess ist, der über das Sammeln immer größeren auch enzyklopädischen Wissens zur Selbsterkenntnis und schließlich über die Grenzen eben jenes Wissens hinweg führt. Beispielsweise wird im Buddhismus betont, dass eine einseitige Orientierung auf Sachwissen und Abstraktion der Erlangung von Weisheit und Erkenntnis im Wege steht.

Während viele Autoren die Dummheit als Teil der conditio humana sehen, sind andere der Ansicht, dass diese durchaus historisch konkret bestimmbare Ursachen hat und systematisch z. B. durch das Schulsystem produziert wird (Huisken 2005). Zu einer ähnlichen Auffassung kommt auch der Tiefenpsychologe Josef Rattner, der die Dummheit für die gefährlichste menschliche „Krankheit“ hält und in seinem Buch Homo insipiens oder der dumme Mensch dazu aufruft, alle an Fortschritt und Freiheit interessierten Wissenschaftler mögen sich an einer „universellen Dummheitsforschung“ beteiligen.

Geflügelte Worte über die Dummheit

Viele berühmte Autoren haben Beobachtungen über den Platz der Dummheit in der Natur des Menschen angestellt. Einige dieser Zitate sind zu geflügelten Worten geworden. Ein wahrscheinlich apokryphes Zitat wird meist Einstein zugeschrieben:

„Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.“

Apokryph

Schiller lässt in der Jungfrau von Orléans die Figur des englischen Feldherren Talbot sagen:

„Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“

Friedrich Schiller

Der deutsche General Kurt von Hammerstein-Equord meinte zur Beurteilung der ihm unterstellten Offiziere [1]

„Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90% aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.“

Kurt von Hammerstein-Equord

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Wikiquote
 Wikiquote: Dummheit – Zitate
Wiktionary
 Wiktionary: Dummheit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Einzelnachweise

  1. Hans Magnus Enzensberger: Hammerstein oder der Eigensinn - Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-518-41960-1.
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