Dungchen

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Mönche mit Dungchens

Das Dungchen (tib.: dung chen) ist ein in der tibetischen Musik gespieltes Blechblasinstrument aus Kupfer oder einer Kupferlegierung, das zu den in Tibet allgemein Dung („Muschel“) genannten Naturtrompeten gehört. Der alternative Name Dun dmar wird mit „rote Trompete“ übersetzt und bezieht sich auf das verwendete Material.

Das Dungchen hat Ähnlichkeit mit dem Alphorn und bringt einen tiefen und voluminösen Ton hervor. Es kommt häufig bei tibetisch-buddhistischen Zeremonien im Freien oder in der Versammlungshalle in Ensembles von mindestens zwei oder auch mehr Spielern zum Einsatz. Die Instrumente sind auf dieselbe Tonhöhe gestimmt. Geblasen wird das Dungchen mit einem Tuba-artigen Instrumentenmundstück. Wie jedes Blechblasinstrument hat es ein vom Mundstück zur Schallöffnung sich konisch erweiterndes Rohr. Die Länge variiert von ca. 0,9 bis zu 4,5 Meter. Große Dungchen werden aus drei Teilen gefertigt, die teleskopartig ineinander geschoben werden, so dass sie einfacher befördert werden können.

Produziert werden drei Töne aus der Naturtonreihe im Abstand von jeweils einer Oktave. Die Töne sind mit dor für den tiefsten, gyang für dem mittleren und ti für den höchsten Ton bezeichnet. Beim dor bedeckt die Unterlippe die innere Öffnung des Mundstücks und bewegt sich vor und zurück, während die Oberlippe das Mundstück im oberen Bereich berührt. Beim gyang werden die Lippen zusammengepresst; noch stärker beim ti, bei dem die Lippen vollständig in das Mundstück gedrückt werden. Ein absoluter Gleichklang der beiden Instrumente wird weder erreicht noch gilt dies als erstrebenswert. Ebenso wenig geht es um definierte Tonhöhen oder Harmonien.

Eine mit etwa 1,2 Metern Länge kürzere Variante ist das dsog-dung, das nur in den Versammlungshallen gespielt wird. Im Orchester erklingen die Dungchen zusammen mit dem Schneckenhorn dung-kar, der Stielglocke drilbu, der kleinen Sanduhrtrommel mit Klöppeln damaru, der kürzeren Metalltrompete tsog-kang mit „Krokodilsmaul“, den vertikal gehaltenen Paarbecken silnyèn und den horizontal gehaltenen Paarbecken rol-mo (rölmo).[1]

Wegen seiner großen Länge muss das dungchen mit starkem Druck geblasen werden, weshalb jugendliche Schüler erst auf der kürzeren Metalltrompete rkang gling (kang-ling) oder dem Schneckenhorn üben und erst etwa ab 13 Jahren dungchen spielen dürfen. Dis dahin haben sie durch Beobachtung beim täglichen Musizieren und bei Veranstaltungen die Spielweise kennengelernt.

Die Notation der Töne erfolgt in den Klöstern der Karma-Kagyü-Tradition mit Hilfe von wolkenartig geschwungenen Linien. Jeder Bogen steht für einen Wechsel in einen anderen Oberton, die Stärke der Linien bezeichnet die Lautstärke. Dagegen werden die Töne im zur Gelug-Tradition gehörenden Nechung-Kloster durch eine Abfolge von senkrechten Strichen notiert. Die drei Töne werden dabei mit einem Kreis, einem senkrechten geraden Strich und einem Strich mit Häkchen oben dargestellt. Eine <-förmige Ausbuchtung am senkrechten Strich bezeichnet eine asymmetrische Veränderung der Dynamik. Der Ton wird allmählich lauter und bricht dann plötzlich wieder zum leisen Ausgangston ab.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian Pertl: Some Observations of the Dung Chen of the Nechung Monastery. In: Asian Music, Vol. 23, No. 2. Frühling/Sommer 1992, S. 89–96 (JSTOR)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dungchens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daniel A. Scheidegger: Tibetan Ritual Music. A General Survey with Special Reference to the Mindroling Tradition. (Opuscula Tibetana. Arbeiten aus dem Tibet-Institut) Rikon-Zürich 1988, S. 22, 90, 92
  2. Brian Pertl, S. 90–92