Dunkler Fluss

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Als Dark Flow (Dunkler Fluss) wird ein mögliches Muster in der Eigenbewegung von Galaxienhaufen bezeichnet.

Panoramabild der Galaxiencluster. Der Norma- Cluster (und der Große Attraktor) rechts unterhalb der Milchstrassen- Scheibe. Der dunkle Fluss zielt auf ein Gebiet oberhalb des Centaurus- Cluster.

Theoretischer Hintergrund[Bearbeiten]

Die Nasa-Sonde WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) misst Fluktuationen der kosmischen Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich, die beim Urknall entstanden sind. Durch die Bewegung von Galaxienhaufen wird die kosmische Hintergrundstrahlung verändert, woraus sich deren Richtung und Geschwindigkeit berechnen lassen.

Nach den üblichen Annahmen der Kosmologie sollten die Eigenbewegungen von Galaxienhaufen relativ zur kosmischen Hintergrundstrahlung zufällig in alle Richtungen verteilt sein.

Beobachtung und Entdeckung[Bearbeiten]

Am Goddard Space Flight Center der Nasa hat die Arbeitsgruppe um Alexander Kashlinsky die WMAP-Daten ausgewertet. Die Analyse der dreijährigen Daten ergab unter Verwendung des Sunjajew-Seldowitsch-Effekts Hinweise auf eine überraschend kohärente Strömung von Galaxienhaufen, wobei die Geschwindigkeit dieser Bewegung mit der Entfernung zunimmt. Ein solcher Galaxienstrom kann nur durch eine starke Anziehungskraft verursacht werden, für die aber keine Ursache bekannt ist.

Im Jahr 2010 wurden in einer weiteren Studie die fünfjährigen WMAP-Daten ausgewertet. Danach verdoppelte sich die Zahl der am „Dunklen Fluss“ beteiligten Galaxienhaufen von 700 auf 1400.[1] Die Bewegungsrichtung der Haufen in jedem der vier Segmente zeigt einige Abweichungen, aber alle Segmente weisen eine bemerkenswerte Übereinstimmung auf.[2]

„We detect motion along this axis, but right now our data cannot state as strongly as we'd like whether the clusters are coming or going“

Alexander Kashlinsky[3]
Der Dunkle Fluss. Die farbigen Punkte sind Galaxienhaufen innerhalb einer von vier Distanzen. Die farbigen Ellipsen zeigen die Richtung der gemeinsamen Bewegung für die Galaxienhaufen der entsprechenden Farbe.

Erklärungsversuch[Bearbeiten]

Die Autoren der Studie schlugen vor, dass die Bewegung ein Überrest des Einflusses von heute nicht mehr sichtbaren Bereichen des Universums vor der kosmischen Inflation ist.

„Because the dark flow already extends so far, it likely extends across the visible universe“

Alexander Kashlinsky[4]

Kritik[Bearbeiten]

Der Astrophysiker Edward L. Wright veröffentlichte Argumente zur Fehlerhaftigkeit der Studie,[5] auf die die Autoren umgehend reagierten.[6] Ryan Keisler veröffentlichte 2009 eine Untersuchung, nach der der dunkle Fluss kein physikalisches Phänomen ist, da in der Studie die primäre Anisotropie der kosmischen Hintergrundstrahlung nicht berücksichtigt wurde.[7]

Nach dem Goddard Space Center kann es ein Effekt von einem benachbarten Universum oder einer Raum-Zeit-Region sein, die sich grundlegend vom beobachtbaren Universum unterscheidet. Die Daten von über 1000 Galaxienhaufen wurden bis auf eine Entfernung von drei Milliarden Lichtjahren gemessen. Nach Kashlinsky sind diese Messungen kein statistischer Zufall.

„At this point we don't have enough information to see what it is, or to constrain it. We can only say with certainty that somewhere very far away the world is very different than what we see locally. Whether it's 'another universe' or a different fabric of space-time we don't know.“

Alexander Kashlinsky[4]

Im Jahr 2011 wurden in einer Studie 557 Supernovae aus dem Union2-Datensatz[8] untersucht. Danach zeigen diese Objekte keine synchrone Bewegung, sondern ihr Verhalten stimmt mit dem Lambda-CDM-Modell überein.[9] Ob es den Dunklen Fluss tatsächlich gibt, werden vielleicht 2012[veraltet] die Daten des Planck-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation zeigen.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJohn Roach: New Proof Unknown "Structures" Tug at Our Universe. National Geographic News, 22. März, 2010, abgerufen am 28. April 2012.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMysterious cosmic 'dark flow' tracked deeper into universe. ScienceDaily, 10. März, 2010, abgerufen am 27. April 2012.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatReddy, Francis and Chandler, Lynn: Mysterious Cosmic 'Dark Flow' Tracked Deeper into Universe. Goddard Space Flight Center, 10. März 2010, abgerufen am 27. April 2012.
  4. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatN. Atkinson: Scientists Detect “Dark Flow:” Matter From Beyond the Visible Universe. Universe Today, 23. September 2008, abgerufen am 27. April 2012.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEdward L. Wright: Dark Flow Detected - Not! Ned Wright's News, 24. September 2008, abgerufen am 28. April 2012.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlexander Kashlinsky: RNed Wright detects "errors" - NOT! Sasha Kashlinsky - Projects, 29. September 2008, abgerufen am 28. April 2012.
  7. Ryan Keisler: The Statistical Significance of the "Dark Flow" 22 Oct 2009 THE STATISTICAL SIGNIFICANCE OF THE \DARK FLOW".. 2009. arXiv:0910.4233. Abgerufen am 28. April 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSupernovae Cosmological Project, Introduction to the SCP Union2.1 Compilation. 15. April 2011, abgerufen am 29. April 2012.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIs an Adjacent Universe Causing the Dark Flow of Hundred of Millions of Stars at the Edge of the Observable Universe? Or, Might It Be Something Else. The Daily Galaxy, 15. April 2011, abgerufen am 29. April 2012.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAdam Mann: Supernova research challenges cosmic "dark flow" mystery. ars technica, 15. Januar 2012, abgerufen am 29. April 2012.

Weblinks[Bearbeiten]