Durchschnittskosteneffekt

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Der Durchschnittskosteneffekt (englisch cost average effect oder dollar cost averaging) ist ein Effekt, der bei der regelmäßigen Anlage gleich bleibender Beträge in Wertpapiere (meist Fonds) entstehen soll.

Dabei führen die Wertschwankungen der Wertpapiere dazu, dass der Anleger im Durchschnitt seine Anteile bei gleich bleibenden Raten günstiger erhält, als wenn er regelmäßig zu unterschiedlich hohen Preisen eine gleich bleibende Menge von Anteilen kauft. Denn bei hohen Anteilspreisen werden automatisch weniger Anteile gekauft, bei niedrigen Anteilspreisen entsprechend mehr. Dadurch wird je Anteil/Aktie das harmonische Mittel der Kurse bezahlt. Dieses liegt gegebenenfalls etwas unter dem arithmetischen Mittel, das bei regelmäßigem Kauf gleicher Stückzahlen bezahlt würde.

Dieser Effekt wird häufig in der Werbung für Fondssparpläne angeführt, er beschert jedoch keinesfalls höhere Gewinne. Ist die mittlere Rendite der Anlage positiv, so ist die Einmal-Anlage grundsätzlich überlegen. Der Durchschnittskosteneffekt mindert jedoch anfänglich die Wertschwankungen (die Volatilität) des Portfolios, was sich der Anleger mit einem Verzicht auf Erträge erkauft.

Der Durchschnittskosteneffekt nimmt jedoch mit zunehmender Laufzeit des Sparplans ab, da sich im Verlauf des Ansparens immer mehr Kapital ansammelt und die einzelne Rate einen immer kleiner werdenden Bruchteil dieses Kapitals ausmacht. Das heißt, das angesparte Vermögen verhält sich immer mehr so, als hätte man einmalig den Gesamtbetrag angelegt.

Auch ist die zum Vergleich herangezogene Strategie, feste Stückzahlen zu kaufen, in der Praxis nicht umsetzbar, sondern kann nur im Nachhinein berechnet werden: Um einen bestimmten Betrag in einem bestimmten Zeitraum anzulegen, muss zur Berechnung der festen Stückzahl der Kursverlauf bekannt sein. Ist dieser bekannt, so lassen sich auch noch beliebig bessere Strategien finden.

Kritik[Bearbeiten]

Einige Kritiker des Durchschnittskosteneffekts führen an, dass es sich dabei lediglich um ein Verkaufsargument handle. Es solle bei Sparern die Hemmschwelle senken und sie dazu verleiten, schrittweise größere Beträge zu investieren, als sie es sonst bei einer Einmal-Anlage getan hätten.[1][2]

Der US-amerikanische Finanzbuchautor Larry Swedroe weist darauf hin, dass die akademische Literatur den Durchschnittskosteneffekt schon seit 1979 als unterlegene Strategie im Vergleich zur sofortigen Vollinvestition hinstellt.[3] Swedroe verweist außerdem darauf, dass der Durchschnittskosteneffekt schon rein logisch gesehen widersprüchlich ist: Wenn die schrittweise Anlage sinnvoll wäre, dann müsste man zu jeder Zeit alle Aktien verkaufen und dann schrittweise zurückkaufen. Dann würde die Strategie aber den Verkauf und den Zukauf gleichzeitig empfehlen, was sich logisch widerspricht. Swedroe sieht aber einen psychologischen Nutzen in der Beruhigung eines ängstlichen Anlegers, der nach einem Crash Probleme damit hat, alles auf einmal zu investieren: Steigt der Markt, ist er im Vorteil, dass seine schon getätigte Investition im Wert gestiegen ist. Fällt der Markt, ist er weniger benachteiligt, da er nicht so viel verloren hat.

Negativer Durchschnittskosteneffekt[Bearbeiten]

In der Anlageberatung wird auch der Begriff negativer Durchschnittskosteneffekt verwendet (englisch negative cost average effect). Gemeint ist hier, dass sich bei einem Entnahmeplan aus einem existierenden Depot mit konstanten Auszahlungen methodische Nachteile gegenüber einem Verkauf von einer konstanten Anzahl von Anteilen ergeben.

Der negative Durchschnittskosteneffekt beruht auch auf dem Unterschied zwischen arithmetischem und geometrischem Mittelwert. In der Praxis ist ein Vergleich nicht möglich, weil bei einem Entnahmeplan mit konstanter Auszahlung nicht vorhergesagt werden kann, wie lange es dauert, bis das Depot verbraucht ist. Die Berechnung ist nur für die Vergangenheit möglich und liefert für die Zukunft keine Aussage über die möglichen Renditen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.marketwatch.com/story/the-fallacy-of-dollar-cost-averaging-2012-05-15
  2. http://web.archive.org/web/20050910142530/http://moneycentral.msn.com/content/P104966.asp
  3. Larry Swedroe: Dollar cost averaging. The only guide your'll ever need for the right financial plan (2010), Anhang B.