Durian

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel behandelt die Frucht des Zibetbaumes, für weitere Bedeutungen siehe Durian (Begriffsklärung).
Durian
Durian-Frucht

Durian-Frucht

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Unterfamilie: Helicteroideae
Gattung: Durianbäume (Durio)
Art: Durian
Wissenschaftlicher Name
Durio zibethinus
L. ex Murray

Der Durianbaum (Durio zibethinus), auch Zibetbaum genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie ist ursprünglich in Indonesien und Malaysia beheimatet. Heute wird sie überall in Südostasien und manchen anderen tropischen Gebieten kultiviert. Die Frucht wird Durian, häufig auch Stink- oder Käsefrucht genannt und wird als Obst verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Durianfrüchte und Laubblätter am Durianbaum

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Der Durianbaum wächst als immergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 40 Metern erreicht.

Die wechselständig und zweizeilig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattspreite und Blattstiel gegliedert. Der Blattstiel ist 1,5 bis 3 cm lang. Die ledrige, einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 6 bis 25 cm und bei einer Breite von 2,5 bis 9 cm ganzrandig und fiedernervig mit gerundeter oder stumpfer Spreitenbasis. Die Blattoberseite ist glänzend und die Blattunterseite ist goldgelb oder silbern und meist dicht mit Schuppen bedeckt. Die 1,5 bis 2 cm langen Nebenblätter fallen früh ab.

Illustration des Durianbaumes (Durio zibethinus)

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Drei bis dreißig Blüten stehen in zymösen Blütenständen zusammen, die sich an blattlosen Knoten (Nodien) an den Zweigen befinden. Der Blütenstiel ist 2 bis 4 cm lang.

Der hinfällige Nebenkelch ist im knospigen Zustand geschlossen und öffnet sich mit unregelmäßigen Spalten oder ist zwei- bis dreilappig. Die unangenehm riechenden Blüten sind zwittrig und öffnen sich für weniger als 24 Stunden. Die drei bis fünf ledrigen Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen mit ausgeweiteter Kelchbasis und vier bis sechs Kelchzipfeln. Der 2,25 bis 3 cm hohe Kelch ist außen dicht mit Schuppen bedeckt und innen dicht flaumig behaart. Es sind keine, vier bis fünf oder mehr freie Kronblätter vorhanden. Die gelb-weißen Kronblätter sind bei einer Länge von 3,5 bis 5 cm länglich-spatelförmig und am oberen Ende zurückgekrümmt. Es sind viele fertile Staubblätter vorhanden. In vier oder fünf Bündeln stehen jeweils 4 bis 18 Staubfäden zusammen, die auf einer Länge von einem Viertel bis zur Hälfte verwachsen sind. Drei bis sechs Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, drei- bis sechskammerigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält einige Samenanlagen. Der Griffel ist gedrungen.

Die Durianfrucht[Bearbeiten]

Frucht, Arillus und Samen[Bearbeiten]

Die Frucht ist etwa kokosnuss- bis kopfgroß. Die Fruchtschale ist bei Reife hellgelb bis grünlich-gelb bzw. graugrün und trägt viele etwa einen Zentimeter lange, harte, holzartige Stacheln. Die bei einer Länge von 15 bis 30 cm und einem Durchmesser von 13 bis 15 cm ellipsoide, loculicidale Kapselfrucht ist durch relativ dicke Wände in vollkommen getrennte drei bis fünf oder manchmal sechs Kammern geteilt. Jede Fruchtkammer enthält bis zu sechs Samen, die von einem weißen bis gelblichen, dicken, fleischigen, schmierigen, stark riechenden Samenmantel (Arillus), der im Volksmund als „Fruchtfleisch“ bezeichnet wird, umhüllt sind. Die Konsistenz des Fruchtfleisches ist mit faserigem Pudding vergleichbar. Die Samen enthalten Endosperm.

Geschmack und Geruch[Bearbeiten]

Das „Fruchtfleisch“ ist süß und mit einem unvergleichlichen Geschmack sehr verschieden von dem (für einige abstoßenden) aromatischen (sortenabhängigen) Geruch. Der Geschmack erinnert an Walnuss und Vanille, jedoch mit einer kräftig fruchtigen Kopfnote und einem deutlichen zwiebligen Geschmacksanteil. Der Geruch wird vorwiegend von Dithiohalbacetalen verursacht.[1]

Konsum und Verarbeitung[Bearbeiten]

Es gibt Verkostungen der unterschiedlichen Sorten und Provenienzen, vergleichbar mit Weinproben im europäischen Raum. Diese Durianverkostungen und die Durianfeste in den Anbauregionen, die alljährlich stattfinden, ziehen aus aller Welt Liebhaber dieses von manchen als „König der Früchte“ bezeichneten Exoten an. In den Hauptanbauländern wie Malaysia oder Thailand gibt es viele unterschiedliche Sorten, die sehr geschätzt werden und entsprechende Preise erzielen. Haupthandelszentrum für Durian-Früchte ist Singapur.

Frische Durian-Früchte findet man in Europa am ehesten in asiatischen Geschäften von Metropolen mit großem asiatischem Bevölkerungsanteil, wie London; ansonsten werden sie in Europa nur sehr selten frisch angeboten, meist nur in großen Feinkostabteilungen. In asiatischen Geschäften finden sich des Öfteren jedoch tiefgefrorene ganze Früchte, Durian-Segmente (Samen mit Fruchtfleisch) sowie gefrorenes Fruchtfleisch.

Zum Verzehr öffnet man die ganze Frucht an den Nähten und entnimmt die vom Fruchtfleisch umhüllten Samen aus den einzelnen Kammern der Frucht. Für den Verzehr trennt man das Fruchtfleisch vom Samenkern ab. Die Früchte sollten bei Kauf unversehrt sein; überreife Durianfrüchte öffnen sich von selbst, worunter der Geschmack leidet und was auch bei extremem Duft Insekten anzieht. In Singapur werden nach dem Genuss von Durian häufig Mangostanfrüchte verzehrt, da sie helfen sollen, die etwas schwer bekömmliche Durian besser zu verdauen.

Neben dem Rohverzehr dienen Durianfrüchte zur Herstellung von Marmelade, Kuchen, Speiseeis, Fruchtsaft und Currygerichten. Die Samen werden in den Anbauländern ebenfalls zubereitet, z. B. dünn geschnitten und geröstet als eine Art Chips.

Mancherorts wird vor dem Genuss von Alkohol zusammen mit Durian gewarnt, da dies zu krampfartigen Bauchschmerzen führen soll. Mehrere medizinische Untersuchungen zu dieser Frage brachten bisher kein eindeutiges Ergebnis, legen aber den Schluss nahe, dass keine schädigende Wechselwirkung zu erwarten ist.

Durian-Verbotszeichen in einem Hotel
No durians, Verbotsschild in der Metro von Singapur

Holz[Bearbeiten]

Auch das Holz des Durianbaumes wird genutzt.[2]

Verwendung in der Heilkunst[Bearbeiten]

In der Volksmedizin werden Blätter, Früchte, Rinde und Wurzeln des Durianbaumes bei Fieber und Gelbsucht verwendet.

Durian-Frucht im Hotel und in öffentlichen Verkehrsmitteln[Bearbeiten]

Verdorbene Durian entwickeln einen üblen intensiven Geruch, vergleichbar mit faulem Fleisch.

Aufgrund der Geruchsbelästigung ist die Mitnahme von Durianfrüchten in Hotels oder Flugzeugen meist nicht gestattet. Setzt sich der Geruch erst einmal fest, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Deshalb ist es in Hotels üblich, bei Verstoß gegen das Durian-Verbot das Zimmer für eine weitere Woche bezahlen zu müssen. In Singapur ist auch das Mitführen von Durians in der MRT (U-Bahn) untersagt, worauf entsprechende Schilder hinweisen; auf eine Strafe wird allerdings verzichtet. In Malaysia ist das Mitführen dieser Frucht in Zügen und Flugzeugen ebenfalls untersagt.

Zitat[Bearbeiten]

„Eine Durian am Stiel ist eine formidable Schlagwaffe nach Art des friesischen Morgensterns. In Thailand richtet sich die Strafe für ihren Einsatz nach der Anzahl der durch die Noppen zugefügten Wunden.“

Roland Hanewald: Essbare Früchte Asiens. Reise Know-How Verlag, ISBN 3-89416-771-8

Heimat und Anbaugebiete[Bearbeiten]

Habitus des Durianbaumes in einer Plantage

Die natürliche Heimat von Durio zibethinus ist Malaysia und wohl Kalimantan sowie Sumatra.

Heute werden Ausleseformen in vielen Gebieten der Tropen angebaut, besonders auf dem Indischen Subkontinent, in Indochina und Malesien.[2] Man findet den Durianbaum beispielsweise in Thailand, Vietnam auf den Philippinen, aber auch in den tropischen Ländern Afrikas und sogar in Queensland in Australien.

Namensgebung[Bearbeiten]

Der Name der stacheligen Durian-Frucht wird vom malaiischen Wort duri, das „Stachel“ oder „Dorn“ bedeutet, abgeleitet.[3] Sie wird häufig auf Grund ihres Geruches auch als Stink- oder Käsefrucht bezeichnet.

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Durio zibethinus erfolgte 1774 durch Carl von Linné in Johan Andreas Murray (Hrsg.): Systema Vegetabilium Secundum Classes Ordines Genera Species cum Characteribus et Differentiis. Editio decima tertia … Gottingae. S. 581; Murray schreibt im Vorwort, dass alle Namen von Linné stammen.[4] Ein Homonym ist Durio zibethinus Moon (veröffentlicht in Alexander Moon: A Catalogue of the Indigenous and Exotic Plants Growing in Ceylon 1824, S. 56.)[5][2]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Mrasek: Das Geheimnis der Stinkfrucht – Deutsche Forscher untersuchen die asiatische Durian, DeutschlandfunkForschung aktuell“ vom 11. Februar 2013
  2. a b c Durio zibethinus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  3. Michael J. Brown: Durio – A Bibliographic Review. International Plant Genetic Resources Institute, 1997, ISBN 92-9043-318-3, S. 2.
  4. IPNI zum Werk der Erstveröffentlichung.
  5. Durio zibethinus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis

Literatur[Bearbeiten]

  • Brigitte Kranz: Das große Buch der Früchte: exotische und einheimische Arten. Südwest-Verlag, München 1981, ISBN 3-517-00732-3.
  • Nadja Biedinger: Die Welt der Tropenpflanzen. DuMont, Köln 2000, ISBN 3-7701-5294-8.
  • Roland Hanewald: Essbare Früchte Asiens. Reise Know-How, Bielefeld, ISBN 3-89416-771-8.
  • Rolf Blancke: Farbatlas exotische Früchte: Obst und Gemüse der Tropen und Subtropen. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3520-5.
  • Wilhelm Lötschert, Gerhard Beese: Pflanzen der Tropen: 323 Zier- und Nutzpflanzen. 4. überarbeitete Auflage. BLV, München 1992, ISBN 3-405-14448-5. (Bestimmungsbuch, das mit guten Fotos über die exotischen Früchte auf dem einheimischen Markt aufklären hilft.)
  • Christa Weil: Cuisine Fatale: ein Potpourri aus der internationalen Extremküche. Ullstein, Berlin 2007, ISBN 978-3-548-36923-5. (Buch über kuriose Speisen mit Informationen zum kulturellen Hintergrund und mit besonderem Fokus auf die Besonderheiten beim Versuch des Verzehrs.)
  • Michael J. Brown: Durio – A Bibliographic Review. International Plant Genetic Resources Institute, 1997, ISBN 92-9043-318-3 (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Durianbaum (Durio zibethinus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien