Duris von Samos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Duris (* um 330 v. Chr. auf Sizilien) war ein antiker griechischer Geschichtsschreiber und Schriftsteller des beginnenden Hellenismus.

Leben[Bearbeiten]

Über Duris selbst ist nur wenig bekannt, zumal dazu kaum antike Informationen vorliegen.[1] Seine Familie stammte jedenfalls aus Samos; sein Vater hieß Kaios und Duris hatte zumindest zwei Brüder (Lynkeus und Lysagoras). Duris wurde in der Exilszeit geboren, nachdem die Athener unter Timotheos die Insel 366/365 v. Chr. eroberten und in eine Kleruchie verwandelten; der genaue Zeitpunkt seiner Geburt ist aber unbekannt. Es wird angenommen, dass sich die Familie nach Sizilien flüchtete und Duris dort auch geboren wurde.

Als Duris 320/321 v. Chr. mit seiner Familie nach Samos zurückkehrte, kam es zu Konflikten zwischen den neuen und den früheren Landbesitzern. Duris' Vater Kaios übernahm in dieser Krise eine entscheidende Rolle und es bildete sich zu einem nicht genau datierbaren Zeitpunkt eine Art Tyrannis mit Kaios an der Spitze heraus. Lynkeus war Ende des 4. Jahrhunderts Schüler des Theophrast an der von Aristoteles gegründeten peripatetischen Schule in Athen; ob Duris dort ebenfalls studierte, ist in der neueren Forschung umstritten.[2]

Duris trat zu einem unbekannten Zeitpunkt die Nachfolger seines Vaters als Tyrann von Samos, was er vermutlich blieb, bis die Insel 281 v. Chr. an König Ptolemaios II. überging. Man geht aufgrund einer Bemerkung bei Plinius dem Älteren (Plinius, Naturalis historia, 8, 40) davon aus, dass Duris in diesem Jahr noch lebte und an einem Werk geschrieben hat. Eventuell fungierte Duris auch weiterhin als Machthaber, da sein Bruder Lynkeus ein Gastfreund von Ptolemaios war.

Werke[Bearbeiten]

Seine umfangreichen Schriften sind nur in Fragmenten erhalten. Das Hauptwerk ist eine Geschichte der Zeit von Philipp II. bis Demetrios Poliorketes (281 v. Chr.).[3] Es umfasste mindestens 23 Bücher, war in der Tendenz anti-makedonisch und ist unter verschiedenen Titeln bekannt: Historien (Ίστορίαι), Hellenika (Ἑλληνικά) und Makedonika (Μακεδονικά). Duris übte bereits im Vorwort Kritik an verschiedenen anderen Geschichtsschreibern (darunter Ephoros von Kyme und Theopompos) und war der Ansicht, die Geschichtsschreibung müsse durch einen tragischen Stil und Nachahmung (Mimesis) den Leser fesseln. Diese Darstellungsweise wird in der Forschung oft als „tragische Geschichtsschreibung“ bezeichnet, doch ist der Begriff eher unpassend;[4] die Gegenrichtung ist die sogenannte „pragmatische Geschichtsschreibung“ (Polybios). Insofern ist Duris nicht nur als Geschichtsschreiber, sondern auch hinsichtlich der von ihm entwickelten historiographischen Theorie von Bedeutung.[5] Duris hat jedoch anscheinend der kunstvollen Schilderung oft größeren Wert beigemessen als der Genauigkeit der Darstellung; schon in der Antike wurde sein Stil hinsichtlich der „Sensationslust“ kritisiert.[6] Das Sensationelle als Darstellungsform war keineswegs völlig neu, sondern findet sich bereits bei früheren Geschichtsschreibern seit Herodot; man kann aber das Werk des Duris durchaus als „Sensationshistorie“ bezeichnen.[7]

Des Weiteren schrieb Duris mehrere andere Werke,[8] so eine Geschichte seiner Heimat Samos und ein Werk über Agathokles von Syrakus in vier Büchern. Hinzu kommen literaturgeschichtliche und kunsthistorische Abhandlungen mit Titeln wie Über die Tragödie, Über die Malerei und (nur dem Titel nach überliefert) Über die Wettkämpfe, doch sind diese faktisch verloren gegangen. Seine Schriften werden oft von Diodor, Plutarch und Athenaios zitiert.

Die erhaltenen Fragmente sind in Felix Jacobys FrGrHist ediert (Nr. 76).

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Barnett Kebric: In the shadow of Macedon: Duris of Samos. Steiner, Wiesbaden 1977, ISBN 3-515-02575-8.
  • Franca Landucci Gattinoni: Duride di Samo. L’Erma di Bretschneider, Rom 1997, ISBN 88-7062-985-6.
  • Otto Lendle: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Von Hekataios bis Zosimos. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-10122-7, S. 181–189.
  • Paul Pédech: Trois historiens méconnus: Théopompe, Duris, Phylarque. Les Belles Lettres, Paris 1989, ISBN 2-251-32637-5.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Franca Landucci Gattinoni: Duride di Samo. Rom 1997, S. 9ff.
  2. Andrew Dalby: The Curriculum Vitae of Duris of Samos. In: The Classical Quarterly. New Series, Vol. 41 (1991), S. 539–541.
  3. Vgl. zusammenfassend Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Stuttgart 1990, S. 96ff.
  4. Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Stuttgart 1990, S. 99.
  5. Otto Lendle: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Darmstadt 1992, S. 185–189.
  6. Plutarch, Perikles 28.
  7. Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Stuttgart 1990, S. 99f.
  8. Otto Lendle: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Darmstadt 1992, S. 182; Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Stuttgart 1990, S. 96.