Dusche

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Politiker siehe Wilhelm Dusche.

Die Dusche (eingedeutschte Schreibweise von französisch douche, dies von lateinisch ductio = „Leitung“[1]), synonym Brause, erlaubt die künstliche Beregnung des Körpers mit kaltem oder warmem Wasser zur Körperpflege. Ursprünglich vor allem in Volksbädern anzutreffen, ist sie heute Bestandteil eines typischen modernen Badezimmers. Zahlreiche Wohnungen besitzen keine Badewanne, sondern nur noch eine Duschkabine. Duschen sind ferner unter anderem in Schwimmbädern zu finden und vielen Umkleideräumen angegliedert.

Duschkopf in Betrieb
Duschen in einem Schwimmbad in Wuppertal

Das Duschen wird in der westlichen Welt vor allem unter dem Gesichtspunkt der Reinigung praktiziert, dient aber auch dem Wohlbefinden und der Entspannung. Duschen ersetzt heute in einem gewissen Umfang das Baden. Übliches Zubehör zum Duschen sind Seife, Shampoo, Duschgel, Duschhaube und Rückenbürste.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine von französischen Soldaten während des Ersten Weltkriegs improvisierte Duschinstallation.

Seit frühester Zeit reinigte man sich, indem man Wasser über den Körper laufen ließ. Echte Duschen mit Wasserbehältern oder -zuleitungen gab es erstmals im alten Griechenland.[2] Diese Inneneinrichtung war die Nachbildung natürlicher Wasserfälle.[3] In der Naturalis Historia des römischen Schriftstellers Plinius wird die Erfindung der Dusche (pensiles balineae, „hängende Bäder“) einem Sergius Orata zugeschrieben, der damit Landhäuser veredelt haben soll, um sie gewinnbringend weiter zu verkaufen.[4] Bis zur allgemeinen Verbreitung der Dusche dauerte es aber noch etliche Zeit. In Frankreich wurde die Praxis des Duschens durch Jean Pidoux (ca. 1550–1610), Leibarzt am französischen Königshof, verbreitet. Er war auf die heilende Kraft der Mineralquellen in dem kleinen Ort Pougues (heute Pougues-les-Eaux) gestoßen. In einer Schrift von 1597 beschreibt er die bei Anwendung der Heilwässer zu beachtenden Regeln sowie verschiedene Formen der ‚Dusche‘.[5] Doch trotz verschiedener Heilerfolge stießen seine Behandlungsempfehlungen auf Widerstand bei der Ärzteschaft der Zeit, da Wasser allgemein als Überträger von Krankheiten angesehen wurde. Erst Ende des 18. Jahrhunderts erkannte man, dass die Hygiene mit Wasser von wesentlicher Bedeutung ist. Die ersten Duschen führten um 1860 französische Streitkräfte ein. Es war eine ökonomische Hygienemaßnahme, mit der man eine große Anzahl von Menschen in möglichst kurzer Zeit sauber bekommen wollte. Ab 1880 wurden Duschen als Einzelkabinen in Gefängnissen, Kasernen und Internaten verwendet und wenig später hielten sie Einzug in den öffentlichen Badeanstalten.[6] Einen weiteren Schritt zur Verbreitung der Dusche ging das preußische Militär 1879 mit dem Einbau von Großraumduschen in seinen Kasernen.

Bauformen[Bearbeiten]

Duschkabine mit Schiebetüren
Gartendusche

Es gibt frei stehende Duschkabinen mit einer kleinen Wanne (Duschwanne, auch "Duschtasse", früher 15, jetzt meistens 6 cm Tiefe), aber auch Duschen, die in Badewannen integriert sind. Duschen werden durch wasserfeste Vorhänge (Duschvorhang), Schiebetüren oder schwenkbare Türen von der Umgebung abgegrenzt, um diese vor Spritzwasser zu schützen und für Privatsphäre zu sorgen. Duschkabinen sind nach oben hin typischerweise offen. Die Wände sind meist gefliest und verfugt.

Aufwendiger und teurer in der Ausführung sind Duschen ohne Niveauunterschied zum umgebenden Raum. Hierbei sind Wand und Fußboden des Duschbereiches gefliest oder auf andere Weise wasserdicht verkleidet; der Boden ist zum Ablauf hin leicht geneigt. Diese Bauform ermöglicht auch die Nutzung mit Rollstühlen oder Gehhilfen. Weitere behindertengerechte Anbauten können Sitzgelegenheiten und Haltegriffe sein. Offene Großraumduschen auf gleichem Bodenniveau sind in Badeanstalten usw. anzutreffen.

Um den Duschkopf während des Duschvorgangs nicht dauerhaft halten zu müssen, werden Duschkopfhalter oder Duschstangen mit Konus-Gleitern angebracht, an denen der Duschkopf befestigt werden kann. Bei einigen Sonderausführungen werden die Wasserdüsen direkt in die Decke der Duschkabine eingebaut und auf einen beweglichen Duschkopf verzichtet. Es lassen sich auch Ausführungen (insbesondere bei Luxusausführungen) mit Wasserdüsen in den Wänden der Kabine finden, teilweise mit farbigem Licht.

Heutige Duschen haben häufig Massagebrausen, die im privaten Raum mit Warm- und Kaltwasser aus Thermostatmischarmaturen, im öffentlichen Raum aus einer Einhand- bzw. Einhebel-Mischbatterie gespeist werden.

Das Auffanggefäß in einer Dusche wird entweder als Wanne oder – um Missverständnissen vorzubeugen – als Tasse oder Duschtasse bezeichnet, da der Ausdruck Wanne auch verkürzend für Badewanne benutzt wird.

Unterschiedliche Gestaltungsformen des Duschapparats gibt es bei Duschen im Freien wie etwa in Schwimmbädern oder an Stränden. Das Einschalten des Wasserstroms geschieht dabei meist durch Betätigen eines Druckknopfs, wonach Wasser für eine bestimmte, voreingestellte Zeit läuft.

Physikalische Aspekte[Bearbeiten]

Wasser- und Energieverbrauch[Bearbeiten]

Der Energieverbrauch beim Duschen liegt bei den meisten Privathaushalten an zweiter Stelle nach dem Heizen. In einer Dusche mit einem herkömmlichen Duschkopf werden ca. 15 Liter Wasser pro Minute verbraucht.[7] Bei einem fünf Minuten dauernden Duschvorgang werden in einer solchen Dusche somit 75 Liter Wasser verbraucht. Da der Verbrauch beim Baden rund zweimal so hoch ist wie beim Duschen, gilt „Duschen statt Baden“ als eine der effizientesten Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen. Dies gilt freilich nur, wenn man im Schnitt wenige Minuten duscht.

Wassersparende Duschköpfe können den Verbrauch um weitere 50 % senken, was den CO2-Ausstoß eines Haushalts um rund 90 kg CO2 (8–12 %) und die Energiekosten um 100 bis 200 Euro pro Jahr senken kann.[8] Neben den Energiekosten ermöglicht es diese Wasserspardusche gleichzeitig bei den Wasser- und Abwasserkosten zu sparen. Gute Spülwirkung, etwa zum Ausspülen von Shampoo-Schaum aus den Haaren, bieten jene Wasser sparenden (Hand-)Duschköpfe, die den Wasserdruck effektiv in hohe Geschwindigkeit der Wassertropfen umsetzen. Als modern und förderlich für das allgemeine Wohlbefinden werden neuerdings sogenannte Regenduschen angepriesen, die aus einer größeren Fläche aus größeren Öffnungen große Tropfen „regnen“ lassen. Bei nur mäßiger Spülwirkung bringt dies aber hohen Wasser- und Energiebedarf mit sich.

Strömungsdynamik[Bearbeiten]

David Schmidt von der University of Massachusetts erforschte den Umstand, dass Duschvorhänge beim Duschen nach innen wallen, und erhielt 2001 hierfür den Ig-Nobelpreis. Mit Hilfe einer Software für Strömungsdynamik simulierte er 30 Sekunden Duschen mit Vorhang. Dafür wurde der Raum um eine Badewanne mit Duschvorhang in 50.000 Segmente aufgeteilt. Die Berechnung zeigte, dass in der Dusche ein stabiler Wirbel aus Luft und Feuchtigkeit entsteht. Im Inneren dieses Wirbels herrscht ein geringerer Luftdruck, ähnlich wie in einem Tornado, sodass der Vorhang zum Duschstrahl hin gesaugt wird. Beim heißen Duschen wird der Effekt durch die Wärmebewegung verstärkt.[9]

Seit geraumer Zeit wird versucht, diesem Phänomen entgegenzuwirken. Neben am unteren Rand beschwerten Vorhängen (Bleigewichte) wurden unterschiedliche Systeme patentiert.

Elektrostatik[Bearbeiten]

Dusche in einem Freibad in Salzburg

Beim Zerstäuben von Wassertropfen lädt sich die Luft negativ auf. Dieser Vorgang wird umgangssprachlich als Wasserfall-Elektrizität, fachlich als Balloelektrizität oder als Lenard-Effekt bezeichnet. Zum Ladungsausgleich müssen die Frischwasserleitungen mit der metallenen Duschtasse, bei Acryltassen mit der Ablaufgarnitur durch ein Erdungskabel miteinander verbunden werden.

Feuchtigkeitsbildung[Bearbeiten]

Da in geschlossenen Räumen vor allem beim Duschen mit warmem Wasser viel Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben wird, ist gutes Lüften des Raumes nach dem Duschen ratsam. Das Ausmaß der sich bildenden Feuchtigkeit hängt auch von der Umgebungstemperatur ab; je kühler die umgebende Luft ist, desto rascher bilden sich Feuchtigkeitsbeschläge auch bei gemäßigter Wassertemperatur.

Mietrecht[Bearbeiten]

Mieter dürfen nach deutschem Recht prinzipiell zu jeder Zeit des Tages, also auch nachts, duschen. Das Landgericht Köln stellte 1997 fest: „Eine Klausel in einer Hausordnung, die Baden und Duschen nachts verbietet, ist unwirksam. Körperpflege stellt auch nachts ein sozialadäquates Verhalten dar und gehört zum normalen Mietgebrauch.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, zitiert nach [1]
  2. Wonders of the Past! Ancient Inventions, Peter James and Nick Thorpe, Ballantine Books, NY, 1994, pp. 460, zitiert nach www.inventions.org.
  3. www.skonto.net.
  4. Plinius, Naturalis historia 9, 168.
  5. La Vertu et usage des fontaines de Pougues en Nyvernois : Et administration de la Douche; Discours qui peut servir aus Fontaines de Spa, & autres de pareil goust / Par J[ean] Pidoux, Med. du Roi, Poictiers : J. Blancher, 1597.
  6. Zur Geschichte der Duschvorhänge, zitiert nach badratgeber.de.
  7. Begleitinformation zur WDR-Sendung „testmarkt“ vom 28. Oktober 2008.
  8. http://www.warmduschen.info
  9. Tiefer Luftdruck saugt den Duschvorhang an, (Welt online)
  10. Mieter dürfen auch nachts duschen oder baden – Landgericht Köln, Urteil vom 17. April 1997, 1 S 304/96, kostenlose-urteile.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dusche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Dusche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen