Dyckia

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Dyckia
Dyckia remotiflora

Dyckia remotiflora

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Pitcairnioideae
Gattung: Dyckia
Wissenschaftlicher Name
Dyckia
Roem. & Schult.

Dyckia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Pitcairnioideae innerhalb der Familie Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 168 Arten sind in Brasilien, Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ausschnitt eines Blüten mit Blüten im Detail von Dyckia velascana.

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Die Dyckia-Arten wachsen terrestrisch oder lithophytisch als ausdauernde Xerophyten. Sie bilden kräftige, sprossbürtige Wurzeln. Die Pflanzen wachsen stammlos und sind durch seitliche Kindel oder lange unterirdische Rhizome shorstbildend. Die meist dicken Laubblätter stehen in einer grundständigen, dichten, ausgebreiteten Rosette. Die oft starren, harten Blattspreiten sind lanzettlich und laufen in eine scharfe Spitze aus. Die Blattränder sind sehr hart und dornig gesägt. Meist sind die Laubblätter (mindestens die Unterseite) silberweiß beschuppt. Es ist keine scharfe Abgrenzung von Wasserspeichergewebe und Assimilationsparenchym vorhanden.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Als Ausnahme unter den Bromeliaceae befinden sich die Blütenstände immer seitenständig, es können also mehrere Blütenstände (im zeitlichen Abstand) von einer Blattrosette gebildet werden. Die einfache oder verzweigten, traubigen, ährigen oder rispigen Blütenstände sind je nach Art 0,2 bis zu 2 Meter hoch. Entlang der Blütenstände befinden sich extraflorale Nektarien.

Die gestielten bis fast sitzenden Blüten sind geruchlos oder duften schwach. Die Blüten sind meist zwittrig; Ausnahmen sind beispielsweise Dyckia maritima, Dyckia selloa und Dyckia hebdingii, deren Blüten funktional eingeschlechtig sind. DieBlüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelten Perianth. Es sind drei Kelchblätter vorhanden. Die drei nur an ihrer Basis verwachsenen, oft genagelten Kronblätter sind meist gelb über orangefarben bis rot, selten grün. Es sind zwei Kreise mit je drei fertilen Staubblättern vorhanden. Die relativ dicken Staubfäden sind frei, an ihrer Basis bis auf dem großen Teil ihrer Länge mit den Kronblättern verwachsen. Meist überragen die Staubblätter, die Kronblätter nicht, manchmal ragt der obere Bereich der Staubbeutel aus der Blütenkrone heraus und selten überragen die Staubblätter die Kronblätter deutlich. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Der zylindrische, gerade Griffel endet in einer dreilappigen Narbe. Viele Arten sind selbstfertil.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die dreifächerigen Kapselfrüchte enthalten viele geflügelte Samen. Die keilförmigen Samen sind mit einem Hautrand versehen. Die Samenausbreitung erfolgt durch den Wind.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Dyckia erstreckt sich über fast ganz Südamerika. Hauptsächlich (etwa 83 %) kommen die Arten in Brasilien vor, einige Arten finden sich noch in Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay. In Brasilien kommen Arten in allen Regionen vor. Insgesamt gibt es in Brasilien 115 Arten und vier Varietäten, von denen 99 nur dort vorkommen. Die größte Artenvielfalt (37 Arten) befindet sich im südöstlichen Brasilien. Im Bundesstaat Minas Gerais gibt es 32 Arten, von denen 26 nur dort vorkommen.[1]

Sie wachsen in warmen, sonnigen Bereichen zwischen Felsen in Höhenlagen bis zu 2000 Meter. In Brasilien gedeihen Dyckia-Arten meist in Höhenlagen von 0 bis über 1000 Meter, meist in sonnenexponierten Nischen der Vegetationseinheiten Mata Atlântica (Atlantischer Wald), Restinga, Caatinga, Campos Rupestres und Cerrado.

Habitus und seitenständige, verzweigte Blütenstände von Dyckia distachya.
Habitus und Blütenstand von Dyckia encholirioides.
Habitus und Blütenstände von Dyckia fosteriana.
Habitus und Blütenstände von Dyckia platyphylla.
Habitus und Blütenstände von Dyckia maracasensis.
Habitus und Blütenstände von Dyckia maritima an Felsen wachsen.
Habitus und Blütenstand von Dyckia maritima terrestrisch wachsend.
Habitus und beschuppte Laubblätter von Dyckia marnier-lapostollei.
Blütenstand von Dyckia rariflora.
Blütenstand von Dyckia remotiflora.
Ausschnitt eines Blütenstand von Dyckia tuberosa mit fast sitzenden Blüten, gut zu erkennen sind die drei Kelch- und Kronblätter.
Habitus und seitenständige Blütenstände von Dyckia velascana.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung der Gattung Dyckia erfolgte 1830 durch Johann Jacob Römer und Julius Hermann Schultes Systema Vegetabilium, 7, 2, S. 65, 1194[2]. Als Lectotypusart wurde 1955 Dyckia densiflora Schult. f. durch Lyman B. Smith (in ING Card No. 00365.) festgelegt.[3] Der Gattungsname Dyckia ehrt den deutschen Amateurbotaniker und Gärtner Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Die Namensgebung wird in der Erstbeschreibung wie folgende kommentiert: “Nomen in honorem serenissimi Principis Jos. ad Salm-Reifferscheidt-Dyck etc. etc., qui amabili scientiae templum splendidissimum in terris suis dicavit, atque innumeris nitidissimisque thesauris locupletavit.” (übersetzt etwa: Der Name ehrt seine Durchlaucht Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, der den glänzenden Tempel der Wissenschaft in seinem Land in Auftrag gab und ihn mit den prächtigsten Schätzen ausschmückte.)[4]

Nach Gouda et al. gibt es 2013 etwa 168 Arten und zwölf Varietäten in die Gattung Dyckia[4]:[5]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Elidio A. E. Guarçoni, Marcos A. Sartori & Claudio C. de Paula: Dyckia inflexifolia (Bromeliaceae), a New Species from Brazil, In: Annales Botanici Fennici, Volume 49, Issue 5-6, 2012, S. 407-411. doi:10.5735/085.049.0616
  2. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  3. Dyckia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 25. Juli 2013.
  4. a b In „Species Index“ auf Dyckia klicken bei Eric J. Gouda, Derek Butcher & Kees Goud: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 3.1 (2012). zuletzt eingesehen am 25. Juli 2013 (Abschnitt Systematik mit Verbreitung der Arten.)
  5. H. E. Luther: An Alphabetical List of Bromeliad Binomials, 2008 (PDF; 321 kB) in The Marie Selby Botanical Gardens, Sarasota, Florida, USA. Veröffentlicht durch The Bromeliad Society International. (PDF-Datei; 314 kB)
  6. P. J. Braun, E. E. Pereira, & U. Scharf: Dyckia joanae-marcioi. Eine neue, sukkulente Bromelie aus dem nördlichen Minas Gerais, Brasilien, In: Bromelie, 2008, Heft 1, S. 33–46.
  7. E. M. C. Leme & L. J. C. Kollmann: New species and a new combination of Brazilian Bromeliaceae, In: Phytotaxa, Volume 16, 2011, S. 1-36.
  8. Florian Krapp: The silver ghost of Serra do Lenheiro: Dyckia mezii, nom. nov. (Bromeliaceae), In: Annales Botanici Fennici, Volume 50, Issue 1-2, 2013, S. 73-74. doi:10.5735/085.050.0112

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dyckia – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien