Dyirbal

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Dyirbal

Gesprochen in

Australien (Region: Northeast Queensland)
Sprecher 6 (2001)
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

aus

ISO 639-3:

dbl

Dyirbal gehört zu den Pama-Nyungan-Sprachen und wird in Australien gesprochen. Die Sprache ist fast schon ausgestorben: 2001 gab es (laut Dixon in einem Fax) nur noch sechs Sprecher, alle über 65-jährig.

Dank der Sprachbeschreibung von R. M. W. Dixon (1972) ist das Dyirbal schon lange bekannt für seine Ergativität, die sich sowohl in der Morphologie als auch in der Syntax auswirkt. Ein weiteres Kennzeichen der Sprache ist die Einteilung in vier Nominalklassen, von denen die zweite Bezeichnungen für "Frauen, Feuer und gefährliche Dinge" umfasst (Buchtitel von George Lakoff 1987).

Dyalŋuy[Bearbeiten]

In der Dyirbal-Kultur gab es ein komplexes Taboo-System. Es war nicht erlaubt, mit den Schwiegereltern, den Schwiegertöchtern und -söhnen sowie den Kindern der Schwestern des Vaters und den Kindern der Brüder der Mutter, zu sprechen, mit diesen Blickkontakt aufzunehmen oder sich diesen zu nähern.[1]

Wenn jemand in Hörweite eines Taboo-Verwandten war, musste er eine komplexe Höflichkeitsform der Sprache wählen. Diese hatte ähnliche Phonemen und eine ähnliche Grammatik aber mit einem vollkommen unterschiedlichen Vokabular mit Ausnahme der Wörter für die Großeltern.[2]

Diese spezielle und komplexe Form der Sprache ist als Dyalŋuy bekannt.[1] Das Dyalŋuy hat nur ein Viertel der Vokabeln als das tagtäglich gesprochene Dyirbal, was den semantischen Inhalt in Anwesenheit von Taboo-Verwandten limitiert.[3] Um diese Einschränkungen zu überkommen, verwendeten die Dyirbal viele syntaktische und semantische Tricks, um mit dem minimalen Vokabular klarzukommen.[4]

Das Vokabular in Dyalŋuy stammt im Wesentlichen aus drei Quellen:

  • Lehnwörtern aus den tagtäglich in der Nachbarschaft gesprochenen Sprachen und Dialekten
  • Der Schöpfung von neuen Dyalŋuy-Formen durch phonologische Veränderung von Lexemen aus der eigenen tagtäglich gesprochenen Sprache
  • Lehnwörtern, die in der Nachbarschaft schon im Taboo-Stil bestanden[5]

Es wird angenommen, dass Kinder der Dyirbal-Stämme die Dyalŋuy-Sprache von ihren Cousins und Cousinen lernen mussten, die in ihrer Anwesenheit Dyalŋuy sprachen, nachdem sie die tagtägliche Sprache bereits beherrschten. Mit Beginn der Pubertät, konnten die Jugendlichen bereits fließend Dyalŋuy sprechen und es im entsprechenden Kontext nutzen.[6]Dieses Sprachphänomen, das of auch Vermeidungssprache genannt wird, war typisch für die australischen Sprachen. Es bestand bis in die 1930er Jahre, als das Taboo-System weitgehend in Vergessenheit geriet.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Dixon, R. M. W. (1972). The Dyirbal language of north Queensland. Cambridge: Cambridge University Press.
  2. Dixon, R. M. W. (1990). The origin of "mother-in-law vocabulary" in two Australian languages. Anthropological Linguistics , 32(1/2), 1-56.
  3. Silverstein, M. (1976). Shifters, linguistic categories, and cultural description. In K. H. Basso & H. A. Selby (Eds.), Meaning in Anthropology (pp. 11-55). Albuquerque: University of New Mexico Press.
  4. Dixon, R.M.W. (2000). "A Typology of Causatives: Form, Syntax, and Meaning". In Dixon, R.M.W. & Aikhenvald, Alexendra Y. Changing Valency: Case Studies in Transitivity. Cambridge University Press. pp. 39–40
  5. Evans, N. (2003). Context, culture, and structuration in the languages of Australia. Annual Review of Anthropology, 32, 13-40.
  6. Dixon, R. M. W. (1989). The Dyirbal kinship system. Oceania , 59(4), 245-268.