Dynamit

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Dieser Artikel behandelt den Sprengstoff Dynamit, zu weiteren Bedeutungen siehe Dynamit (Begriffsklärung).

Dynamit (gr. δύναμις dýnamis ‚Kraft‘) ist ein von dem schwedischen Chemiker Alfred Nobel erfundener Sprengstoff.

Geschichte[Bearbeiten]

Dynamit Werbung von 1906 im Diamantabbau- und Kriegsgebiet Deutsch-Südwestafrika

Dynamit wurde 1866 in Krümmel in Geesthacht bei Hamburg von dem schwedischen Chemiker Alfred Nobel erfunden. Seine Erfindung ließ Alfred Nobel im Jahr 1867 durch Patente in verschiedenen Ländern schützen, so in Großbritannien am 7. Mai (Nummer GB1345), in Schweden am 19. September 1867 oder in den USA unter der Nummer 78.317 am 26. Mai 1868.[1]

Alfred Nobel lernte bei seinem Studium in Paris Ascanio Sobrero kennen, der drei Jahre zuvor das Nitroglycerin entdeckt hatte, es jedoch aufgrund seiner Stoß- und Feuerempfindlichkeit für nicht praxistauglich hielt. Nobel zeigte sich an der Erfindung sehr interessiert und richtete seit 1862 seine Bemühungen darauf, das Nitroglycerin als Sprengstoff in die Technik einzuführen. Bei Nobels Experimenten mit Nitroglycerin kam es zu mehreren Unfällen. Bei einer Explosion von 125 Kilogramm in seinem Laboratorium gelagerten Nitroglycerin kamen im September 1864 sein Bruder Emil, der Ingenieur Hertzman, die Dienstmagd Maria, der Laufbursche Herman und der Tischler Johan Peter Nyman ums Leben. Um die Gefährlichkeit des Nitroglycerins bei gleichbleibender Sprengkraft zu verringern, experimentierte Nobel erfolglos mit verschiedenen Zusatzstoffen. Der Legende nach half schließlich der Zufall: 1866 kam es bei einem der zahlreichen Transporte von Nitroglycerin zu einem Zwischenfall, bei dem eines der Transportgefäße undicht wurde und reines Nitroglycerin auf die mit Kieselgur ausgepolsterte Ladefläche des Transportwagens tropfte. Die entstandene breiige Masse erregte die Aufmerksamkeit der Arbeiter, so dass sie diesen Vorfall später an Nobel meldeten. Diesem gelang hierdurch endlich die ersehnte Herstellung eines handhabungssichereren Detonationssprengstoffes, der durch eine (von Nobel schon vorher erfundene) Initialzündung zur Explosion gebracht werden konnte. Nobel selbst bestritt immer, es habe sich um eine Zufallsentdeckung gehandelt. Er ließ sich das im Mischungsverhältnis von 3:1 optimierte Verfahren 1867 patentieren und nannte sein Produkt Dynamit.[2] Damit hatte Alfred Nobel den ersten technisch handhabbaren Sprengstoff erfunden, der deutlich stärker als das Schwarzpulver war. Im Zuge der damals stark zunehmenden Industrialisierung bestand im Bergbau, Steinbrüchen und für den Trassen- und Tunnelbau von Verkehrswegen ein sehr großer Bedarf für solche potenten Sprengstoffe. Zur wirtschaftlichen Verwertung der Erfindung verkaufte Alfred Nobel die Patente für Dynamit an Basil Zaharoff.[3] Der in großen Mengen produzierte neue Sprengstoff verbilligte und beschleunigte wesentlich den Eisenbahn- und Straßenbau.[4]

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Schnitt durch eine Dynamitstange:
A. Mit Glycerintrinitrat getränktes Kieselgur
B. Schutzhülle
C. Sprengkapsel
D. Zündschnur/Zündkabel

Dynamit besteht aus 75 % Glyceroltrinitrat (volkstümlich „Nitroglycerin“ genannt) als explosiver Komponente, 24,5 % Kieselgur als Trägermaterial und 0,5 % Natriumcarbonat (Soda) als chemischem Stabilisator.

Gefahren[Bearbeiten]

Nachdem Dynamit in großen Mengen verfügbar wurde, ereigneten sich erneut schwere Unfälle, die auf unsachgemäße Behandlung des Sprengstoffs zurückzuführen waren. Ein großes Problem stellte die Unbeständigkeit in feuchten Umgebungen dar. Aus feuchtem oder gar in Wasser getauchtem Dynamit trat langsam das Nitroglycerin aus und konnte sich dann aufgrund seiner Dichte unbemerkt in Senken, Pfützen, Fässern etc. in erheblicher Menge sammeln und unvorhergesehen explodieren.

Weiterentwicklungen[Bearbeiten]

Eine Weiterentwicklung war das gelatinierte Dynamit (Sprenggelatine), bei dem das Nitroglycerin wasserunlöslich mittels Kollodium gebunden wurde. Kieselgur kam hier nicht mehr zur Anwendung, da dieses die Brisanz herabsetzte. Entgegen vielfacher Behauptung wurde das klassische (Gur-) Dynamit Alfred Nobels nie im Krieg verwendet, da es zu diesem Zweck noch viel zu empfindlich war. Dynamit wird schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gewerblich verwendet. Es wurde abgelöst von den gelatinösen Ammoniumnitrat-Sprengstoffen, die deutlich billiger und bei gleicher Brisanz und höherer Arbeitsleistung sicherer zu handhaben sind.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Dynamit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Dynamite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wikisource, Eintrag Alfred Nobel.
  2. Spiegel: Knall auf Knall, Abgerufen am 22. September 2009.
  3. Bárbara Meyer: Gesellschaftliche Implikationen bundesdeutscher Nachkriegsfilme, 1964, S. 44.
  4. Christian Reder (Herausgeber). Graue Donau, Schwarzes Meer: Wien, Sulina, Odessa, Jalta, Istanbul, S. 135.