Dzierzgoń

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Dzierzgoń. Für den gleichnamigen Fluss siehe Dzierzgoń (Fluss).
Dzierzgoń
Wappen von Dzierzgoń
Dzierzgoń (Polen)
Dzierzgoń
Dzierzgoń
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Sztum
Fläche: 3,88 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 19° 21′ O53.91666666666719.35Koordinaten: 53° 55′ 0″ N, 19° 21′ 0″ O
Einwohner: 5593
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 82-440
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: GSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 515: SuszMalbork
DW 527: Dzierzgoń–MorągOlsztyn
Schienenweg: PKP-Linie 222: MałdytyMalbork
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 32 Ortschaften
Fläche: 131,40 km²
Einwohner: 9508
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2216013
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Kazimierz Szewczun
Adresse: pl. Wolności 1
82-440 Dzierzgoń
Webpräsenz: www.dzierzgon.pl

Dzierzgoń [ˈʥɛʒgɔɲ], (deutsch: Christburg, prußisch Grewose) ist eine Kleinstadt im Powiat Sztumski der polnischen Wojewodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt östlich von Malbork (Marienburg) und südlich von Elbląg (Elbing) am Fluss Dzierzgoń (Sorge) im ehemaligen Westpreußen.

Geschichte[Bearbeiten]

Christburg im Jahre 1684 (Kupferstich von Christoph Hartknoch)

Der prußische Name Grewose beschreibt die Lage des Ortes an einer Flussstelle bzw. in einem Dreiecksland zwischen Flüssen. Die Festung Christburg stand oft im Mittelpunkt des 53-jährigen Bekehrungskriegs des Deutschen Ordens gegen die Pruzzen.[2] 1234 wurde der Ort von Heinrich von Meißen erobert, jedoch 1242 von den Prußen zurückgewonnen. Heinrich von Lichtenstein gelang 1247 eine erneute Einnahme. Weil die Burg aber wieder von den Prußen eingenommen wurde, suchten sich die Ordensritter den strategisch günstigeren Standort auf dem Schlossberg aus und gründeten die neue Christburg, einige Kilometer entfernt von der alten Christburg, oberhalb der Sorge. Alt-Christburg wurde den bekehrten und loyalen Prußen überlassen. Während des großen Aufstandes wurde die Christburg eingeäschert. 1249 wurde dort ein Friedensvertrag geschlossen, der das Verhältnis von Prussen und siegreichem Deutschen Orden regelte. Bereits 1254 wurde die Stadt Christburg urkundlich erwähnt; 1288 wird ihr der Gebrauch des Kulmer Stadtrechts bestätigt.[3]1312 erhielt der Ort die Handfeste durch Günther von Arnstein. In der Ordenszeit war Christburg lange Sitz eines Komturs.

Im Zweiten Thorner Frieden kam die Stadt 1466 zusammen mit Königlich Preußen unter die Hoheit der polnischen Krone und gehörte zur Woiwodschaft Marienburg. Mit der Ersten Teilung Polens fiel Christburg 1772 an die neugeschaffene Provinz Westpreußen des Königreichs Preußen. Ab 1818 gehörte Christburg zum Landkreis Stuhm im Regierungsbezirk Marienwerder.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg musste der größte Teil der Provinz Westpreußen an Polen abgetreten werden. Im ganz im Osten der Provinz gelegene Kreis Stuhm wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, die klar zugunsten Deutschlands ausging. Christburg blieb daraufhin deutsch und wurde nach der Auflösung der Provinz Westpreußen 1922 an Ostpreußen angegliedert.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt am 22. Januar 1945 geräumt. Am nächsten Tag verließ der letzte Flüchtlingszug zusammen mit dem Militär die Stadt. Sie wurde am 24. Januar von der Roten Armee kampflos eingenommen. Große Teile der Stadt wurden nach Plünderung und blutiger Ausschreitung gegenüber der verbliebenen deutschen Restbevölkerung niedergebrannt. Der sowjetischen Besatzung folgte die polnische. Nachdem die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt worden war, begann die Vertreibung der letzten deutschen Einwohner auf der Grundlage der Bierut-Dekrete und die Zuwanderung von Polen und Ukrainern, zunächst vorwiegend aus den Gebieten östlich der Curzon-Linie, die an ihren Heimatorten im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatszugehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Anzahl Bemerkungen
1789 1.505 in 266 Wohnhäusern, teils Lutheraner, teils Katholiken;
die Sprache ist teils deutsch, teils polnisch[4]
1793 1.695[5]
1831 2.183[6]
1852 2.765[7]
1875 3.303[8]
1880 3.284[8]
1890 3.113 davon 2.016 Protestanten, 898 Katholiken und 193 Juden [8]
1895 3.218 davon 954 Katholiken und 167 Juden[9]
1900 3.116 meist Protestanten[10]
1925 2.920 meist Protestanten (640 Katholiken)[11]
1933 3.366[8]
1939 3.603[8]
2012 5.638 Stand vom 30. Juni 2012[12]

Stadt- und Landgemeinde Dzierzgoń[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Dzierzgoń gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name (bis 1945)
Ankamaty Ankemitt
Bągart Baumgarth
Blunaki Blonaken
Bruk Bruch
Budzisz Budisch
Chartowo Hartwigsfelde
Chojty Choyten (1929-45 Koiten)
Dzierzgoń Christburg
Jasna Lichtfelde
Jeziorno Lautensee
Judyty Judittenhof
Kamienna Góra Steinberg
Kuksy Kuxen
Lisi Las Friedrichsfelde
Litewki Litefken
Minięta Menthen
Morany Morainen
Nowa Karczma Neukrug
Nowiec Neuhöferfelde
Nowiny Neuhof
Pachoły Pachollen
Pawłowo Petershof
Piaski Sztumskie Sandhuben
Poliksy Polixen
Prakwice Prökelwitz
Spalonki Bärenwinkel
Stanówko Klein Stanau
Stanowo Groß Stanau
Stara Wieś Altendorf
Tywęzy Tiefensee
Żuławka Sztumska Posilge

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Die Partnergemeinden von Dzierzgoń sind:

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Bahr und Wolfgang La Baume: Christburg. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 27–28.
  • F. Hassenstein: Chronik der Stadt Christburg. Christburg 1920.
  • O. Piepkorn: Die Heimatchronik der westpreußischen Stadt Christburg und des Landes am Sorgefluß, 1962.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dzierzgoń – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste (Samuel Ersch und J. G. Gruber, Hrsg.), Band 17, Leipzig 1828, S. 66-67.
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 490-491
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Part II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 19–20.
  5. Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 27–28.
  6. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 445, Nr. 60.
  7. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1865, S. 95.
  8. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Stuhm (2006).
  9. Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14. Auflage, Band. 4, Berlin und Wien 1998, S. 272.
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 4, Leipzig und Wien 1908, S. 102.
  11. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 4, Leipzig 1929, S. 96–97.
  12. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf