Digital Humanities

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Das Fach Digital Humanities (deutsch: „digitale Geisteswissenschaften“) umfasst die Anwendung von computergestützten Verfahren und die systematische Verwendung von digitalen Ressourcen in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Es handelt sich um ein interdisziplinär ausgerichtetes Fach, dessen Vertreter sowohl durch eine traditionelle Ausbildung in den Geistes- und Kulturwissenschaften ausgewiesen sind wie durch ihre Vertrautheit mit einer Reihe von einschlägigen Konzepten, Verfahren und Standards der Informatik. In Deutschland sind das insbesondere Forscher der Computerphilologie, der Historischen Fachinformatik und der Computerlinguistik. Typische Arbeits- und Forschungsfelder sind z.B. digitale Editionen, quantitative Textanalyse, Visualisierung komplexer Datenstrukturen oder die Theorie digitaler Medien.

Zur Begrifflichkeit[Bearbeiten]

Die Begriffe „Digital Humanities“ und „e-Humanities“ sind Begriffe neuer Prägung die beide heute gebräuchlicher sind als die etwas älteren Begriffe „Computing in the Humanities“ und „Humanities Computing“.[1] E-Humanities ist dabei analog zu e-Science gebildet und steht für „enhanced“ oder auch „enabled“ Humanities.

Wissenschaftsorganisation[Bearbeiten]

Die US-amerikanische Fachorganisation The Association for Computers in the Humanities (ACH), die europäische Association for Literary and Linguistic Computing (ALLC) und die kanadische Society for Digital Humanities / Société pour l'étude des médias interactifs (SDH-SEMI) sind in der Dachorganisation The Alliance of Digital Humanities Organizations (ADHO) zusammengefasst. Mitglied einer dieser Organisationen wird man durch das Abonnement der Zeitschrift Literary and Linguistic Computing, die somit die wichtigste Fachzeitschrift in diesem Feld darstellt. Die ADHO organisiert einmal im Jahr die Konferenz Digital Humanities, die abwechselnd in den USA bzw. Kanada stattfindet oder in Europa. Außerdem vergibt die ADHO alle drei Jahre den Busa Preis für besondere Verdienste in den Digital Humanities.

Seit 1986 gibt es die Fachzeitschrift Literary and Linguistic Computing, weitere Zeitschriften sind über die Jahre hinzugekommen. Seit 1999 gibt es das deutschsprachige Forum Computerphilologie. Weitere einschlägige Fachzeitschriften sind im Abschnitt Literatur angeführt.

CenterNet ist ein internationaler Zusammenschluss von rund 100 Digital Humanities Centers aus 19 Ländern. Die Organisation steht im Dienst der Digital Humanities und benachbarter Fachrichtungen.[2][3]

Themen[Bearbeiten]

Zentrale Themen des geisteswissenschaftlichen Computereinsatzes sind:

Wissenschaftliche Projekte[Bearbeiten]

US-Amerikanische Projekte[Bearbeiten]

Deutsche Projekte[Bearbeiten]

Schweizer Projekte[Bearbeiten]

Europäische Projekte[Bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten]

In den herkömmlichen Geisteswissenschaften gelten die Digital Humanities weithin als „wunderlich“.[15] Der Literaturtheoretiker Stanley Fish behauptet zudem, dass sie traditionelle Werte der Geisteswissenschaften untergraben.[16] Den Digital Humanities fehle überdies die theoretische Reflexion und sie neigen angeblich zur unkritischen Affirmation technologischer, gegenstandsferner Konzepte.[17] Gleichzeitig liefern erste DH-Analysen im kultursoziologischen Bereich mitunter verblüffende Resultate, die herrschende Lehrmeinungen in Frage stellen, so etwa die populäre These von der Ökonomisierung moderner Gesellschaften.[18][19]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe zu dieser Unterscheidung u.a. David M. Berry: „The Computational Turn: Thinking About the Digital Humanities“, in: Culture Machine 12, 2011, 2-4. URL: http://www.culturemachine.net/index.php/cm/article/viewArticle/440.
  2. About. In: CenterNet. Abgerufen am 26. Juli 2012.
  3. Benjamin Caraco: Les digital humanities et les bibliothèques. In: Le Bulletin des Bibliothèques de France. 57, Nr. 2, 1. Januar 2012. Abgerufen am 12. April 2012.
  4. http://www.clarin-d.de
  5. https://de.dariah.eu/
  6. http://www.ims.uni-stuttgart.de/forschung/projekte/eIdentity.html
  7. http://www.digital-humanities-hessen.de
  8. http://www.visargue.uni-konstanz.de
  9. http://www.wiss-ki.eu
  10. http://www.digitale-kunstgeschichte.de/wiki/Hauptseite
  11. http://www.artigo.org/
  12. http://www.metropolitalia.org/
  13. http://ta.sandrart.net
  14. http://www.dixit.uni-koeln.de
  15. Patricia Cohen: Humanities Scholars Embrace Digital Technology. In: The New York Times, 16. November 2010. Abgerufen am 7. Juni 2012. 
  16. Stanley Fish: The Digital Humanities and the Transcending of Mortality. In: The New York Times, 9. Januar 2012. Abgerufen am 30. Mai 2012. 
  17. Thomas Thiel: Digital Humanities: Eine empirische Wende für die Geisteswissenschaften?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Juli 2012. Abgerufen am 26. Juli 2012. 
  18. Steffen RothFashionable functions. A Google ngram view of trends in functional differentiation (1800-2000). In: International Journal of Technology and Human Interaction. 10, Nr. 2, 2014.
  19. Steffen RothThe fairly good economy. Testing the economization of society hypothesis against a Google ngram view of trends in functional differentiation (1800-2000). In: Journal of Applied Business Research. 29, Nr. 5, 2013.

Literatur[Bearbeiten]

Einführende Literatur[Bearbeiten]

  •  Andreas Aschenbrenner, Tobias Blanke, Stuart Dunn, Martina Kerzel, Andrea Rapp, Andrea Zielinski: Von e-Science zu e-Humanities - Digital vernetzte Wissenschaft als neuer Arbeits- und Kreativbereich für Kunst und Kultur. In: Bibliothek. Forschung und Praxis. Bd. 31, Nr. 1, 2007, S. 11–21 (online (PDF; 213 kB)).
  •  Christoph Classen, Susanne Kinnebrock, Maria Löblich: Towards Web History: Sources, Methods, and Challenges in the Digital Age. In: Historical Social Research. Bd. 37, Nr. 4, 2012, S. 97-188.
  • Peter Haber: Digital Past. Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter. München 2011.
  • Heike Neuroth, Andreas Aschenbrenner, Felix Lohmeier: e-Humanities - eine virtuelle Forschungsumgebung für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. In: Bibliothek. Forschung und Praxis, 3 (2007), S. 272-279.
  • Heike Neuroth, Fotis Jannidis, Andrea Rapp, Felix Lohmeier: Virtuelle Forschungsumgebungen für e-Humanities. Maßnahmen zur optimalen Unterstützung von Forschungsprozessen in den Geisteswissenschaften. In: Bibliothek. Forschung und Praxis, 2/2009.
  • Torsten Schrade: Epigraphik im digitalen Umfeld. (URN: urn:nbn:de:0289-2011051816). In: Skriptum 1 (2011), Nr. 1. ISSN 2192-4457. (Artikel unter Creative Commons-Lizenz verfügbar).
  • Torsten Schrade: Vom Inschriftenband zum Datenobjekt. Die Entwicklung des epigraphischen Fachportals „Deutsche Inschriften Online.“ In: Inschriften als Zeugnisse kulturellen Gedächtnisses – 40 Jahre Deutsche Inschriften in Göttingen. Beiträge zum Jubiläumskolloquium vom 22. Oktober 2010 in Göttingen, herausgegeben von Nikolaus Henkel. Reichert Verlag, Wiesbaden 2012, S. 59–72.
  • Susan Schreibman, Ray Siemens, John Unsworth: A Companion to Digital Humanities. Oxford 2004. ISBN 978-1405103213. (online Fassung, Google Bücher)
  •  Manfred Thaller: Controversies around the Digital Humanities. In: Historical Social Research. Bd. 37, Nr. 3, 2012, S. 7-229.

Fachzeitschriften (chronologisch)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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