E. L. Doctorow

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E. L. Doctorow

Edgar Lawrence Doctorow (* 6. Januar 1931 in New York City) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Publizist, der zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren der USA gezählt wird. In Deutschland wurde Doctorow bisher vor allem durch seine Romane Ragtime und Billy Bathgate bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Doctorow wuchs als Kind russisch-jüdischer Einwanderer der zweiten Generation in der New Yorker Bronx auf. Nach seinem Studium gab er mehrere Zeitschriften heraus und unterrichtete an verschiedenen Universitäten, seit 1982 an der New York University auf einem eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl für englische und amerikanische Literatur. Seit 1984 ist er Mitglied der American Academy of Arts and Letters in New York. Er erhielt für seine Bücher nahezu alle wichtigen nationalen Preise und Auszeichnungen, u. a. 1990 und 2006 den PEN/Faulkner Award und 1990 die William Dean Howells Medaille. Den PEN/Faulkner Award 2006, mit umgerechnet 12.600 Euro dotiert, erhielt er für Der Marsch. Der Roman spielt in den letzten Monaten des amerikanischen Bürgerkriegs und schildert den Feldzug des Generals William Tecumseh Sherman und seiner Truppen durch die Südstaaten Georgia, North Carolina und South Carolina.[1][2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

E. L. Doctorow ist für mehrere seiner Werke mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Drei Mal erhielt er den National Book Critics Circle Award - für Ragtime, Weltausstellung und für Billy Bathgate. Letzterer Roman wurde außerdem mit der William Dean Howells-Medaille ausgezeichnet. Weltausstellung erhielt den National Book Award und mehrere Werke von Doctorow waren für den Pulitzer-Preis nominiert. Daneben wurde Doctorow mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Rezension[Bearbeiten]

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann gehört zu den Verehrern von Doctorow und schrieb in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über E. L. Doctorow und seinen Roman Billy Bathgate:

„Mein erster Doctorow-Roman war „Billy Bathgate“, und durch ihn begriff ich zum ersten Mal - ich war sechzehn Jahre alt -, was das eigentlich ist: die Stimme eines Romans. Sie ist nicht identisch mit dem Stil, eher ist sie die Illusion einer Person, identisch weder mit dem Erzähler noch mit dem Autor, doch mit beiden eng verwandt.“[6]

Kehlmann setzt fort mit einem Vergleich der unterschiedlichen Sprachstile, die Doctorow in seinen Romanen verwendet:

„Der Billy-Bathgate-Ton, im Pendelschlag seiner langen, langen Sätze, ist ganz anders als der Ton des unverlässlichen, weil persönlich zutiefst beteiligten Erzählers Daniel Isaacson in „Das Buch Daniel“, des mit seiner Angst kämpfenden Sheriffs von „Welcome to Hard Times“ oder des sonderbar allwissenden Historikers von „Ragtime“. Gute Literatur entsteht aus Sparsamkeit der Mittel, große aber aus der Verschwendung. Sie erweckt den Anschein, als wäre alles leicht und der Phantasie wären keine Grenzen gesetzt.“[7]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Welcome to Hard Times, Roman, 1960, deutsch: Willkommen in Hard Times (übersetzt von Angela Praesent), Rowohlt (rororo 5872), Reinbek bei Hamburg 1987, ISBN 3-499-15872-8.
  • The Book of Daniel, Roman, 1971, deutsch: Das Buch Daniel (übersetzt von Thomas Schlück), Insel, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-458-05352-2 (literarische Bearbeitung der Geschichte von Ethel und Julius Rosenberg, die 1953 in den USA hingerichtet worden sind).
  • Ragtime, Roman 1975, deutsch: Ragtime (übersetzt von Angela Praesent), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1976, ISBN 3-498-01223-1.
  • Loon Lake, Roman, 1980, deutsch: Sterntaucher, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1982, ISBN 3-498-01244-4.
  • Lives of the Poets, sechs Geschichten und eine Novelle, 1984, deutsch: Das Leben der Dichter (übersetzt von Angela Praesent), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-498-01259-2.
  • World's Fair, Roman, 1985, deutsch: Weltausstellung (übersetzt von Angela Praesent), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1987, ISBN 3-498-01267-3.
  • Billy Bathgate, Roman, 1989, deutsch: Billy Bathgate (übersetzt von Angela Praesent), Kiepenheuer und Witsch, Köln 1990, ISBN 3-462-02043-9.
  • The Waterworks, Roman, 1994, deutsch: Das Wasserwerk, (übersetzt von Angela Praesent), Kiepenheuer und Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02401-9.
  • City of God, Roman, 2000, deutsch: City of God (übersetzt von Angela Praesent), Kiepenheuer und Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-03031-0
  • Sweet Land Stories, Erzählungen, 2004, deutsch: Sweet Land Stories (übersetzt von Angela Praesent), Kiepenheuer und Witsch, Köln 2006, ISBN 978-3-462-03681-7.
  • The March, Roman 2005, deutsch: Der Marsch (übersetzt von Angela Praesent), Kiepenheuer und Witsch, Köln 2007, ISBN 978-3-462-03917-7.
  • Homer & Langley, Roman 2009, deutsch: Homer & Langley (übersetzt von Gertraude Krueger), Kiepenheuer und Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-04298-6.
  • Alle Zeit der Welt, Storys (übersetzt von Gertraude Krueger). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-30684-2.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1966: Mordbrenner von Arkansas (Welcome to hard times)
  • 1981: Ragtime
  • 1983: Daniel
  • 1991: Billy Bathgate
  • 2008: Jolene (Jolene: A Life)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: E. L. Doctorow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Bbl.Online, 27. Februar 2006
  2. „Die Armee als letzte Zuflucht“, Spiegel Online, 5. Dezember 2007
  3. Winners of the National Humanities Medal and the Charles Frankel Prize. National Endowment for the Humanities (NEH). Abgerufen am 5. September 2008.
  4. "National Humanities Medal: Nominations". NEH. Retrieved 2012-03-26.
  5. James McBride wins US National Book Award, BBC News, November 21, 2013
  6. Daniel Kehlmann: Er lernte von Kleist und ich von ihm in der FAZ, 7. April 2011, aufgerufen am 23. Juli 2014
  7. Daniel Kehlmann: Er lernte von Kleist und ich von ihm in der FAZ, 7. April 2011, aufgerufen am 23. Juli 2014