E. M. Lilien

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E. M. Lilien (1910)
Old Age von E. M. Lilien

Ephraim Moses Lilien (* 23. Mai 1874 in Drohobycz, Galizien, Österreich-Ungarn; † 17. Juli 1925[1] in Badenweiler, auch Efraim Mose Lilien oder אפרים משה בן יעקב הכהן ליליען) war ein jüdischer Künstler, der zu seiner Zeit vor allem durch grafische Arbeiten im Jugendstil auf sich aufmerksam machte.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ephraim Moses Lilien wurde 1874 in einer galizischen Kleinstadt im Kreis Lemberg geboren. Seine Eltern waren der in ärmlichen Verhältnissen lebende Drechslermeister Jacob Lilien (1854–1907) und dessen Ehefrau Karoline, geb. Langermann (1855–1920).[2] Da seine Eltern kein Geld hatten, um ihrem Sohn den Schulbesuch zu ermöglichen, wurde er zu einem Schildermaler in die Lehre geschickt. Reiche Verwandte, die sich schämten, dass ein Familienmitglied Schildermaler werden sollte, unterstützen ihn daraufhin mit fünf Gulden monatlich, sodass Lilien die Realschule in Lemberg besuchen konnte.[3] Ab 1890 besuchte er die Kunstschule in Krakau. Da die fünf Gulden aber nicht ausreichten, musste er dennoch nebenbei als Maler arbeiten. Nach eigener Aussage war die Not seine „ständige Begleiterin“.[4]

Von dem 1. Preis in einem Malwettbewerb reiste Lilien zum Studium nach Wien, doch das Geld reichte nicht einmal für die Immatrikulation. 1894 ging er nach München, wo es ihm nach ein paar Jahren gelang, erste Aufträge, unter anderem für die Zeitschrift Jugend und den Süddeutschen Postillon zu erhalten. 1896 gewann er den 2. Preis in einem Fotografierwettbewerb der Jugend. 1899 zog Lilien nach Berlin, wo er sich erfolgreich als Werbegrafiker etablierte und in den Kreisen der Bohème verkehrte. Eine Freundschaft verband ihn mit der Schriftstellerin und Diseuse Maria Eichhorn.[5]

Künstlerisches Schaffen und politisches Engagement[Bearbeiten]

Mit dem von ihm illustrierten und gestalteten Buch Juda, einer Sammlung von Balladen des nichtjüdischen Dichters Börries von Münchhausen, wurde Lilien 1900 zum „ersten zionistischen Künstler“[6] und stellte in den folgenden Jahren seine Arbeit fast gänzlich in den Dienst der nationaljüdischen Idee. Mit seinen Arbeiten prägte er das Erscheinungsbild der jungen zionistischen Bewegung nachhaltig. 1903 illustrierte er das Buch Lieder des Ghetto. Neben der Einladungskarte zum 5. Zionistenkongress[7] stammt unter anderem auch das bekannte Foto von Theodor Herzl auf dem Balkon des Hotels „Drei Könige“ in Basel von Lilien.

Lilien engagierte sich im Rahmen der Demokratisch-Zionistischen Fraktion. 1902 war E.M. Lilien zusammen mit Martin Buber, Chaim Weizmann, Berthold Feiwel und Davis Trietsch einer der Mitbegründer des Jüdischen Verlags in Berlin.[8]

Familie[Bearbeiten]

1903 lernte Lilien, die an der Münchner Kunstakademie studierende Grafikerin Helene Magnus (1880–1971) kennen.[9] Sie entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Braunschweig. Ihre Eltern waren der Justizrat Otto Magnus (1836–1920) und dessen Ehefrau Sophie, geb. Isler (1840–1920).[10] Ihr Bruder war der Arzt Rudolf Magnus (1873–1927). 1906 heirateten Lilien und Magnus gegen den entschiedenen Widerstand der Brauteltern. Insbsondere Otto Magnus war gegen die Heirat seiner Tochter mit einem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Ostjuden.[11]

Das Verhältnis zu seinem Schwiegervater verbesserte sich im Laufe der Jahre – nicht zuletzt auch aufgrund des künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolges des Schwiegersohns. Nach demTod der Schwiegereltern 1920 übersiedelte die Familie nach Braunschweig, der Heimatstadt der Ehefrau.[9] Fortan lebten sie im Haus Wolfenbütteler Straße 3 (heute 5), dass Schwiegervater Otto Magnus 1886/87[12]hatte bauen lassen. Lilien engagierte sich bis zum Ende seines Lebens stark für die Verbesserung der Lebensumstände von Künstlern. So gründete er in der Stadt den „Bundeswirtschaftsverband bildender Künstler“.[13]

Lilien, der 1924 einen Infarkt erlitten hatte, verbrachte den Juli 1925 zur Kur in Badenweiler, wo er überraschend starb. Sein Freund René Schickele verfasste einen Nachruf auf ihn in der Frankfurter Zeitung vom 23. Juli 1925.[14]

Aus der Ehe waren die Kinder Otto (* 16. Dezember 1907 in Berlin) und Hannah, verh. Peters (* 20. März 1911 in Berlin) hervorgegangen. 1926 machte Otto Lilien das Abitur am Reform-Realgymnasium in Braunschweig und wurde Elektroingenieur. In den 1930er Jahren emigrierte er in die USA. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte er unter anderem wieder eine Zeit lang in Deutschland, zuletzt aber in London. Seine Schwester Hannah wurde Gynäkologin und emigrierte 1933 ebenfalls in die USA, wo sie ihren späteren Mann, den in Posen geborenen Physiker Bernard Peters (1910–1993) kennenlernte. Peters arbeitete unter anderem unter Robert Oppenheimer am Manhattan-Projekt mit. Zuletzt lebte er mit seiner Frau in Kopenhagen, wo er am Niels-Bohr-Institut arbeitete.[15]

Nach dem Tod E.M. Liliens lebte seine Witwe bis 1935 weiter im Haus an der Wolfenbütteler Straße. Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus zog sie in die Lachmannstraße 6 um. 1943 floh auch sie aus Deutschland. Helene Lilien arbeitete bis 1966 als Malerin und Linolschneiderin.[9] Zuletzt lebte sie bei ihrer Tochter in Kopenhagen, wo sie am 18. Januar 1971 starb.[16] Ihr Leichnam wurde nach Braunschweig überführt und in einem Gemeinschaftsgrab mit ihrem Mann beigesetzt. Das repräsentative Jugendstil-Grabmal befindet sich noch heute auf dem jüdischen Friedhof Helmstedter Straße in Braunschweig.[14]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: E. M. Lilien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. S. 430f.
  2. Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. S. 462.
  3. Reinhard Bein: Zeitzeugen aus Stein. S. 97 (zitiert aus einem Brief Liliens von 1901).
  4. Reinhard Bein: Zeitzeugen aus Stein. S. 99 (zitiert aus einem Brief Liliens von 1901).
  5. Mark H. Gelbert: Melancholy Pride, Nation, Race, and Gender in the German Literature of Cultural Zionism. M. Niemeyer, Tübingen 2000, S. 227.
  6. zitiert nach Haim Finkelstein: Lilien and Zionism, FN 1.
  7. Gedenkblatt des Fünften Zionisten-Congresses in Basel. In: Ost und West. Band 2, 1902, Sp. 17–18.
  8. Regine Nahrwold: Lilien, Ephraim Moses. In:  Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon – 19. und 20. Jahrhundert. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 383.
  9. a b c Reinhard Bein: Ewiges Haus. Jüdische Friedhöfe in Stadt und Land Braunschweig., S. 227.
  10. Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. S. 430f.
  11. Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. S. 464.
  12. Wolfgang Kimpflinger: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 1.2.: Stadt Braunschweig. Teil 2, Hameln 1996, ISBN 3-8271-8256-5, S. 140.
  13. Reinhard Bein: Zeitzeugen aus Stein. S. 99.
  14. a b Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. S. 465.
  15. Nachruf auf Peters vom April 1993
  16. Bilzer, Moderhack: BRUNSVICENSIA JUDAICA., S. 189.