Seignettesalz

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Strukturformel
Strukturformel des Seignettesalzes
Allgemeines
Name Seignettesalz
Andere Namen
  • Kaliumnatriumtartrat-Tetrahydrat
  • Natriumkaliumtartrat
  • Weinsäure Kalium-Natriumsalz
  • E 337
Summenformel C4H4KNaO6
CAS-Nummer 304-59-6 (wasserfrei)
6381-59-5 (Tetrahydrat)
Kurzbeschreibung

farbloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 210,16 g·mol−1 (wasserfrei)
282,22 g/mol (Tetrahydrat)
Aggregatzustand

fest[1]

Dichte

1,79 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

70–80 °C (Tetrahydrat)[1]

Siedepunkt

Zersetzung bei 220 °C[2]

Löslichkeit
  • gut in Wasser (630 g·l−1 bei 20 °C)[1]
  • schlecht in Ethanol[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Seignettesalz ist ein Salz der Weinsäure. Der französische Apotheker, nach dem es benannt wurde, Elie Seignette (1632-1698), entdeckte es zwischen 1648 und 1660[3]. Es ist ein Doppelsalz, das Kalium- und Natriumionen enthält, mit der heutigen korrekten Bezeichnung Kalium-Natrium-Tartrat-Tetrahydrat (KNaC4H4O6 · 4 H2O). Die Tartrate sind die Salze der Weinsäure, Seignettesalz leitet sich von den beiden Basen Kali- und Natronlauge ab.

Das Seignettesalz wurde in La Rochelle entdeckt und wird daher auch Rocheller Salz genannt. Veraltete Bezeichnungen sind weinsaures Natronkalium oder Natronweinstein. Die wegen der Anwendung in der Pharmazie (mildes Brechmittel) wichtigen lateinischen Namen sind Tartarus natronatus, Natrokali tartaricum, Kalium tartaricum natronatum (frz. Tartrate de soude et de potasse, Sel de seignette, engl. Tartarated soda, Salt of seignette).

Am Seignettesalz wurde die Ferroelektrizität entdeckt.

Herstellung[Bearbeiten]

Kaliumnatriumtartrat kann aus Weinstein und Soda hergestellt werden, indem man eine Lösung von Soda mit Weinstein versetzt, bis kein Entweichen von Kohlensäure mehr stattfindet. Nach dem Eindampfen der filtrierten Lauge im Dampfbad bilden sich schöne Kristalle, die bei sehr geringer Wärme getrocknet werden, da sie sonst ihre Durchsichtigkeit bzw. Transparenz verlieren.

Eigenschaften und Verwendung[Bearbeiten]

Seignettesalzkristall
Kristallstruktur

Die Kristalle bilden große, wasserhelle, rhombische Säulen. Das Salz schmilzt beim Erwärmen in seinem Kristallwasser, ist aber sonst ziemlich luftbeständig. Es löst sich in sehr wenig Wasser, besitzt einen milden salzigen Geschmack und wird als ein kühlendes, leicht abführendes Mittel, z. B. als Seidlitzpulver angewandt. In der analytischen Chemie wird es als Hilfsmittel zum Nachweis von reduzierenden Zuckern mit der Fehlingschen Lösung II oder mit Nylanders Reagenz gebraucht. Dabei wird ausgenutzt, dass es ein guter Chelator (Komplexbildner) ist und Kupfer- bzw. Bismutionen komplexiert und dabei bindet.

In der Verwendung als Chelator kann anstelle des Salzes von Seignette auch ein anderes Tartrat verwendet werden, das mit entsprechenden Atomen ein ungeladenes Molekül bildet, solange dieses nicht selbst als Ligand für die Komplexbindung mit dem Seignettsalz in Frage kommt. Dass das käufliche Seignettesalz aus Kaliumnatriumtartrat zusammengesetzt ist, hängt mit den Kosten für dieses Produkt zusammen. Kaliumhydrogentartrat kommt sehr häufig in der Natur vor und lässt sich auf einfache Art und Weise gewinnen. Auch das für die Dosierung und die Neutralisation erforderliche Carbonat eines Alkalimetalls ist relativ billig, sobald Natriumcarbonat verwendet wird.

Wegen seiner piezoelektrischen Eigenschaft wurde es zur Herstellung des Kristalltonabnehmers verwendet.

Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 337 zugelassen (Verwendung meist als Säureregulator).

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Eintrag zu CAS-Nr. 304-59-6 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 19. Dezember 2007 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c Kaliumnatrium-(R,R)-tartrat. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 12. Mai 2014.
  3. Häufig wird es fälschlich seinem Sohn Pierre Seignette zugeschrieben. Artikel Elie Seignette, Pötsch u.a. Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989