eComStation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
eComStation
Basisdaten
Entwickler Serenity Systems, IBM, Microsoft, Mensys und OSS-Entwickler
Aktuelle Version eComStation 2.1
(21. Mai 2011)
Abstammung \ Multitasking MS-DOS
  \ OS/2
   \ eComStation
Lizenz Proprietär
Website www.ecomstation.com

eComStation (kurz eCS) ist ein Betriebssystem der Firma Serenity Systems und als solches die OEM-Weiterentwicklung und der Nachfolger von OS/2. Die Entwicklung wird hauptsächlich durch Mitarbeiter der niederländischen Firma Mensys, freiwillige Helfer und durch die Open-Source Community Netlabs.org getragen. Unter dem Dach von Netlabs.org werden zahlreiche Erweiterungen entwickelt oder portiert. So stammt unter anderem der Dokument-Betrachter Lucide, der PDF-, JPEG- und DjVu-Dateien anzeigen kann und in eComStation 2.0 integriert wird, von Netlabs. Auch das Projekt Odin wird hier betreut, mit dessen Hilfe eine größere Anzahl von Windowsprogrammen auf OS/2 und eComStation verwendet werden kann.

Eine Demoversion von eComStation 1.2R und die Beta-Version 2.2 sind als Live-System verfügbar (ähnlich Knoppix), bei dem kein (schreibender) Zugriff auf die Festplatte nötig ist. Bestimmte Netzwerkkarten werden unterstützt und automatisch erkannt. Des Weiteren wird eine automatische Konfiguration per DHCP vorgenommen, so ist z. B. der Zugriff auf das WWW mit dem enthaltenen Webbrowser Mozilla Firefox möglich.

Systemarchitektur[Bearbeiten]

EComStation basiert auf einer Ring-Architektur. Im inneren Ring 0 laufen Systemkern und Gerätetreiber. Ring 2 wird für Grafiktreiber benutzt. Im Ring 3 laufen Anwenderprogramme. Das System ist ein SingleUser-Multitasking-System[1].

Ohne zusätzliche Installation virtueller Maschinen können neben OS/2-eigenen Anwendungen (GUI- und Konsolen-Programme) auch folgende ausgeführt werden:

  • DOS-Sitzungen, einzeln gekapselt (integrierte virtuelle Maschine); dadurch können alte DOS-Programme benutzt werden.
  • Windows 3.1-Sitzungen (integrierte virtuelle Maschine) für Windows 3.1-Programme.

EComStation integriert sich mit Samba in Windows-Netzwerke und mit eCUPS in Unix/Linux und Mac OS X-Druckumgebungen, auch über WLAN.

Beschreibung[Bearbeiten]

Oberfläche

EComStation bietet eine objektorientierte Arbeitsoberfläche (Workplace Shell WPS) mit mehreren auswählbaren Bildschirmen. Drag and Drop erfolgt im Unterschied zu vielen anderen Systemen mit der rechten Maustaste.

Skripte und Programmierung

Mitgeliefert wird die leistungsfähige Skript-Programmiersprache REXX. Optional kann zusätzlich der erweiterte Kommandointerpreter 4OS2 installiert werden. Für EComStation existieren Laufzeitumgebungen für Java und Qt.

Software-Verwaltung

Ein effektives Software-Verwaltungswerkzeug für Installation und De-Installation von Software ist WarpIn. Vielfach wird Software aber auch als ZIP-Archiv verteilt. Der Anwender packt das Archiv aus und verschiebt die ausgepackten Dateien in den Programmpfad.

Abgrenzung zu anderen Betriebssystemen[Bearbeiten]

Hauptunterschiede zu OS/2

EComStation ist die kompatible Weiterentwicklung von OS/2. Das System wurde an moderne Hardware angepasst (Motherboard, Drucker, USB, große Festplatten, JFS-Dateisystem, moderner Bootmanager, Rechnernetz, Scanner).

Aufgrund der geringen Verbreitung von eComStation ist es unattraktiv für Kriminelle, dafür Viren, Würmer, Hacks oder Spionagesoftware zu entwickeln.

Vorteile
  • Langzeitstabilität: Es ist möglich, Anwendersoftware und Treiber seit dem Erscheinen von OS/2 (1987 16-Bit, 32-Bit 1992) kontinuierlich zu verwenden, ohne dass durch das Betriebssystem Updates oder Umprogrammierungen der Anwendungen erforderlich wurden. Dies ist insbesondere bei Geschäftsanwendungen ein wichtiger Aspekt.
  • Geringe Hardwareanforderungen
Nachteile
  • Gerätetreiber sind nur in geringerer Anzahl verfügbar; je neuer und spezieller die Hardware, desto eher existiert kein Treiber. Eine Unterstützung für USB 3.0 und UEFI ist auf lange Sicht geplant. Für die Zusammenarbeit mit Smartphones und Tablets sind derzeit keine Lösungen bekannt. Für Bluetooth sind keine Treiber vorhanden.
  • EComStation ist ein kommerzielles Produkt, es gibt keine kostenlose Version. Allerdings liegt der Preis einer „SOHO“-Vollversion unter dem einer aktuellen Windows-Vollversion.
  • Das Softwareangebot ist weit geringer als z.B. für Windows. Windows oder andere Betriebssysteme können allerdings in einer virtuellen Maschine ausgeführt werden. Verschiedene Programme aus der Linux-Welt wurden portiert.
  • Trotz ähnlicher GUI kann die Bedienung für neue Anwender ungewohnt oder unbekannt sein.

Mindest-Hardwareanforderungen[Bearbeiten]

für Version(en) eComStation 1.0 bis 2.1
Prozessor (CPU) Intel Pentium 133 MHz oder gleichwertig
Arbeitsspeicher (RAM) 48 MB (absolutes Minimum für die Installation von einer CD)
Grafikkarte VGA Karte mit mindestens 512 kB Speicher.
Festplatte 500 MB frei - Parallelinstallation anderer Systeme möglich
Optisches Laufwerk CD-ROM Laufwerk - SATA, IDE oder SCSI CD-ROM oder DVD Laufwerk (USB kann problematisch sein)
Maus Beliebige PS/2, serielle oder USB Maus

Lizenzmodell[Bearbeiten]

Je Arbeitsplatz ist eine Lizenz zu erwerben.

In der Home & Student Edition sind die „Software Subscription Services“ für einen Zeitraum von sechs Monaten enthalten.[2] Diese Variante wird für den Einsatz bei bis zu fünf Arbeitsplätzen empfohlen.

Die Business Edition ist für Nutzer gedacht, die eComStation auf mehr als fünf Arbeitsplätzen einsetzen wollen. In der Business Edition sind die „Software Subscription Services“ für einen Zeitraum von zwölf Monaten enthalten.[3]

Bei der Lieferung des Media-Packs erhält man drei CDs (System, Bonus-Software und OpenOffice). Als Download erhält man nur die System-CD.

Liste: Funktionsumfang[Bearbeiten]

In den aktuellen Versionen 2.1 von eComStation sind unter anderem folgende Programme und Treiber zu finden (Auswahl):

  • Neuer Boot-Manager AiR-BOOT (version 1.0.7 final) erlaubt die Installation von Multiboot-Umgebungen, ohne die primäre Partition aufzugeben (erforderlich für die meisten Windows 7 preloads).
  • Aktueller OS/2-Kernel 14.105.
  • ACPI 3.18 für neuen Kernel 14.105.
  • Überarbeiteter ACPIWIZARD, um APM Maustreiber zu unterstützen.
  • AHCI-Unterstützung mit Treiberversion 1.12, ermöglicht die Installation von Systemen, die ausschließlich auf AHCI basieren. AHCI-Controller versprechen eine bessere Leistung als übliche SATA-Controller.
  • Neue AHCI-Option im Preboot-Menu (zur Zeit manuell auszuwählen).
  • Neuer BOOTDLY-Treiber mit 20 Sekunden Verzögerung beim Booten, so dass SCSI-Controller und Festplatten Zeit zum Initialisieren haben. Der Treiber wird von OS2CSM und HWMERGE hinzugefügt, wenn ein SCSI-Treiber ausgewählt wird.
  • Verbesserter Festplattenintegritätstest mit graphischer Bedienmöglichkeit. Dies erlaubt mehr Bedienmöglichkeiten sowie Feedback.
  • SciTech SNAP-ENT-Grafiktreiber (unterstützt werden mehr als 240 Chipsätze, Overlay, DualHead und DVI je nach Chipsatz).
  • Panorama-Grafiktreiber.
  • Verbesserter VESA-Grafiktreiber Treiber VBE2GRAD.DLL (universeller Grafikkarten-Treiber) zur verbesserten Arbeit in VirtualBox (seit eCS 2.0, bietet eine verbesserte VESA-Unterstützung und erlaubt Breitbildformate bei Intel- und AMD/ATI-Grafikchips durch die Manipulation des Grafikkarten-BIOS).
  • USB-Unterstützung: OHCI-, UHCI- (USB 1.1) und EHCI-Treiber (USB 2.0) für Drucker, Tastaturen, Mäuse, USB-Sticks, ...
  • Treiber für Netzwerkkarten (wird mit eCS 2.0 durch GenMAC >=2.2 erweitert).
  • Treiber für WLAN-Karten (wird mit eCS 2.0 aktualisiert; GenMAC >=2.0 unterstützt dann auch die WPA-Verschlüsselung).
  • Treiber für Soundkarten durch Uniaud, einer Portierung des Linux ALSA-Subsystems[4].
  • EIDE- (PATA) und SATA-Treiber von Daniela Engert.
  • Bootfähiges Filesystem JFS 1.9.4 (schon seit dem Erscheinen von eCS 2.0 wird auch der Bootvorgang von einer JFS-Partition unterstützt).
  • Erweiterte Hardwareerkennung nun auch für Intel PRO/1000 PCIe.
  • NTFS-Unterstützung (nur lesend).
  • FAT32-Unterstützung.
  • eCUPS macht so gut wie alle neueren Drucker nutzbar (PostScript-, PCL-, Tintenstrahldrucker, sowie Plotter).
  • Scannertreiber SANE (SCSI und USB).
  • Vereinfachter Logical Volume Manager.
  • Weitere enthaltene Open-Source-Software.
  • Wireless-LAN-Monitor[5] für die Konfiguration des WLAN-Netzwerkinterfaces (nutzt den GenMAC-Treiber und integriert sich in xWorkplace oder eWorkplace).
  • Software Subscription Services (12 Monate Laufzeit; Zugriff auf Beta- und neue eCS-Versionen, wenn diese in den 12 Monaten erscheinen).

Liste: Verfügbare Software für eComStation[Bearbeiten]

Unter anderem sind folgende Pakete aus dem Open-Source Bereich auch für eComStation verfügbar bzw. werden aktiv weiterentwickelt:

  • Palette der Mozilla-Produkte:
    • Firefox Version 4.0.1 (Im Internet ist Version 10.0.12 ESR nachinstallierbar)
    • Thunderbird Version 2.0.0.22 (Im Internet ist Version 10.0.12 ESR nachinstallierbar)
    • SeaMonkey (Version 2.x.x) (Im Internet ist Version 2.7.2 nachinstallierbar)
  • Samba Server basierend auf
    • Samba Version 3.0.x (stabil)
    • Samba Version 3.3.16 (stabil)
    • Samba Version 3.5.9 (im Testbetrieb)
  • Samba Client basierend auf
    • Samba Version 3.0.x (stabil)
    • Samba Version 3.3.x (im Testbetrieb)
  • Ghostscript (9.1)
  • eCUPS macht aktuelle Drucker nutzbar
  • ePDF zum Drucken in eine PDF-Datei [6]
  • OpenOffice.org (Version 3.2 [7] und 4.0 [8])
  • MPlayer (samt dem Qt-basierten SMplayer Frontend)
  • VLC media player 2.1.3
  • Scribus 1.43 (Desktop-Publishing, open Source)
  • Maul-Publisher 3.0 (Desktop-Publishing, kommerziell)
  • VirtualBox 1.56 ermöglicht die Nutzung anderer Betriebssysteme in virtuellen Maschinen, zum Beispiel Windows 7
  • Virenschutzprogramm ClamAV
  • für Softwareentwickler
    • Qt (Version 4.6.2) – darauf aufbauend Dutzende Applikationen
    • Free Pascal 2.0
    • WDSibyl 3.9
    • GCC-Compiler (Version 4.4.x)
    • Open-Watcom-Compiler (Version 1.8)
    • Tcl/Tk Scriptsprache mit graphischer Oberfläche

Liste: Versionen[Bearbeiten]

  • 10. Juli 2001: eComStation 1.0
  • 18. April 2003: eComStation 1.1
  • 18. Dezember 2004: eComStation 1.2
  • 13. März 2006: eComStation 1.2R Media Refresh (deutsch), ein weiteres Update der CD1 wurde am 5. April 2006 vorgenommen
  • 21. Mai 2010: eComStation 2.0 (bisher nur in englisch)
  • 10. Mai 2011: eComStation 2.1 (bisher nur in englisch und deutsch)
  • 28. Februar 2013: eComStation 2.2 public beta (englisch)

Die Version 2.2 wird folgende Neuerungen beinhalten:

  • eCUPS im System integriert
  • odin zum Ausführen von Windows-Programmen
  • Neuer Desktop mit modernen Dialogen und größeren Ikonen
  • Neuer Konfigurator für Adapter und Protokolle (Netzwerkverbindungen)
  • Update für ACPI, WLAN und Grafikkarten
  • Remote Desktop Protocol Client (RDP) zum Zugriff auf Windows-Computer
  • verschiedene innere Systemupdates

Liste: Anwender[Bearbeiten]

Stand 2013 (Auswahl)[9]

  • Alstom, Germany
  • Belgacom, Belgium
  • Boeing, USA
  • Bowe, Bell + Howell, USA
  • Canadian Coast Guard, Canada
  • Caterpillar, Singapore
  • Colgate Palmolive, USA
  • Fujitsu, Japan
  • IBM Global services, USA
  • Johnson & Johnson, USA
  • MIT, USA
  • Max Planck Institut, Germany
  • Michelin, France
  • Norwich Union, UK
  • OCE BV, The Netherlands
  • Qatar Petroleum, Qatar
  • Siemens AG, Germany
  • Stanford University, UK
  • Trustco Bank, USA
  • US Postal Services, USA
  • Universal Instruments Corp, USA
  • VMware, Inc., USA
  • Whirlpool Corporation, USA

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.edm2.com/0607/kernel.html
  2. http://www.ap-com.de/software/ecomstation/home-student-edition
  3. http://www.ap-com.de/software/ecomstation/business-edition
  4. Informationen auf netlabs.org
  5. Website zum WLAN-Monitor
  6. http://www.subsys.de/ePDF/
  7. http://www.ecomstation.com/product_info.phtml?url=nls/en/content/openoffice.html&title=OpenOffice.org%20for%20eComStation
  8. http://www.os2world.com/past-news/80-software/19770-apache-openoffice-4-0
  9. Homepage EComStation

Weblinks[Bearbeiten]