EPEX SPOT

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European Power Exchange EPEX SPOT SE
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Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 2008
Sitz Paris
Leitung Jean-François Conil-Lacoste (Chief Executive Officer), Thierry Morello (Chief Operating Officer), Iris Weidinger (Chief Financial Officer), Tobias Paulun
Branche Börsen, Energie
Website www.epexspot.com

Die europäische Strombörse European Power Exchange (EPEX SPOT SE) ist eine Börse für kurzfristigen Stromgroßhandel in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz.

Überblick[Bearbeiten]

EPEX SPOT SE ist eine europäische Gesellschaft mit Sitz in Paris, Frankreich, und einer Zweigstelle in Leipzig, Deutschland. Sie wurde 2008 durch den Zusammenschluss der Stromspotmärkte der Energiebörsen Powernext und European Energy Exchange (EEX) gegründet. Beide Mutterunternehmen halten einen gleichwertigen Anteil von 50 %.[1][2] EPEX SPOT SE betreibt die Stromspotmärkte für kurzfristigen Stromhandel in Deutschland/Österreich, Frankreich und der Schweiz, wobei Deutschland und Österreich eine gemeinsame Preiszone bilden. Diese Länder repräsentieren zusammen etwa ein Drittel des europäischen Stromverbrauchs. EPEX SPOT hat über 220 Börsenmitglieder.[3] Gehandelt werden Kontrakte in Megawattstunden-Einheiten. EPEX SPOT ist involviert in mehrere Marktkopplungsinitiativen, so zum Beispiel die Marktkopplung in Nordwest- und Südwesteuropa (siehe unten).

Die Europäische Kommission verhängte im März 2014 in einem Kartellvergleichsverfahren eine Geldbuße in Höhe von insgesamt 3,65 Mio. Euro gegen EPEX SPOT wegen verbotener Absprachen mit der norwegischen Energiebörse Nord Pool Spot zu einer nicht miteinander konkurrierenden Marktaufteilung im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). [4]

Handel[Bearbeiten]

Zeitabschnitte des Stromgroßhandels
Überblick über die Day-Ahead- und Intraday-Märkte der EPEX SPOT

2013 wurden auf den Märkten der EPEX SPOT 346 Terawattstunden (TWh) gehandelt, 2 % mehr als ein Jahr zuvor.[5]

Day-Ahead-Märkte[Bearbeiten]

EPEX SPOT betreibt die Day-Ahead-Strommärkte für Deutschland/Österreich, Frankreich und die Schweiz. Diese Märkte funktionieren über eine blinde Auktion, bei der einmal pro Tag aggregierte Angebots- und Nachfrage-Kurven gekreuzt und auf diese Weise anonym, transparent und sicher Preise ermittelt werden. Börsenmitglieder geben ihre Gebote in ein Orderbuch ein, das für die Schweiz um 11 Uhr und für Deutschland/Österreich und Frankreich um 12 Uhr schließt. Im nächsten Schritt berechnet EPEX SPOT die Angebots- und Nachfragekurven und ihren Schnittpunkt für jede Stunde des darauffolgenden Tages. Die Ergebnisse werden von 11.10 Uhr (Schweiz) und 12.40 Uhr (Deutschland/Österreich und Frankreich) an veröffentlicht. Der Index für den deutsch-österreichischen Markt, genannt Physical Electricity Index oder PHELIX, sendet ein klares Preissignal für den Stromgroßhandel in ganz Europa aus.

Seit dem 18. Oktober 2010 veröffentlichen EPEX SPOT und EEX täglich den ELIX, den European Electricity Index. Der Index wird auf Basis der eigentlichen aggregierten Angebots- und Nachfragekurven aller Marktgebiete der EPEX SPOT unter der Annahme berechnet, dass keine Übertragungsengpässe zwischen den nationalen Märkten bestehen. ELIX ist ein fundamentaler Indikator für einen europäischen Binnenmarkt, da er den Marktpreis für eine physikalisch unbeschränkte Marktumgebung anzeigt. Er zeigt den zusätzlichen Nutzen, der durch weitere Marktintegration erreicht werden könnte.

Die französische und deutsche Day-Ahead-Auktion sind Teil der Preiskopplung in Nordwesteuropa, die am 4. Februar 2014 startete. Sie verbindet die Märkte von Benelux, Frankreich, Deutschland, Österreich, Großbritannien, den nordischen und den baltischen Staaten durch ein Preiskopplungssystem, das zum Ziel hat, die Kapazitäten an den Grenzkuppelstellen optimal auszunutzen und auf diese Weise Preisunterschiede zwischen den Märkten auszubügeln. Diese Preiskopplung wurde am 13. Mai 2014 auf die iberische Halbinsel ausgeweitet und umfasst nun rund drei Viertel des europäischen Stromverbrauchs.

Intraday-Märkte[Bearbeiten]

EPEX SPOT betreibt darüber hinaus Intraday-Strommärkte für Frankreich, Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Intraday-Märkte funktionieren über einen kontinuierlichen Handel: Gebote der Handelsteilnehmer werden laufend in das Orderbuch eingegeben. Sobald zwei Gebote kompatibel sind, werden sie ausgeführt. Gehandelt werden kann bis zu 45 Minuten vor der physischen Lieferung. Seit dem 14. Dezember 2010 können Börsenmitglieder grenzüberschreitende Transaktionen zwischen den französischen und deutschen Intraday-Märkten vornehmen. Ermöglicht wird dies durch das von EPEX SPOT genutzte Handelssystem, ComXerv, welches gleichzeitige grenzüberschreitende Transaktionen an der Börse und am OTC-Markt erlaubt, indem es sich an eine Kapazitätsplattform der Übertragungsnetzbetreiber andockt. Mit dem Start des österreichischen Intraday-Markets im Oktober 2012 wurde der grenzüberschreitende Handel auf Österreich ausgeweitet; im Juni 2013 folgte die Schweiz. Seit dem 14. Dezember 2011 lassen sich auf dem deutschen Intraday-Markt 15-Minuten-Kontrakte handeln. Seit dem Start des Schweizer Intraday-Markts im Juni 2013 werden 15-Minuten-Kontrakte auch in der Schweiz und zum grenzüberschreitenden Handel zwischen beiden Ländern angeboten. Diese erleichtern die Integration fluktuierender Stromquellen, wie etwa Wind und Solar, in den Markt.

Pläne, Ankündigungen[Bearbeiten]

EPEX SPOT untersucht beständig Möglichkeiten, wie das Unternehmen seine "Werkzeuge" für kurzfristigen Stromhandel weiter verbessern kann und wie man den Handel näher an den Lieferzeitpunkt rücken kann, um fluktuierende Stromquellen effizienter vermarkten zu können. Im Dezember 2013 teilte das Unternehmen mit:

„Die heute gültigen 45 Minuten Vorlaufzeit könnten durch eine Feinjustierung der Intraday-Kette verkürzt werden. Ein Aspekt ist die Verkürzung der Vorlaufzeit für die Nominierung durch die European Commodity Clearing, das Clearinghaus der EPEX SPOT. Sie ist für die Nominierung von Transaktionen bei den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) notwendig, um die physische Lieferung von Strom abzusichern. Darüber hinaus könnten Verbesserungen bei einigen ÜNB – etwa mehr Nominierungen pro Stunde – und bei EPEX SPOT hinsichtlich der Datenübertragung die Vorlaufzeit verkürzen. [...] EPEX SPOT und ECC werden 2014 diesbezüglich eng miteinander kooperieren.“

„Der deutsche Intraday-Markt könnte früher als heute, also vor 15 Uhr am Vortag, öffnen. Damit könnten Handelsteilnehmer direkt nach der Auktion ihre Positionen [...] mit Stunden- [oder] auch mittels 15-Minuten-Kontrakten ausgleichen. Diese Änderung könnte auch auf die anderen von EPEX SPOT betriebenen Märkte ausgedehnt werden, basierend auf den Vereinbarungen mit den jeweiligen ÜNB.“[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EEX group structure
  2. Powernext group structure
  3. List of EPEX SPOT Exchange Members
  4. http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-215_de.htm
  5. [1]
  6. Presseerklärung