EWE AG

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EWE AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1943
Sitz Oldenburg
Leitung Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender
Mitarbeiter 9.162
Umsatz 8,9 Mrd. EUR
Website www.ewe.de
Stand: 31. Dezember 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013

Die EWE AG (ehemals Energieversorgung Weser-Ems AG) ist ein Versorgungsunternehmen im Bereich Strom, Erdgas, Telekommunikation, Informationstechnologie und Umwelt. Derzeit gilt die EWE als fünftgrößtes Energieversorgungsunternehmen in Deutschland.

Unternehmensprofil[Bearbeiten]

EWE ist in der Ems-Weser-Elbe-Region, in Bremen, Brandenburg, auf der Ostseeinsel Rügen, in Westpolen und der Türkei tätig.[1] Der Unternehmenssitz befindet sich in Oldenburg. In den deutschen Stammgebieten hatte die EWE vor der Liberalisierung der Energie-Märkte das Monopol, und besitzt daher auch heute noch einen sehr hohen Marktanteil. Sie ist zu 26 Prozent an der Oldenburger Busgesellschaft Verkehr und Wasser GmbH (VWG) beteiligt.

EWE Tel, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen, bietet seit September 1996 Telekommunikations-Dienstleistungen zwischen Ems und Elbe, in Brandenburg und auf Rügen an. EWE Gasspeicher, ebenfalls eine 100-prozentige Tochter der EWE, die als Energiedienstleister im Bereich der Erdgasspeicher tätig ist. Die Gastransport Nord (GTG), eine 100-prozentige Tochter, wurde im März 2012 als unabhängiger Fernleitungsnetzbetreiber des L-Gasfernleitungsnetzes im EWE-Konzern gegründet. Das Tochterunternehmen NaturWatt handelt seit 1998 ausschließlich mit Strom aus erneuerbarer Energie.

Die 100-prozentige EWE-Tochter New Content Media Group ist an mehreren norddeutschen Regional- bzw. Lokalfernsehsendern beteiligt, unter anderem Hauptgesellschafter von center.tv Bremen.[2][3]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

1930 bis 1999[Bearbeiten]

Im Jahr 1930 wurde die neu gegründete Oldenburgische Stromversorgungs AG (Oldag) mit der Weser-Ems-Stromversorgungs AG (Wesag) zur Stromversorgungs AG Oldenburg-Ostfriesland (Strosag) zusammengeschlossen. Damit war der Grundstein für die EWE gelegt, und somit wird das Jahr 1930 als Geburtsjahr der EWE angesehen.

1943 wurden die Strosag und der „Landeselektrizitätsverband Oldenburg (LEV)“ unter dem Namen „Energieversorgung Weser-Ems AG (EWE)“ zusammengeschlossen. Ein weiterer großer Meilenstein war 1959 die Erdgasversorgung in Oldenburg, das damit die erste mit Erdgas versorgte Großstadt Deutschlands wurde. Die EWE erreichte 1986 eine Stromkundenzahl von 500.000 und erschloss zwei weitere Jahre später das Geschäftsfeld der Abfallwirtschaft. Der Aufbau einer Erdgasversorgung im östlichen Teil Brandenburgs erfolgte ab 1990. 1992 erfolgte die Namensänderung in „EWE Aktiengesellschaft“. Im Jahr 1996 wurde schließlich die Telekommunikationstochter EWE TEL GmbH gegründet. 1998 fusionierte die EWE mit dem Regionalversorger Überlandwerk Nord-Hannover AG.

Die Geschäftsfelder der Gebäudesicherheit „Gebäude Sicherheit Nord GmbH“ und Grundstückserschließung (EWE UDG) wurden 1999 erschlossen, während gleichzeitig mit dem Aufbau eines Versorgungsnetzes in Polen begonnen wurde. Zwei weitere Tochterunternehmen EASY Plus GmbH und das IT-Beratungsunternehmens Business Technology Consulting AG wurden später im Jahr 2001 gegründet.[4]

Ab 2000[Bearbeiten]

2001 wurde der Telekommunikationsdienstleister nordCom GmbH übernommen und die EWE Stiftung gegründet.

Im Jahr danach folgte, neben dem kompletten Erwerb des Bremer Telekommunikationsunternehmens BREKOM und der Stadtwerke Bremervörde, eine Beteiligung von 74,95 % an dem Telekommunikationsdienstleister osnatel GmbH in Osnabrück und eine Beteiligung von 10 % an den Stadtwerken Frankfurt/Oder.

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2003 erwarb die EWE 47,9 % der Anteile an der VNG – Verbundnetz Gas AG, einem Gashandelsunternehmen mit Sitz in Leipzig, die E.ON im Rahmen der Erfüllung der Auflagen für die Ministererlaubnis zum Kauf der E.ON Ruhrgas verkaufen musste. Rechtsgültig wurde dieser Erwerb zum Januar 2004. Gleichzeitig erwarben die kommunalen Mehrheitseigentümer die nicht in ihrem Besitz befindlichen 27,4 % der EWE-Anteile von E.ON durch Ausübung des vorhandenen Vorerwerbsrechtes, die auch im Rahmen der oben erwähnten Ministererlaubnis von E.ON verkauft werden mussten. Damit gehörte die EWE vorübergehend komplett den Städten und Landkreisen der Ems-Weser-Elbe-Region. Außerdem erfolgten noch die Beteiligung an den Stadtwerken Cuxhaven (74,9 %) und an dem Regionalversorger Stadtwerke Bremen (SWB) (32,36 %). 2004 sah dann die Erhöhung der Beteiligung an der SWB auf 49 % sowie den Erwerb von 50 % der Anteile an der Telefongesellschaft HTP in Hannover

2006 wurden eine Mehrheit von 51 % an dem Telekommunikationsanbieter Teleos GmbH & Co. KG in Herford sowie die noch verbleibenden Anteile an den Stadtwerken Cuxhaven erworben. Außerdem schlossen sich die EWE-Anteilseigner, vier Städte und 17 Landkreise aus der Ems-Weser-Elbe-Region, zum 1. November zu einem gemeinsamen Zweckverband, dem Ems-Weser-Elbe Versorgungs- und Entsorgungsverband, zusammen.

2007 beteiligte sich EWE mit 39,9 % am regionalen türkischen Erdgasversorger Bursagaz A.S. mit Sitz in Bursa und erwarb alle Geschäftsanteile des Telekommunikationsunternehmens BCC Business Communication Company GmbH mit Sitz in Wolfsburg. 2008 erhöhte die EWE AG ihre Anteile an den türkischen Versorgern Bursagaz A.S. und Kayseri Dogalgaz A.S. von jeweils 39,9 % auf 80 %. Die restlichen 20 % der beiden Unternehmen gehören jeweils zu 10 % der türkischen Çalik Holding und zu je 10 % den Kommunen Bursa und Kayseri.[5]

Am 26. August 2008 fusionierten EWE TEL und die „Teleos GmbH & Co. KG“ mit Sitz in Herford zu einem Unternehmen. Rückwirkend zum 1. Januar 2008 wurden die beiden regionalen Telekommunikationsunternehmen zusammengeführt und firmieren seither als „EWE TEL GmbH“. Teleos wurde als Marke der EWE TEL GmbH zunächst fortgeführt.[6] Seit dem 1. Juni 2011 werden die Leistungen im Raum Ostwestfalen-Lippe unter der Marke EWE angeboten.

Ebenfalls 2008 erwarb EWE TEL die Mehrheit an der „Martens Gesellschaft für Antennen und Kabelanlagen mbH“, einem regionalen Kabelnetzbetreiber in Hamburg und Umgebung mit eigenem Glasfasernetz. Martens wurde im Juni 2011 an die ACN Telekabel Holding GmbH verkauft.[7]

Die osnatel GmbH gehört seit Januar 2009 zu 100% EWE TEL und wurde im Juni 2009 rückwirkend zum Januar 2009 mit der EWE TEL GmbH verschmolzen.

Im Juni 2009 gab EWE bekannt, dass sie die restlichen 51 % an der SWB erwirbt; EWE hält somit fortan 100 % an SWB, eine Aktie verbleibt bei der Freien Hansestadt Bremen.[8] Im Juli 2009 beteiligte sich EnBW mit 26 % am Kapital der EWE; der Einstieg erfolgte in Form eines Aktienkaufes und einer Kapitalerhöhung.[9] Gleichzeitig gab EWE den beabsichtigten Verkauf seiner Beteiligung an der VNG an den neuen Partner EnBW bekannt. Anfang November 2011 zeichnete sich jedoch ein Rechtsstreit mit EnBW um den Verkauf der VNG-Anteile ab; im Mai 2013 veranlasste EWE schließlich eine Schiedgerichtsklage gegen EnBW in diesem Zusammenhang auf EUR 500 Mio. Schadensersatz.[10]

Seit Juni 2011 bietet die EWE TEL GmbH ihre Produkte unter der Marke EWE an.

Geschäftszahlen[Bearbeiten]

Der Umsatz des Konzerns lag im Geschäftsjahr 2012 bei 8,158 Milliarden Euro, das Periodenergebnis bei 138,8 Mio. Euro. Noch im Vorjahr wurde ein Verlust von ca. 281,9 Mio. Euro erwirtschaftet. Grund hierfür waren im Wesentlichen Abschreibungen auf die Beteiligungsbuchwerte der Stadtwerke Bielefeld GmbH (Beteiligung am Kernkraftwerk Grohnde), der Beteiligungen in der Türkei und der VNG - Verbundnetz Gas AG. Zudem wurden nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs, die die Preisanpassungklausel im Gastarif „Classic“ für ungültig erklärt hatte, an 385.000 Kunden Gaspreis-Rückerstattungen in Höhe von insgesamt 90 Mio. Euro vorgenommen.[11] 2011 hatte der Konzern im Durchschnitt 8.828 Mitarbeiter.[12]

Gesellschafter[Bearbeiten]

Zum 31. Dezember 2007 wurden die Anteile an der EWE zu 81 % von der Weser-Ems Energiebeteiligungen GmbH, Oldenburg und zu 19 % von der Energieverband Elbe-Weser Beteiligungsholding GmbH, Oldenburg gehalten; beide Gesellschaften werden letztlich von öffentlich-rechtlichen Körperschaften des Versorgungsgebietes der EWE kontrolliert. Im Juli 2009 beteiligte sich die EnBW Energie Baden-Württemberg mit 26 % an EWE. Der Einstieg erfolgte in Form eines Aktienkaufes und einer Kapitalerhöhung.[13] Die Anteile der Weser-Ems Energiebeteiligungen und der Energieverband Elbe-Weser Beteiligungsholding sinken damit auf 59 bzw. 15 %.[14]

EWE E3
EWE E3 Rückansicht

Sonstiges[Bearbeiten]

Sponsorentätigkeit[Bearbeiten]

Kritik im Rahmen von Sponsoring[Bearbeiten]

Im September 2011 geriet EWE wegen des Präventionsprogramms „Sign“ an niedersächsischen Schulen in die Kritik. Ausgaben in Millionenhöhe seien über mehrere Jahre nicht ausreichend kontrolliert worden. Laut Medienberichten soll Vorstandschef Werner Brinker die Rechnungen der Agentur, die das Programm ausrichtete, stets persönlich vorgelegt bekommen haben, auch soll er bereits Jahre zuvor von Vorwürfen gegen das Unternehmen gewusst haben, dem die EWE seit 2000 Millionenbeträge überwiesen hat.[15]

Wenig später gestand Werner Brinker ein, bei der Übernahme von Anteilen an den Stadtwerken Eberswalde im Jahr 2002 dem damaligen Bürgermeister der brandenburgischen Stadt in einem Brief 307.000 Euro als Zuschuss für die dort stattfindende Landesgartenschau gezahlt zu haben. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Neuruppin hatte wegen Vorteilsgewährung gegen Brinker und ein weiteres Vorstandsmitglied ermittelt, die Ermittlungen aber gegen eine Unternehmensgeldbuße in Höhe von 400.000 Euro eingestellt. Im Oktober 2011 kam heraus, dass über die Geldbuße nicht der gesamte Aufsichtsrat der EWE informiert worden war. Brinker und der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Günther Boekhoff, nannten das „aus heutiger Sicht“ einen Fehler. Nach Ansicht von Experten wäre es aber die Pflicht des Aufsichtsratsvorsitzenden gewesen, das gesamte Kontrollgremium zu informieren und den Vorstandschef für den entstandenen Schaden in Haftung zu nehmen.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.ewe.com - Unsere Regionen, aufgerufen am 8. Mai 2012.
  2. [1]
  3. [2]
  4. Geschichte der EWE AG
  5. EWE erhöht Beteiligungen an türkischen Energieversorgungsunternehmen – Unternehmen wird Mehrheitsaktionär von Bursagaz und Kayserigaz, Oldenburg, 28. Oktober 2008.
  6. EWE führt Tochterunternehmen EWE TEL und Teleos zusammen
  7. Pressemitteilung der ACN Telekabel
  8. ewe.com - Unternehmensportrait swb AG, aufgerufen am 16. August 2013.
  9. EWE und EnBW begrüßen Entscheidung des Bundeskartellamtes: Beginn einer neuen strageischen Partnerschaft, 6. Juli 2009.
  10. EWE verklagt EnBW auf Schadenersatz. Handelsblatt, 27. Mai 2013, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEWE Pressemitteilung vom 1. März 2012. Abgerufen am 22. Mai 2012.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEWE Geschäftsbericht 2012. In: ewe.com. Abgerufen am 23. April 2013 (PDF; 4,3 MB).
  13. www.enbw.com - EWE und EnBW begrüßen Entscheidung des Bundeskartellamtes: Beginn einer neuen strategischen Partnerschaft (PDF-Datei; 79 kB)
  14. EWE AG – Anteilseigner
  15. http://taz.de/Spendenkrimi-bei-EWE/!t168/
  16. http://taz.de/Oldenburgs-Energiekonzern-EWE-im-Zwielicht/!80462/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: EWE AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien