Earl Wild

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Earl Wild (* 26. November 1915 in Pittsburgh, Pennsylvania; † 23. Januar 2010 in Palm Springs, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Pianist, Komponist und Dirigent.

Leben[Bearbeiten]

Earl Wild war zunächst Schüler von Selmar Janson, der bei Eugen d’Albert und Xaver Scharwenka studiert hatte. Spätere Lehrer waren Egon Petri, Paul Doguereau (ein Paderewski-Schüler), Helene Barere, Ehefrau des russischen Virtuosen Simon Barere, und Volya Cossack, der bei Isidore Philipp studiert hatte.

1937 wurde Wild Pianist bei der NBC, dadurch war er 1939 der erste, der einen im US-Fernsehen übertragenen Klavierabend gab. 1942 kam die allgemeine Bekanntheit durch den Solopart in Gershwins Rhapsody in Blue in einer Rundfunkübertragung unter Toscanini, die Wild fortan als „Gershwin-Spezialist“ gelten ließ – nicht unbedingt zu seinem Vorteil bei Kritik und Intellektuellen.[1] 1945 wechselte er zur ABC, der er bis 1968 als Pianist, Dirigent und Komponist treu blieb. In den 60er Jahren entstanden außerdem bis heute legendäre Aufnahmen für Reader’s Digest, v. a. von virtuosen romantischen Klavierkonzerten, daneben war er als Dirigent unter anderem in Opernproduktionen zu sehen.

Wild komponierte außerdem eine Reihe von eigenen Werken, als bekanntestes die 1992 erschienenen Variationen über ein Thema von Stephen Foster (oder Doo-Dah-Variations), und verfasste zahlreiche Transkriptionen für Klavier, v. a. von Gershwin-Werken und Rachmaninow-Liedern.

Wild war zu seiner guten Zeit einer der technisch besten Pianisten aller Zeiten.[2] Schwierigkeiten scheinen in seinen legendären 60er-Jahre-Aufnahmen aller Rachmaninow-Konzerte, die er alle fünf zusammen (einschl. Paganini-Rhapsodie) innerhalb einer Woche einspielte, trotz außerordentlich hoher Tempi nicht zu existieren.[3] In den USA ist Earl Wild, der für sechs aufeinander folgende US-Präsidenten (Hoover bis Johnson) spielte, durch seine Fernseh-, Rundfunk- und Konzertauftritte und die lange Zeit erheblich bessere Erhältlichkeit seiner vielen Schallplattenaufnahmen deutlich populärer als in Europa. Seine Diskographie der Jahre 1939 bis 2005 umfasst 35 Klavierkonzerte, 26 Werke der Kammermusik und über 700 Solowerke. Sein Solorecital The Romantic Master zum Anlass seines 80. Geburtstag 1995 erhielt 1997 den Grammy als bestes klassisches Soloinstrument-Album ohne Orchester.

Wild lebte offen homosexuell in Palm Springs, Kalifornien. Sein Lebensgefährte war Michael Rolland Davis, den er 1972 kennengelernt hatte.[4]

Kompositionen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gershwin/Wild: Fantasy on Porgy and Bess
  • Gershwin/Wild: Improvisation in the form of a Theme and three Variations On Someone To Watch Over Me
  • Gershwin/Wild: 7 Virtuoso Etudes:
  • Transkriptionen von Rachmaninow-Liedern:
    • In the Silent Night (V moltschan'i), op 4/3
    • O, Cease thy Singing (Ne poj, krasavica), op 4/4
    • The little Island (Ostrovok), op 14/2
    • Midsummer Nights (Eti letnije notschi), op 14/5
    • Do not grieve (O, ne grusti), op 14/8
    • Floods of Spring (Wesennije wodi), op 14/11
    • Where Beauty Dwells (Zdes' horošo), op 21/7
    • On the Death of a Linnet, op 21/8
    • Sorrow in Springtime (Kak mne bol'no), op 21/12
    • To The Children (K detjam), op 26/7
    • The Muse (Muza), op 34/1
    • Vocalise, op 34/14
    • Dreams (Son), op 38/5
  • Variations on a Theme of Stephen Foster für Klavier und Orchester (Doo-Dah-Variations)
  • Klaviersonate Sonata 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Der amerik. Musikkritiker Harold Schonberg: „Wie konnte man jemanden ernst nehmen, der herumrannte und das Gershwin-Konzert und die Rhapsody in Blue spielte“ – Schonberg: The Great Pianists, New York 1987, p. 495
  2. Schonberg: „eine äußerst spektakuläre Technik, auf dem stratosphärischen Niveau eines Horowitz oder Bolet“ – Schonberg: The Great Pianists, New York 1987, p. 495
  3. Der Penguin Guide to Compact Discs in der Rezension der Aufnahmen: „Earl Wilds Technik ist gewaltig und manchmal lässt er sich fast von ihr forttreiben“ – Penguin Guide to Compact Discs, London 1995 etc
  4. New York Times:90? Who's 90? Just Give Him a Piano