Easy Listening

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Easy Listening-Konzert für auf der Promenade flanierende Strandurlauber (1921)

Easy Listening (engl. „leichtes Hören“) ist Musik, die nebenbei laufen kann und unterschiedliche Funktionen erfüllen soll: Zerstreuung, Ablenkung, Entspannung (Gastronomie), Deeskalation (Psychiatrische Klinik), Stimmungsaufhellung (Altersheim), aber auch Motivation, Aktivität, Kaufbereitschaft, u. v. m. Der Begriff fällt - zusammen mit den teilsynonymen Begriffen 'Ambient Music' (nicht zu verwechseln mit der elektronischen Ambient Music, s. u.) und Muzak - als eine Unterkategorie in den Sammelbegriff der Unterhaltungsmusik.

Grundsätzlich handelt es sich bei Easy Listening um Instrumentalmusik der 1950er bis 1970er Jahre, bzw. noch genretypischer um untextiert vokalisierte Musik ("da-ba-dap!", "shoo-bee-doo!", etc.), meist nach Vorlagen bekannter Songs (Evergreens), etwas seltener instrumentaler Werke, mit fließenden Streicher-Arrangements, meist mit indirektem Klangcharakter, großen Hallräumen und ggf. anderen psychedelischen Effekten.

Gerade dadurch, dass aus ohnehin schon sehr eingängiger Popmusik auch noch der Text weggelassen wird (durch gewissermaßen infantile Lautbildungen ersetzt - "La-la-la!"), tritt die Funktion der (mentalen) Entspannung besonders in den Vordergrund.

Komponisten und Interpreten von Easy Listening-Musik hatten je nach Zeitgeist bei Kritikern und Kollegen einen mehr oder weniger guten Ruf.

zur Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

In einem Artikel über die Aufführung von Symphonien im Freien im Sommer 1910 kommt der Rezensent in der Londoner Times zum Ergebnis, Promenadenkonzerte hätten zwar den Ruf, „anspruchslos zu sein und an die Zuhörer nur minimale geistige Ansprüche zu stellen.“, dennoch eigne sich etwa Franz Schuberts Symphonie in C-Dur gut für Promenadenkonzerte, obwohl sie ein lockeres Zuhören („Easy Listening“) eigentlich unmöglich mache.[1]

zur Geschichte[Bearbeiten]

Schon die Divertimenti des Rokoko (wörtlich: 'Ablenkungen') verraten eine gewisse 'Easy-Listening-Funktion'.

Auch die Jazz-Musik der 1920er Jahre auf Transatlantikluxusdampfern diente dem Easy Listening der speisenden und sich unterhaltenden Gäste.

Easy Listening im heute landläufigen Sinn, grenzt ziemlich scharf ein Genre ab, das typisch ist, für die 1950er, 1960er und 1970er Jahre, mit den neuen technischen Möglichkeiten der Tonstudios dieser Zeit. Easy Listening wird zwar im Wesentlichen für die elektronische Verbreitung produziert, zielt aber im Wesentlichen nicht auf Chart-Erfolge, sondern wird eher für den subtilen Alltagsgebrauch im weitesten Sinne erzeugt (Supermärkte, Kaufhäuser, Gastronomie, Hintergrundmusiken im Rundfunk, u. dergl.), bringt allenfalls äußerst selten erfolgreiche Originalkompositionen hervor, sondern greift bereits erfolgreiche Themen auf.

Erst durch geschicktes Marketing gelingt es Musikern wie James Last selber als Person und als Produkt ins Bewusstsein einer Käuferschicht zu treten und Millionen-Erfolge zu erzielen, bzw. überhaupt gezielte Plattenverkäufe und großangelegte Tourneen zu veranstalten. Dabei bot sich schon in der Funktion als Dauerbeschallung die bevorzugte Darreichungsform als Potpourri ('Karneval-Agogo', 'Schlager-Parade', 'Polonaise Blankenese', etc.) an

Easy Listening ist teilweise synonym in Gebrauch mit dem Begriff der Muzak, allerdings tendiert letzterer Begriff heute eher dazu als digital produzierte Musik (Synthesizer und Sample Player) belegt zu sein (Rundfunk-Musiken der 1980er Jahre, und vor allem Computer-Spiel-Musik der 1980er und 1990er Jahre).
Easy Listening sollte aber nich kurzerhand synonym gesetzt werden mit 'Unterhaltungsmusik' im weitesten Sinne (vom Divertimento bis zum Klingelton), oder mit Weiterentwicklungen wie Ambient Music. - Da Easy Listening untextiert ist, versteht es sich, dass es nicht mit Popmusik (wie seicht auch immer) durcheinander geworfen werden kann, da Popmusik per Definition textierter Song ist.

Seit den 1990er Jahren wird die begriffsprägende Funktion des Easy Listening (unbewusstes, bzw. unterbewusstes Hören) unter neuen Vorzeichen (z. B. Minimal Music, Drone, Krautrock, Reggae) aufgegriffen und beeinflusst musikalische Genres wie Ambient, Lounge, Smooth Jazz und Exotica. [2]

Wesentlich anders ist bei der Ambient Music der Aspekt einer 'unbewussten Konzentration' (Trance-artige Wirkungen) im Ggs. zum gerade 'zerstreuenden' Charakter des Easy Listening. Ambient Music fördert also eher 'konzentriertes Denken' (Hören während des Lernens, Nachdenkens, bei der Diskussion, bei Rauschmittelkonsum), während Easy Listening demnach eher auf 'Gedankenlosigkeit', bzw. 'Sorglosigkeit' abzielt (s. James Last, Karnevalspottpourries etc.). Easy Listening füllt das soziale oder psychische Vakuum ('peinliche Stille' z. B. bei der Fahrstuhlfahrt oder auf öffentlichen Toiletten) mit simplen Motiven und maximal erwartungsgemäßen Phrasen und dem Effekt der Wiedererkennung bekannter Themen auf. Typische Ambient Music bietet hingegen wiederum so wenig Substanz, bzw. Zusammenhang, dass die Musik praktisch sofort habituiert, aus dem Bewusstsein ausgeblendet wird (Habituation), und eigenen Gedanken Platz macht.

Interpreten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elevator Music von Joseph Lanza
  • MusicHound Lounge, herausgegeben von Steve Knopper

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wörtlich: „Schubert's Symphony in C, for example, does not make easy listening even wihen it is given in den most ideal circumstances.“ The Times, 13. August 1910, S. 11
  2. Projekt Hörstadt Linz, im Rahmen der Kulturhauptstadt 2009