Ingenico Payment Services

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Ingenico Payment Services GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1992
Sitz Ratingen
Leitung Christoph Dühr, Frank Hartmann, Peter Meussen, Markus Weber
Mitarbeiter ca. 500 (Stand: 2013)
Branche Finanzdienstleistungen
Website www.easycash.de

Die Ingenico Payment Services GmbH (vormals easycash GmbH) mit Sitz in Ratingen ist eine Tochtergesellschaft der französischen Ingenico S.A., dem weltweit führenden Anbieter von Zahlungsverkehrslösungen.

Mit fünf europäischen Standorten ermöglicht die Ingenico Payment Services ihren Kunden europaweit die Teilnahme am elektronischen Zahlungsverkehr. Das Leistungsspektrum bildet die gesamte Wertschöpfungskette der Kartenzahlung ab, ergänzt durch vielfältige Zusatzdienstleistungen. Als E-Geld-Institut verfügt das Unternehmen über die „Erlaubnis zur Erbringung von E-Geld-Dienstleistungen“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Geschichte[Bearbeiten]

Historisches Logo der easycash GmbH

1992 wurde Easycash als Abteilung der Mannesmann Datenverarbeitung GmbH gegründet. 1997 erfolgte die Eintragung als GmbH. Im selben Jahr wurde Easycash eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank AG, von der Easycash im Jahr 2000 das db-POS-Geschäft übernahm. 2002 übernahm die Gesellschaft für Zahlungssysteme mbH (GZS) Easycash als Tochtergesellschaft.

Die GZS wurde 2006 von TeleCash, einer Tochter der First Data, unter der Auflage des Kartellamts, easycash zu veräußern, übernommen; easycash und TeleCash hätten zusammen einen Marktanteil von über 50 % gehabt.[1] Entsprechend wurde Easycash 2006 an Warburg Pincus verkauft. Im September 2009 wurde Easycash von Ingenico übernommen. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über 95.000 Kunden mit 288.000 Terminals (Stand 2013). Die abgewickelten Zahlungsverkehrstransaktionen in Deutschland beliefen sich 2012 auf über 2 Mrd. Transaktionen.

easycash Loyalty Solutions GmbH war deutscher Marktführer für kartenbasierte Kundenbindungs- und Geschenkgutscheinlösungen, die zunehmend auch mit Zahlungs- und Kreditkartenfunktionen ausgestattet sind. Das Schwesterunternehmen der easycash GmbH unterhält europaweit eine Vielzahl unterschiedlichster Programme und verarbeitete 2012 55 Mio. Zahlungs- und Bonustransaktionen. Die 75 Mitarbeiter des Hamburger Unternehmens betreuen mehr als 26 Mio. Kundenkonten.

Mit Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 14. Mai 2014 und Bekanntmachung am 27. Mai 2014 im Handelsregister firmierte die easycash GmbH in die Ingenico Payment Services GmbH um.[2]

Kritik[Bearbeiten]

Unzulässige Speicherung personenbezogener Daten[Bearbeiten]

Im September 2010 gerieten die deutschen Zahlungsnetzbetreiber in die Kritik von Datenschützern. Den Unternehmen wurde vorgeworfen, die Umsatzdaten beinahe aller deutschen EC-Karten-Besitzer gespeichert und aus diesen Daten Aussagen über deren Zahlungsfähigkeit gewonnen zu haben. Diese werden zur Wahl des Bezahlverfahrens (mit Lastschrift - Zeitversetzt oder mit PIN - in Echtzeit; nur beim teureren PIN-Verfahren garantiert die kartenausgebende Bank eine Einlösung) benutzt. Dabei ist es nicht notwendig einen speziellen Kundenvertrag zu machen, da die Entscheidung das EasyCash-Bankendverarbeitungssystem trägt und EasyCash das Risikomanagement (Inkasso, Briefverkehr, u.s.w.) in der Regel übernimmt. Datenschutzexperten interpretierten den Aufbau derart großer Datensammlungen als eine unzulässige Speicherung personenbezogener Daten. Außer Easycash selbst sollen die Daten auch einige Vertragsunternehmen nutzen. Bis Ende September hat sich REWE von einer weiteren Nutzung distanziert.[3][4] In einer Pressemitteilung ließ Easycash erklären: „Easycash hat Zahlungs- oder Bankverbindungsdaten nie an Dritte verkauft. Es wurde in Erwägung gezogen, den Risikoindex über den Kartenzahlungsverkehr hinaus zu nutzen, aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken wurde dies jedoch nicht weiter verfolgt.“[5]

NDR-Bericht über Verkauf von Bewegungsprofilen[Bearbeiten]

Im Oktober 2010 wurde das Tochterunternehmen Easycash Loyalty Solutions in einem Radiobericht in NDR Info dafür kritisiert, Datensätze von EC-Karten-Besitzern weiterverkauft zu haben. Unter den mindestens zehn Auswertungen, die zum Verkauf stünden, wären auch Bewegungsprofile der EC-Karten-Besitzer. Ferner hätten nach Darstellung des NDR Auswertungen über die „Kundenqualität“ und den „Ausschöpfungsgrad“ der EC-Karten-Kunden erworben werden können. Laut Angaben von NDR Info hat das Unternehmen Zugriff auf die Bankverbindung sowie unter anderem auf Name, Anschrift, Beruf und Geburtsdatum der Karteninhaber.[6]

Christoph Pfeifer, Geschäftsführer von Easycash, wies die Vorwürfe zurück.[5]

Der Landesdatenschutzbeauftragte von Hamburg, Johannes Caspar, leitete eine sofortige Untersuchung ein,[6] gab aber schon am Tag darauf Entwarnung: Die Überprüfung seiner Behörde habe ergeben, dass solche Überlegungen in der Vergangenheit angestellt wurden, von der Hamburger Tochter Easycash Loyalty Solutions aber nicht in die Tat umgesetzt wurden. Es gebe keine konkreten Hinweise auf Gesetzesverstöße.[7]

Dennoch erstattete die Datenschutzbehörde von Nordrhein-Westfalen am folgenden Tag Strafanzeige gegen Easycash. Es seien tatsächlich Daten übermittelt worden, jedoch nur für statistische Zwecke in pseudonymisierter Form. Dies ist grundsätzlich zulässig, die Datenschutzbehörde äußerte aber Zweifel, dass das hierbei verwendete Verschlüsselungsverfahren ausreichend sicher gewesen sei.[8] Infolgedessen verhängte der nordrhein-westfälische Landesdatenschutzbeauftragte Ulrich Lepper am 12.September 2011 ein Bußgeld von 60.000 € gegen das Unternehmen, da es nach Auffassung der Datenschützer rechtswidrig etwa 400.000 Datensätze zu Konten und Zahlungen an ein Schwesterunternehmen weitergegeben hatte. easycash akzeptierte das Bußgeld, legte dabei aber Wert auf die Feststellung, dass es rechtlich keinen Verstoß erkennen könne, der ein Bußgeld rechtfertigen würde.[9] Am 14. September 2011 wurden Pläne des Unternehmens publik, die im Rahmen der eigenen Tätigkeit gesammelten Daten zur Kreditwürdigkeit von bis zu 50 Millionen EC-Karteninhabern an Versicherungen, Telekommunikations- und Inkassounternehmen zu verkaufen.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. bundeskartellamt.de Pressemeldung
  2. Elektronischer Bundesanzeiger, 27. Mai 2014, Veränderungen
  3. Peter Hornung und Jürgen Webermann: Der Datenkrake von Ratingen NDR.de vom 23. September 2010, abgerufen am 23. September 2010
  4. 50 Millionen EC-Kartendaten weitergegeben Welt Online vom 23. September 2010, abgerufen am 23. September 2010
  5. a b Konrad Lischka: EC-Karten-Firma bestreitet Schnüffelvorwurf. In: Spiegel online vom 14. Oktober 2010, abgerufen am 14. Oktober 2010
  6. a b Peter Hornung und Jürgen Webermann: Der Big Brother von Hamburg-Lokstedt. NDR.de vom 13. Oktober 2010, abgerufen am 14. Oktober 2010
  7. Hamburger Datenschützer gibt Entwarnung im Fall Easycash. AFP, 14. Oktober 2010, abgerufen am 18. Oktober 2010.
  8. Easycash – NRW-Datenschützer stellt Strafanzeige. FOCUS online, 15. Oktober 2010, abgerufen am 18. Oktober 2010.
  9. EC-Netzbetreiber easycash muss Bußgeld zahlen, NDR.de, abgerufen 14. September 2011
  10. "Mit Kundendaten Kasse machen" NDR.de, abgerufen 14. September 2011

51.3372222222226.8491666666667Koordinaten: 51° 20′ 14″ N, 6° 50′ 57″ O