Ebbelwei-Expreß

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Ebbelwei-Expreß am Zoo

Der Ebbelwei-Expreß ist eine Sonderlinie der Frankfurter Straßenbahn. Die Linie wurde 1977 anlässlich der bevorstehenden Abstellung der letzten zweiachsigen Straßenbahnen ins Leben gerufen und sollte eigentlich nur kurze Zeit verkehren. Dank des enormen Erfolgs blieb die Kuriosität aber bis heute bestehen. Ihren Namen verdankt die beliebte Straßenbahn dem in Hessen hergestellten und im Wagen ausgeschenkten „Ebbelwei“.

Betrieb[Bearbeiten]

Die VGF setzt für die Linie umlackierte Verbandswagen der Baureihe K ein, die zwischen 1954 und 1978 im Linienverkehr eingesetzt wurden. Es sind die vier Triebwagen 105, 106, 107 und 108 und die sechs Beiwagen 1703, 1705, 1706, 1712, 1723 und 1724 vorhanden. Als einzige Straßenbahnfahrzeuge im Personenverkehr in Frankfurt am Main sind sie mit Trompetenkupplungen ausgestattet. Die Linie verkehrt an den Wochenenden (zwischen 13:30 Uhr und 19 Uhr) und an den meisten Feiertagen im Fahrplanbetrieb. Die im Betriebshof Gutleut in der Nähe des Hauptbahnhofs stationierten Fahrzeuge können auch für private Feiern und Ausflüge angemietet werden. Der Ebbelwei-Expreß ist die einzige Frankfurter Straßenbahnlinie, auf der noch Schaffner eingesetzt werden. Die Linie Lieschen verkehrt ab 2014 nicht mehr.[1] Seit 1998 ist sie auch die einzige Linie mit regelmäßigem Beiwagenbetrieb. An Bord werden den Fahrgästen Apfelwein, Apfelsaft und Mineralwasser sowie Minibrezeln serviert. Seit dem 1. April 2007 besteht ein absolutes Rauchverbot im Ebbelwei-Expreß.

Linienverlauf des Ebbelwei-Expreß

Linienverlauf[Bearbeiten]

Die Linie führt vorbei an zahlreichen Frankfurter Sehenswürdigkeiten. Anfangs- und Endpunkt ist die Wendeschleife am Frankfurter Zoo. Zunächst fährt der Ebbelwei-Expreß durch die Altstadt, vorbei am Römer und durch das von der Gründerzeit geprägte Bahnhofsviertel zum Frankfurter Hauptbahnhof. Von dort fährt er weiter zur Messe und Festhalle, vorbei am Hammering Man. Der Zug wendet in der Wendeschleife an der Messe und fährt zurück zum Hauptbahnhof, anschließend überquert er den Main und durchfährt das „Ebbelweiviertel“ von Sachsenhausen. Danach führt die Route zurück auf die nördliche Seite des Mains und zum Zoo, wo nach einer Pause von einer Viertelstunde eine neue Runde beginnt. Meistens sind zwei Züge im Einsatz, so dass alle 35 Minuten eine Rundfahrt startet.

Hauptartikel: Lieschen (Straßenbahn)

Während des Wäldchestags (Dienstag nach Pfingsten) verkehrte bis 2013[1] ein Triebwagen des Ebbelwei-Expreß auf der Sonderlinie Lieschen abweichend vom sonstigen Linienverkehr als Zubringer auf einer normalerweise unbefahrenen, ehemaligen Strecke der Frankfurter Waldbahn zwischen der Sonderstation Riedhof (Nähe Stresemannallee/Mörfelder Landstraße) und einer Behelfshaltestelle kurz vor der regulären Station Oberforsthaus, da die Verbindung zu der Strecke zum Stadion seit 2006 nicht mehr befahrbar ist.

Galerie[Bearbeiten]

Vorläufer[Bearbeiten]

Bereits in den 1930er Jahren gab es in Frankfurt eine Stadtrundfahrtslinie, die sogenannte Linie 0. Verwendet wurde der Einrichtungs-Gelenktriebwagen 394 des Typs Dd. Die Linie 0 wies viele Gemeinsamkeiten mit dem heutigen Ebbelwei-Expreß auf; bereits damals wurden Apfelwein und Brezeln serviert, ergänzt um Haddekuche (Frankfurter Lebkuchen). Auf einem mitgeführten Grammophon wurden durch den Schaffner volkstümliche hessische Lieder gespielt. Der Streckenverlauf glich weitgehend dem heutigen, ergänzt um die damals noch per Tram erreichbaren Sehenswürdigkeiten Alte Oper und Zeil. 1939, noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, wurde die Linie eingestellt.

30 Jahre Ebbelwei-Expreß[Bearbeiten]

Zum 30-jährigen Jubiläum (2007) startete die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) in Zusammenarbeit mit einer Regionalzeitung einen Kurzgeschichten-Wettbewerb. Die besten 21 Schülerstorys rund um den Ebbelwei-Expreß wurden im Buch „Ebbelwei-Expreß – Bitte einsteigen und loslesen“ veröffentlicht.

Einsatz als Enteisungsfahrzeuge[Bearbeiten]

Im Januar 2013 wurde wegen Eisregen das Netz der Frankfurter Straßenbahnen lahmgelegt, da die Oberleitungen vereisten. Die Stadtwerke VGF setzten die „robusten Oldtimer aus den 50er Jahren“[2] ein, um die Eispanzer der Oberleitungen abzukratzen und liegengebliebene neuere Modelle abzuschleppen, deren Elektronik sich als zu anfällig erwies.[3][4][5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ebbelwei-Expreß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lieschen sagt leise Adieu, zugegriffen am 27. März 2014
  2. Oberleitungen: Bei Eis hilft der "Ebbelwei"-Expreß, Die Welt, 23. Januar 2013.
  3. Daniel Kortschak, Sandra Busch: Winter hat Frankfurt im Griff: Oldtimer-Trams fahren vereiste Strecken frei, Frankfurter Rundschau, 22. Januar 2013.
  4. Warum Straßenbahnen vereiste Oberleitungen nicht mögen. lokalbahnhof.net, 22. Januar 2013.
  5. Nur die Oldtimer fuhren noch, Frankfurter Neue Presse, 23. Januar 2013.